DGUV Information 215-450 - Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)

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Abschnitt 8.5, 8.5 Textgestaltung
Abschnitt 8.5
Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Titel: Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-450
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 8.5 – 8.5 Textgestaltung

8.5.1
Verständliche Texte

Texte bzw. Informationen sind verständlich, nicht kompromittierend oder beleidigend und entsprechend dem Vokabular der Benutzerinnen und Benutzer zu formulieren. Fachbegriffe oder kryptische Codes sind zu vermeiden.

Im Unterschied zur Leserlichkeit, die sich auf die visuelle Erkennbarkeit bezieht, ist mit Lesbarkeit die Verständlichkeit von Texten und Informationen generell gemeint. Wie verständlich ein Text ist, wird durch die sprachliche Gestaltung beeinflusst. Je verständlicher Beschriftungen oder Meldungstexte sind, desto leichter ist es, die aktuelle Dialogsituation zu verstehen, die nächsten Arbeitsschritte zu erledigen und das System zu erlernen.

Abb. 23 Ungünstiger Meldungstext

In der abgebildeten Meldung wird die Benutzerin bzw. der Benutzer gewissermaßen "beschuldigt", einen Fehler gemacht zu haben (Abb. 23). Auch das Wort "unverzüglich" ist nicht angemessen. Es werden keine verständlichen Angaben gemacht, welches Feld eigentlich betroffen ist, sondern es wird nur ein kryptischer Code angezeigt. Mit dieser Meldung hat die Benutzerin oder der Benutzer Schwierigkeiten, das Feld zu finden und den Fehler zu korrigieren.

Innerhalb der Anwendung ist auf eine einheitliche Terminologie und Formulierung zu achten. So kann z. B. die Funktion zur Übermittlung von Daten immer "Datei übertragen" genannt werden, und nicht an einigen Stellen zusätzlich "Senden" oder "Upload". Funktionen sollten mit Verben wie Speichern, Schließen bezeichnet werden. Für das Aufrufen von Masken sollten hingegen Substantive verwendet werden, z. B. "Einstellungen …".

Abb. 24 Kryptische, nicht verständliche Beschriftung

Abkürzungen in Beschriftungen können zu einer verschlechterten Verständlichkeit beitragen. In der Abbildung sieht man die etwas ungewöhnliche Abkürzung der Postleitzahl und des Ortes (Abb. 24).

8.5.2
Positive und negative Darstellung von Text (Polarität)

Texte sollten in dunkler oder schwarzer Schrift vor einem hellen Hintergrund dargestellt werden (positive Polarität, Positivdarstellung). Ein angemessener Wert für einen Kontrast ist dabei nicht zu unterschreiten. Softwareseitig sollte hier ein theoretischer Kontrast von mindestens 4,5:1 programmiert sein (siehe Abschnitt 8.7 Farben/Kontrast). Das Gleiche gilt für Symbole. Sie sollten ebenfalls vor einem hellen Hintergrund in dunkleren Farben dargestellt werden.

Abb. 25 Inverse Darstellung von Textabschnitten

Grundsätzlich sind inverse Darstellungen von Textabschnitten zu vermeiden. In Bezug auf die Aufgabenstellung kann dies aber im Einzelfall von Vorteil sein, z. B. Auswahl in einer Liste.

Abb. 26 Verschiedene Hervorhebungen von Text

Abb. 27 Unterschied zwischen Großschreibung und Groß- und Kleinschreibung

Abb. 28 Unterschiedliche Textverläufe

Abb. 29 IBAN-Nummer (links ungruppiert, rechts gruppiert)

8.5.3
Hervorheben und Darstellen von Text

Hervorhebungen innerhalb von Fließtexten sparsam verwenden. Mögliche geeignete Hervorhebungen sind z. B. Fettdruck, eine andere Textfarbe oder eine andere Hintergrundfarbe, ungeeignet sind z. B. inverse Darstellung oder Großschreibung.

Unterstreichen sollte in der Regel für die Kennzeichnung von Links vorbehalten sein. Die inverse Darstellung ist für Textmarkierung und Auswahl reserviert. Kursive Zeichen sind wegen des sogenannten Treppeneffekts (siehe Abschnitt 8.6.4 Schrift/Glättung) bei kleineren Schriften zu vermeiden.

Für Benutzerinnen und Benutzer wichtige Informationen wie z. B. der Name einer Person in einem Eingabefeld sind ohne Ausnahme in normaler Groß- und Kleinschreibung zu schreiben.

Bei der Darstellung von Text ist darauf zu achten, wie viele Buchstaben eine Zeile hat. Ab ca. 80 Buchstaben pro Zeile wird der Text weniger gut erfassbar; dies gilt ebenso für zu kurze Zeilen.

8.5.4
Texte strukturieren

Gruppierung ist ein wichtiges Hilfsmittel, Informationen verständlicher zu gestalten. Wenn Listeneinträge, Texte oder Zahlenfolgen ohne Gruppierung in größerer Zahl (z. B. größer 8) angezeigt werden, so ist es ungleich schwieriger, bestimmte Informationen zu erfassen.

Ein Beispiel für die Gruppierung von Zahlen ist die IBAN-Nummer. Die Gruppierung erleichtert das Lesen, Eingeben und Prüfen einer solchen Nummer.