DGUV Information 215-450 - Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 8.7, 8.7 Farben
Abschnitt 8.7
Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Titel: Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-450
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 8.7 – 8.7 Farben

8.7.1
Farbkodierung und Farbkombinationen

Farben sollten grundsätzlich sparsam verwendet und nicht als einzige Form der Kodierung genutzt werden. Als Faustregel gilt, dass nicht mehr als fünf bis sechs Farben für die Gestaltung von Informationen zu verwenden sind. Bei der Farbwahl soll die Erkennbarkeit und die Unterscheidbarkeit der Farben gewährleistet sein. Die Merkfähigkeit der Benutzerinnen und Benutzer darf nicht zu sehr beansprucht werden, wenn Informationen zusätzlich mithilfe von Farben kodiert werden. Neben Farben für Text und Hintergrund spielt die richtige Farbwahl auch für Symbole, Links, die Kennzeichnung von Pflichtfeldern oder von Elementen mit fehlerhaften Eingaben eine große Rolle. Dabei muss unterschieden werden zwischen Farben, die eine bestimmte Information übermitteln, und Farben, die ausschließlich der Ästhetik dienen.

8.7.2
Kritische Farbkombinationen

Farbkombinationen, die aufgrund stark unterschiedlicher Wellenlängen der Farben nicht gleichzeitig scharf gesehen werden können, sollten vermieden werden. Deshalb sollten Farben von den Rändern des Spektralbereichs wie Rot und Blau nicht kombiniert werden. Insbesondere nicht als Kombination von Text- und Hintergrundfarbe. Bei solchen Farbkombinationen versucht das Auge ständig entweder die eine Farbe oder die andere Farbe scharf zu stellen, wodurch ein Tiefeneffekt entsteht, der das Lesen enorm erschweren kann.

Abb. 34 Chromostereopsis-Effekt

Auch bei Farbkombinationen mit grauem Hintergrund ist Vorsicht geboten. Ein weiterer physiologischer Aspekt ist die sogenannte Rot-Grün-Farbfehlsichtigkeit. Neben Rot und Grün können kombinierte Farbfehlsichtigkeiten noch bei Blau-Gelb oder bei einzelnen Farben Rot, Grün oder Blau vorkommen. Texte in solchen Farbkombinationen sind für Betroffene schlecht bis gar nicht zu lesen.

8.7.3
Konventionen

Farbkonventionen beziehen sich hier auf die Verwendung von Farben im westlichen Kulturkreis. Die Farben Rot, Gelb und Grün haben eine besondere Bedeutung, die man bei der Gestaltung von Oberflächen berücksichtigen sollte.

Abb. 35 Verwendungsbeispiele der Farben Rot, Gelb und Grün nach europäischen Konventionen

Rot soll als Hervorhebung wirklich nur dann verwendet werden, wenn es sich um eine wichtige Meldung handelt und die Benutzerin oder der Benutzer z. B. Gefahr läuft, Daten zu verlieren, falls sie oder er eine bestimmte Funktion ausführt. Es ist zu vermeiden, den Text selbst in Rot hervorzuheben, ebenso wie den Hintergrund. Stattdessen kann man Rot z. B. für eine Fläche, einen Rahmen oder ein Symbol verwenden, um die Dringlichkeit zu verdeutlichen.

Auf keinen Fall ist Rot z. B. für häufig genutzte Maskenbereiche zu verwenden, nur um eine bestimmte Information hervorzuheben. Auch andere gesättigte Farben sind mit großer Vorsicht zu verwenden.

8.7.4
Kontrast

Für die Leserlichkeit (visuelle Erkennbarkeit) von Text spielen Kontrast und Helligkeit eine entscheidende Rolle. Neben der Einstellbarkeit am Bildschirm oder über das Betriebssystem kann die Helligkeit der Vorder- und Hintergrundfarbe den Kontrast beeinflussen.

Abb. 36 Verschlechterung der Leserlichkeit durch Kontrastreduzierung

Die Abbildung 36 zeigt eine häufige Dialogsituation, in der Felder inaktiv dargestellt sind (unten). Durch die Grautöne mit fast derselben Helligkeit für Schrift und Hintergrund wird zwar der inaktive Zustand angezeigt, was aber auch den Kontrast und damit die Leserlichkeit deutlich reduziert. Dies ist problematisch, wenn die Informationen trotz Deaktivierung gelesen werden müssen.

Abb. 37 Verbesserter Kontrast durch Wahl einer geeigneten Farbe

Eine geeignete Farbwahl kann den Kontrast und die Leserlichkeit von Text erhöhen, wie in Abbildung 37 zu sehen ist.

Eine andere Vordergrundfarbe (in der Abbildung 37 ein Gelb mit höherer Farbintensität bzw. Helligkeit) kann die visuelle Erkennbarkeit (Leserlichkeit) erhöhen.

Der Kontrast kann auch durch eine Software, einem sog. Farbkontrast-Analyzer theoretisch bestimmt werden. Dieser Farbkontrast-Analyzer ermittelt den softwareseitig vorgegebenen Kontrast zwischen der programmierten Vordergrund- und der programmierten Hintergrundfarbe. Der Kontrast sollte einen Wert von 4,5:1 nicht unterschreiten. Für häufig gelesene oder wichtige Texte ist ein Verhältnis von 7:1 zu bevorzugen.

Abb. 38 Screenshot des Farbkonstrast-Analyzer (Download unter www.C2Web.de)

8.7.5
Farben für Symbole

Farben oder Farbflächen sind nicht allein für die Kodierung von Information zu verwenden. Durch einen (zusätzlichen) Text, eine grafische Kontur oder ein prägnantes Symbol kann leichter erkannt werden, dass eine Information übermittelt wird.

In der Abbildung sind oben nur Farben zur Kennzeichnung des Status eines Netzwerkdruckers verwendet, unten dagegen auch weitere Zeichen (Häkchen und Kreuz). Dies verbessert Unterscheidbarkeit und Erkennbarkeit. Zusätzlich ist es sinnvoll, einen erklärenden Text auf der rechten Seite des Symbols anzuzeigen. (Abbildung 39).

Abb. 39 Kennzeichnung des Status eines Netzwerkdruckers