Technische Information 4 Sicherheitsregeln für Biogasanlagen Bundesrecht

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Informationen der Sachversicherer (GDV),
Informationen der Sachversicherer (GDV)
Technische Information 4 Sicherheitsregeln für Biogasanlagen
Bundesrecht

Anhangteil

Titel: Technische Information 4 Sicherheitsregeln für Biogasanlagen
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: BiogasAnlSiRegl
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Richtlinie

Informationen der Sachversicherer (GDV)

Hinweise zur Schadenverhütung aus Sicht des Sachwertschutzes (informativ)

In den nachfolgenden Informationen sind in Ergänzung zu den Sicherheitsregeln für Biogasanlagen, die vornehmlich auf den Personenschutz ausgerichtet sind, weiterführende Maßnahmen zur Schadenvehütung aufgeführt. Sie sind von Experten des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) gemäß Schadenerfahrungen erarbeitet worden und sollen dazu dienen, Sachschäden zu vermeiden bzw. zu begrenzen.

Diese Hinweise sind unverbindlich. Der Versicherer kann im Einzelfall auch andere Sicherheitsvorkehrungen und Maßnahmen je nach dem Risikoverhältnis und der Risikobewertung akzeptieren.

1 Brandschutz

1.1 Baulicher Brandschutz

Betriebswichtige Anlagen und Einrichtungen, z. B. Maschinenraum (BHKW), Leitwarte, Prozess-Steuerung sowie Betriebsbereiche mit erhöhten Brandgefahren, z. B. Werkstatt, sind von angrenzenden Gebäudebereichen feuerbeständig abzutrennen, um eine Schadenausweitung möglichst zu begrenzen. Räume gelten als feuerbeständig abgetrennt, wenn sie von feuerbeständigen Decken und Wänden mit feuerbeständigen Abschottungen für vorhandene Öffnungen umschlossen sind. Geeignete Brandmeldeeinrichtungen im Maschinenraum detektieren frühzeitig zu hohe Temperaturen. Eventuelle Brände können so im Frühstadium bekämpft werden.

Hinweis: VdS 195 „Technischer Leitfaden der Feuer- und Feuerbetriebsunterbrechungs-Versicherung;Risiken, Schutzziele, Schutzkonzepte und Schutzmaßnahmen“, VdS 2095 „VdS-Richtlinien für automatische Brandmeldeanlagen; Planung und Einbau“

1.2 Schutz elektrischer Anlagen

  • Die elektrischen Anlagen sind gemäß den anerkannten Regeln der Elektrotechnik (Bestimmungen des Verbandes der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik, VDE e. V) zu errichten.

  • Die elektrische Anlage ist vor Inbetriebnahme zu prüfen und entsprechend den gesetzlichen und behördlichen Sicherheitsvorschriften, sowie den VDE-Bestimmungen in ordnungsgemäßem Zustand zu erhalten. Auftretende Mängel müssen unverzüglich durch Elektrofachkräfte beseitigt werden. Hinweis: VdS 2046 „Sicherheitsvorschriften für Anlagen bis 1000V“, BGV A3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“, VSG 1.4 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“

  • Bei fehlenden Überspannungsschutzeinrichtungen können Überspannungen auf Grund von Blitzschlägen und anderer Ursachen zu Beschädigungen der Anlagensteuerungen und zu Betriebsunterbrechungen führen. Für die elektrische Anlage sowie die Anlagen zur elektronischen Steuerung, Datenverarbeitung und Telekommunikation ist daher Überspannungsschutz (innerer Blitzschutz) und konsequenter Potentialausgleich erforderlich. Die Netzform als 5-Leiternetz (TN-S System) in Verbindung mit dem Potentialausgleich dient der Vermeidung von Ausgleichströmen. Bei größeren Anlagen können Maßnahmen der Blitzschutzklasse Ill erforderlich sein. Hinweis: VdS 2017 „Blitz- und Überspannungsschutz für landwirtschaftliche Betriebe“ und VdS 2010 „Risikoorientierter Blitz- und Überspannungsschutz, Richtlinien zur Schadenverhütung“

1.3 Organisatorischer Brandschutz

  • Feuergefährliche Arbeiten sind nur mit schriftlicher Erlaubnis der Betriebsleitung zulässig (Erlaubnisscheinverfahren für feuergefährliche Arbeiten). Hinweis: VdS 2008 „Feuergefährliche Arbeiten, Richtlinien für den Brandschutz“

  • Feuerlöscher für die Brandklassen A, B und C nach DIN EN 3 sind an geeigneter Stelle anzubringen und betriebsbereit zu halten. Hinweis: Arbeitsstättenrichtlinie „ASR 13/1,2 – Feuerlöscheinrichtungen“

  • Frischöl- und Altölgebinde sind, sofern sie nicht verfahrenstechnisch eingebunden sind, außerhalb des Maschinenraumes zu lagern.

