DGUV Grundsatz 311-001 - Leitpapier zur Evaluation Grundverständnis in der geset...

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Abschnitt 6, 6 Arten von Evaluationen
Abschnitt 6
Leitpapier zur Evaluation Grundverständnis in der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV Grundsatz 311-001)
Titel: Leitpapier zur Evaluation Grundverständnis in der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV Grundsatz 311-001)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Grundsatz 311-001
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6 – 6 Arten von Evaluationen

Im folgenden Abschnitt werden verschiedene, häufig verwendete Arten von Evaluationen vorgestellt. Je nach Zweck der Evaluation und den zu beantwortenden Fragestellungen ist eine bestimmte Art anzuwenden.

  • Inputevaluation
    Bei Input- bzw. Strukturevaluationen werden persönliche, materielle und organisatorische Ressourcen, die den Leistungserbringern zur Verfügung stehen, bewertet. In der Prävention gelten die Trägerschaft, die Projektorganisation, die organisatorische und personelle Vernetzung, die gegebene Organisationsstruktur, die Qualifikation der Mitarbeiter, der Leistungsauftrag sowie die finanziellen und personellen Ressourcen als mögliche Indikatoren.

  • Formative und summative Evaluation:
    Eine formative Evaluation (auch Prozessevaluation genannt) erfolgt während der Entwicklung und Durchführung einer Präventionsmaßnahme. Durch diese begleitende Evaluation werden die Durchführung der Präventionsmaßnahme sowie deren Wirkungen fortlaufend kontrolliert. Es werden Stärken und Schwächen identifiziert und wenn nötig Veränderungen initiiert. Die formative Evaluation wird zur kontinuierlichen Verbesserung eines Maßnahmenkonzepts und seiner Umsetzung angewendet sowie zur Identifikation von Wirkungsketten.

    Bei der summativen Evaluation werden die Eigenschaften der fertigen Dienstleistung bzw. deren Folgen, der Erfolg oder die Effizienz einer Präventionsmaßnahme (Effektevaluation, Outputevaluation) bewertet. Eine summative Evaluation erfolgt nachdem die Präventionsmaßnahme endgültig abgeschlossen ist.

    Eine Ergänzung der summativen Evaluation um die formative Evaluation ermöglicht die Erfassung des Kontexts einer Präventionsmaßnahmenabwicklung. Der Evaluator kann in der summativen Evaluation gefundene Effekte leichter interpretieren, da er den Einfluss ggf. vorhandener Störgrößen auf die gefundenen Effekte besser abschätzen kann als beim Verzicht auf eine formative Evaluation. Gegenüber einer rein summativen Evaluation erhöht die zusätzliche formative Evaluation die interne Validität der Evaluation.

  • Globale und analytische Evaluation:
    Bei einer globalen Evaluation wird der Fragestellung, dem Evaluationsanlass eine einzige Beurteilung zugeordnet. Beispiel: eine Zufriedenheitsabfrage am Ende eines Seminars

    Eine analytische Evaluation liegt vor, wenn auch Einzelheiten des evaluierten Gegenstands bewertet werden. Dabei lassen sich sowohl Komponenten (z. B. die Vorbereitung einer Maßnahme) als auch Dimensionen (z. B. die Schwierigkeit der Maßnahme) herausgreifen.

  • Interne und externe Evaluation:
    Abhängig von der Rolle der Evaluatorinnen bzw. Evaluatoren lassen sich interne von externen Evaluationen unterscheiden.

    Selbstevaluation bzw. interne Evaluation liegt vor, wenn die Bewertung von Personen vorgenommen wird, die auch selbst an der Gestaltung der Präventionsmaßnahme beteiligt sind oder aus der gleichen Einrichtung kommen. Beispiel für intern: Das Kampagnenteam der DGUV setzt die Kampagne um, das Evaluationsteam der DGUV evaluiert die Kampagne.

    Von externer Evaluation (Fremdevaluation) wird gesprochen, wenn Experten mit der Beschreibung und Bewertung beauftragt sind, die nicht zur Firma oder Einrichtung gehören. Beispiel für extern: Der Evaluationsauftrag wird an einen Dienstleister außerhalb des eigenen Unfallversicherungsträgers gegeben. Externe Evaluatoren haben oft mehr Erfahrung aus dem Vergleich mit anderen, sind neutral und bringen neue Sichtweisen ein. Interne Evaluatoren kennen den eigenen strukturellen Aufbau, die Präventionsthemen und -maßnahmen sowie die Zielgruppen besser und erkennen so leichter wichtige Aspekte im Detail. In der Praxis sind beide Vorgehensweisen gleichermaßen zulässig und anerkannt.