DGUV Information 215-450 - Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)

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Abschnitt 11.2, 11.2 Das Arbeitssystem für die Aufgaben
Abschnitt 11.2
Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Titel: Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-450
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 11.2 – 11.2 Das Arbeitssystem für die Aufgaben

Zum Prüfen und Bewerten von Gestaltungslösungen in einem Arbeitssystem werden arbeitswissenschaftliche Kriterien herangezogen (Abbildung 60), die auch für die Softwareergonomie gültig sind:

  • Ausführbarkeit bewertet, ob die Aufgaben immer vollständig mithilfe des Werkzeugs Software ausgeführt oder bearbeitet werden können.

  • Schädigungslosigkeit bewertet, ob eine Benutzerin oder ein Benutzer während der Aufgabenbearbeitung mithilfe der Software geschädigt oder behindert wird.

  • Beeinträchtigungsfreiheit bewertet, ob eine Benutzerin bzw. ein Benutzer während der Aufgabenbearbeitung mithilfe der Software behindert oder die Informationsverarbeitung während des Arbeitsprozesses erschwert oder gestört wird.

  • Gesundheitsförderlichkeit bewertet, ob eine Benutzerin oder ein Benutzer während der Aufgabenbearbeitung mithilfe der Software gesundheitsförderliche Bedingungen erfährt.

Diese Kriterien haben den Vorteil, dass sie in den Arbeitswissenschaften traditionell angewendet werden. Sie werden auch zum Ableiten von Nutzeraufgaben und zum Gestalten von Benutzungsschnittstellen genutzt und kennzeichnen die Gebrauchstauglichkeit.

Bei Gebrauchstauglichkeit handelt es sich um das Ausmaß, in dem ein Produkt in einem spezifizierten Nutzungskontext genutzt werden kann, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen.

Im Zentrum der Gestaltung eines Arbeitssystems steht die Aufgabe. Eine Aufgabe beschreibt, was Nutzerinnen und Nutzer mit Arbeitsmitteln in ihrer Umgebung erreichen sollen (z. B. Beschäftigte nehmen eine Schadensmeldung mithilfe von Software bei Kundinnen und Kunden auf). Aus den Ausführungsbedingungen für die Aufgaben ergeben sich Anforderungen an die Arbeitsmittelgestaltung (z. B. Software muss lesbare Informationsdarstellung auf dem Bildschirm eines Notebooks ermöglichen). Zur Aufgabenbearbeitung sind auch Qualifikationen der Beschäftigten erforderlich (z. B. alle relevanten Informationen zur Schadensbewertung erfragen und dokumentieren können). Durch die Aufgaben werden die Bedingungen für die Aufgabenbearbeitung mithilfe der Software mit den Eigenschaften und Fähigkeiten der Benutzerin bzw. des Benutzers verbunden.

Abb. 60 Gestaltungshierarchie in der Softwareergonomie

Mithilfe der Prinzipien der Aufgabengestaltung werden Aufgaben entwickelt, die an die physischen und psychischen Anforderungen des Menschen angepasst sind (Abbildung 60). Für einen Teil dieser Aufgaben sind Benutzungsschnittstellen so zu gestalten, dass die Aufgaben nachträglich nicht eingeschränkt werden. Dafür werden Prinzipien der Dialog- bzw. Interaktionsgestaltung und Prinzipien der Informationsgestaltung berücksichtigt (siehe Kapitel 8 "Informationsdesign" und Kapitel 9 "Interaktionsdesign"). Diese Prozesse der ergonomischen Gestaltung sind hierarchisch aufgebaut (Abbildung 60). Bereits durch das Gestalten von Aufgaben werden Arbeitsinhalte und -abläufe vorbestimmt. Die Interaktions- und Informationsgestaltung können Mängel der Aufgabengestaltung nicht mehr kompensieren.

Benutzer Arbeitsaufgabe Arbeitsmittel Umgebung
Organisatorische Umgebung Technische Umgebung Physische Umgebung
  • Benutzertyp

  • repräsentative Benutzer

  • nicht repräsentative und indirekte Benutzer

  • Fertigkeit und Wissen

  • Erfahrung mit dem Produkt

  • Erfahrung mit dem System

  • Erfahrung mit der Arbeitsaufgabe

  • Erfahrung mit der Organisation

  • Übungsgrad

  • Fertigkeiten mit dem Eingabemittel

  • Qualifikationen

  • Sprachfertigkeiten

  • allgemeine Kenntnisse

  • Persönliche Merkmale

  • Alter

  • Geschlecht

  • physische Grenzen und Behinderungen

  • intellektuelle Fähigkeiten

  • Einstellungen

  • Motivation

  • Aufgabenzerlegung

  • Aufgabenbezeichnung

  • Aufgabenhäufigkeit

  • Aufgabendauer

  • Häufigkeit von Ereignissen

  • Handlungsspielraum

  • physische und psychische Anforderungen

  • Aufgabenabhängigkeiten

  • Aufgabenergebnisse

  • gefährliche Auswirkungen von Fehlern

  • sicherheitskritische Erfordernisse

  • Allgemeine Beschreibung

  • Produktbezeichnung

  • Produktbeschreibung

  • Hauptanwendungsbereiche

  • wichtige Funktionen

  • Spezifikation

  • Hardware

  • Software

  • Materialien

  • Dienstleistungen

  • Weiteres

  • Struktur

  • Arbeitsstunden

  • Gruppenarbeit

  • Funktion

  • Arbeitspraxis

  • Hilfestellung

  • Unterbrechungen

  • Führungsstruktur

  • Kommunikationsstruktur

  • Einstellung und Kultur

  • Vorschriften für den Umgang mit Computern

  • organisatorische Ziele

  • Geschäftsbeziehungen

  • Arbeitsgestaltung

  • Mischarbeit

  • Leistungsmessung

  • Ergebnisrückmeldung

  • Selbständigkeit

  • Entscheidungsfreiheit

  • Konfiguration

  • Hardware

  • Software

  • Referenzmaterial

  • Arbeitsplatzbedingungen

  • atmosphärische Bedingungen

  • akustische Bedingungen

  • Wärmebedingungen

  • Wahrnehmungsbedingungen

  • Umgebungsstabilität

  • Arbeitsplatzgestaltung

  • Größe und Einrichtung

  • Körperhaltung

  • Arbeitsplatz

  • Arbeitsplatzsicherheit

  • Gesundheitsgefährdung

  • Schutzkleidung und -vorrichtungen

Tabelle 2 Merkmale des Nutzungskontextes: Beispiele in Anlehnung an DIN EN ISO 9241-11