DGUV Information 207-024 - Risiko Nadelstich Infektionen wirksam vorbeugen (DGUV...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 4.2, 4.2 Minimieren Sie das Risiko gemeinsam
Abschnitt 4.2
Risiko Nadelstich Infektionen wirksam vorbeugen (DGUV Information 207-024)
Titel: Risiko Nadelstich Infektionen wirksam vorbeugen (DGUV Information 207-024)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 207-024
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4.2 – 4.2 Minimieren Sie das Risiko gemeinsam

Arbeitssicherheit ist Chefsache. Als Unternehmerinnen, Unternehmer oder Vorgesetzte müssen Sie durch eine fachkundig durchgeführte Gefährdungsbeurteilung (siehe TRBA 200) dafür sorgen, dass Ihre Beschäftigten vor Gesundheitsgefahren am Arbeitsplatz geschützt sind. Dennoch müssen Sie nicht alles selbst machen. Es ist sogar vorteilhaft, Vertretungen aus den betreffenden Arbeitsbereichen und dem betrieblichen Arbeitsschutz, Fachleute und Interessenvertretungen einzubinden - Sie profitieren von deren Know-how und steigern die Akzeptanz bei der Belegschaft.

Beispiele für Tätigkeiten mit besonderem Gefährdungspotenzial
  • Punktieren, injizieren, Blut entnehmen

  • Legen von Gefäßzugängen

  • Entnehmen von Proben zur Diagnostik

  • Endoskopieren, zystoskopieren

  • Operieren

  • Obduzieren

  • Nähen und verbinden von Wunden

  • Umgang mit fremdgefährdenden Menschen bei Gefahr von Biss- und Kratzverletzungen

  • Zahnärztliche Behandlungen mit spitzen oder scharfen Instrumenten

  • Umgang mit benutzten Instrumenten (Kanülen, Skalpelle)

  • Umgang mit infektiösen beziehungsweise potenziell infektiösen Abfällen

  • Aufbereitung und Entsorgung von: Pen-Kanülen, Trokaren, chirurgischen Nadeln, Drähten, Tuchklemmen, Akupunkturnadeln, scharfen medizinischen Instrumenten

  • Arbeiten an kontaminierten Medizinprodukten (einschließlich medizinischen Geräten), Hilfsmitteln und anderen Gegenständen, die nicht zuvor desinfiziert worden sind, etwa wegen mangelnder Zugänglichkeit

  • Spritzenwechsel in Drogenambulanzen

Betriebsärztinnen, Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit haben Expertise in Sachen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Sie beherrschen die rechtlichen Grundlagen, kennen die Arbeitsplätze im Betrieb und beraten Einrichtungs- und Betriebsleitung sowie deren Führungskräfte bei der Gefährdungsbeurteilung. Sicherheitsbeauftragte können Arbeitssituationen nennen, in denen es zu Stich- und Schnittverletzungen gekommen ist oder hätte kommen können. Die gewählte betriebliche Interessenvertretung tritt für Gesundheits- und Sicherheitsinteressen der Beschäftigten ein. Sie ist in der Regel gut über Problemstellungen des Arbeitsschutzes in den verschiedenen Abteilungen informiert und in der Lage, diese in regelmäßigen Gesprächen mit der Chefetage und Führungskräften anzusprechen. Fachärztinnen und -ärzte für Hygiene, Hygienefachkräfte und -beauftragte sind wichtig, da sie die patientenbezogenen Arbeitsprozesse mit dem Ziel der Infektionsverhütung optimieren.

Arbeitsschutzausschuss und Steuerungsgruppe

Betriebe mit 20 und mehr Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern haben einen Arbeitsschutzausschuss (ASA). Hier beraten die genannten Ansprechpartnerinnen und -partner die Unternehmensleitung mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten noch sicherer und gesünder zu gestalten. Die Einführung und Bewertung von Sicherheitsgeräten oder Verbesserungen in der Arbeitsorganisation sollten ständige Tagesordnungspunkte sein.

Ergänzend zum ASA kann aus dem Kreis dieser Akteurinnen und Akteure eine Steuerungsgruppe gebildet werden, die gemeinsam die Einführung neuer Sicherheitsgeräte oder organisatorischer Arbeitsabläufe vorantreibt und die praktische Umsetzung im Betrieb kritisch begleitet (siehe auch Abschnitt 5.4).

Beschäftigte und betriebliche Interessenvertretung einbeziehen - rechtliche Grundlagen

Die Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie ihrer Interessenvertretung ist nicht nur sinnvoll, sondern vom Gesetzgeber ausdrücklich gefordert: Die Neufassung der Biostoffverordnung vom Juli 2013 stärkt deren Rechte sowie Möglichkeiten der Information, Beratung und Beteiligung (§ 8 BioStoffV).

