DGUV Information 204-008 - Handbuch zur Ersten Hilfe in Bildungs- und Betreuungs...

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Abschnitt 12, Typische Infektionskrankheiten bei Kindern
Abschnitt 12
Handbuch zur Ersten Hilfe in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder (DGUV Information 204-008)
Titel: Handbuch zur Ersten Hilfe in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für Kinder (DGUV Information 204-008)
Normgeber: Bund
Redaktionelle Abkürzung: DGUV Information 204-008
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 12 – Typische Infektionskrankheiten bei Kindern

Millionen von Krankheitserregern sind täglich in unserem Organismus unterwegs - allerdings werden wir nicht gleich krank. Das liegt an unserem Immunsystem. Kinder müssen diese körpereigene Abwehr erst aufbauen. Über die Plazenta und das Stillen genießen Säuglinge noch den sogenannten Nestschutz der Mutter, d. h., ihre Abwehrstoffe sind von der Mutter geliehen (Für Masern beispielsweise hält der Nestschutz etwa neun Monate lang an). Doch im Anschluss muss sich der kleine Organismus selbst gegen Krankheitserreger aller Art wehren.

Dieses Kapitel behandelt Infektionskrankheiten allgemein, aber auch die gängigen Kinderkrankheiten.

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Für pädagogische Fachkräfte in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen gelten generell folgende Maßnahmen:
  • Kranke Kinder gehören nach Hause.

  • Die Eltern sind zu informieren, das KInd muss abgeholt werden, die Eltern müssen sich um die weitere (ggf. auch ärztliche) Versorgung kümmern.

  • In der Einrichtung muss ein Aushang erfolgen, wenn eine ansteckende Krankheit bekannt wird.

  • Ggf. ist das Gesundheitsamt zu informieren.

  • Bitte klären Sie vorab, bei welchen Erkrankungen die Eltern eine Gesundschreibung vom Arzt vorlegen sollen.


Die weiteren Informationen in diesem Kapitel richten sich überwiegend an Eltern.

Allgemeines zu Infektionskrankheiten

Infektionskrankheiten verbreiten sich durch Ansteckung. Sie werden durch Viren (z. B. Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) oder Bakterien (z. B. Keuchhusten, Scharlach) verursacht. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Antibiotika wie Penizillin nur gegen Bakterien wirksam sind, nicht jedoch gegen Viren. Manchmal allerdings werden Antibiotika auch im Zusammenhang mit Virusinfekten verabreicht, um eine zusätzliche Infektion durch Bakterien zu behandeln.

Immunisierung

Das Abwehrsystem des menschlichen Körpers

entwickelt sich zum Teil erst nach der Geburt. Der Körper baut durch den Kontakt mit den Erregern nach und nach seine Abwehr auf. Der gesunde, abwehrfähige Organismus wird mit den meisten Krankheitserregern selbst fertig. Er bildet spezielle Antikörper, die gemeinsam mit den vorhandenen Abwehrzellen die Krankheitserreger unschädlich machen.

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Schutz durch Impfung

Schutzimpfungen immunisieren den Einzelnen und schützen uns so vor Infektionskrankheiten. Weltweit dämmen Impfprogramme zahlreiche übertragbare Krankheiten und ihre Folgen ein. Moderne Impfstoffe sind in der Regel hoch wirksam und gut verträglich. Durch abgeschwächte, abgetötete oder chemisch hergestellte Erregerbestandteile (Impfstoff ) wird der Körper angeregt, selbst Abwehrstoffe zu bilden, ohne dass er selbst erkrankt. Für eine gute Abwehrlage sind meist mehrere Impfungen nötig. Deshalb sollten Sie die empfohlenen Impfschritte einhalten. Dank der Schutzimpfungen haben viele Infektionskrankheiten ihren Schrecken verloren; einige sind heute nahezu bedeutungslos.

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Info
Das Immunsystem besitzt ein Gedächtnis, es speichert Informationen über die Erreger, mit denen es konfrontiert wurde. Noch nach Jahren, manchmal lebenslang, erinnert sich der Körper, wenn er erneut vom Erreger befallen wird und aktiviert die bereits erprobten Abwehrmechanismen.

