DGUV Regel 101-601 - Branche Rohbau (DGUV Regel 101-601)

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Abschnitt 3.4, 3.4 Stahlbeton- und Spannbetonbau
Abschnitt 3.4
Branche Rohbau (DGUV Regel 101-601)
Titel: Branche Rohbau (DGUV Regel 101-601)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Regel 101-601
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.4 – 3.4 Stahlbeton- und Spannbetonbau

Neben der Herstellung von Fertigteilen in stationären Werken werden Stahlbeton- und Spannbetonteile vor allem auch auf der Baustelle gefertigt. Zusätzlich zu den Gefährdungen im Stahlbetonbau, insbesondere durch Absturz, können im Spannbetonbau beim Spannen- und Entspannen der Litzen Gefährdungen durch die sehr hohen Spannkräfte entstehen.

Abb. 105 Einbau von Transportbeton mit Betonpumpe

Abb. 106 Funkferngesteuerter Betonkübel

Rechtliche Grundlagen
  • Arbeitsschutzgesetz

  • Betriebssicherheitsverordnung

  • Arbeitsstättenverordnung

  • Gefahrstoffverordnung

  • DGUV Vorschrift 38 und 39 "Bauarbeiten" (bisher BGV C22 und GUV-V C22)

  • Technische Regeln für Betriebssicherheit

    • TRBS 2111 "Mechanische Gefährdungen - Allgemeine Anforderungen"

    • TRBS 2121 "Gefährdungen von Personen durch Absturz - Allgemeine Anforderungen"

  • DGUV Regel 101-012 "Betonpumpen und Verteilermaste" (bisher BGR 182)

  • DGUV Regel 100-500 "Betreiben von Arbeitsmitteln" (bisher BGR 500)

Weitere Informationen
  • Baustein-Merkheft der BG BAU, Abrufnr. 411: Hochbauarbeiten

  • DGUV Information 201-011 "Handlungsanleitung für den Umgang mit Arbeits- und Schutzgerüsten" (bisher BGI/GUV-I 663)

  • BG BAU Info CD "Informationen für Ihr Gewerk" unter www.bgbau-medien.de

  • WINGIS-Gefahrstoffinformationssystem der BG BAU unter www.wingis-online.de

  • GefKomm-Bau-Gefahrstoffkommunikation in der Lieferkette der Bauwirtschaft unter www.gefkomm-bau.de

Gefährdungen

Achten Sie im Beton- und Spannbetonbau insbesondere auf folgende Gefährdungen:

  • Absturz beim Schalen, Bewehren und Betonieren von monolithischen Bauteilen:

    1. 1.

      durch mangelhaft erstellte Stand- und Konsolgerüste

    2. 2.

      durch fehlende oder mangelhafte Absturzsicherungen an ungesicherten Absturzkanten und Wand- oder Deckenöffnungen

    3. 3.

      durch ungeeignete Arbeitsmittel, wie z.B. Leitern bei der Nachbearbeitung bzw. Nachbehandlung der fertigen Betonoberflächen

  • Verletzung durch unkontrolliert bewegte Teile beim Betonieren mit Betonpumpen, z.B. Endschlauch beim Anpumpen und unter Druck herausspritzender Beton

  • Herabfallende Gegenstände bei Hebe- und Transportvorgängen, z.B. bei:

    1. 1.

      unsachgemäßem Anschlagen der Last

    2. 2.

      nicht bestimmungsgemäßer Verwendung des Lastaufnahmemittels

    3. 3.

      Ausschalarbeiten

  • Umkippen, Umstürzen oder Abrutschen von Baugeräten, Material, Gerüsten, Schalungen aufgrund mangelnder Standsicherheit

  • Stromschlag bei Arbeiten in der Nähe von elektrischen Freileitungen

  • Hitzeerschöpfung bzw. Hitzschlag durch Arbeiten unter der Sonne und UV-Strahlung beim Elektroschweißen von Bewehrungsstählen

  • Brände durch unsachgemäße Verwendung von z.B. Elektroschweißgeräten und mangelhafter Organisation des Brandschutzes beim Umgang mit Elektroschweißgeräten

  • Lärm und Vibration, z.B. beim Zuschneiden der Schalung oder beim Verdichten des Betons

