DGUV Information 215-450 - Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)

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Abschnitt 10.4, 10.4 Technische Hilfen
Abschnitt 10.4
Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Titel: Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-450
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 10.4 – 10.4 Technische Hilfen

Einige Behinderungen erfordern spezielle Ein-/Ausgabegeräte, um den Computer benutzen zu können. Software-Entwicklerinnen und -Entwickler sollten sich mit der generellen Funktionsweise von assistiven Technologien vertraut machen, denn sie bestimmen wesentlich die Arbeitsweise von Menschen mit Behinderungen.

Technische Hilfen zur Computernutzung gibt es seit dem Aufkommen der Personal-Computer Anfang der 1980er-Jahre. Viele wurden mit der Zeit in die Betriebssysteme integriert, einige fanden ihren Markt als Standardsoftware. Scanner mit Texterkennungssoftware waren anfangs ein hochpreisiges Hilfsmittel an Blindenarbeitsplätzen, bis die Texterkennung so gut war, dass sie in jedem Büro von Nutzen sein konnte. Die Wortansage bei der Texteingabe in Smartphones wurde zuerst als Hilfsmittel für motorisch Behinderte entwickelt. Die Entwicklung der Sprachsteuerung für Smartphones genießt große mediale Aufmerksamkeit. Der Hilfsmittelmarkt ist also kein exotischer Randbereich, sondern ein Testlabor für innovative Ideen in der Computerindustrie.

Eingabehilfen des Betriebssystems

In modernen Betriebssystemen sind verschiedene Eingabehilfen implementiert. Unter der Bezeichnung "Erleichterte Bedienung" oder "Bedienungshilfen" sind aus der Systemsteuerung u. a. abrufbar:

  • der Kontrastmodus zur Definition eigener Farbschemata und Schriftgrößen

  • die Bildschirmlupe für die Ausschnittvergrößerung

  • eine Einrastfunktion für Tastaturkürzel (sog. Short-cuts) und Umschalttasten für die einhändige Bedienung der Tastatur

  • eine Bildschirmtastatur für die Texteingabe mit Zeigegeräten

  • Einstellung der Reaktionszeit der Maus

  • Steuerung der Maus mit der Tastatur

  • Sprachaus- und -eingabe

Innovative Wege ging das iPhone®, das erstmals die Sprachausgabe VoiceOver® in das Betriebssystem integrierte. Die Verbindung von Touchscreen und Sprachausgabe ist für Blinde besonders einfach zu bedienen.

Screenreader

Screenreader sind Programme zur Computernutzung für Blinde und Sehbehinderte. Der Screenreader interpretiert den Bildschirminhalt und gibt die Informationen über Braillezeile (Abbildung 54) 1), Sprachausgabe und Großschrift aus.

Der Screenreader stellt Informationen über die Funktion der Bedienelemente, die Bedeutung der grafischen Symbole, die aktuelle Eingabeposition und den Aufbau des gesamten Bildschirms zur Verfügung. Diese Information muss die Software liefern. Barrierefreie Software nutzt soweit möglich die Standardfunktionen des Betriebssystems und kommuniziert darüber hinaus über eine spezielle Accessibility-Schnittstelle mit dem Screenreader. In der Entwicklung von browserbasierten Anwendungen stellt die Konformität mit den Webstandards sicher, dass der Screenreader ausreichende Informationen erhält.

Blinde steuern den Computer vorwiegend mit der Tastatur, da die Nutzung der Maus mit Screenreader zwar möglich, aber sehr umständlich ist. Der Screenreader hat eigene Shortcuts, die neben den Shortcuts der Anwendung zur Navigation auf dem Bildschirm genutzt werden.

Vergrößerungssoftware

Bei hochgradiger Sehbehinderung wird üblicherweise eine Vergrößerungssoftware eingesetzt. Diese erfüllt als externes System die gleiche Funktionalität wie die Bildschirmlupe und der Kontrastmodus des Betriebssystems, jedoch mit größeren Einstellungsbereichen, besserer grafischer Qualität und genauerer Anpassbarkeit.

Spezialtastaturen, Zeigegeräte

Für Menschen mit verminderten motorischen Fähigkeiten existieren vielfältige alternative Geräte zu Tastatur und Maus. Je nach den verbleibenden Fähigkeiten gibt es besonders große, besonders kleine, speziell angeordnete Tastaturen, robuste Trackballs, Kopf-, Augen- oder Mundsteuerung. Solange nur ein Schalter mit einem beliebigen Körperteil gesteuert werden kann, ist die Computerbedienung im Prinzip möglich.

Sprachsteuerung

Die Steuerung des Computers über Sprachbefehle erfordert eine Anpassung und Eingewöhnung, ist dann aber effizient als Hilfsmittel für Menschen mit motorischer Behinderung einsetzbar. Darüber hinaus wird die Spracheingabe erfolgreich zum Diktieren für Fachsprachen, z. B. von Ärztinnen und Ärzten oder Juristinnen und Juristen, verwendet. Die Implementierung der Sprachsteuerung im Betriebssystem ist noch relativ neu und wird neue Verwendungsmöglichkeiten hervorbringen.

Technische Beratung

Die Auswahl der passenden technischen Hilfen zur Computernutzung erfordert eine genaue Analyse der individuellen Fähigkeiten und der zu erledigenden Aufgaben, außerdem eine gute Kenntnis der infrage kommenden Produkte. Eine herstellerunabhängige Beratung bieten u. a. Integrationsämter, Arbeitsagenturen und Unfallversicherungsträger.

Abb. 55 Spezialtastatur

1)

Braillezeile = Computer-Ausgabegerät für blinde Menschen, das Zeichen in Brailleschrift darstellt.