DGUV Information 205-024 - Unterweisungshilfen für Einsatzkräfte mit Fahraufgabe...

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Abschnitt 3.2, 3.2. Entscheidungsverhalten
Abschnitt 3.2
Unterweisungshilfen für Einsatzkräfte mit Fahraufgaben (DGUV Information 205-024)
Titel: Unterweisungshilfen für Einsatzkräfte mit Fahraufgaben (DGUV Information 205-024)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 205-024
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.2 – 3.2. Entscheidungsverhalten

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Psycho-physiologische Einflüsse ...

Emotionen sind ein psychophysiologischer bzw. psychologischer Prozess, der durch die bewusste und/oder unbewusste Wahrnehmung eines Objekts oder einer Situation ausgelöst wird und mit physiologischen Veränderungen, spezifischen Kognitionen, subjektivem Gefühlserleben und einer Veränderung der Verhaltensbereitschaft einhergeht.

Sie können auf Einsatzfahrten bezogen dahingehend eingegrenzt werden, dass sich der emotionale Zustand im Wesentlichen zunächst im Bereich der Anspannung, Erregung befindet. Emotionen haben in diesem Zusammenhang eine stark motivierende Funktion. Sie spornen zum Handeln an und richten das Verhalten auf ein Ziel aus und erhalten dies aufrecht.

Problematischer kann es werden, wenn weitere Emotionen hinzukommen wie Ärger, Wut oder Zorn: Auf der Einsatzfahrt meistens gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern. Diese emotionalen Zustände rühren in der Regel aus einer erlebten Hilf- oder auch Ausweglosigkeit. Sie dienen nicht mehr der Regulierung anderer Bewältigungsprozesse. Sie sind vielmehr Anzeichen eines bevorstehenden Systemzusammenbruchs und sind Gefühle, die im Vorfeld von Aggressionen zu finden sind - auch wenn diese nicht offen ausbrechen müssen, sondern z. B. nur in der Phantasie ausgelebt werden. Ärger ist insofern erstmal eine Emotion zur Aufrechterhaltung der inneren Balance.

Wut ist dagegen schon eine Emotion zur Selbstbehauptung. Beim Autofahren tritt sie oft im Zusammenhang mit der Frage von Über- oder Unterlegenheit und der empfundenen Einengung des eigenen Bewegungsspielraums auf. Wut ist bereits mit vegetativen und motorischen Erscheinungen verbunden. Hat man sie nicht unter Kontrolle, vollzieht sie sich ohne Überblick und Überlegung und ohne bewusste Abwägung von Schuld oder Verantwortung.

Zorn als nächste Eskalationsstufe ist Ausdruck einer Empörung über erfahrenes Unrecht.

Der emotionale Zustand in dem wir uns befinden wird also maßgeblich unsere Risikobereitschaft und damit unser gesamtes Entscheidungsverhalten beeinflussen.

Motive werden in der Psychologie als eine relativ stabile Persönlichkeitseigenschaft bezeichnet, die beschreibt, wie wichtig einer Person eine bestimmte Art von Zielen ist. Motive unterstützen darüber hinaus das Bestreben, dem Selbstbild, selbstdefinierten Zielen, individuellen und kulturellen Werten, sozialen Rollen u. a. gerecht zu werden. Sie organisieren und repräsentieren kognitiv, welche Erfahrungen im Leben im Zusammenhang mit Bedürfnissen gemacht wurden, insbesondere implizit wahrgenommene Handlungsmöglichkeiten und deren Folgen. Sie sind nicht zwingend bewusst.

Motive sind zunächst mal Beweggründe für Handlungen die einer Zielsetzung folgen. Diese Motive können überwiegend durch innere Beweggründe, wie umgekehrt durch starke äußere Anreize hervorgerufen werden.

Hier muss man sich fragen: Was steuert uns, wenn wir ein Fahrzeug steuern?