  • Ölauffangwannen unterhalb des Motors sind regelmäßig zu entleeren bzw. zu säubern. Hinweis: VdS 2000 „Leitfaden für den Brandschutz im Betrieb“

2 Maschinen- und Anlagenbetrieb

2.1 BHKW

  • Je nach Gehalt an Schwefelwasserstoff und/oder Siliziumverbindungen können die Schmiereigenschaften des Motoröls herabgesetzt werden bzw. Ablagerungen an Kolben, Laufbuchsen und Ventilen können abrasive Vorgänge verursachen (erhöhter Verschleiß). Beides kann zu erheblichen Schäden führen.

  • Die Gasqualität sollte deshalb kontinuierlich überwacht werden. Durch eine geeignete Gasreinigung müssen die Schadstoffe entfernt werden, um Schäden und vorzeitigen Verschleiß zu verhindern. Die Vorgaben der Motorenhersteller müssen eingehalten werden.

  • Bei Zündstrahlmotoren führt eine zu geringe Menge Zündöl zu einer mangelhaften Kühlung der Einspritzdüsen. Die Einspritzdüsen müssen daher alle 1.200 bis 1.500 Bh überprüft und ggf. getauscht werden. Tropfende Einspritzdüsen führen zu gravierenden Schäden an Kolben und Laufbuchsen. Schwere Triebwerksschäden können die Folge sein.

  • Eine wirksame Methode für die Überwachung der jeweiligen Brennraumtemperaturen ist eine Messung mit Alarmgebung je Zylinder. So lassen sich Überhitzungsschäden durch rechtzeitige Abschaltung vermeiden.

  • Gasmotoren können durch Veränderung des Zündzeitpunktes an qualitativ schlechteres Gas mit geringerem Methangehalt angepasst werden. Dabei ist ein Klopfen des Motors in der Regel nicht zu erwarten (Biogas hat eine hohe Klopffestigkeit), es sei denn, die Anlage wird in bivalenter Fahrweise mit Flüssiggas betrieben.

  • Auch biogasgeeignete Motoren haben von Fall zu Fall immer noch geringe Anteile an Buntmetallen (Pleuellagerbuchse, Ölkühler, Nockenwellenlagerung, etc.) und sind daher anfällig gegen Säuren. Bei Nichteinhaltung der vorgeschriebenen Gas- und Ölqualitäten können die Motoren schon weit vor der planmäßigen größeren Wartung reparaturbedingt ausfallen.

  • Zur Pufferung von Säuren kann z. B. das Motorölvolumina vergrößert werden. Eventuell vorhandene Schadstoffe werden so verdünnt. Die vom Hersteller vorgegebenen Ölwechselintervalle und Ölqualitäten sind einzuhalten. Mit zunehmendem Säuregehalt verliert das Motoröl seine Schmierfähigkeit. Deshalb empfiehlt sich an die Betriebsverhältnisse angepasste Ölanalysen mit Bestimmung des TAN-Wertes (Total-Acid-Number) durchführen zu lassen. Die Ergebnisse sind zu dokumentieren und die Intervalle hieran anzupassen.

  • Die Abgasanlage sollte aus geschweißten (nicht gesteckt oder geklemmten) Edelstahlrohren errichtet werden. Abgasleitungen müssen die Abgase gefahrlos ableiten. Zu brennbaren Baustoffen ist ein Abstand von mind. 20 cm einzuhalten.

  • Schmierölzu- und Rücklaufleitungen vom Turbolader sollten regelmäßig durch Sichtkontrollen auf Dichtigkeit überprüft werden.

  • Werden vom Hersteller keine Vorgaben zu Wartungsintervallen gemacht, so ist bei Gasmotoren alle

    • 20.000 Bh eine Teilüberholung (Prüfung: Zylinderkopf, Ladeluftkühler, Pleuellager, Kolben und Laufbuchsen; verschleißabhängiger Austausch), und alle

    • 40.000 Bh eine Grundüberholung, mit Austausch aller Verschleißteile. (Generatoren, Rührwerke und Separatoren sind mit einzubeziehen),

    bei Zündstrahlmotoren alle

    • 15.000 Bh eine Teilüberholung und alle

    • 30.000 Bh eine Grundüberholung

    vorzunehmen.

  • Für das BHKW ist ein Wartungsplan aufzustellen, in dem durchzuführende Prüfungen und Wartungsintervalle festgelegt sind.

    Hinweis: Erneuerbare Energien, Gesamtüberblick über den technologischen Entwicklungsstand und das Gefährdungspotenzial, Stand März 2008, Seite 387

    Kostenloser Download: www.gdv.de/Themen/ SchadenundUnfallversicherung/AllgemeineHaftpflichtversicherung/inhaltsseite17075.html

2.2 Gärbehälter

  • Gärbehälter aus Beton sind aus einem sulfatbeständigen Zement herzustellen. Der Beton sollte die Festigkeitsklasse C30/37 (B35) oder höher aufweisen.

  • Oberhalb des ständig mit Substrat bedeckten Bereichs, sollte der Behälter zusätzlich durch eine Beschichtung oder Auskleidung geschützt werden. In diesem Bereich kommt es zur Ablagerung von Schwefel, der die Bausubstanz angreift.