Impfkalender für Kinder

Die jeweils aktuelle Impfempfehlung wird von der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut regelmäßig aktualisiert. Diesem Gremium gehören führende Infektionsspezialisten Deutschlands an. Durch neue medizinische Erkenntnisse ergeben sich immer wieder Änderungen des Impfkalenders. Daher haben wir in diesem Buch keinen Impfkalender abgedruckt. Aktuelle Informationen erhalten Sie im Internet unter CCC_3435_180801_02.jpg www.rki.de, Stichwort "Impfen", und bei Ihrem Kinderarzt/-ärztin oder Hausarzt/-ärztin.

Die Vorteile der Schutzimpfung

Durch die Gabe von Impfstoffen ist der Körper bereits im Vorfeld gegen bestimmte Infektionskrankheiten gewappnet. Drohenden Komplikationen wird auf diesem Wege vorgebeugt. Darüber hinaus ermöglichen Impfungen neben dem individuellen auch einen kollektiven Schutz, da die Ausbreitung einer Infektion so weit verhindert werden kann, dass selbst Personen, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft wurden, indirekt geschützt sind. Auf diese Art und Weise profitiert nicht selten auch das noch ungeborene Leben (bspw. durch Rötelnimpfung).

Das Immunsystem stärken

Es ist erkennbar geworden, dass der menschliche Körper selbst den wesentlichsten Beitrag zur Abwehr von Krankheitserregern leistet. Durch unsere Lebensführung können wir ihn entlasten und mithelfen: Gesunde Ernährung, körperliche Fitness, psychisches Wohlbefinden usw. stärken das Immunsystem unseres Körpers und machen ihn widerstandsfähiger gegenüber Infektionen. Dagegen können Mangelernährung, unzureichende hygienische Bedingungen, psychische Belastungen, häufige Antibiotika-Einnahme, Drogenkonsum u.a.m. das Immunsystem schwächen.

Die Ansteckungsgefahr (Infektion)

Die Eintrittspforten der Krankheitserreger in den Körper sind u.a. die Atem- und Verdauungswege, Harn- und Geschlechtsorgane, die Haut, Schleimhäute und Wunden. Die Übertragung von Erregern kann direkt und indirekt erfolgen.

Direkte Übertragung

Direkte Ansteckungsgefahr besteht, wenn Krankheitserreger direkt vom Erkrankten, z. B. durch Berührung auf eine gesunde Person übertragen werden. Die so genannte Kontaktinfektion kommt durch direkten Kontakt mit der infizierten Person zustande. Bei einer Tröpfcheninfektion werden die Erreger z. B. über die Atemluft aufgenommen. Krankheitserreger können auch auf dem Blutweg übertragen werden. Dabei gelangt infiziertes Blut über die verletzte Haut oder Schleimhäute in den Körper (z. B. bei Hepatitis B).

Indirekte Übertragung

Indirekte Ansteckungsgefahr besteht, wenn die Erreger über infizierte Gegenstände, z. B. schmutzige WC-Brillen, Türklinken o. Ä., übertragen werden. Auch der Verzehr infizierter Lebensmittel (z. B. mit Salmonellen) stellt eine indirekte Infektion dar. Manchmal erfolgt die Infektion über einen Zwischenwirt, wie bei der durch die Zecken verursachten Borreliose.

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Hinweis
Es kann bereits Ansteckungsgefahr bestehen, wenn beim Erkrankten (noch) keine Krankheitssymptome erkennbar sind.

Der Verlauf von Infektionen

Ist es zu einer Infektion gekommen, dauert es eine bestimmte Zeit, bis erste Krankheitszeichen auftreten. In dieser Zeit - der Inkubationszeit - vermehren sich die Erreger im Körper und breiten sich im Organismus aus. Die Inkubationszeit ist je nach Krankheit unterschiedlich lang.

