DGUV Information 214-046 - Sichere Waldarbeiten (DGUV Information 214-046)

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Abschnitt 6.2, 6.2 Fällen von Bäumen
Abschnitt 6.2
Sichere Waldarbeiten (DGUV Information 214-046)
Titel: Sichere Waldarbeiten (DGUV Information 214-046)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 214-046
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6.2 – 6.2 Fällen von Bäumen

Zur fachgerechten und sicheren Durchführung von Baumfällarbeiten gehört die Beachtung folgender Grundsätze:

6.2.1 Baumbeurteilung

Dazu sind insbesondere folgende Fragen zu beantworten:

  • In welche Richtung hängt der Baum?

  • Wie hoch ist der Baum?

  • Wie ist seine Krone ausgebildet?

  • Gibt es lose oder trockene Äste im Kronenbereich, die herunterfallen können?

  • Ist der Baum faul? (z. B. Flaschenhals, alte Rindenschäden)

  • Wie sieht das Baumumfeld aus?

    (z. B. abgestorbene Bäume, abgestorbene Äste in Nachbarbäumen, Geländeunebenheiten, Blocküberlagerung)

6.2.2 Fallbereich

Fallende Bäume können andere Bäume mitreißen. Deshalb wird als Fallbereich in der Regel die doppelte Baumlänge rundum angenommen. Hier dürfen sich nur die mit dem Fällen des Baumes Beschäftigten aufhalten.

6.2.3 Fällrichtung

Die Richtung, in die der Baum fallen soll, bestimmt die anzuwendende fachgerechte Fälltechnik.

6.2.4 Sicherer Stand, Rückweiche

  • Durch Beseitigung von Hindernissen im Bereich des Arbeitsplatzes am Stamm wird für einen sicheren Stand gesorgt.

  • Es ist mindestens eine hindernisfreie Fluchtmöglichkeit (Rückweiche) festzulegen oder zu schaffen (z. B. Reisig, Steine beseitigen). Rückweichen sind in der Regel schräg rückwärts und bis außerhalb der Kronenprojektionsfläche anzulegen (Entfernung geht vor Richtung).

  • Die Werkzeuge werden sicher in greifbarer Entfernung - entgegen der Fällrichtung - abgelegt.

Abb. 73 Baumbeurteilung

Höhlungen nach Astausbruch
Zwiesel
lose Rinde
Höhlungen am Stammfuß
Beschädigte Wurzeln
Totholz
Krebsschäden
Aststummel
Fruchtkörper von Pilzen
Bodenrisse (Sturmschäden)

Abb. 74 Fallbereich: doppelte Baumlänge rundum

 

Abb. 75 Rückweiche

6.2.5 Fälltechniken

Der Stammfuß ist von Ästen, Steinen, Bodenbewuchs usw. freizumachen. Entscheiden Sie sich für ein sichere und fachgerechte Fälltechnik.

6.2.5.1 Regelfälltechnik

  • Wurzelanläufe gegebenenfalls beischneiden.

    Achtung: Faule Stämme niemals beischneiden und keine Splintschnitte anlegen.

  • Fallkerb anlegen.

    Wichtig: Dach und Sohlenschnitt müssen sich in einer Linie treffen.

  • Fällrichtung überprüfen.

    Wenn Sie den Fallkerb korrigieren müssen, stets auf ganzer Breite nachschneiden.

  • Splintschnitte anlegen.

    Bei langfaserigen Holzarten (z. B. Pappel, Weide) können Splintschnitte auf Fällschnitthöhe zweckmäßig sein, um ein Aufreißen des Stammes zu verhindern.

  • Fallbereich kontrollieren.

    Vergewissern Sie sich, dass der Fallbereich wirklich frei ist.

    Warnruf geben: "Achtung, Baum fällt!"

  • Erst jetzt: Fällschnitt führen.

    Er wird höher als die Fallkerbsohle angelegt. Rechtzeitig Keile setzen. Aber: Bruchleiste belassen. Sie wirkt wie ein Scharnier. Wenn Sie die Bruchleiste durchtrennen, fällt der Baum unkontrolliert.

  • Fallbereich nochmals kontrollieren.

    Vergewissern Sie sich, dass der Fallbereich wirklich frei ist.

    Warnruf geben: "Achtung, Baum fällt!"

  • Baum umkeilen, nicht sägen.