  • Der Motor des Rührwerkes ist durch eine Motorschutzschaltung zu sichern. Um Seilrisse zu vermeiden, sollten die Seile in regelmäßigen Abständen gewechselt werden. Es wird empfohlen, nur windengängige Seile in V4A-Qualität zu verwenden. Eisen-II-Chlorid zur Pufferung der Säure kann bei nicht optimaler Dosierung Edelstahl korrosiv angreifen. Ein Ausfall der Rührwerkstechnik (Seile, Propeller) kann die Folge sein.

2.3 Anlagensteuerung

  • Wenn für die Gasanalyse EC-Sensoren zum Einsatz kommen, sind diese wegen ihres erhöhten Verschleißes regelmäßig zu tauschen.

  • Die pH-Sonde und die Temperatursonde sollen zur Erhöhung der Zuverlässigkeit der Messungen einmal jährlich getauscht werden.

  • Ein Wartungsvertrag für die Komponenten der Anlagensteuerung ist abzuschließen.

  • Wird die Anlage nicht von einem Generalunternehmer errichtet, so sind die Schnittstellen zwischen den einzelnen Anlagenteilen zu definieren und entsprechend zu dokumentieren.

  • Durch geeignete Maßnahmen (ggf. durch Filter) ist sicherzustellen, dass dem Maschinenhaus/der Steuerungswarte nur unbelastete Luft zugeführt wird.

3 Umweltschutz, Aspekte der Umweltgefährdung

Der Bau und der Betrieb einer Biogasanlage haben in erster Linie so zu erfolgen, dass Mensch und Umwelt so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Hierzu ist es erforderlich, dass die einschlägigen Gesetze (wie z. B. BBauGB, BimSchG i.V.m. den entsprechenden Verordnungen, WHG, DüngeMG, DüngeVO, BioAbfV, Hygieneverordnung, MinöStG) sowie etwaige Gesetzesänderungen stets beachtet werden.

3.1 Gewässerschutz

  • Nach Wasserhaushaltsgesetz (WHG) müssen Anlagen zur Lagerung und Verarbeitung von Gülle und Jauche so beschaffen sein, dass eine Verunreinigung und Gefährdung von Gewässern nicht zu besorgen ist. Die Anlagen müssen nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik errichtet und betrieben werden.

  • Die Standfestigkeit der Behälter für Gärung und Endlagerung ist durch Prüfung nachzuweisen.

  • In Zone I und II von Wasserschutzgebieten ist der Bau von Anlagen zur Lagerung und Verarbeitung von Gülle und Jauche nicht erlaubt.

  • Zu oberirdischen Gewässern sowie nicht ständig wasserführenden Vorflutern, Straßengräben usw. müssen Anlagen zur Lagerung und Verarbeitung von Gülle und Jauche mind. einen Abstand von 20 m einhalten.

3.2 Reststoffverwertung

  • Bei der Verwertung des Endsubstrates ist darauf zu achten, dass dieses möglichst schadstofffrei bleibt. Problematisch kann das Aufbringen als Dünger auf landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen sein, wenn Kofermente eingesetzt werden, deren Zusammensetzung oder Abbauverhalten nicht ausreichend untersucht sind.

  • Um bei der Reststoffverwertung des Endsubrates eine evtl. Schädigung der Aufbringungsfläche oder des Anbauproduktes zu verhindern, sollte eine regelmäßige Analyse gemäß Düngemittelverordnung/Bioabfallverordnung durch anerkannte Laboratorien (z. B. von den Behörden nach Bioabfallverordnung bestimmte Stellen) durchgeführt werden. Falls eine Einleitung der Flüssigphase in ein offenes Gewässer erfolgt, sollten auch hier regelmäßige Messungen durchgeführt werden, um Schädigungen zu verhindern. Eine ausreichende Überwachung ist zur Abwehr evtl. erst später angemeldeter Schadenersatzansprüche überaus hilfreich.

4 Versicherungen

Die Versicherung von Biogasanlagen erfordert spezielle Deckungskonzepte, die über die typische landwirtschaftliche Sach- und Betriebshaftpflichtversicherung hinausgehen. So kann z. B. das technische Betriebsrisiko durch eine Maschinenbruchversicherung und Maschinenbetriebsunterbrechungsversicherung, das Umwelthaftungsrisiko durch eine Umwelthaftpflichtversicherung und die Umweltschadenversicherung abgesichert werden. Eine Besichtigung der Biogasanlage durch den Versicherer sollte zur korrekten Risikoermittlung und Festlegung des erforderlichen Versicherungsschutzes eine Selbstverständlichkeit sowohl für den Anlagenbetreiber als auch für den Versicherer sein.

Bei Fragen oder Unklarheiten wenden Sie sich an ihren Versicherer.

Die im Text erwähnten technischen Publikationen der Versicherungswirtschaft sind erhältlich bei:

VdS-Verlag Amster damer Straße 174 50735 Köln