DGUV Information 215-210 - Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstät...

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Anhang B, Hinweise zur Blendungsbewertung
Anhang B
Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten (DGUV Information 215-210)

Anhangteil

Titel: Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten (DGUV Information 215-210)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-210
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang B – Hinweise zur Blendungsbewertung

Damit an einem Arbeitsplatz keine Blendung durch die eingesetzten Leuchten entsteht, sollten die Leuchten nach dem UGR-Verfahren bewertet und dann geklärt werden, ob sie für den jeweiligen Arbeitsplatz geeignet sind.

Der Lichtplaner kann bereits während der Beleuchtungsberechnung die UGR-Werte für relevante Arbeitsplätze ermitteln und diese gegebenenfalls für den ungünstigsten Arbeitsplatz ausweisen. Anhand von UGR-Tabellen, die die Hersteller für ihre Leuchten ausweisen, kann ebenfalls schnell nachgeschaut werden, ob der UGR-Wert unter Bedingungen eingehalten wird. In der Praxis kann auch eine grobe Überprüfung auf Blendung zweckmäßig sein.

Grobe Überprüfung auf mögliche Blendung

Sind die Arbeitsplätze bereits eingerichtet, ist die messtechnische Bewertung der Blendung nach dem UGR-Verfahren aufwändig und vom Anwender kaum durchführbar. Hier bietet sich zunächst eine einfache Methode an, um eine erste subjektive Bewertung der Blendung auch mit einfachen Mitteln selbst durchführen zu können.

Hinweis
Eine erste, grobe Überprüfung einer bestehenden Beleuchtungsanlage auf Blendung kann wie folgt geschehen: Setzen Sie sich in typischer Arbeitshaltung an die betreffenden Arbeitsplatz und blicken Sie in die für die Ihre Arbeit typischen Richtungen. Tauchen Leuchten in Ihrem Blickfeld auf, so decken Sie die Sicht darauf mit der Hand ab. Wenn Sie nach dem Abdecken keine wesentliche Änderung bemerken, ist die betroffene Leuchte offensichtlich als Störquelle auszuschließen.

Wird für eine Leuchte störende Blendung festgestellt, sollte geprüft werden, ob der direkte Einblick auf den störenden Lichtaustritt durch eine Blende oder einen Stellwand verhindert werden kann. Gegebenenfalls ist auch eine Änderung der Arbeitsplatzanordnung möglich, um die blendenden Leuchte aus dem Gesichtsfeld zu entfernen. Beide Maßnahmen dürfen nur durchgeführt werden, wenn dadurch die Mindestbeleuchtungsstärke am Arbeitsplatz nicht unterschritten wird. Eine weitere blendungsmindernde Maßnahme kann das Aufhellen des Umfeldes sein, z. B. durch helle Farben oder der Einsatz einer zusätzlichen Indirektbeleuchtung.

Sollten die beschriebenen Maßnahmen nicht zu einer befriedigenden Verbesserung der Sehbedingungen führen, sollte ein Beleuchtungssachverständiger hinzugezogen werden. Dieser kann beurteilen, ob die betreffende Leuchte tatsächlich blendet und welche Maßnahmen an der Leuchte bzw. an der Beleuchtungsanlage sinnvoller Weise vorgenommen werden sollten.

Das "Herausdrehen" von Lampen oder Abklemmen von Leuchten stellt in der Regel keine Lösung dar, da dann die notwendige Beleuchtung sowohl in Hinblick auf die Mindestbeleuchtungsstärke als auch auf die Gleichmäßigkeit nicht mehr gewährleistet ist.

UGR-Verfahren

Das UGR- Verfahren "Unified Glare Rating" wurde entwickelt, um die Bewertung der Blendung weltweit zu vereinheitlichen. Dabei wird die Blendung der gesamten Beleuchtungsanlage für eine definierte Beobachterposition berechnet

Berechnungen nach dem UGR-Verfahren

Die messtechnische Bewertung der Blendung nach dem UGR-Verfahren ist für den Anwender kompliziert und kaum durchführbar. Die Planer verwenden Lichtplanungsprogramme, um UGR-Werte zu berechnen. Die Formel zur Berechnung der UGR-Werte und die Erläuterung ihrer Größen ist in DIN EN 12464-1 aufgeführt. Sie zeigt die komplexen Zusammenhänge, die zur Bewertung der Blendung zu beachten sind.

Abb. 34 Formel zur Ermittlung des UGR-Wertes

Wichtig zu wissen!
Grundsätzlich gilt: Je niedriger der UGR-Wert einer Leuchte, desto geringer ist die Blendung.

Bitte beachten:

UGR Werte zwischen 16 und 28 sind in Stufen festgelegt, die zur Veranschaulichung in der nachfolgenden Tabelle durch die Buchstaben a bis e dargestellt sind. Eine Aussage über die Störwirkung durch Blendung kann nur zwischen und nicht innerhalb der einzelnen Stufen getroffen werden. UGR-Werte die außerhalb dieser Grenzen liegen ermöglichen keine Differenzierung der Störwirkung.

  Abstufung der UGR-Werte Beispiele für die Anwendung
a<16Technisches Zeichnen
b>16 bis <19Lesen, Schreiben, Schulen, Besprechungen, Computerarbeit
c>19 bis < 22Industrie und Handwerk
d>22 bis < 25Grobe Arbeiten in Industrie
e>25 bis < 28Bahnsteige, Hallen

Ein direkter Vergleich von ermittelten UGR-Werten (evtl. sogar mit Nachkommastelle) ist somit ungeeignet. Die ermittelten UGR-Werte sind durch Rundung der entsprechenden Stufe zuzuordnen.

