Technische Information 4 Sicherheitsregeln für Biogasanlagen Bundesrecht

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1.4.2 BiogasAnlSiRegl, Gefahrstoffe
1.4.2 BiogasAnlSiRegl
Technische Information 4 Sicherheitsregeln für Biogasanlagen
Bundesrecht

1. – Allgemeines

Titel: Technische Information 4 Sicherheitsregeln für Biogasanlagen
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: BiogasAnlSiRegl
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Richtlinie

1.4.2 BiogasAnlSiRegl – Gefahrstoffe

Gefahrstoffe gemäß Gefahrstoffverordnung sind Stoffe, die gefährliche Eigenschaften aufweisen. Gefährliche Eigenschaften sind z. B. „gesundheitsschädlich“, „giftig“, „sehr giftig“ oder „ätzend“. Gefahrstoffe können fest, staubförmig, flüssig, als Aerosol oder gasförmig auftreten.

Beispiele:

  1. 1.

    Schwefelwasserstoff (H2S)

  2. 2.

    Kohlendioxid (CO2)

Typische Gefährdungen:

  • Erstickungs- und/oder Vergiftungsgefahr durch Gärgase/Biogas in Annahmebereichen. Freiwerden von sehr giftigen Gasen wie Schwefelwasserstoff.

  • Gefährdungen, die in besonderem Maße in Anlagen auftreten, die neben NAWAROs, Flüssig- und Festmist weitere Substrate (Abfälle, tierische Nebenprodukte) verwenden: Verstärktes Freiwerden von gefährlichen Gasen wie Schwefelwasserstoff, insbesondere beim Mischen durch Reaktion der Einsatzstoffe.

  • Gefährdung beim Wechseln der Aktivkohlefilter.

Bewertung und Maßnahmen:

Grundsätzlich gilt es, die Entstehung gefährlicher Gase möglichst zu verhindern, zu minimieren bzw. ihre Freisetzung zu verhindern oder zu verringern.

Als Grundlage zur Bewertung von Gefährdungen durch chemische Stoffe können z. B. die Sicherheitsdatenblätter dienen, die grundsätzlich vom Lieferanten gefährlicher Stoffe und Zubereitungen zu stellen und vom Betreiber zu sammeln sind.

Vor Annahme von angelieferten Einsatzstoffen sollten Schnelltests durchgeführt werden, mit denen wichtige chemische Eigenschaften geprüft werden können – siehe Informationspapier zur Sicherheit bei Biogasanlagen (Literaturverzeichnis Anhang 11).

Ist ein Vermischen verschiedener Materialien betriebsbedingt erforderlich, dürfen keine Materialien zusammengeführt werden, bei denen durch Reaktionen (z. B. Säure-Base-Reaktion, große Temperaturunterschiede), gefährliche Gaskonzentrationen entstehen können. Insbesondere durch Zugabe von sauren Bestandteilen kann Schwefelwasserstoff – durch Zugabe alkalischer Bestandteile Ammoniak – freigesetzt werden.

Betreiber von Biogasanlagen haben, um solche Reaktionen einschätzen zu können, von den Erzeugern ihrer Kofermente nachfolgende Angaben abzufordern und im Betriebstagebuch zu dokumentieren:

Angaben zu Einsatzstoffen

  • Abfallschlüsselnummer, wesentliche Inhaltsstoffe, chemische Zusammensetzung, pH-Wert und Beimengungen, z. B. Stabilisatoren, Konservierungsmittel etc.

  • Angaben zur Herkunft (z. B. vom Schlachthof, aus der pharmazeutischen Herstellung von Heparin …),

  • zu den Transport- und Anlieferungsbedingungen (z. B. Dauer des Transportes, Temperatur, …) sowie

  • zu möglichen Gefahren (z. B. „kann bei Zugabe von Säuren Schwefelwasserstoff freisetzen“).

Sofern das Entstehen gefährlicher Gase, insbesondere H2S, nicht ausgeschlossen werden kann, gilt es, deren Freisetzung zu verhindern bzw. zu verringern, z. B. durch geschlossene Befüllung, räumliche Trennung oder deren zwangsweise Abführung.

Konkrete Anforderungen zur Vermeidung von Gasgefahren finden sich zum Beispiel in Abschnitt 2.2.6 der Sicherheitsregeln.

Anmerkung

Schwefelwasserstoff ist ein sehr giftiges, farbloses, nach faulen Eiern riechendes Gas, welches bereits in geringen Konzentrationen lebensgefährlich sein kann. Ab einer bestimmten Konzentration wird der Geruchssinn gelähmt und das Gas nicht wahrgenommen. Stoffe mit hohem Schwefelgehalt sind zum Beispiel:

  • Abfälle aus Schlachtbetrieben

  • Abfallbiomassen (Myzel) aus biotechnologischen Prozessen

  • Rapspresskuchen

  • Futtermittelreste (z. B. Sojaprotein)

  • Methionin aus der Tierfütterung (Futtermittelzusatz)

  • Reststoffe aus der Hefeerzeugung

  • Konservierungsmittel Natriumbisulfit

  • Hilfsstoffe, z. B. Eisensulfat

  • Speisereste