Hauptmotiv ist, so schnell wie möglich den Einsatzort zu erreichen. Hier stellt sich bereits die Frage: Wie stark und damit handlungsbestimmend bzw. stabil ist das Motiv diesen sicher zu erreichen; zumal der Sicherheit bei der Einsatzfahrt nur bedingt oberste Priorität eingeräumt werden kann, da Sicherheit in dieser Situation immer nur die Minimierung von Risiken bedeuten kann?

Darüber hinaus können eine ganze Reihe sogenannter Extra-Motive mitschwingen, die kritisch zu bewerten wären:

  • der Aktivations- und Anregungswert des Fahrens

  • das Erleben von Kompetenzgefühlen beim Fahren

  • Demonstration von Überlegenheit durch das Fahrzeug oder den Fahrstil

Sich dieser Extra-Motive, sofern vorhanden, bewusst zu werden, ist bereits der entscheidende Schritt, um ein angemessenes Risikoverhalten beibehalten zu können.

Einstellungen sind die aus der Erfahrung kommende Bereitschaft (Prädisposition) eines Individuums in bestimmter Weise auf eine Person, eine soziale Gruppe, ein Objekt, eine Situation oder eine Vorstellung wertend zu reagieren, was sich im kognitiven (Annahmen und Überzeugungen), affektiven (Gefühle und Emotionen) und behavioralen (Verhaltensweisen) Bereich ausdrücken kann. Beispiele für Einstellungen sind Vorurteile, Sympathie und Antipathie oder der Selbstwert. Einstellungen haben die Funktion, Objekte einzuschätzen sowie durch Identifikation und Distanzierung zu Individuen soziale Anpassung zu erreichen.

Eine weitere entscheidungs- und verhaltensrelevante Komponente sind Einstellungen. Aufgrund bestimmter Meinungen, die wir uns gebildet haben und einer gefühlsmäßigen Reaktion auf ein (Einstellungs-) Objekt kommen wir zu einer mehr oder weniger positiven bzw. negativen Bewertung. Dies wird nicht ohne Einfluss auf unser Verhalten bleiben.

Einstellungen haben erhebliche Vorteile: Sie ermöglichen uns, sich schnell zu orientieren, Dinge zuzuordnen und sich in oder gegenüber sozialen Gruppen zu verhalten. Sie unterstützen uns in unserem Selbstbild bis hin zu einem Gefühl der Überlegenheit.

Sie erlauben es uns, unseren Wertvorstellungen Ausdruck zu verleihen. Da eine Anpassung der Einstellungen sich nahestehender Menschen stattfindet, festigen sie die Gruppenzugehörigkeit und soziale Beziehungen.

Einstellungen sind im einfachsten Fall durch Vorurteile gekennzeichnet. Auf den Verkehr bezogen meist gegenüber Gruppen mit anderen Merkmalen: Opa, Frau, Fahrradfahrer/Fahrradfahrerin, Mercedes ... etc. Das konkrete Verhalten in einer Situation wird zwar durch Emotionen, Motive und Einstellungen beeinflusst, kann jedoch dennoch nicht vorhergesagt werden. Jedoch sind Entscheidungen, die auf Vorurteilen beruhen, immer nur bedingt tragfähig. Die Bereitschaft, sie immer wieder zur Disposition zu stellen, ist der entscheidende Schritt.

Zum einen ist die "innere" Balance einer Person von dem Zusammenspiel dieser Komponenten abhängig. Zum anderen bestehen immer auch äußere Einflussfaktoren sozialer (z. B. Beifahrer/Beifahrerin) und situativer (z. B. Witterung) Art, die bei der Entscheidung für ein bestimmtes Verhalten zum Tragen kommen.

Entscheidungsverhalten

18:02: Alarmierung; Brand Pflegeheim

18:05: Beinaheunfall; vorausfahrender Linksabbieger; Fahrer telefoniert

18:07: Kreuzung; Fußgängerüberweg; beinahe Scater mit Kopfhörer überfahren

18:11: Ankunft