Allgemeine Symptome und Leitsymptome Infektionskrankheiten beginnen häufig mit unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen. Betroffene leiden an Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit. Der Puls kann infolge des Fiebers beschleunigt sein, während der Blutdruck gesenkt ist. Appetitmangel und Husten können auftreten. Kinder haben oft erhöhte Temperatur und sind quengelig. Erst im weiteren Verlauf zeigen sich die verschiedenen, typischen Krankheitszeichen, die so genannten

Leitsymptome:

  • Atemwege

    Husten, Auswurf, Atemstörungen, beschleunigte Atmung, Atemgeräusche

  • Haut und Schleimhäute

    Hautausschlag, Veränderung der Hautfarbe, Nasenlaufen, Juckreiz, Schwellungen, trockene Haut, Schwitzen

  • Verdauungswege

    Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Stuhlverfärbungen

  • Harn- und Geschlechtsorgane

    Juckreiz, Ausfluss, Brennen, Harndrang, Urinverfärbung

  • Nervensystem

    Kopfschmerzen, Schwindel, Krämpfe, Lähmungen, Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit

Allgemeine Maßnahmen bei Infektionen

  • Bei Infektionserkrankungen sollten Sie immer rechtzeitig einen Arzt oder eine Ärztin hinzuziehen. Sie legen u. a. fest, ob und wie lange Erkrankte isoliert werden müssen, um eine weiter gehende Gefährdung (z. B. der Kinder in der Einrichtung) zu vermeiden.

  • Der behandelnde Arzt bzw. die Ärztin hat bei bestimmten Infektionskrankheiten die Gesundheitsbehörde zu informieren, da diese um das Risiko einer Verbreitung wissen muss (z. B. bei Masern).

  • Die Kranken brauchen körperliche Ruhe (Bettruhe), um den Abwehrkampf mit den Krankheitserregern durchzustehen.

  • Fieber (Fieber messen siehe Seite 83) muss beobachtet und gegebenenfalls gesenkt werden. Bei anhaltendem hohen Fieber (über 39 C) geben Sie geeignete Medikamente, bei Kindern meist Zäpfchen oder Saft, nach ärztlicher Anweisung. In Einrichtungen erfolgt die Medikamentengabe nur nach vorheriger Absprache mit den Eltern.

  • Auch mit einem alten Hausmittel, den Wadenwickeln, kann das Fieber bei Kindern ab 6 Monaten gesenkt werden. Dazu werden zwei Leinen- oder Baumwolltücher in kühles Wasser getaucht und gut ausgewrungen. Die Tücher wickeln Sie um die beiden Unterschenkel des Kindes. Darüber kommt jeweils ein trockenes Baumwolltuch und darauf nochmals ein Tuch aus Wolle (oder Flanell). Nach etwa 10 Minuten sollte das Fieber um 0,5 bis 1 C gesunken sein. Die Anwendung können Sie nach einiger Zeit wiederholen.

  • Decken Sie ein krankes Kind mit hohem Fieber zu - allerdings nicht zu warm, denn die Wärme soll entweichen können. Sorgen Sie für ausreichende Frischluft, vermeiden Sie jedoch Zugluft.

  • Insbesondere bei Fieber und Magen-Darm-Infektionen verliert der Körper große Mengen an Flüssigkeit. Da bei Kindern der Flüssigkeitshaushalt schneller aus dem Gleichgewicht gerät, ist die Gefahr von Austrocknung und Kreislaufkollaps besonders groß. Gleichen Sie den Flüssigkeitsverlust dadurch aus, dass Sie den Erkrankten reichlich in kleinen Portionen zu trinken geben.

  • Selbstverständlich helfen Zuwendung, Liebe, Aufmunterung und Trost den Erkrankten über die schwere Situation hinweg. Betreuen und beobachten Sie besonders Kinder eingehend. Ihnen fällt es oft schwer, ihr Unwohlsein auszudrücken. Ihre Beobachtungen sind wertvolle Hinweise für die ärztliche Behandlung.

  • Sorgen Sie für eine vitaminreiche Ernährung. Geben Sie den Erkrankten bei einer fiebrigen Erkrankung leichte vitaminreiche Kost (Gemüse- und Obstbrei) zu essen. Vitamine unterstützen das Immunsystem in seinem Abwehrkampf.

