DGUV Information 215-310 - Sicherheit bei Veranstaltungen und Produktionen Leitf...

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Abschnitt 3.2, 3.2 Technik und betriebliche Prozesse
Abschnitt 3.2
Sicherheit bei Veranstaltungen und Produktionen Leitfaden für Theater, Film, Hörfunk, Fernsehen, Konzerte, Shows, Events, Messen und Ausstellungen (DGUV Information 215-310)
Titel: Sicherheit bei Veranstaltungen und Produktionen Leitfaden für Theater, Film, Hörfunk, Fernsehen, Konzerte, Shows, Events, Messen und Ausstellungen (DGUV Information 215-310)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-310
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.2 – 3.2 Technik und betriebliche Prozesse

3.2.1 Arbeitsmittel

Wählen Sie Arbeitsmittel so aus, dass sie sicher benutzt werden können sowie die betrieblichen Anforderungen und Einsatzbedingungen erfüllen. Manche Arbeitsmittel, die bei Veranstaltungen und Produktionen verwendet werden sollen, sind vom Hersteller nicht ausdrücklich für diese Verwendung vorgesehen. Sollen diese Arbeitsmittel dennoch für die spezifischen Einsatzbedingungen im Veranstaltungs- und Produktionsbetrieb verwendet werden, müssen Sie die Sicherheit auf andere Weise sicherstellen. So darf zum Beispiel ein Anschlagmittel für den allgemeinen Hebezeugbetrieb nur mit der Hälfte der vom Hersteller angegebenen Tragfähigkeit belastet werden.

Vorgehensweise bei der Auswahl und Beurteilung von Arbeitsmitteln

  1. 1.

    Ermittlung der vom Hersteller vorgesehenen Anwendungsbereiche und Gefahrenhinweise.

  2. 2.

    Vergleich der Vorgaben des Herstellers mit den Betriebsbedingungen der geplanten Nutzung im Betrieb.

  3. 3.

    Beurteilung, ob beim Abweichen von den Herstellerangaben und der Art der geplanten Nutzung zusätzliche Gefährdungen entstehen.

  4. 4.

    Festlegen von Maßnahmen zur Reduzierung der Gefährdungen entsprechend den Hinweisen des Herstellers und den veränderten Nutzungsbedingungen.

  5. 5.

    Erstellen einer entsprechenden Betriebsanweisung.

3.2.2 Ausstattungen

Achten Sie darauf, dass Ausstattungen - Dekorationen, Kostüme, Möbel, Requisiten - sowie sonstige Einrichtungen und Gegenstände so beschaffen sind und benutzt werden, dass Gefährdungen, Verletzungen und andere gesundheitliche Schädigungen vermieden werden.

Das bedeutet zum Beispiel:

  • Bei Ausstattungen, Dekorationen und sonstigen Einrichtungen werden die Aufbau-, Umbau- und Abbauanleitungen eingehalten.

  • Dekorationen sind so gestaltet, dass notwendiges Heben und Tragen nicht zu arbeitsbedingten Gesundheitsgefährdungen führt - siehe auch Kapitel 3.2.9 "Transport und Lagerung".

  • Ausstattungen, Dekorationen und Requisiten dürfen durch ihre Ausformung und Oberflächen keine Gefährdung darstellen - zum Beispiel dürfen sie keine scharfen Kanten haben und müssen splitterfrei sein. Ist eine solche Gestaltung szenisch bedingt nicht möglich, sind spezielle Schutzmaßnahmen zu treffen - zum Beispiel eine Kennzeichnung, Unterweisung.

  • Waffen mit scharfen Kanten, Schneiden und Spitzen für Kampfszenen werden nicht verwendet.

  • Treppen, die szenischen Zwecken dienen, sind so gestaltet, dass sie für die szenische Nutzung sicher begehbar sind. Sollte die Treppe aus szenischen Gründen nicht sicher begehbar sein, ist die Benutzung der Treppe als gefährlicher szenischer Vorgang einzustufen (siehe Kapitel 3.3.3 "Besondere szenische Darstellungen"). Für Bühnentreppen gelten die Anforderungen der DIN 15920-2 "Veranstaltungstechnik - Podestarten - Teil 2: Stufen und Treppen aus Holz" und DIN 15920-11 "Veranstaltungstechnik - Podestarten: Sicherheitstechnische Festlegungen für Podeste (Praktikabel), Schrägen, Stufen, Treppen und Bühnengeländer aus Holz".

