DGUV Information 215-450 - Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)

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Abschnitt 3.4, 3.4 Umsetzung von Handlungen
Abschnitt 3.4
Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Titel: Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-450
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.4 – 3.4 Umsetzung von Handlungen

Der Dialog mit der Software muss so zugänglich und die Darstellung von Informationen auf der Bildschirmanzeige muss so aufbereitet sein, dass Beschäftigte Entscheidungen treffen und Handlungen zur weiteren Bearbeitung von Aufgaben umsetzen können. Die Prinzipien der Interaktions- und Informationsgestaltung sind auch für die Umsetzung von Handlungen zu berücksichtigen. Angezeigt werden sollten nur die Informationen, die für die Bearbeitung aktuell relevant sind. Weitere Informationen können im Hintergrund vorgehalten werden. Optionen zur Handlungsumsetzung sollten direkt angesteuert werden können (z. B. Eingabemittel und Eingabefelder).

Die Steuerbarkeit von Handlungsschritten zur Aufgabenbearbeitung mithilfe von Eingabemitteln und Software hängt von folgenden Aspekten ab (vgl. DIN EN ISO 10075-2):

  • Vom Ordnungsgrad der Steuerung (z. B. Lagesteuerung mit der Maus versus Geschwindigkeitssteuerung mit dem Joystick),

  • der Dimensionalität der Steuerungsbewegungen (z. B. Pfeiltasten für vier Richtungen, Maus für Lageveränderungen auf einer Ebene),

  • von Zeitverzögerungen in der Systemantwort (z. B. Antwortzeiten computertechnischer Funktionen wie Datenspeicherung oder Datenfinden),

  • der Anzeige von Informationen als Rückmeldung auf Steueraktivitäten der Benutzerin oder des Benutzers (z. B. Veränderung eines Optionsfeldes nach Optionsauswahl mit dem Mauszeiger),

  • der Anzeigen-Stellteil-Kompatibilität (zur Bewegung der Maus proportionale Bewegung des Zeigers).

Da Handlungen meist durch eine Ansteuerung von Feldern, Optionen oder Schaltflächen auf der Bildschirmanzeige umgesetzt werden sollen, sind Systeme zur Lagesteuerung einzusetzen. Die Bewegung der Maus führt dann proportional zu einer Mauszeigerbewegung. In diesem Fall nicht kompatibel wäre der Einsatz eines Joysticks, der als System der Geschwindigkeitssteuerung zum punktgenauen Erreichen von Anzeigepositionen ungeeignet ist.

Eine Handlungsumsetzung mithilfe von Eingabemitteln, die ergonomische Regel- und Gesetzmäßigkeiten berücksichtigt, trägt zu einer ergonomischen Gestaltung bei. Nach dem Fitts'schen Gesetz ist die Zeit zum Erreichen einer Steuerungsoption auf der Bildschirmanzeige eine Funktion der Entfernung zu dieser Option und ihrer Größe. Ein Ziel wird mit einem Eingabemittel also umso schneller erreicht, je größer das Ziel ist und je geringer der Abstand zum Ziel ist. Dieser Zusammenhang wurde anhand von Greifbewegungen zu Stellteilen ermittelt und konnte auch auf die Interaktions- und Informationsgestaltung übertragen werden. Kleinere Options- oder Schaltflächen und große Entfernungen von Eingaben für nacheinander folgende Arbeitsschritte sollten vermieden werden. Einerseits wird dabei das Auffinden und Fokussieren erschwert und andererseits ist nach dem Fitts'schen Gesetz für ein punktgenaues Erreichen relativ viel Zeit erforderlich.