Beispiel zur Rundung:

18,6 ist < 19b (>16 bis < 19)
19,4 ist < 19b (>16 bis < 19)
19,5 ist < 22c (>19 bis < 22)
19,6 ist < 22c (>19 bis < 22)

Beispiel zur Bewertung:

Der UGR-Wert 23,1 (< 25) wird als störender bewertet als der Wert 21,4 (< 22), jedoch werden die Werte 19,6 (< 22) und 20,9 (< 22) mit der gleichen Störwirkung bewertet.

Abb. 35 Das UGR-Verfahren berücksichtigt alle Leuchten im Raum, die zu einem Blendeindruck beitragen, sowie die Helligkeit von Wänden und Decken, um einen UGR-Wert zu ermitteln.

Auswahl geeigneter Leuchten anhand von UGR-Tabellen

Vereinfacht kann auch anhand der UGR-Tabellen, die die Hersteller für ihre Leuchten ausweisen, schnell bestimmt werden, ob der UGR-Wert für eine Leuchte unter bestimmten Bedingungen eingehalten wird.

Die UGR-Werte in den Tabellen aus den technischen Dokumentationen der Leuchten gelten für einen bestimmten Leuchtentyp und verschiedene Raumgrößen und Reflexionsgrade von Decke, Wand und Boden.

Sind die Raumdaten bekannt, führt die Ermittlung des UGR-Werts anhand der Raumverhältnisse zu relativ genauen Ergebnissen. Hier ein Beispiel dafür:

Es soll festgestellt werden, ob ein bestimmter Leuchtentyp geeignet ist. Dazu wird die entsprechende UGR-Tabelle des Herstellers verwendet (Tabelle 7).

Ein Raum soll für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze eingerichtet werden. Laut Tabelle 3, Abschnitt 5.3 soll zur Vermeidung von störender Blendung durch die Leuchten ein UGR-Wert von höchstens 19 eingehalten werden.

Es werden weitere Parameter angenommen:

  • Raumabmessung 4 m 6 m.

  • Reflexionsgrade "hell", also Decke 70%, Wände 50% und Boden 20%

  • Die Leuchten hängen längs (parallel) zur Blickrichtung

Zunächst werden für die UGR-Tabelle die zutreffenden Raumverhältnisse (Abmessungen X, Y) ermittelt.

Das Auge des sitzenden Beschäftigten (Beobachters) befindet sich 1,2 m über dem Boden und die Leuchten sind in 3,2 m über dem Boden an der Decke montiert. H beträgt damit 2 m. Für den Beispielraum (4 m 6 m) ergibt sich somit das anzuwendende Raumverhältnis (Abmessungen x,y der Tabelle) mit 2H 3H. Aus der UGR-Tabelle für die Leuchte ergibt sich unter Berücksichtigung der Reflexionsgrade des Raumes ein UGR-Wert von 17,2.

Mit 17,2 ist der Wert kleiner als 19. Der Raum ist mit dieser Leuchte für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze geeignet.

Sind keine Raumdaten bekannt, kann der typische UGR Wert der Leuchte anhand eines hellen Referenzraums mit den Abmessungen 4H 8H bestimmt werden (in der Tabelle "grau"). Viele Hersteller geben für diesen Referenzraum einen UGR-Werte für ihre Leuchte an.

Abb. 36 Schematische Darstellung wichtiger Bezugsgrößen zur Ermittlung des UGR-Wertes. [H] ist dabei der vertikale Abstand zwischen dem Auge des Betrachters und der Leuchtenebene.

UGR-Werte für Leuchtentyp: XXX Hersteller: YYY
Reflexionsgrade
Decke 0,700,700,500,500,300,700,700,500,500,30
Wände 0,500,300,500,300,300,500,300,500,300,30
Boden 0,200,200,200,200,20 0,20 0,200,200,200,20
Abmessungen Blickrichtung zur Leuchte (Lampenachse)
X Y quer längs
2H2H16,418,016,818,318,617,719,017,719,219,5
3H16,317,716,618,018,317,218,617,619,019,3
4H16,217,516,617,918,217,218,517,518,819,2
6H16,217,416,617,718,117,118,317,518,719,0
8H16,217,316,617,618,017,118,217,518,618,9
12H16,117,216,517,517,917,118,117,518,518,9
4H2H16,417,716,818,118,417,318,617,618,919,2
3H16,317,416,717,718,117,118,217,518,619,0
4H16,217,216,717,618,017,118,017,518,418,8
6H16,117,016,617,417,817,017,817,418,218,6
Referenzraum8H16,116,816,517,317,716,917,717,418,118,6
12H16,116,716,517,217,616,917,517,418,018,5
8H4H16,116,816,517,317,716,917,717,418,118,6
6H16,016,616,517,117,616,917,417,317,918,4
8H16,016,516,517,017,516,817,317,317,818,3
12H15,916,316,416,816,416,717,217,217,718,2
12H4H16,116,716,517,217,616,917,517,418,018,5
6H16,016,516,517,017,516,817,317,317,818,3
8H15,116,316,416,816,416,717,217,217,718,2
Tabelle 7 Beispiel für die UGR -Tabelle einer Leuchte, wie sie vom Hersteller ausgewiesen werden. Der UGR-Wert ist für den Beispiel-Raum 2H 3H und die Reflexionsgrade 0,70/0,50/0,20 mit Leuchtenanordnung längs zur Blickrichtung "gelb unterlegt" gekennzeichnet und ergibt 17,2.

Abb. 37 Beleuchtungsanlagen mit gleichmäßiger Anordnung der Leuchten in einer horizontalen Ebene.
Das UGR-Verfahren berücksichtigt die Blickrichtungen quer und längs zu den Leuchten (Lampenachse).