  • Führen Sie die ärztlichen Pflege- und Behandlungsanordnungen genau aus. Medikamente - insbesondere Antibiotika - müssen oft auch eine gewisse Zeit lang nach dem Abklingen der Krankheitssymptome noch eingenommen werden - über den gesamten ärztlich angeordneten Zeitraum. Bitte setzen Sie Antibiotika nicht eigenmächtig und vorzeitig ab.

Solange Ansteckungsgefahr besteht, sollte man Kontakt zu anderen Personen meiden, Kinder sollten nicht in die Einrichtung gehen. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt, ab wann ein Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen wieder zulässig ist.

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Wadenwickel entziehen dem Körper Wärme. Sie sind seit langem ein probates Mittel zur Fiebersenkung.

Fieber messen bei Kindern

Ein besonders zu beachtendes Symptom bei Infektionskrankheiten ist das Fieber. Fühlen sich Kinder allgemein "kränklich", können das die ersten Zeichen für eine Infektionskrankheit sein. In solchen Fällen ist es hilfreich, einmal die Temperatur des Kindes zu messen. Im Gespräch mit den Eltern oder einer Ärztin bzw. einem Arzt ist erhöhte Körpertemperatur eine wichtige Information.

Klären Sie vorab, ob die Eltern einer Fiebermessung zustimmen und vermerken Sie dies in der Akte/den Unterlagen.

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So machen Sie’s richtig

Axillare Messung (in der Achselhöhle)

  • Wischen Sie zunächst die Achselhöhle trocken; dann legen Sie das Thermometer in die Achselhöhle.

  • Messzeit: digital, piept nach ein bis zwei Minuten.

Orale Messung (im Mund)

  • Die Messung eignet sich bei Kindern ab sechs Jahren.

  • Legen Sie die Spitze des digitalen Thermometers in den Mund des Kindes - unter die Zunge.

  • Messzeit: digital ein bis zwei Minuten.

Rektale Messung (im After) Die rektale Messung wird meist bei Säuglingen und Kleinkindern angewendet. Hierzu sollte eine Einverständniserklärung

Fiebermessung mit dem Ohrthermometer: Bei Säuglingen muss die Ohrmuschel gerade nach hinten gezogen werden, bei größeren Kindern wie abgebildet dagegen schräg nach oben.

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der Eltern vorliegen. Der Messwert liegt bei der rektalen Messung ca. 0,5 C höher als bei der axillaren oder oralen.

  • Legen Sie das Kind mit angezogenen Knien auf die Seite.

  • Cremen Sie die Spitze des Thermometers etwas ein, damit sie gleitfähig ist, und führen Sie die Thermometerspitze vorsichtig in den After ein.

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TemperaturBedeutung
Über 38 CFieber
Ca. 37 C - 38 CErhöhte Temperatur
Ca. 36 C - 37 CRegelrechte Temperatur
Unter 36 CUntertemperatur

Fieberkrämpfe

Fieberkrämpfe treten am häufigsten im Alter zwischen sechs Monaten und vier Jahren auf. Die Ursachen sind vielfältig, oft ist ein schneller Fieberanstieg über 39 C der Auslöser. Die Symptome sind mit denen eines epileptischen Anfalls vergleichbar (Seite 77).

So helfen Sie dem Kind

Eine Arztbehandlung ist unbedingt erforderlich. Lassen Sie abklären, ob eine ernsthafte Infektion hinter dem Fieber steckt. Nicht selten stellt der Fieberkrampf einen Notfall dar. Rufen Sie den Rettungsdienst/Notarzt. Beobachten und betreuen Sie das Kind, bis der Rettungsdienst eintrifft. Versuchen Sie ggf. das Fieber zu senken. Im Allgemeinen erfolgt die Gabe von fiebersenkenden und krampflösenden Medikamenten nach ärztlicher Anordnung. Auch wenn ein einmaliger Fieberkrampf als harmlos gilt, muss jedes Kind nach dem ersten Anfall neurologisch untersucht werden, um andere Krankheiten, wie z. B. Meningitis, auszuschließen.

