DGUV Information 205-027 - Prävention von und Umgang mit Übergriffen auf Einsatz...

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Abschnitt 3.3, 3.3 Qualifizierungsmaßnahmen
Abschnitt 3.3
Prävention von und Umgang mit Übergriffen auf Einsatzkräfte der Rettungsdienste und der Feuerwehr (DGUV Information 205-027)
Titel: Prävention von und Umgang mit Übergriffen auf Einsatzkräfte der Rettungsdienste und der Feuerwehr (DGUV Information 205-027)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 205-027
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.3 – 3.3 Qualifizierungsmaßnahmen

Um Konflikte frühzeitig zu erkennen bzw. verhindern zu können, sind Fertigkeiten und Kenntnisse notwendig, die den Einsatzkräften vermittelt werden müssen. Insbesondere wichtig sind das Erlernen von Sozial-, Entscheidungs- und operativer Handlungskompetenz, um in der konkreten Situation in der Lage zu sein, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die entsprechenden Handlungen durchführen zu können. Dieses Wissen muss regelmäßig aufgefrischt und vor allem trainiert werden. Nur dann kann es in einer bedrohlichen Situation durch die Einsatzkräfte auch abgerufen und angewendet werden.

Es hat sich bewährt, Qualifizierungsmaßnahmen zu folgenden Themen durchzuführen:

  • Kommunikationstraining, z. B.

    • Eigen - und Fremdwahrnehmung,

    • verbale und nonverbale Kommunikationsfähigkeiten,

    • Gesprächsführung mit und psychologische Betreuung von Patienten/Angehörigen

    • Teaminterne Kommunikation,

    • aber auch: Aufzeigen von nicht tolerierbarem Verhalten/Respektlosigkeit

  • Interkulturelle Kompetenz im Rettungsdienst, z. B.

    • Bewusstseinsbildung,

    • Umgang mit traumatisierten Menschen,

  • Vermeidung von/Umgang mit Stress, z. B.

    • Entspannungsmethoden,

    • Gesundheitsförderung,

    • Hinweis auf betriebliche Angebote.

  • Erkennen/Bewerten von potentiellen Konfliktsituationen bei der Notrufannahme

  • Rechtliche Aspekte, z. B.

    • Umfang und Grenzen der Notwehr: Was darf man, was nicht?

    • Was stellt einen Straftatbestand dar?

    • Sind Aufnahmen der Einsatzkräfte, z. B. mit Mobiltelefonen durch Dritte zulässig?

    • Meldeverfahren von Übergriffen.

  • Eigensicherung, z. B.

    • Gefahrenradar-Blick (Umgebung, Umfeld, weitere anwesende Personen),

    • Erkennen (und ggf. entfernen) von potentiellen Waffen im Umfeld,

    • Positionierung am Patienten/Sicherheitsabstände,

    • Rückzugs-/Fluchtweg sichern bzw. offen halten,

    • geordneter Rückzug/sichere Rückzugstaktiken.

  • Deeskalationstraining, z. B.

    • Erkennen von Konfliktsituationen,

    • Konfliktvermeidungsstrategien,

    • Handlungsfähigkeit in Übergriffssituationen beibehalten,

    • Grenzen der Deeskalation

Selbstverteidigungskurse für Rettungsdienst und Feuerwehr?
Inzwischen bieten viele kommerzielle Unternehmen Selbstverteidigungskurse oder gar Kurse zum "Fixieren und Neutralisieren" von Aggressoren für den Rettungsdienst und die Feuerwehr an. Aus Sicht der Unfallversicherungsträger sind solche Qualifizierungsmaßnahmen aus mehreren Gründe nicht zielführend bzw. ist sogar davon abzuraten:
  • Kampftechniken müssen stets geübt und trainiert werden, um sie sicher zu beherrschen. Ein einmaliges Training, das womöglich bereits Jahre zurück liegt, suggeriert nur eine subjektive (falsche) Sicherheit. Dies verleitet die Einsatzkräfte unter Umständen dazu, sich in ein unkalkulierbares Handgemenge einzulassen statt sich frühzeitig aus der Bedrohungslage zurückzuziehen.

  • Gerade Personen, die unter Drogen- oder Alkoholeinfluss stehen, reagieren z. B. auf Fixierungsversuche absolut unberechenbar und oft auch völlig enthemmt.

  • Auch wenn Selbstverteidigungskurse absolviert wurden, kann von den Einsatzkräften nicht verlangt werden, dass sie sich an tätlichen Auseinandersetzungen beteiligen. Unter Umständen könnten sich diese durch die Teilnahme an Selbstverteidigungskursen zumindest moralisch dazu verpflichtet sehen, in Konflikte auch tätlich einzugreifen, anstatt sich zurückzuziehen.

Ergänzend zu den bereits in Abschnitt 3.3 genannten Qualifizierungsmaßnahmen kann es hilfreich sein, dass einfache Flucht- und Abwehrtechniken erlernt und regelmäßig trainiert werden, die dafür sorgen, dass sich die Einsatzkräfte aus bedrohlichen Situationen bzw. konkreten Angriffen befreien, um sich in Sicherheit bringen zu können. Das Wissen, sich notfalls noch selbst befreien zu können ist eine wirksame Maßnahme um psychische Belastungen der Einsatzkräfte zu reduzieren. Hierzu kann die Kooperation mit Ausbildungseinheiten der Polizei sinnvoll sein.