Beschluss des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) - Schutzmaßnahmen...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Anhang 1 Beschluss 610, Einsatz und Entsorgung von persönlic...
Anhang 1 Beschluss 610
Beschluss des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) - Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten außerhalb von Sonderisolierstationen bei der Versorgung von Patienten, die mit hochpathogenen Krankheitserregern infiziert oder krankheitsverdächtig sind (Beschluss 610)
Bundesrecht

Anhangteil

Titel: Beschluss des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) - Schutzmaßnahmen für Tätigkeiten außerhalb von Sonderisolierstationen bei der Versorgung von Patienten, die mit hochpathogenen Krankheitserregern infiziert oder krankheitsverdächtig sind (Beschluss 610)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: Beschluss 610
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Technische Regel

Anhang 1 Beschluss 610 – Einsatz und Entsorgung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA)

Im Folgenden sind die wesentlichen Schritte beim Einsatz (An- und Ablegen) von PSA sowie die notwendigen Dekontaminationsschritte und das Entsorgen der benutzten PSA exemplarisch aufgeführt. Das beschriebene Vorgehen hat sich aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen bewährt. Weitergehende Informationen sind in Anlage D "Hinweise zur PSA" (siehe www.abig.rki.de/abig/ebola-psa ) zum Rahmenkonzept Ebolafieber des Robert Koch-Instituts [1] zu finden.

I Anlegen der PSA

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf:

(1) PSA nach Nummer 4.2.2 (Arztpraxen, Notaufnahmen)

(2) PSA nach Nummer 4.5.12 (Krankenhäuser, Rettungsdienste)

Das Anlegen der PSA erfolgt im dafür vorgesehenen Weißbereich. Mindestens eine weitere Person ("Helfer") soll zur Unterstützung und Kontrolle dabei sein. Zusätzlich zur PSA werden folgende Materialien benötigt:

  • Klebeband: Einseitig klebend bei (1), einseitig und doppelseitig klebend bei (2)

  • Verbandschere

  • Talkumpuder ("Babypuder")

  • OP-Füßlinge (zum Schutz der Füße beim Ablegen des Schutzanzugs)

  • OP-Hauben, Haarband oder -netz

  • Anziehhilfe (Abstandhalter) für Handschuhe bei (2)

(1) Anlegen der PSA nach Nummer 4.2.2 (Arztpraxen, Notaufnahmen)

  1. 1.

    spitze Gegenstände (Stifte, Schere etc.), Uhren und Schmuck ablegen

  2. 2.

    lange Haare mittels OP-Hauben, Haarband oder -netz sichern

  3. 3.

    OP-Füßlinge über die Socken ziehen

  4. 4.

    Schutzhandschuhe anlegen, Stulpen mit einseitigem Klebeband am Arm fixieren (z. B. mehrere Streifen in Längsrichtung)

  5. 5.

    Schutzanzug über die (Bereichs-)Kleidung anziehen, Reißverschluss nicht schließen

  6. 6.

    Einmal-Überziehstiefel bzw. Gummistiefel überziehen (wenn der Schutzanzug keine Stiefelsocken aufweist, muss das Fußende des Schutzanzugs den Schaft der Überziehstiefel bzw. Gummistiefel vollständig abdecken)

  7. 7.

    Reißverschluss des Anzugs bis zur Hälfte schließen (Klebeleisten noch offen lassen)

  8. 8.

    FFP3-Maske mit Ausatemventil und Kapuze aufsetzen

  9. 9.

    Reißverschluss (mit in den Nacken gelegten Kopf) komplett schließen, anschließend Klebeleisten schließen (darauf achten, dass die Kapuze komplett anliegt)

  10. 10.

    Schutzbrille aufsetzen und im Folgenden Schnittstellen zwischen Kapuze, Maskenrändern und Brille mit Klebeband fixieren (Vorsicht: kein Klebeband auf das Filtermaterial aufbringen, da dieses die Filtereigenschaften verändern kann)

  11. 11.

    Überprüfung der gesamten PSA durch den Tragenden und den Helfer auf richtigen Sitz

  12. 12.