  • Elektrische Geräte, die als Requisiten oder Dekoration zum Einsatz kommen, sind entweder funktionsfähig und sicher (siehe Kapitel 3.2.4 "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel") oder so präpariert, dass von ihnen keine Gefährdungen ausgehen.

3.2.3 Maschinentechnische Einrichtungen

Maschinentechnische Einrichtungen sind für den Betrieb in Veranstaltungsorten und Produktionsstätten eingesetzte technische Anlagen und Betriebsmittel.

Maschinentechnische Einrichtungen - Beispiele

Beleuchtungstürme, Beleuchtungs- und Oberlichtzüge, Beleuchtungs- und Portalbrücken, Bildwände, Bühnenwagen, Dekorations- und Prospektzüge, Drehbühnen und Drehscheiben, Elektrokettenzüge, Flugwerke, Kamerakrane und Kamerasupportsysteme, kraftbewegte Dekorationselemente, Leuchtenhänger, Punktzüge, Schutzvorhänge, Stative, Versenkeinrichtungen, Vorhang- und Horizontanlagen.

Die grundsätzlichen Anforderungen an maschinentechnische Einrichtungen für den Veranstaltungs- und Produktionsbetrieb sind in der DGUV Vorschrift 17/18 "Veranstaltungs- und Produktionsstätten für szenische Darstellung" sowie in den Regeln der Technik - zum Beispiel in der DIN-Reihe 56950 "Veranstaltungstechnik - Maschinentechnische Einrichtungen" - festgelegt. Besondere Anforderungen an diese maschinentechnischen Einrichtungen ergeben sich aus der Tatsache, dass mit ihnen Lasten über Personen und Personen gehalten und bewegt werden.

Durch die Bewegung maschinentechnischer Einrichtungen sowie dadurch bewegte Aufbauten und Dekorationen dürfen Personen nicht gefährdet werden.

Die Forderung nach gefahrlosem Betrieb schließt ein, dass:

  • Maschinentechnische Einrichtungen gegen unbefugtes Benutzen und unbeabsichtigtes Bewegen gesichert sind.

  • Gefahrstellen an bewegten maschinentechnischen Einrichtungen gesichert sind - zum Beispiel durch Schaltleisten, Lichtschranken, ständige Beobachtung.

  • Der Bewegungsvorgang dieser Einrichtungen sowie die Umgebung von Bedienenden vollständig eingesehen werden können. Bei eingeschränkter Sicht müssen den Bedienenden die Bewegung mit Zeichen, Bild- oder Sprachübertragung eindeutig signalisiert werden.

  • Bühnenwagen, Laufbänder, Drehscheiben, Hubpodien und Versenkeinrichtungen so beschaffen sind, dass gefahrloses Betreten, Agieren und Verlassen sowie eine gefahrlose Zuführung und Abnahme von Dekorationen möglich sind.

  • Zugänge zu Drehscheiben, Bühnenwagen und Laufbändern, die mehr als 0,2 m über dem Boden liegen, mit Treppen oder Schrägen versehen sind.

  • Bewegungsvorgänge von Bühnenwagen, Laufbändern, Drehscheiben, Hubpodien und Versenkeinrichtungen, die Gefährdungen verursachen können, nur ausgeführt werden, wenn die Geschwindigkeit der Situation angemessen ist. Als Richtwerte für angemessene maximale Geschwindigkeiten gelten:

    • 1,2 m/s ohne Personen,

    • 1,0 m/s bei Drehscheiben mit Personen, jedoch ohne deren Zu- oder Abgang,

    • 0,7 m/s bei Bühnenwagen, Laufbändern, Hubpodien und Versenkeinrichtungen mit Personen, jedoch ohne deren Zu- oder Abgang,

    • 0,3 m/s für Bühnenwagen, Laufbänder und Drehscheiben mit Zu- oder Abgang von Personen während der Bewegung.

  • In Bewegung befindliche Flächen nur von Personen betreten und verlassen werden, die geeignet, geübt und unterwiesen sind. Versenkeinrichtungen dürfen nicht betreten oder verlassen werden, solange sie in Bewegung sind.