  • Wenn der Baum fällt: rechtzeitig mindestens bis außerhalb der Kronenprojektionsfläche zurücktreten.

    Kronenraum und umstehende Bäume beobachten. Ausschwingen der Kronen abwarten.

Abb. 76 Fällrichtung überprüfen (z. B. mit einem Zollstock)

 

Abb. 77 Regelfälltechnik

6.2.5.2 Stützbandtechnik (Sicherheitsfälltechnik)

An Stelle der Regelfälltechnik wird zunehmend die Stützbandtechnik verwendet. Diese bietet höhere Sicherheit, da mit dem Durchtrennen des Stützbandes der Zeitpunkt des Fallens eindeutig bestimmt wird.

Die Stützbandtechnik findet auch Anwendung bei leichten Rückhängern.

Abb. 78 Fällen mit Stützbandtechnik

6.2.5.3 Haltebandtechnik beim Vorhänger

Der Baum neigt sich schon durch Beastung oder Wuchs in die Fällrichtung. Auf Grund starker Spannungen im Stamm besteht bei Anwendung der Regelfälltechnik Lebensgefahr durch plötzlich aufreißenden Stamm. Das Halteband nimmt die Zugspannung auf. Mit dem Durchtrennen des Haltebandes wird der Zeitpunkt des Fallens eindeutig bestimmt.

Abb. 79 Fällen mit Haltebandtechnik beim Vorhänger

6.2.5.4 Fälltechnik mit Seilunterstützung

Der Baum ist durch Wuchs oder Kronenausformung stark entgegen der vorgesehenen Fällrichtung geneigt. Um den Baum sicher in die gewünschte Richtung zu lenken, kann die seilunterstützte Fällung angewandt werden. Sie sollte auch bei Schwierigkeitsfällungen z. B. in bebautem Gebiet, bei Totholz, bei starker Fäulnis eingesetzt werden.

Zudem bietet diese Fälltechnik ergonomische Vorteile.

Abb. 80 Fallbereich bei umgelenktem Zug

Anbringung des Seiles

  • Das Seil ist vor der Fällung möglichst hoch am zum fällenden Baum anzubringen.

  • Zum Anbringen des Seiles nur sichere Aufstiegs- bzw. Hilfsmittel, z. B. Leiter, Steigeisen, Hebebühne Schubstange oder geeignete Verfahren (z. B. Darmstädter Seilzugtechnik (DST) oder Königsbronner Anschlagtechnik (KAT)) benutzen.

  • Zum Schutz vor herabfallenden Teilen ist ein Kopfschutz zu tragen.

Fällung

  • Die Seilwinde muss über eine ausreichende Zugkraft verfügen.

  • Seile, Befestigungsmittel, Umlenkrollen und Anschlagmittel müssen die auftretenden Kräfte sicher aufnehmen können.

  • Die Seilbewegung muss sich exakt steuern lassen, ein Nachlaufen des Seiles muss verhindert werden.

  • Die Winde muss standsicher außerhalb des Fallbereichs aufgestellt sein.

  • Motorsägenführer und Seilwindenbediener müssen sich untereinander abstimmen können, z. B. durch eine Sprechfunkverbindung.

  • Der Aufenthalt im Innenwinkel des Seils (nur bei umgelenktem Zug) ist lebensgefährlich und daher verboten.

  • Anwendung geeigneter Schnitttechniken, z. B. Ausführung einer negativen Bruchstufe.

Abb. 81 Versetzter Schnitt - negative Bruchstufe

6.2.5.5 Fälltechnik Schwachholz

Bei der Fällung von Schwachholz kann in der Regel wegen des geringen Stammdurchmessers der Baum nicht umgekeilt werden. Zum Fällen von Bäumen bis etwa 12 cm Brusthöhendurchmesser empfiehlt sich der Schrägschnitt.

  • Fällschnitt unter 20 bis 45.

  • Der Stamm gleitet von der Motorsägenschiene ab.

  • Nach dem Schnitt dem Baum ausweichen, zur Seite treten.

  • Hängende Bäume mit der Schulter oder mit dem Packhaken abtragen.

  • An steilen Hängen von der Seite her schneiden.

Beim Schwachholz kann auch der Fällheberschnitt angewandt werden (siehe unter Punkt 6.5).

Abb. 82 Schrägschnitt im Schwachholz (bis BHD 12 cm)