  • Verwendung von gefahrstoffhaltigen Baustoffen und die Entstehung von Gefahrstoffen bei der Bearbeitung von Betonoberflächen , z.B. Betontrennmittel beim Betonieren, Staub und Kohlenmonoxid bei der Nachbehandlung von Beton

Achten Sie speziell im Spannbetonbau wegen der großen gespeicherten Energie in den Spanndrähten beim Spannen und Entspannen auf folgende besondere Gefährdungen:

  • Verletzungen durch unkontrollierte Bewegungen der Spanndrähte (z.B. Durchrutschen von Spanndrähten in der Verankerung beim Vorspannen)

  • Verletzungen durch unkontrollierte Bewegungen der Spannvorrichtungen (Querlochplatte und Hydraulikzylinder) beim Spannen und Entspannen infolge von Bedienungsfehlern

Maßnahmen

Gegen diese und weitere Gefährdungen sind, abhängig von der Gefährdungsbeurteilung, folgende Maßnahmen zu treffen:

Absturzsicherung
Sorgen Sie dafür, dass:

  • die Gerüste vor ihrer Benutzung durch eine zur Prüfung befähigte Person auf sichere Funktion und fachgerechte Ausführung überprüft wurden

  • als Absturzsicherung Seitenschutz verwendet wird. Öffnungen, wie z.B. Deckendurchbrüche, sind unverschieblich und begehbar abzudecken. Nachrangig können Auffangeinrichtungen (z.B. Fanggerüste) an Absturzkanten eingesetzt werden

  • nachfolgende Arbeiten, wie z.B. Schließen der Ankerlöcher, Betonkosmetik, Gerüstverankerungen von sicheren Arbeitsplätzen (z.B. Fahrgerüste) ausgeführt werden

Sicherer Einsatz von Betonpumpen
Sorgen Sie dafür, dass die Personen, die die Betonierarbeiten durchführen, eine spezielle Unterweisung erhalten, insbesondere zum Verhalten beim Anpumpen, bei Verstopfungen und deren Beseitigung sowie bei der Durchführung der Reinigung.

Bei jedem Anpumpen, z.B. auch nach Verstopfern, muss der Endverteilerschlauch frei pendelnd hängen. Im Gefahrbereich des Endverteilerschlauches ist dann der Aufenthalt von Personen untersagt.

Abb. 107 Gefahrenbereich des Endverteilerschlauches

Sicherer Transport von Lasten
Sorgen Sie dafür, dass Betonkübel vor dem Anheben von losen Betonteilen gereinigt sind, die Deckenschalungsteile nach der von Ihnen erstellten Betriebsanweisung ausgebaut, Kleinteile sicher aufbewahrt und Lasten (beispielsweise Bewehrungsbündel) ordnungsgemäß angeschlagen werden.

Es hat sich bewährt, dass nach vorheriger Abstimmung mit den Lieferanten die Bewehrung bereits mit Anschlagmitteln (z.B. Stahldrahtseile) angeliefert wird. Die Drahtumschnürung des Bewehrungsbündels ist zum Anschlagen nicht geeignet.

Standsicherheit
Sorgen Sie dafür, dass Schalungen nach der Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers und der daraus abgeleiteten Montageanweisung auf- und abgebaut werden.

Lassen Sie die Anschlagmittel bei der Montage erst lösen, wenn die Schalelemente standsicher abgestützt sind. Beachten Sie dabei eventuell auftretende Windlasten. Achten Sie darauf, dass die Schalelemente bei der Demontage vor dem Lösen der Verankerungen gegen Umstürzen gesichert sind (z.B. Element angeschlagen).

Informationen zu Gleit- und Kletterschalung, Traggerüsten und Wand- und Stützschalung finden Sie in den Bausteinen B 135, B 120 und B 134 der BG BAU.

Stellen Sie sicher, dass Betonpumpen mit Verteilermast standsicher aufgestellt sind. Verwenden Sie lastverteilende Unterlagen und halten Sie den Sicherheitsabstand zu Böschungskanten ein. Beachten Sie, dass beim Umsetzen nicht mit ausgefahrenem Mast gefahren wird. Verteilermaste dürfen nicht über die in der Betriebsanleitung angegebene Maximallänge hinaus verlängert werden.