  • Feste und bewegliche Teile von Dekorationen und Aufbauten so aneinandervorbeigleiten, dass keine Quetsch- oder Scherstellen entstehen.

  • Die Prüfung dieser Arbeitsmittel nach den Vorgaben des DGUV Grundsatzes 315-390 "Grundsätze für die Prüfung maschinentechnischer Einrichtungen in Bühnen und Studios" erfolgt.

Stative

Stative gelten als maschinentechnische Einrichtungen. Es dürfen nur nach DGUV Grundsatz 315-390 geprüfte Stative eingesetzt werden.

Sorgen Sie dafür, dass Stative standsicher aufgestellt werden. Ist die Standsicherheit beeinträchtigt - zum Beispiel durch große Last bei großer Höhe, Windlast, gefährdendes Verhalten von Besuchern beziehungsweise Besucherinnen -, müssen Sie die Stative gegen Umstürzen zusätzlich sichern.

Geeignete Sicherungen sind zum Beispiel:

  • Befestigen der Stative mit Bühnenbohrern

  • Beschweren der Stativfüße mit Bühnengewichten

  • Seitliche Abspannungen zu standsicheren Bauteilen (Achtung: Bei Schrägzug entsteht eine zusätzliche vertikale Kraft)

  • Seilsicherungen zu Beleuchterbrücken

  • Absperrung des Stativbereichs oder Sicherungsposten.

Bestehen beim Betreiben von Stativen erhöhte Gefährdungen - zum Beispiel beim Heben großer Lasten, beim gemeinsamen Heben von Lasten durch mehrere Stative oder wenn sich Personen unter der Last befinden -, benutzen Sie hierfür Stative, die die Anforderungen an maschinentechnische Einrichtungen zum Bewegen von Lasten über Personen erfüllen.

Siehe auch DIN 56950-1 "Veranstaltungstechnik - Maschinentechnische Einrichtungen - Teil 1: Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfung" und Teil 3 "Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfung von Stativen"; DGUV Information 215-321 "Bereitstellung und Benutzung von Versenkeinrichtungen" (bisher GUV-I 8629); DGUV Information 215-320 "Fliegen von Personen bei szenischen Darstellungen" (bisher GUV-I 8636); VBG-Fachinformation "Kamerabewegungssysteme" (bisher BGI 814); igvw SQ P2 "Elektrokettenzüge"

3.2.4 Elektrische Anlagen und Betriebsmittel

Elektrische Anlagen und Betriebsmittel dürfen nur von Elektrofachkräften oder unter Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft errichtet, geändert und instand gehalten werden. Sind Eingriffe in das E-VU-Netz erforderlich, müssen diese durch Konzessionsträger erfolgen.

Überprüfen Sie unabhängig von den festgelegten Prüffristen alle mobil verwendeten elektrischen Betriebsmittel vor Beginn jeder Produktion und Veranstaltung durch Sichtkontrolle auf

  • mechanisch einwandfreien Zustand und Funktionsfähigkeit - insbesondere Aufhänge- und Sicherheitseinrichtungen sowie

  • einwandfreien Zustand der beweglichen Anschluss- und Verlängerungsleitungen.

Sind Schäden erkennbar, durch die die Sicherheit beeinträchtigt werden kann, dürfen die Betriebsmittel nicht eingesetzt werden.

Mobil verwendete elektrische Betriebsmittel - Beispiele

Kabel, Lichtstellanlagen, Multicoresysteme, Projektoren, Scheinwerfer, Steckvorrichtungen, Ton- und Videogeräte, Verteiler und Schaltkästen, Effektgeräte, Requisiten

Siehe auch DIN 15765; DIN 15766; DIN 15767 und DGUV Vorschrift 3/4 "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel"

Anschluss "nicht betriebseigener" Betriebsmittel

Jedes "nicht betriebseigene" elektrische Betriebsmittel, das bei Produktionen und Veranstaltungen eingesetzt und an das Netz angeschlossen wird, ist von einer Elektrofachkraft zu prüfen. Die Prüfung kann durch die Besitzerin beziehungsweise den Besitzer veranlasst und dokumentiert werden.