Klassische Kinderkrankheiten

Bei den so genannten klassischen Kinderkrankheiten kommen dank ausgedehnter Impfprogramme schwerwiegende Erkrankungen wie Diphtherie fast nicht mehr vor. Leider gibt es aufgrund der Impfmüdigkeit der letzten Jahre ein trauriges Comeback bestimmter Erkrankungen. Die folgenden Seiten informieren Sie über Maßnahmen bei Kinderkrankheiten und schwerwiegenden Infektionskrankheiten bei Kindern. Aktuelle Impfempfehlungen der ständigen Impfkommision am Robert-Koch-Institut (STIKO) finden Sie im Internet unter

CCC_3435_180801_02.jpg www.rki.de, unter dem Suchwort "Impfen".

Windpocken

Windpocken werden durch Viren verursacht und meist über die Luft (Tröpfcheninfektion) übertragen. Ihre hohe Ansteckungsfähigkeit gab der Erkrankung ihren Namen. Windpocken sind zwei Tage vor bis sieben Tage nach dem Auftreten der Bläschen ansteckend.

Kinder aller Altersgruppen, aber auch Erwachsene sind betroffen. In der Regel führt die Erkrankung zu einer lebenslangen Immunität.

  • Inkubationszeit: ca. zwei bis drei Wochen, selten auch länger.

  • Symptome: Hervorstechendes Merkmal sind rote Flecken, Hautknötchen sowie die so genannten Windpocken (stark juckende Bläschen überall am Körper, meist auch am behaarten Kopf, manchmal auch im Mund), begleitet von Kopf- und Gliederschmerzen, Unwohlsein und Mattigkeit. Da Windpocken in Schüben verlaufen, zeigen sich täglich neue Flecken neben schon bestehenden Bläschen bzw. abheilenden Schorfstellen, so entsteht der so genannte Sternenhimmel. Erhöhte Temperaturen bis hin zu Fieber über 39 C treten in den ersten Krankheitstagen häufig auf. Das Kind ist so lange ansteckend, bis der Schorf vollständig abgeheilt ist (ca. zwei bis drei Wochen).

  • Komplikationen mit schweren Gesundheitsschäden (z. B. Lungenentzündung) sind sehr selten.

  • Impfung: Eine Impfung gegen Windpocken ist ab dem zwölften Lebensmonat möglich.

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Info
Der Erreger verbleibt im Körper und kann bei ungünstigen Begleitumständen (z. B. gestörte Immunabwehr, Stress) zur Folgeerkrankung Gürtelrose (Herpes Zoster) führen.
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Info
Da Windpocken bei Jugendlichen und im Erwachsenenalter meist schwerwiegender sind als im Kindesalter und die Erkrankung während einer Schwangerschaft Gefahren für das ungeborene Kind bergen kann, ist es sinnvoll, auch ältere Kinder (9-17 Jahre) und Erwachsene impfen zu lassen.

So helfen Sie dem Kind

  • Neben den allgemeinen Maßnahmen bei Infektionserkrankungen (Seite 82) ist vor allem die Ansteckungsgefahr zu beachten. Eine Arztbehandlung ist erforderlich. Der unangenehme starke Juckreiz kann dazu führen, dass sich die Kinder Wunden kratzen. Diese bluten und vernarben später. Es kann ein Mittel gegen den Juckreiz verabreicht werden. Bei kleineren Kindern lässt sich das Aufkratzen der Hautstellen z. B. durch Tragen von Baumwollhandschuhen vermeiden. Achten Sie auf sorgfältige Hautpflege.

Masern

Die Masernerkrankung ist eine Virusinfektion, die über Luft und direkten Kontakt übertragen wird. Sehr gefürchtet ist die Masernenzephalitis (Hirnentzündung). Aber auch Kehlkopf-, Lungen- und Ohrentzündungen sind möglich. Ansteckungsgefahr besteht bereits fünf Tage vor Beginn bis vier Tage nach Ausbruch des Ausschlags. Der Krankheit folgt eine lebenslange Immunität.

  • Inkubationszeit: ca. ein bis zwei Wochen.