    Arbeitshandschuhe überziehen, Stulpen über den Ärmel ziehen, ggf. mit Klebeband am Ärmel fixieren

(2) Anlegen der PSA nach Nummer 4.5.12 (Krankenhäuser, Rettungsdienste)

  1. 1.

    spitze Gegenstände (Stifte, Schere etc.), Uhren und Schmuck ablegen

  2. 2.

    lange Haare mittels OP-Hauben, Haarband oder -netz sichern

  3. 3.

    OP-Füßlinge über die Socken ziehen

  4. 4.

    Schutzanzug über die (Bereichs-)Kleidung anziehen (Reißverschluss nicht schließen)

  5. 5.

    Sicherheitsschuhe oder Gummistiefel überziehen (Stulpen des Schutzanzugs über den Stiefelschaft ziehen)

  6. 6.

    Ärmel des Anzugs um 5-8 cm nach innen einschlagen

  7. 7.

    Schutzhandschuhe mit langen Stulpen (= mittleres Paar - auf ausreichende Bewegungsfreiheit und Größe achten) mittels Anziehhilfe und doppelseitigem Klebeband (1x den Umfang umrunden) am Anzug befestigen

  8. 8.

    danach einseitiges Klebeband in drei Runden möglichst faltenfrei darüber kleben und fest andrücken

  9. 9.

    Schutzhandschuhe (= inneres Paar) anziehen und pudern, mit den Händen in die Anzugärmel mit den daran befestigten langstulpigen Handschuhen schlüpfen

  10. 10.

    Reißverschluss des Anzugs bis zur Hälfte schließen (Klebeleisten noch offen lassen)

  11. 11.

    FFP3-Maske mit Ausatemventil und Kapuze aufsetzen

  12. 12.

    Reißverschluss (mit in den Nacken gelegten Kopf) komplett schließen, anschließend Klebeleisten schließen (darauf achten, dass die Kapuze komplett anliegt)

  13. 13.

    Schutzbrille aufsetzen und im Folgenden Schnittstellen zwischen Kapuze, Maskenrändern und Brille mit Klebeband fixieren (Vorsicht: kein Klebeband auf das Filtermaterial aufbringen, da dieses die Filtereigenschaften verändern kann)

  14. 14.

    Überprüfung der gesamten PSA durch den Tragenden und den Helfer auf richtigen Sitz

  15. 15.

    Arbeitshandschuhe (= äußeres Paar) überziehen

II Dekontamination, Ablegen und Entsorgung der PSA

Sichtbare grobe Verschmutzungen der PSA müssen noch im Schwarzbereich entfernt werden. Werden eine Plastik-Einmalschürze oder ein Visier getragen, werden diese im Schwarzbereich abgelegt und ggf. entsorgt.

Die Dekontamination der PSA erfolgt im hierfür vorgesehenen Graubereich. Zur Durchführung der Dekontamination und zur Unterstützung beim Ablegen der PSA ist mindestens eine Person ("Dekon-Helfer") erforderlich.

Der Dekon-Helfer benötigt folgende PSA:

  • wasserabweisender, langärmliger, vorne geschlossener Schutzkittel,

  • zwei Paar Nitril-Handschuhe (äußeres Handschuhpaar: Arbeitshandschuh),

  • ggf. Plastikschürze, Schutzbrille und Mundschutz (als Berührungsschutz).

Die Dekontamination erfolgt mit einem geeigneten Desinfektionsmittel entsprechend der Desinfektionsmittelliste des RKI [9] oder des VAH [10], vorzugsweise mit Hilfe von frisch mit Desinfektionsmittel getränkten Tüchern ("Desinfektionstücher"). Dabei sind die für die Wischdesinfektion erforderlichen Einwirkzeiten zu beachten, wobei schnell wirksame Desinfektionsmittel vorzugsweise eingesetzt werden sollten. Die gesamte Oberfläche der PSA muss flächendeckend mit Desinfektionsmittel benetzt sein. Um Flüssigkeitsreste aufzufangen, ist es sinnvoll, den Boden des Dekontaminationsbereichs mit desinfektionsmittelgetränkten Handtüchern auszulegen.

