DGUV Information 215-450 - Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 11.1, 11.1 Nutzungsqualität im Einsatzzyklus
Abschnitt 11.1
Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Titel: Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-450
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 11.1 – 11.1 Nutzungsqualität im Einsatzzyklus

Software ist ein Arbeitsmittel. Ihre Nutzungsqualität ist hoch, wenn sie die Beschäftigten bei der Bearbeitung ihrer Aufgaben in allen Phasen des Einsatzzyklus (Abbildung 59) optimal unterstützt.

Eine hohe Nutzungsqualität von Software bezieht sich auf Merkmale, die eine ergonomische Gestaltung von Software auszeichnen. Zur Überprüfung und Bewertung von Nutzungsqualität gehören die folgenden Prozesse:

  • Arbeitssysteme nach ergonomischen Grundsätzen gestalten

    (DIN EN ISO 6385)

  • Nutzeraufgaben ableiten

    (DIN EN 29241-2, DIN EN 614-2, DIN EN ISO 11064-1)

  • Benutzungsschnittstellen gestalten

    (DIN EN ISO 9241-210)

Das Prüfen und Bewerten der Nutzungsqualität soll gravierende Mängel einer ergonomischen Gestaltung, gravierende Gefährdungen und Beeinträchtigungen der Benutzerinnen bzw. der Benutzer bereits in frühen Phasen des Einsatzzyklus aufdecken. Maßnahmen und Lösungsvorschläge zur Mängelbeseitigung müssen wie bei Risiko- und Gefährdungsbeurteilungen entwickelt und dann erneut überprüft und bewertet werden.

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb die Nutzungsqualität von Software nicht pauschal beurteilt werden kann:

  • Geprüft und bewertet werden kann nur für einen spezifizierten Nutzungskontext.

  • Einzelkomponenten in Nutzungskontexten ändern sich und dadurch verändert sich ein vormals spezifizierter Nutzungskontext.

  • Makellose Qualität von Software für jeden beliebigen Einsatzzweck ist nicht erreichbar.

  • Rechtliche Vorgaben benennen Mindestanforderungen und Methoden nur unvollständig.

  • Nicht alle Anforderungen sind bekannt und daher können nie alle erfüllt werden.

  • Die ausreichende Benutzerzahl für eine korrekte Methoden- bzw. Testauswertung wird meist nicht erreicht.

Jede Phase des Einsatzzyklus von Software beinhaltet unterschiedliche Aufträge (siehe Tabelle 1), die im Projektmanagement abgearbeitet werden sollten. Die Projektleitung sollte zumindest sehr vertraut mit der Fachabteilung sein, in der die Software genutzt werden soll. Die Fachabteilung kann beschreiben, wie sich Veränderungen von Arbeitsprozessen auf Veränderungen bei der Software auswirken sollen und umgekehrt. Die Projektgruppe setzt sich je nach Phase im Einsatzzyklus der Software anders zusammen. In der Projektgruppe sollten Benutzerinnen und Benutzer, Beschäftigte von Fachabteilung und IT-Abteilung, Mitglieder des Betriebs- und Personalrates, Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa), Betriebsärztin oder Betriebsarzt, Softwareentwicklerinnen und -entwickler, Arbeits- und Organisationsgestalterinnen oder -gestalter und weitere Expertinnen bzw. Experten nach Bedarf mitarbeiten.

Phase Aufträge Beteiligte
Planung/Konzeption
  • Projektmanagement aufsetzen

  • Planungsprozess organisieren

  • Ziele, Grenzen, Kriterien zur Analyse und Gestaltung des Arbeitssystems und der Arbeitsaufgaben entwickeln

  • Nutzungskontext spezifizieren

  • zwischen Softwarekauf, -neuentwicklung, -anpassung wählen

  • Erfordernisse aus den Aufgaben ableiten

  • Lastenheft erstellen

  • Anforderungen an die Software spezifizieren

  • Pflichtenheft erstellen

  • Ergebnisse dokumentieren

Fachabteilung, Benutzerinnen/Benutzer, Betriebsratsmitglieder, Betriebsärztin/Betriebsarzt, Sifa, Arbeits-/Organisationsgestalterin/-gestalter, weitere Expertinnen/Experten (z. B. IT-Abteilung, Projektmanagement)
Entwicklung und Überprüfung
  • Entwicklungsprozess dokumentieren

  • Anforderungen an Prototypen und Produkttests spezifizieren

  • Prüfkriterien spezifizieren

  • Prüfkonzepte, Methoden, Verfahren, Tests vorbereiten, durchführen und dokumentieren

  • Ergebnisse dokumentieren

Fachabteilung, Benutzerinnen/Benutzer, Betriebsärztin/Betriebsarzt, Sifa, Arbeits-/Organisationsgestalterinnen und -gestalter, Software-Programmiererinnen/-Programmierer, weitere Expertinnen/Experten
Einführung
  • Einführungsprozess organisieren

  • Rollout begleiten

  • Benutzerbezogene Einweisungen und Schulungen organisieren

  • Benutzerinnen/Benutzer beraten (Hotline, Software-Support)

  • Beschwerdemanagement bezogen auf Aufgabe und Software (Fachabteilung, IT-Abteilung) umsetzen

  • Ergebnisse dokumentieren

Fachabteilung, Benutzerinnen/Benutzer, Betriebsärztin/Betriebsarzt, Sifa, Arbeits-/Organisationsgestalterinnen und -gestalter, IT-Abteilung, weitere Expertinnen/Experten (für z. B. Schulung, Software-Administration)
Nutzung und Pflege
  • Änderungsmanagement umsetzen

  • Mittel- und langfristigen Änderungsbedarf sammeln

  • Lösungen umsetzen

  • Ergebnisse dokumentieren

Fachabteilung, Benutzerinnen/Benutzer, Betriebsärztin/Betriebsarzt, Sifa
Ablösung
  • Ablöseprozess organisieren

  • Koordination mit parallel startenden Arbeitsstrukturen

  • Ergebnisse dokumentieren

Fachabteilung, Benutzerinnen/Benutzer, Sifa, Arbeits-/Organisationsgestalterinnen und -gestalter
Tabelle 1 Phasen des Einsatzzyklus von Software