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Abschnitt 3.1 BGI/GUV-I 8627, 3.1 Seile
Abschnitt 3.1 BGI/GUV-I 8627
Seilarbeit im Forstbetrieb Seile Seilendverbindungen umgelenkter Zug (BGI/GUV-I 8627)
Titel: Seilarbeit im Forstbetrieb Seile Seilendverbindungen umgelenkter Zug (BGI/GUV-I 8627)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: BGI/GUV-I 8627
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.1 BGI/GUV-I 8627 – 3.1 Seile

Seile müssen entsprechend der Einsatzbedingungen so ausgewählt werden, dass sie bei bestimmungsgemäßen Einsatz den im Betrieb auftreten Belastungen standhalten.

Die technische Beschaffenheit und die Mindestbruchkraft des Seiles muss vom Hersteller durch ein mitzulieferndes Seilzeugnis bestätigt sein.

  1.  

    vgl. DIN EN 12 385 - 1 "Drahtseile aus Stahldraht - Sicherheit - Teil 1: Allgemeine Anforderungen"

3.1.1
Drahtseile aus Stahldraht
Nach dem Seilaufbau werden Spiral- und Litzenseile unterschieden. Zum Holzrücken werden zweckmäßigerweise Litzenseile eingesetzt, da diese weniger zum Aufdolden neigen. Sind die Litzen gleichsinnig wie die Drähte verseilt, spricht man von einem Gleichschlagseil, bei gegensinnigem Verlauf von einem Kreuzschlagseil. Für Forstwinden werden vorzugsweise Kreuzschlagseile eingesetzt.

Verdichtete Seile haben bezogen auf den gleichen Seildurchmesser eine höhere Bruchfestigkeit und eine glattere Oberfläche.

Für den Windeneinsatz im Forstbetrieb sind Seile mit Stahleinlage zu bevorzugen. Diese haben eine höhere Bruchfestigkeit und sind widerstandsfähiger gegen Quetschungen. Drahtseile mit Fasereinlage sind biegsamer, aber bei gleichem Durchmesser haben sie eine wesentlich geringere Bruchfestigkeit.

Abb. 2 Litzenseil, Aufbau und Bestandteile

Verseilungsart Beschreibung und Anwendung
Seale 6-litziges Stahlseil mit einer Stahleinlage, geschmeidig, widerstandsfähig durch große Außendrähte.
Für die Holzbringung bei steinigen und felsigen Böden geeignet.
Filler 6-litziges Stahlseil mit einer Stahleinlage, geschmeidig.

Für die Holzbringung bei Normalböden und Seilkran- und kombinierte Verfahren geeignet.
Warrington 6-litziges Stahlseil mit Stahleinlage.

Kann als Alternative zu Filler oder Seale eingesetzt werden.

Tabelle 1 Windenseile, Seilart und Einsatzzweck

Übliche Seildurchmesser sind in Tabelle 2 beispielhaft aufgeführt.

max. Windenzugkraft

(kN)
Erforderliche Mindestbruchkraft
MB
(kN)
typischer Seildurchmesser *)

(mm)
40809 - 11
5010011 - 12
6012012 - 13
7014013 - 14
8016014 - 16
*)

geringere Seildurchmesser gelten für hochverdichtete Seile bzw. bei höherer Nennfestigkeit des Stahls

Tabelle 2: Mögliche Seildurchmesser von Drahtseilen für Seilwinden

3.1.2
Seile aus synthetischem Material
Die für die Seilarbeit eingesetzten Seile bestehen aus einer hochfesten Polyethylenverbindung mit einer sehr geringen spezifischen Dichte. Neben der hohen Festigkeit, der Unempfindlichkeit gegen Wasser und manchen Chemikalien zeichnet sie eine hohe Beständigkeit gegen UV-Strahlung aus.

Abb. 3 Aufbau synthetischer Seile

Die technische Beschaffenheit und die Mindestbruchkraft des Seiles muss vom Hersteller durch ein mitzulieferndes Seilzeugnis bestätigt sein.

Ihr geringes Gewicht bringt für den Nutzer erhebliche ergonomische Vorteile, wie z.B. ein geringer Kraftaufwand beim Ausziehen des Seiles. Dieser Vorteil kommt besonders zum tragen, wenn bergab geseilt wird. Schnitt- und Stichverletzungen, wie sie durch Drahtbrüche auftreten, werden vermieden.

Kunststoffseile sind weniger scheuerfest als Stahlseile, was bei steinigem Gelände und Kontakt zu anderen scharfkantigen Gegenständen zu beachten ist.

3.1.3
Seilauswahl
Für die Auswahl des Seiles ist von der maximalen Windenzugkraft auszugehen.

Beim Auflegen eines Seiles ist sicherzustellen, dass mindestens ein Bordscheibenüberstand (siehe Abbildung 4) bei vollständig aufgespultem Seil verbleibt, der dem zweifachen Seildurchmesser entspricht.
Seile sind nach DIN EN 14492-1 "Krane - Kraftbetriebene Winden und Hubwerke Teil 1: Kraftgetriebene Winden" so auszuwählen, dass das Verhältnis des Trommeldurchmessers zum Seildurchmesser bezogen auf die Seilmitte mindestens 10 beträgt (siehe Abbildung 4).

Abb. 4 Verhältnis des Seildurchmessers zum Trommeldurchmesser und erforderlicher Bordscheibenüberstand

Beispiel:

vorhandener Trommeldurchmesser dT = 200 mm
ausgewählter Seildurchmesser dS = 12 mm

einzuhaltendes Verhältnis von Trommeldurchmesser zu Seildurchmesser:

(dT + dS):dS  >10
(200 + 12):12=17,7>10

erforderlicher Bordscheibenüberstand bei vollständig aufgespultem Seil:

aÜ >2 dS =2 12 mm
aÜ >24 mm

Der vom Hersteller angegebene zulässige Seildurchmesser in Bezug auf die Abmessung der Rillen von Seilrollen und ähnlichen Bauteilen ist zu beachten.

  1.  

    Weitere Hinweise enthält DIN EN 14492-1.

3.1.3.1
Auswahl von Stahlseilen
Die folgenden Aussagen gelten für die Auswahl von Stahlseilen für Seilwinden. Bei der Verwendung von Seilzügen ist sinngemäß vorzugehen.

Die Mindestbruchkraft des ausgewählten Seiles muss nach DIN EN 14492-1, Abschnitt 5.16.5 das Doppelte der vom Hersteller angegebenen maximalen Windenzugkraft betragen.

3.1.3.2
Auswahl von Synthetikseilen
Werden Seile aus synthetischem Material verwendet, sind die beim Betrieb auftretenden Gefährdungen zu ermitteln. Hierzu gehört u.a. die bei Belastung auftretende erhöhte Dehnung des synthetischen Seils und das damit einhergehende erhöhte Energiespeichervermögen. Nichtummantelte synthetische Seile zeigen bei rauhen Geländebedingungen eine höhere Abnutzung.

Bei der Auswahl synthetischer Seile sind die Herstellerangaben zu beachten. Nach derzeitigem Stand der Normung ist für den Betriebskoeffizient nach DIN EN 14492-1, Abschnitt 5.16.5 der Wert 2 festgelegt, d. h. die Mindestbruchkraft (MBK) des synthetischen Seiles muss mindestens das Doppelte der maximalen Windenzugkraft betragen.