Anschluss in "fremden Häusern" und im Freien

Sorgen Sie dafür, dass vor dem Anschließen elektrischer Betriebsmittel in "fremden Häusern" und im Freien die Steckdosen auf richtigen Anschluss der Außenleiter und des Schutzleiters durch eine Elektrofachkraft geprüft werden. Diese Prüfung kann mit geeignetem Prüfgerät auch von elektrotechnisch unterwiesenen Personen durchgeführt werden. Auf die Prüfung können Sie verzichten, wenn der Betreiber der Anschlüsse den ordnungsgemäßen Zustand bestätigt. Auf eine Prüfung können Sie auch verzichten, wenn elektrische Betriebsmittel über einen Fehlerstrom-Schutzschalter (PRCD-S ≤30 mA) angeschlossen werden. Fehlerhafte Steckdosen dürfen nicht benutzt werden.

Anschluss ortsveränderlicher elektrischer Musik- und Tonanlagen

Können Sie eine normenkonforme Ausführung der ortsveränderlichen elektrischen Musikanlage - zum Beispiel durch CE-Zeichen, VDE-Zeichen, GS-Zeichen oder DGUV Test-Zeichen - nicht eindeutig feststellen, sind zusätzliche Maßnahmen beim Anschluss an das Netz erforderlich. Dies sind vorzugsweise Trenntrafo und Mikrofontrennverstärker. Bei hoher Anschlussleistung können auch Fehlerstrom-Schutzschalter (RCD ≤ 30 mA) eingesetzt werden.

Können Sie beim Aufstellen von Tonanlagen - zum Beispiel von Mikrofonen, Mischpulten - eine gegenseitige Gefährdung der beteiligten Benutzerinnen und Benutzer aufgrund der im Einsatz befindlichen tontechnischen Geräte nicht ausschließen, müssen die Tonanlagen über erdfreie Anschlüsse betrieben werden - zum Beispiel über Mikrofontrennverstärker.

Scheinwerfer

Achten Sie darauf, dass bei der Bereitstellung und Benutzung von Scheinwerfern die sicherheitstechnischen Anforderungen beachtet werden.

Beim Einsatz von Lichtquellen sind die Gefährdungen durch künstliche optische Strahlung und Wärmestrahlung zu berücksichtigen. Die erforderlichen Mindestabstände zu Personen und die maximalen Expositionszeiten sind einzuhalten.

  1. DGUV Information 215-314 "Sicherheit bei Veranstaltungen und Produktionen - Scheinwerfer" (bisher BGI 810-4)

Potentialausgleich

Stellen Sie sicher, dass alle metallischen Einrichtungen, die im Fehlerfall gefährliche Berührungsspannungen annehmen können, in einen gemeinsamen Potentialausgleich einbezogen und mit dem Schutzleiter des speisenden Netzes verbunden werden.

Technischer Blitzschutz bei Veranstaltungen und Produktionen im Freien

Sorgen Sie dafür, dass Gefährdungen durch Blitzeinschlag durch einen Potentialausgleich zwischen allen elektrisch leitenden, mit Erde verbundenen Metallkonstruktionen, Kabelmänteln, Schienen sowie in der Nähe befindlichen Blitzschutzanlagen und den eingesetzten Betriebsmitteln entgegengewirkt wird. Schutz gegen Blitzschlag bieten Fahrzeuge mit Ganzmetall-Karosserie und Gebäude mit einer Blitzschutzanlage.

Siehe auch Kapitel 3.3.8 "Arbeit im Freien"

3.2.5 Einsatz von Lasern

Beim Einsatz von Lasern sind entsprechend der Laserklasse und den daraus resultierenden Gefährdungen Maßnahmen erforderlich.

Als Showlaser werden in der Regel Laser der Klassen 3R, 3B und 4 eingesetzt. Diese erfordern eine Abnahme vor Ort durch eine Laser-Sachverständige oder einen Laser-Sachverständigen. Der Betrieb muss durch eine Laserschutzbeauftragte beziehungsweise einen Laserschutzbeauftragten überwacht werden.

Siehe auch DGUV Information 203-036 "Laser-Einrichtungen für Show- oder Projektionszwecke"

3.2.6 Kabelverlegung

Achten Sie drauf, dass Kabel so verlegt werden, dass keine Gefährdungen entstehen. Dies wird zum Beispiel durch folgende Maßnahmen erreicht:

  • Kabel, die senkrecht hoch geführt werden, mit Fangleinen sicher befestigen.