Nach Ende der Einwirkzeit muss die PSA vollständig trocknen; bei Desinfektionsmittel mit kurzer Einwirkzeit ist das i. d. R. in wenigen Minuten der Fall.

Vorgehen bei der Dekontamination und beim Ablegen der PSA:

Die folgenden Schritte werden durch den bzw. die Dekon-Helfer durchgeführt:

  1. 1.

    Begonnen wird die Dekontamination im Bereich um die FFP3-Maske, dann folgen Schutzbrille und Kapuze (→ danach Entsorgung des Desinfektionstuches und Wechsel der Arbeitshandschuhe bei dem bzw. den Dekon-Helfern).

  2. 2.

    Körperstamm und Extremitäten werden dekontaminiert: hierbei sind mindestens zwei Desinfektionstücher zu benutzen, bei sichtbarer Kontamination ggf. mehr (→ danach Entsorgung des Desinfektionstuches und Wechsel der Arbeitshandschuhe bei dem bzw. den Dekon-Helfern).

  3. 3.

    Die Klebeverbindungen an Schutzbrille und FFP3-Maske werden vorsichtig gelöst (→ Wechsel der Arbeitshandschuhe bei dem bzw. den Dekon-Helfern).

  4. 4.

    Die Befestigung der Schutzbrille wird gelockert und die Schutzbrille dann nach vorne (vom Dekontaminierten weg) abgezogen (→ Wechsel der Arbeitshandschuhe bei dem bzw. den Dekon-Helfern).

  5. 5.

    Die Klebeverbindungen am Anzug werden gelöst, umgeschlagen und am Anzug festgeklebt.

  6. 6.

    Der obere Teil des Reißverschlusses wird geöffnet.

  7. 7.

    Die Kapuze des Schutzanzuges wird von vorne nach hinten eingerollt.

  8. 8.

    Anschließend wird die Atemschutzmaske entfernt: Maske am Filter anfassen und nach vorn ziehen, seitlich ohne Berühren der Haut unter die Gummibänder greifen und die Maske seitlich nach vorne und oben abziehen. Die Maske wird in dem dafür vorgesehenen Abfallbehälter zur Entsorgung gesammelt (→ Wechsel der Arbeitshandschuhe bei dem bzw. den Dekon-Helfern).

  9. 9.

    Der bzw. die Dekon-Helfer ziehen entsprechend der im Folgenden beschriebenen Schritte den Schutzanzug aus. Dies erfolgt nach der sog. "banana traffic-Methode": Ausschälen aus dem Schutzanzug von oben nach unten bei Beachtung von rechts vor links.

    • Die Klebeverschlüsse und anschließend der Reißverschluss werden geöffnet.

    • Die Innenseiten des Schutzanzugs werden vorsichtig nach außen gerollt (Extremitäten von oben nach unten und rechts vor links nacheinander).

    • Mit den Ärmeln werden auch die beiden äußeren Handschuhpaare ausgezogen.

    • (Wenn entsprechend Nummer 4.2.2 nur zwei Paar Schutzhandschuhe getragen wurden, folgt hier die Entfernung des äußeren Paars).

    Hinweis: Wenn der PSA-Träger aus dem Schutzanzug heraustritt, muss er in den OP-Füßlingen in einen sauberen (Weiß-)Bereich treten. Dieser sollte entsprechend markiert sein.

  10. 10.

    Der abgelegte Schutzanzug wird in den dafür vorgesehenen Abfallbehälter zur Entsorgung gesammelt (siehe Nummern 4.2.4 und 4.5.9).

  11. 11.

    Die inneren Schutzhandschuhe und die OP-Füßlinge (beide gelten bei sachgerechter Nutzung der PSA als sauber) werden im Weißbereich entsorgt.

  12. 12.

    Anschließend erfolgt eine hygienische Händedesinfektion bei dem bzw. den Dekon-Helfern und der ausgeschleusten Person.

  13. 13.

    Der Dekon-Helfer sollte ggf. ebenfalls Hilfe beim Ablegen der PSA erhalten.