  • Symptome: Die erkrankten Kinder haben zunächst allgemeine Symptome wie Unwohlsein, Gereiztheit und Temperaturanstieg. In dieser Phase besteht erhöhte Ansteckungsgefahr. Typisch sind auch gerötete Augen (Bindehautentzündung, Lichtscheu) und Schnupfen. Danach entwickeln sich weiße Flecken auf der Zunge, Husten, häufig auch Fieber. Der typische Ausschlag beginnt im Gesicht und hinter den Ohren und breitet sich dann über den ganzen Körper aus.

  • Impfung: Eine Impfung gegen Masern ist ab dem zwölften Lebensmonat möglich. Nach der Impfung bzw. nach durchgemachter Krankheit besteht eine lebenslange Immunität.

So helfen Sie dem Kind

  • Neben den allgemeinen Maßnahmen bei Infektionskrankheiten (siehe Seite 82) ist eine ursächliche Behandlung nicht möglich, da es sich um eine Viruserkrankung handelt. Allenfalls Mittel gegen Fieber werden gegeben. Nur bei zusätzlichen bakteriellen Entzündungen (Mittelohr, Lunge) werden Antibiotika nach ärztlicher Anordnung verabreicht. Sie sollten ihr Kind isolieren, damit andere Kinder sich nicht anstecken. Bei Fieber sollte ihr Kind ausreichend trinken. Einige Kinder reagieren empfindlich auf Licht, dann ist direkte Lichteinwirkung zu vermeiden. In der akuten Phase ist häufig Bettruhe notwendig. Bei starkem Hustenreiz hilft feuchte Raumluft in der Nacht (z. B. feuchte Handtücher aufhängen).

Mumps (Ziegenpeter)

Mumps ist eine durch virale Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragene Kinderkrankheit. Ansteckungsgefahr besteht sieben Tage vor Auftreten bis neun Tage nach Abklingen der Gesichtsschwellung; sie hält bis zum Ende der Erkrankung an. 80 Prozent der ungeimpften Kinder erkranken zwischen dem 5. und 15. Lebensjahr. Bei 30 bis 40 Prozent verläuft die Erkrankung unbemerkt (als grippaler Infekt) und führt in der Regel zu lebenslanger Immunität.

  • Inkubationszeit: ca. zwei bis drei Wochen.

  • Symptome: Die Anzeichen sind Kopfschmerzen, Unwohlsein, Fieber, Schmerzen beim Kauen und Schlucken sowie die charakteristischen Schwellungen und Rötungen vor und unter den Ohren, anfangs auf einer Wangenseite. Später entzündet sich ggf. die andere Ohrspeicheldrüse. Die Erkrankung hält drei bis acht Tage an.

  • In eher seltenen Fällen kommt es zu Hoden- bzw. Eierstockentzündungen mit späterer Sterilität sowie zu Entzündungen des Innenohrs mit Taubheit, Bauchspeicheldrüsenentzündung oder zu einer Hirnhautentzündung.

  • Impfung: Es wird eine Kombinationsschutzimpfung (zusammen mit Masern und Röteln) für Kleinkinder ab dem zwölften Lebensmonat empfohlen.

So helfen Sie dem Kind

  • Neben den allgemeinen Maßnahmen bei Infektionskrankheiten (Seite 82) sollten Sie ihr Kind bis eine Woche nach Abschwellen der Drüsen isolieren, damit andere Kinder sich nicht anstecken. Bei Fieber geben Sie ihrem Kind ausreichend zu trinken. Liegt gleichzeitig eine Hodenentzündung vor, sollte ihr Kind im Bett bleiben, die Behandlung erfolgt nach ärztlicher Anweisung. Die betroffenen Ohrspeicheldrüsen können zur Schmerzlinderung gekühlt werden. Geben Sie dem Kind breiige Nahrung und vermeiden Sie Saures, da die Speicheldrüse sonst vermehrt Speichel produziert. Achten Sie auf eine gründliche Mundpflege.