Auch das Hick'sche Gesetz gehört zu ergonomischen Regel- und Gesetzmäßigkeiten und fördert eine ergonomische Interaktions- und Informationsgestaltung. Danach steigt die Bearbeitungszeit mit der Anzahl alternativer Optionsfelder, Schaltflächen oder Informationseinheiten zwischen denen gewählt werden soll. Daher sollten nur für die aktuellen Aufgaben Informationen dargestellt werden. Zusätzliche, aber für die Aufgabenbearbeitung nicht relevante Informationseinheiten erhöhen die erforderliche Wahrnehmungs- und Bearbeitungszeit und belegen Gedächtnisressourcen. Da sich die Wahlentscheidungen nicht auf Einzelinformationen, sondern auf Informationseinheiten beziehen, lässt sich die Informationsmenge durch eine angemessene Wahrnehmungsorganisation verringern. So kann z. B. durch eine für die Aufgaben angemessene hierarchische Strukturierung der Zugriff auf Detailinformationen bei Bedarf ermöglicht werden. Auch eine Gliederung in Haupt- und Untermenüs kann Informationseinheiten verringern und dadurch den Zugriff auf einzelne Menüoptionen verbessern.

In diesem Zusammenhang ist ein Verweis auf Tesler's Gesetz zur Erhaltung der Komplexität in der Softwareergonomie hilfreich. Software oder Benutzungsoberflächen als Teile davon haben eine inhärente Komplexität. Ziel eines benutzungsorientierten Designs sollte es nicht sein, diese Komplexität zu eliminieren. Die Komplexität sollte in den Gestaltungsprozess verschoben werden, indem möglichst viel Funktionalität in das System verlagert und einem Beschäftigten die Interaktion mit der Komplexität erleichtert wird.

Eine an den Aufgaben und ergonomischen Gestaltungsprinzipien orientierte Gestaltung der Interaktionsschnittstellen kann die Entwicklung von Software aufwendig machen. Dieser Aufwand rechtfertigt sich allerdings allein dadurch, dass die Nutzung dieser Software die Aufgabenbearbeitung erheblich verbessern kann. Die Nutzungsqualität verbessert sich, wenn z. B. der Grundsatz, dass Erkennen einfacher ist als Erinnern, umgesetzt wird. Informationsdarstellungen, Steuerbewegungen und Systemantworten sollen kompatibel mit den Erwartungen sein, um zusätzliche Anstrengung und widersprüchliche Information zu vermeiden (vgl. DIN EN ISO 10075-2). Erwartungskonforme Darstellungen von Informationen oder Dialogstrukturen werden durch die oben vorgestellten Organisationsprinzipien unterstützt. Auch direkte Möglichkeiten der Steuerung sollten erwartungskonform gestaltet sein. Steuerfelder, die das Blättern bzw. Vor- und Rückwärtsbewegen in einem Text veranlassen, sollten kompatibel zur dargestellten Bezeichnung der Bewegungsrichtung und zur Bewegungsrichtung des Eingabemittels sein.

Die Gestaltung von Software unterstützt die Umsetzung von Handlungen auch, wenn

  • die Bewegung des Menschen erwartungskonform und kompatibel zu einer Bewegung des Cursors führt (z. B. Maus-Anzeiger auf dem Bildschirm bewegt sich kompatibel zur Bewegung des Maus-Eingabegeräts),

  • die Steuerungsflächen bei Touchscreens groß genug und für die Aufgaben strukturiert sind,

  • der Widerstand bei Tastendruck ausreichend groß ist und eine wahrnehmbare Rückmeldung über erfolgte Umschaltung beim Tasten gegeben wird,

  • Flächen zur Auslösung von unterschiedlichen Funktionen gekennzeichnet und voneinander abgegrenzt sind,

  • weitere Aspekte beachtet sind, die für einen Einsatz von Eingabemitteln und berührungssensitiven Bildschirmen ausschlaggebend sind: Sicherheit vor Fremdauslösung, Verunreinigung durch Hautkontakt usw.

Weitere Informationen zur Gestaltung von Eingabemitteln und Berührungsbildschirmen bieten DIN EN ISO 9241-410 zu Gestaltungskriterien für physikalische Eingabegeräte und VDI/VDE 3850 Blatt 2 zu Merkmalen, Gestaltung und Einsatzmöglichkeiten von Benutzungsschnittstellen mit Touchscreens.