Bei den Maßnahmen zur Minimierung der Infektionsgefährdungen sind alle betroffenen Personenkreise zu berücksichtigen. Dazu gehören auch Beschäftigte von Fremdbetrieben wie Reinigungs- oder Lieferdiensten, Küchenpersonal oder Berufspraktikantinnen und -praktikanten. Sie - beziehungsweise deren Vertretung - sind ebenfalls bei der Gestaltung der Arbeitsorganisation und bei der Einführung von Arbeitsmitteln zur Vermeidung von Stich- und Schnittverletzungen zu informieren, zu schulen und bei der Entwicklung und Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen zu beteiligen.

Als Einrichtungsleitung müssen Sie ferner geeignete Maßnahmen ergreifen, um das Sicherheitsbewusstsein der Beschäftigten zu schärfen. Das kann durch Beratung und Information erfolgen und durch die fachkundige Steuerungsgruppe begleitet werden (§ 4 BioStoffV). An dieser ist ebenfalls die Interessenvertretung zu beteiligen.

Organisation in kleineren Betrieben: Teambesprechungen

In kleinen Unternehmen des Gesundheitswesens wie Apotheken, ärztlichen und zahnärztlichen Praxen sind nicht zwingend alle in größeren Betrieben anzutreffenden Fachleute und -gremien vorhanden. Dafür besteht verstärkt die Möglichkeit, Anwenderinnen und Anwender einzubinden und direkt anzusprechen. Gleichwohl müssen Zuständigkeiten bei der Einführung von Sicherheitsgeräten oder bei Veränderungen der Arbeitsorganisation verbindlich geregelt sein.

Ergebnisse der Erfassung und Analyse von Nadelstichverletzungen mit rückschauender Gefährdungsbeurteilung sollten als fester Tagesordnungspunkt in den innerbetrieblichen Besprechungen verankert werden und Bestandteil der regelmäßigen Sicherheitsunterweisungen sein. Die Dokumentationen sollten in den Arbeitsschutzunterlagen abgelegt werden und mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem betriebsärztlichen Dienst besprochen werden.

Setzen Sie das Thema "Stichverletzungen vorbeugen" als festen Tagesordnungspunkt auf die Agenda von Teambesprechungen.

Praxistipp: Arbeitsbedingungen prüfen
Wie ist die Arbeit in Ihrem Betrieb organisiert? Entsprechen die Arbeitsabläufe
§ 4 (3) Ziffer 5a der Biostoffverordnung? Ist ein ruhiges und konzentriertes Arbeiten möglich?
  • Zeitdruck erzeugt Hektik.

    • Tipp: Arbeitsverdichtung lässt sich durch gute Arbeitsplanung reduzieren. Beispiel: angepasste Bestellzeiten für die Blutentnahme in einer Praxis festlegen.

  • Enge Platzverhältnisse oder sich überschneidende Arbeitsbereiche erhöhen das Risiko,

    aneinanderzustoßen und sich versehentlich an spitzen oder scharfen Instrumenten zu verletzen.

    • Tipp: Legen Sie ausreichend dimensionierte und ruhige (separate) Räumlichkeiten für Blutabnahmen, Punktionen und ähnliche Tätigkeiten fest.

  • Unruhe und Lärm lenken ab.

    • Tipp: Vereinbaren Sie, dass bei Blutentnahmen die Türen des Raumes geschlossen und vermeidbare Geräuschquellen wie Radio oder Fernseher abgestellt sind.

  • Unbequeme Arbeitshaltungen und schlechte Sichtverhältnisse beeinträchtigen die Qualität der Arbeit.

    • Tipp: Sorgen Sie für eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes und für eine gute Ausleuchtung insbesondere des Arbeitsbereichs.

  • Eine ungünstige Anordnung von Gebrauchs- und Verbrauchsmaterialien erschwert die Arbeit unnötig.

    • Tipp: Achten Sie darauf, dass alle benötigten Utensilien bis hin zum Abwurfbehälter griffbereit zur Verfügung stehen und sinnvoll angeordnet sind.

      Vermeiden Sie es außerdem, gleichzeitig Arbeitsgeräte mit Sicherheitsmechanismen (Sicherheitsgeräte) und konventionelle Instrumente bereitzustellen, damit es nicht zu Verwechslungen kommt.

  • Persönliche Schutzausrüstung schafft zusätzliche Sicherheit.

    • Tipp: Achten Sie darauf, dass bei möglichem Kontakt mit potenziell infektiösem Material geeignete flüssigkeitsdichte medizinische Einmalhandschuhe getragen werden. Empfehlenswert ist auch das Tragen von doppelten Handschuhen bei bestimmten operativen/invasiven Eingriffen. Bei der Instrumentenaufbereitung müssen bei der manuellen Reinigung und Desinfektion schnittfeste oder schnitthemmende Handschuhe bei Tätigkeiten an scharfen Kanten von Geräten sowie flüssigkeitsdichte langstulpige Schutzhandschuhe getragen werden. Die Schutzhandschuhmaterialien sind entsprechend dem Reinigungs- und Desinfektionsmittel beziehungsweise dem potenziell infektiösen Gut chemikalienbeständig auszuwählen.