  • Kabel gegen Knicken an scharfen Kanten in geeigneter Weise schützen.

  • Kabel, die Verkehrswege überspannen, in ausreichender Höhe führen und mit Abspannseilen entlasten - zum Beispiel 5,0 m über Fahrwegen.

  • Kabel im Publikumsbereich in einer Höhe von mindestens 2,5 m führen.

  • Kabel in ausreichendem Abstand von elektrischen Freileitungen verlegen (Mindestabstände beachten - DGUV Vorschrift 3/4 "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel").

  • Kabel durch stabile Kabelbrücken oder andere geeignete Abdeckungen schützen.

  • Auf mögliche Stolpergefahren durch auffällige Kennzeichnung hinweisen; an gefährlichen Stolperstellen Sicherungsposten einsetzen.

  • Steckverbindungen, die nur spritzwassergeschützt sind, nur dann im Freien verlegen, wenn durch deren Lage oder Abdeckung sichergestellt ist, dass Wasser nicht in die Steckverbindung gelangen kann.

  • Sicherheitsrelevante und andere wichtige Einrichtungen von Kabelführungen frei halten - zum Beispiel: Fluchtwege, Türen in Fluchtwegen, Notausgänge oder -ausstiege, Abstiege von Beleuchtungsebenen, Feuerlöscher, Wand- und Unterflurhydranten, Feuermelder, Schalttafeln und Notschalter, Auslösevorrichtungen für Sicherheitsanlagen sowie Steuereinrichtungen für Klima- und Belüftungsanlagen.

3.2.7 Rigging

Rigging in der Veranstaltungstechnik ist das Montieren und Betreiben von veranstaltungsspezifischen Arbeitsmitteln zur Lastaufnahme. Dies beinhaltet das Anschlagen und Verfahren von Lasten in der Veranstaltungstechnik unter Einsatz eines sicheren Zustiegsverfahrens - zum Beispiel das seilunterstützte Auf- und Absteigen.

Gefährdungsbeurteilungen für Arbeiten beim Auf- und Abbau mobiler Bühnentechnik in der Höhe kommen idealerweise zu dem Ergebnis, dass diese Arbeiten von einer Hubarbeitsbühne aus durchgeführt werden. Dort, wo diese technische Maßnahme nicht funktioniert, kommt man zwingend zur Anwendung von Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA).

Siehe auch Kapitel 3.1.1.1 "Arbeitsplätze mit Absturzgefahr"; Kapitel 3.4 "Persönliche Schutzausrüstung";

- www.vbg.de/rigging - Website zur Rigging-Kampagne LOCK IT!

3.2.8 Lasten über Personen

Sorgen Sie dafür, dass Arbeitsmittel zum Halten von Lasten über Personen so ausgewählt und betrieben werden, dass die Lasten für die gesamte Benutzungsdauer sicher gehalten werden. Personen, die Arbeitsmittel zum Halten von Lasten über Personen verwenden, warten und prüfen, darf die Unternehmerin beziehungsweise der Unternehmer nur einsetzen, wenn sie ausreichend befähigt sind.

Bei Einrichtungen zum Halten von Lasten über Personen wird die notwendige Sicherheit durch besondere Konstruktionsmerkmale - zum Beispiel durch eigensichere Gestaltung (Überdimensionierung) - oder durch Einfehlersicherheit (Sicherungselemente oder Sekundärsicherung) gewährleistet.

3.2.9 Transport und Lagerung

Für das Heben und Transportieren schwerer oder sperriger Lasten - zum Beispiel Traversen, Podeste, Kabel, Dekorationen, Requisiten - sind geeignete Hebe- und Transporthilfsmittel zur Verfügung zu stellen - zum Beispiel Transportwagen, Gitterboxen, Sackkarren, Gabelstapler, Hubeinrichtungen. Mit der Benutzung von Gabelstaplern und Hubeinrichtungen sind nur entsprechend ausgebildete Personen zu beauftragen.

Die Elemente von Flächen und Aufbauten sind so zu gestalten, dass notwendiges Heben und Tragen nicht zu arbeitsbedingten Gesundheitsgefährdungen führt. Eine Kennzeichnung mit Masseangabe ist erforderlich, wenn ein Heben und Tragen nur in ungünstiger ergonomischer Position möglich ist oder Elemente eine größere Masse als 25 kg haben. Soweit erforderlich, sind Auf- und Abbauanleitungen zu erstellen.