Röteln

Die Rötelnerkrankung ist eine Virusinfektion, die über die Luft-/Tröpfcheninfektion übertragen wird. Die Krankheit ist sieben Tage vor Ausbruch bis sieben Tage nach Auftreten des Exanthems ansteckend. Werden schwangere Frauen infiziert, können schwere Schädigungen des Embryos (z. B. Missbildungen an Herz und Gehirn) die Folge sein. Im Allgemeinen verläuft die Infektion unproblematisch. Mit dem Alter nehmen, wenn auch selten, die Komplikationen zu.

  • Inkubationszeit: zwei bis drei Wochen.

  • Symptome: Die Anzeichen sind mit einem leichten grippalen Infekt vergleichbar: mäßiges Fieber, Kopfschmerzen, Bindehautentzündung, schmerzhaft geschwollene Lymphknoten und gegebenenfalls charakteristischer kleinfleckiger Hautausschlag, der sich im Gesicht beginnend über den gesamten Körper ausbreitet und nach ein bis drei Tagen wieder verschwindet. Die Erkrankung kann allerdings auch ohne Ausschlag verlaufen und wird daher in vielen Fällen nicht bemerkt.

  • Impfung: Empfohlen wird die Impfung gegen Röteln bei Kleinkindern ab dem zwölften Lebensmonat.

So helfen Sie dem Kind

  • Isolieren Sie Ihr Kind, damit sich andere, insbesondere schwangere und ungeimpfte Frauen nicht anstecken. Gönnen Sie Ihrem Kind Bettruhe, es sei denn, Ihr Kind fühlt sich fit genug um aufzustehen. Bei Fieber sollte Ihr Kind ausreichend trinken. Auch die allgemeinen Maßnahmen bei Infektionskrankheiten (Seite 82) finden hier Anwendung.

Scharlach

Die Erkrankung wird durch bakterielle Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen. Die Verursacher sind Streptokokken (Bakterien), die auch eine Mandelentzündung auslösen können. Es handelt sich um eine der häufigsten bakteriellen Kinderkrankheiten in Deutschland, die häufig Kinder zwischen vier und sieben Jahren betrifft. Noch bis zu einem Tag nach Beginn der Behandlung mit Antibiotika besteht Ansteckungsgefahr.

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Info
Früher war Scharlach eine gefürchtete Kinderkrankheit. Heute entwickelt sie sich kaum noch in ihrem Vollbild. Das liegt daran, dass bei Mandelentzündungen sehr früh Antibiotika eingesetzt werden, die die Krankheit schnell abklingen lassen. Nachteilig ist die ausbleibende Immunität, was eine erneute Erkrankung ermöglicht.
  • Inkubationszeit: ca. zwei bis vier Tage.

  • Symptome: Die Anzeichen sind ähnlich denen einer Mandelentzündung mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Fieber (über 39 C), Bauchschmerzen und Erbrechen. Der Rachen ist anfänglich feuerrot, die Zunge belegt. Die Zunge wird zunehmend rot (Himbeerzunge). Es kommt zu Lymphknotenschwellungen. Der feinfleckige Scharlachausschlag beginnt am Hals, in den Leisten und den Achselhöhlen und breitet sich über den Körper aus. Nach sechs bis neun Tagen verschwindet der Ausschlag, einige Tage später kommt es zur Abschuppungen der Haut, besonders im Bereich der Handinnenflächen.

So helfen Sie dem Kind

  • Eine frühzeitige medikamentöse Therapie begünstigt den Heilungsverlauf. Lassen Sie daher die Infektion beim Kinderarzt/-ärztin abklären.

  • Die Antibiotikagabe erfolgt nach ärztlicher Anweisung.

  • Die allgemeinen Maßnahmen (S. 82) gelten auch hier.

Diphtherie

Die Diphtherie galt in Deutschland schon als ausgerottet, tritt aber u. a. durch Impflücken und Einschleppung - wenn auch selten - wieder auf. Die Diphtherie ist eine bakterielle Infektion, die überwiegend durch Tröpfchen übertragen wird. Sie ist hochgradig ansteckend. Die Bakterien siedeln sich auf den Schleimhäuten der Atemwege an, wo sie Gifte (Toxine) bilden, die schwere Organschäden verursachen können. Ansteckungsgefahr besteht bis vier Tage nach Beginn der Antibiotikabehandlung. Wird die Diphtherie nicht oder zu spät erkannt und behandelt, kann es bspw. zu einer Lungenentzündung oder einer Herzmuskelentzündung kommen.

