DGUV Information 215-450 - Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)

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Abschnitt 3.1, 3.1 Schnittstellen zwischen der Software und ...
Abschnitt 3.1
Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Titel: Softwareergonomie (DGUV Information 215-450)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-450
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.1 – 3.1 Schnittstellen zwischen der Software und den Prozessen menschlicher Informationsverarbeitung

Häufig unterstützt Software die Beschäftigten bei der Erledigung ihrer Aufgaben. Ist die Software nach ergonomischen Prinzipien gestaltet, dann ist sie auch an den Prozess der Informationsverarbeitung des Menschen anpasst. Die Schnittstellen zur Software betreffen dabei die Wahrnehmung, die Verarbeitung von Informationen und Wissensgenerierung und schließlich die Handlungsumsetzung.

Abb. 1 Modell der Mensch-System-Interaktion in der Informationsverarbeitung

Abbildung 1 zeigt, wie der Mensch vom Computer Daten aufnehmen, diese Daten als Informationen verarbeiten und auch an den Computer weitergeben kann. Daten, die Software über die Bildschirmanzeige Benutzerinnen und Benutzern zur Verfügung stellt, sollen sie bei der Aufgabenbearbeitung unterstützen. Die Benutzerinnen und Benutzer müssen die Daten auf der Bildschirmanzeige entziffern können (Leserlichkeit) und ihren Inhalt verstehen können (Lesbarkeit), damit die Daten mit ihren Sinnen wahrnehmbar sind (Informationsaufnahme). Können Benutzerinnen und Benutzer die Daten der Anzeige wahrnehmen, so sind sie in der Lage, diese als Informationen mit den Anforderungen aus der Arbeitsaufgabe zu verarbeiten (Informationsverarbeitung) und Wissen zu generieren. Mit diesem Wissen können sie Entscheidungen treffen, die sie in Handlungen umsetzen.

Ein Teil dieser Handlung bezieht sich auf die Nutzung der Software, indem Daten auf der Anzeige von Benutzerinnen und Benutzern mithilfe von Eingabemitteln verändert werden (Informationsumsetzung).

Die Gestaltung der Software spielt also zumindest an zwei Stellen im Prozess der Informationsverarbeitung eine wesentliche Rolle.

  1. 1.

    Für die Informationsaufnahme müssen die Daten so zugänglich und aufbereitet sein, dass Beschäftigte sie wahrnehmen - sehen, hören, fühlen und erkennen - können und dass sie im Umfang dem jeweiligen Teil der Aufgabenbearbeitung angemessen sind.

    So müssen z. B. Daten in ausreichender Zeichengröße dargestellt werden, damit Beschäftigte sie entziffern und lesen können.

    Informationen sollten auf der Bildschirmanzeige strukturiert dargestellt werden, damit sich Benutzerinnen und Benutzer orientieren können. Weitere Anforderungen an eine ergonomische Gestaltung von Interaktionen mit und Informationen der Software sind z. B. in den Teilen 110 und 12 der DIN EN ISO 9241 beschrieben.

  2. 2.

    Für die Informationsumsetzung müssen die Daten so zugänglich und aufbereitet sein, dass Benutzerinnen und Benutzer Schritte zur Aufgabenbearbeitung mithilfe der Software umsetzen können.

    Deshalb sollten lediglich die Informationen in einer Struktur dargestellt werden, die für die Bearbeitung aktuell wichtig sind. Für die Aufgabenbearbeitung erforderliche Eingabemittel und Eingabefelder sollten direkt angesteuert werden können. Anforderungen an eine ergonomische Gestaltung der Eingabemittel für den Sofware-Einsatz sind in DIN EN ISO 9241-410 beschrieben.

Abb. 2 Prozess er Visuellen, akustischen und taktilen Wahrnehmung

Im Prozess der Informationsverarbeitung und Wissensgenerierung fällt Benutzerinnen und Benutzern die zentrale Rolle zu. Sie bearbeiten ihre Aufgaben, indem sie ihre Fähigkeiten, ihr Wissen, ihre Fertigkeiten und Erfahrungen einsetzen. Dafür steuern sie den in Abbildung 1 als Prozess beschriebenen Mensch-Software-Dialog, bei dem sie in einzelnen Aufgabenteilen, Arbeitsschritten und Teilen zur Entscheidungsfindung von der Software unterstützt werden.

Das Wissen über die Funktionsweise der Informationsverarbeitung des Menschen hilft bei der ergonomischen Gestaltung von Software. Dies wiederum hilft, die Aufgabenbearbeitung zu erleichtern und Fehlbelastungen zu vermeiden. Eine Herausforderung für die ergonomische Gestaltung von Software liegt darin, alle Bedingungen, unter denen die Software genutzt wird, zu berücksichtigen. Optimale Bedingungen für den Prozess der Informationsverarbeitung können auch die Intensität psychischer Belastung senken (siehe Kapitel 4).