Schutz vor Stromschlag
Klären Sie mit Ihrem Auftraggeber, Ihrer Auftraggeberin bzw. dem Versorgungsunternehmen ab, welche Maßnahmen bei Unterschreitung der vorgeschriebenen Sicherheitsabstände zu elektrischen Freileitungen zu ergreifen sind, z.B. beim Einsatz von Betonpumpen.

Schutz vor Hitzeerschöpfung und Strahlung
Organisieren Sie die Arbeitsabläufe so, dass die körperliche Belastung durch Hitze so gering wie möglich gehalten wird. Die regelmäßige Flüssigkeitsaufnahme, die Verlagerung körperlich schwerer Arbeiten in kühlere Tageszeiten und der Aufenthalt während Pausen im Schatten sind sinnvoll. Informieren Sie sich und Ihre Beschäftigten über die besonderen Maßnahmen der Ersten Hilfen bei Hitzeerschöpfung bzw. Hitzschlag. Sorgen Sie bei Schweißarbeiten für die Bereitstellung der erforderlichen persönlichen Schutzausrüstungen, um sich vor der Strahlung zu schützen.

Der Baustein C 424 der BG Bau enthält wichtige Hinweise für das Elektroschweißen.

Abb. 108 Sicherheitsabstände zu Baugruben und Gräben

Brandschutz
Sorgen Sie für eine ausreichende Ausstattung mit geeigneten Feuerlöschern und eine Überwachung der Arbeitsbereiche während und ggf. nach der Durchführung von feuergefährlichen Arbeiten in ihnen (z.B. Brandwache).

Schutz vor Lärm und Vibration
Sorgen Sie dafür, dass die Gefährdungen durch Lärm und Vibration so gering wie möglich gehalten werden. Wenden Sie dabei vorrangig technische Maßnahmen (t) und nachrangig personenbezogene Maßnahmen (p) an.

  1. (t)

    z.B.: Verwendung von lärmreduzierten Sägeblättern und vibrationsarmen Rüttlern

  2. (p)

    Verwendung von Gehörschutz

Sichere Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
Informieren Sie sich, welche Gesundheitsgefahren sich für Ihre Beschäftigten aus den bei Ihnen verwendeten Bau- und Arbeitsstoffen (z.B. Zement, Mörtel, Montageschaum, Betontrennmittel) ergeben. Erstellen Sie eine Betriebsanweisung für den Umgang mit dem jeweiligen Produkt und unterweisen Sie Ihre Beschäftigten. Stellen Sie die ggf. notwendige persönliche Schutzausrüstung Ihren Beschäftigten zur Verfügung. Verwenden Sie vorrangig Glättmaschinen mit Elektromotor.

Sorgen Sie bei der Verwendung von benzinbetriebenen Glättmaschinen mit Katalysator bzw. dieselbetriebenen Glättmaschinen mit Partikelfilter für ausreichende Lüftung.

Stellen Sie sicher, dass die Arbeitsplatzgrenzwerte von giftigem Kohlenmonoxid (CO) und krebserzeugendem Dieselruß eingehalten werden.

Sicherheit im Spannbetonbau
Sorgen Sie dafür, dass die Betriebsanleitung des Herstellers des Spanngerätes auf der Baustelle vorliegt, Ihre Beschäftigten darin unterwiesen sind und die von Ihnen erstellte Betriebsanweisung umgesetzt wird.

Stellen Sie sicher, dass insbesondere folgende technischen und organisatorischen Maßnahmen durchgeführt werden:

  • Während des Vorspannes sind hinter der Spannvorrichtung und dem Widerlager ausreichend dimensionierte Fangwände oder Auffangkästen anzuordnen.

  • Der Aufenthalt hinter Spannvorrichtungen, Widerlagern und zwischen Spanngliedern während des Vorspannes ist untersagt. Diese Bereiche sind abzusperren.

  • Vor dem Spannen ist darauf zu achten, dass die Spannglieder zentrisch, auf die Quer- und Längsachse der Spannbahn bezogen, durch die Querlochplatte eingelegt und dann gespannt werden.

  • Beim Entspannen ist darauf zu achten, dass die Hydraulikzylinder gleichmäßig zurückgefahren werden und dass die Abstützschalen nach und nach herausgenommen werden.