Das rückengerechte Verhalten beim Heben, Tragen und Umsetzen der Lasten ist besonders wichtig. Wenn die Belastung die persönliche Belastbarkeit übersteigt oder ergonomisch ungünstige Bewegungsabläufe ausgeführt werden, kann dies zu gesundheitlichen Beschwerden und Schäden führen.

Für das Heben und Tragen von Lasten gilt der Grundsatz der Minimierung der manuell zu bewegenden Lasten und der Häufigkeit dieser Vorgänge. Je nach persönlicher Konstitution, die durch Alter, Geschlecht, Trainingszustand (Kraft, Ausdauer) bestimmt wird, kann die tatsächliche Beanspruchung von Personen durch die manuelle Handhabung von schweren Lasten unterschiedlich sein.

Können Sie bei der Handhabung von Lasten durch Personen eine schädigende Beanspruchung nicht ausschließen, muss eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt werden. Dabei sind die Lasten und die Häufigkeit sowie die Haltung und die Ausführungsbedingungen der Tätigkeiten zu ermitteln - zum Beispiel mit der Leitmerkmalmethode (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin - BAuA). Anhaltspunkte für den Begriff "schwere Lasten" sind die in Tabelle 3 angegebenen Lastgewichte beim Heben, Umsetzen und Tragen. Werden vom Personal Lastgewichte manuell gehandhabt, die die Werte in Tabelle 3 erreichen oder überschreiten, ist grundsätzlich von einem Handlungsbedarf auszugehen. Dies gilt insbesondere bei ergonomisch nicht günstigen Ausführungsbedingungen und bei häufigem Heben oder länger dauerndem Tragen.

TätigkeitLastgewicht in kg
beidhändiges Heben10
einhändiges Heben5
beidhändiges Umsetzen (keine starke Rumpfneigung)20
einhändiges Umsetzen (keine starke Rumpfneigung)5
beidseitiges Tragen neben dem Körper, auf den Schultern oder dem Rücken20
Tragen vor oder einseitig neben dem Körper15
Tabelle 3 Anhaltspunkte für den Begriff "schwere Lasten" beim manuellen Heben, Umsetzen und Tragen
Quelle: Mainz-Dortmunder Dosismodell (MDD) zur Beurteilung der Belastung der Lendenwirbelsäule durch Heben oder Tragen schwerer Lasten. Die beim MDD zu berücksichtigenden Druckkräfte auf die Lendenwirbelsäule liegen nach aktuellem Stand für Männer und Frauen relativ dicht beieinander. Die in Tabelle 3 angegebenen Lastgewichte basieren auf den Werten für Frauen nach dem MDD.

Welche Lasten von leistungsgeminderten Personen gehoben und transportiert werden können, müssen Sie individuell in Zusammenarbeit mit einer Arbeitsmedizinerin oder einem Arbeitsmediziner festlegen.

Finden Transporte oder Lagerungen auf geneigten Flächen oder Schienen statt, müssen Sie besondere Sicherheitsmaßnahmen festlegen und durchführen.

Die Lagerung von Materialien oder Transporthilfsmitteln am Veranstaltungs- oder Produktionsort darf nicht zur Gefahr für Personen werden. Achten Sie darauf, dass Einrichtungen und Geräte so abgestellt und gelagert werden, dass sie nicht umkippen, abrutschen, herabfallen, wegrutschen oder wegrollen können. Flucht- und Rettungswege müssen stets frei gehalten werden. Bei Veranstaltungen und Produktionen, bei denen mehrere Gewerke jeweils eine umfangreiche Materialmenge mitbringen, empfiehlt es sich, im Voraus einen Transport- und Lagerplan abzustimmen, der auch den Auf- und Abbau berücksichtigt.

Sorgen Sie dafür, dass für die Lagerung von gefährlichen Gegenständen, Materialien oder Gefahrstoffen geeignete Lagermöglichkeiten vorhanden sind und diese entsprechend genutzt werden. Achten Sie darauf, ob beim Transport von Material mit Kraftfahrzeugen die allgemeinen Regeln zur Ladungssicherung beachtet werden.