  • Inkubationszeit: Die Inkubationszeit beträgt ca. zwei bis fünf Tage.

  • Symptome: Typisch sind Halsschmerzen, Schwellung im Halsbereich, Schluckbeschwerden, Husten und Heiserkeit, süßlicher Atemgeruch und Fieber bis 39 C. Je nach Lokalisation kommt es zu blutig-eitrigem Nasensekret oder Verengung der Atemwege mit Erstickungsgefahr. Erkennbar sind weißlich bis graue Belege im Rachenraum. Da die Früherkennung hier besonders wichtig ist, sollte man bei diesen Symptomen unverzüglich einen (Kinder-) Arzt oder Ärztin konsultieren.

  • Impfung: Eine Impfung ist ab dem dritten Lebensmonat möglich. Empfohlen wird eine Kombinationsimpfung gegen Diphtherie, Keuchhusten und Tetanus.

So helfen Sie dem Kind

  • Eine frühzeitig einsetzende medikamentöse Therapie begünstigt den Heilungsverlauf. Es ist umgehend eine Arztbehandlung, meist auch ein Klinikaufenthalt notwendig. Neben den allgemeinen Maßnahmen (Seite 82) sollten Sie Ihr Kind isolieren, um Andere nicht zu gefährden. Bei Fieber geben Sie dem Kind ausreichend zu trinken. Die Gabe von fiebersenkenden Medikamenten erfolgt nach ärztlicher Anordnung. Selbstredend braucht das Kind viel Aufmerksamkeit und Trost.

Keuchhusten

Auslöser für den Keuchhusten ist ein Bakterium (Bordetella pertussis). Die Übertragung erfolgt über Tröpfcheninfektion. Die Ansteckungsgefahr besteht bis ca. fünf Tage nach Beginn der Behandlung mit Antibiotika. Im Laufe des Lebens nimmt die Infektionsgefahr deutlich ab. Insbesondere für Säuglinge kann Keuchhusten lebensgefährlich sein, denn die Bakterien entwickeln Gifte, die das Atemzentrum lähmen. Hauptsächlich betroffen sind jedoch Kinder zwischen zwei und fünf Jahren. Etwa ein Drittel aller Erkrankungen wird zum Notfall. Die Krankheit ist tückisch, weil alle Symptome zunächst auf eine normale Erkältung schließen lassen. Der Husten spricht auf hustenstillende Medikamente nicht an und wird zunehmend schlimmer. Es entwickeln sich mehrmals am Tag krampfartige Hustenanfälle.

  • Inkubationszeit: ca. ein bis drei Wochen.

  • Symptome: Die Krankheit verläuft in drei Phasen. Die Anfangsphase (erste bis zweite Woche) ähnelt einem grippalen Infekt. Keuchhusten ist in dieser Phase ansteckend; die Temperatur ist leicht erhöht. Danach (dritte bis sechste Woche) treten krampfartige, erstickende Hustenanfälle vor allem nachts auf. Es kommt zu Erbrechen, Nasenbluten und bisweilen zu Blutungen ins Gewebe und am Auge. In den folgenden sechs bis zehn Wochen und noch danach klingen die Symptome mit gewöhnlichem Husten langsam ab.

  • Impfung: Kinderärzte empfehlen eine Impfung ab dem dritten Lebensmonat. Es besteht nach Impfung oder Erkrankung keine lebenslange Immunität.

So helfen Sie dem Kind

  • Keuchhusten ist ein Fall für ärztliche Behandlung. Dieser legt neben der medikamentösen Therapie auch die Dauer einer möglichen Isolation fest. Beobachten Sie ständig Atmung und Kreislauf des Kindes. Gehen Sie beruhigend und schonend mit dem kranken Kind um und sorgen Sie für eine vitaminreiche Ernährung sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr.