DGUV Information 215-316 - Sicherheit bei Produktionen und Veranstaltungen - Bra...

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Anhang 3, Risikoabschätzung Brandschutz bei Produktionen
Anhang 3
Sicherheit bei Produktionen und Veranstaltungen - Brandschutz im Dekorationsbau Fernsehen, Hörfunk, Film, Theater, Veranstaltungen (bisher: BGI 810-6)

Anhangteil

Titel: Sicherheit bei Produktionen und Veranstaltungen - Brandschutz im Dekorationsbau Fernsehen, Hörfunk, Film, Theater, Veranstaltungen (bisher: BGI 810-6)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-316
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 3 – Risikoabschätzung Brandschutz bei Produktionen

Mithilfe der folgenden Zahlenwertgleichung lässt sich das Risiko eines Brandes für eine Produktion in der Veranstaltungstechnik abschätzen. Diese Risikoabschätzung kann eine Gefährdungsbeurteilung unterstützen.

Jeder Produktion beziehungsweise Veranstaltung lassen sich für die Gefahr durch

  • vorhandene Zündquellen (ZQ),

  • Größe der Brandlasten (BL),

  • Brandverhalten (BV) der Ausstattung,

  • Verrauchung/Rauchabzug (RA)

anhand der Tabellen Zahlenwerte zuordnen und zu einem Wert addieren. Dieser Zahlenwert wird multipliziert mit den produktionsspezifischen Umgebungsfaktoren für

  • den Ort der Produktion (PO),

  • die Anordnung der Zuschauer beziehungsweise Besucher (ZB),

  • die Qualität der Flucht- und Rettungswege (RW),

  • die Infrastruktur des vorbeugenden Brandschutzes (VB).

Den vorhandenen Brandschutzmaßnahmen (BM) werden ebenfalls anhand der Tabelle Werte zugeordnet und zu einem Gesamtwert der Brandschutzmaßnahmen aufsummiert (Σ BM).

Mithilfe der Formel:

Risiko = (ZQ +BL + BV+ RA) PO ZB RW VB - Σ BM wird dem Brandschutz der Produktion ein Zahlenwert zugeordnet.

Bewertung der Risikoabschätzung:

Ziel ist es, die Brandschutzmaßnahmen so auszuwählen, dass der Zahlenwert der Risikoabschätzung kleiner 10 ist.

Ist das Ergebnis kleiner als 7, kann man davon ausgehen, dass die Produktion ein geringes Brandrisiko hat. Die Schutzmaßnahmen sind ausreichend.

Liegt das Ergebnis zwischen 7 und 11, ist das Maßnahmenkonzept wahrscheinlich ausreichend. Eine individuelle Beurteilung der Schutzmaßnahmen durch eine befähigte Person sollte durchgeführt werden.

Bei einem Ergebnis, das größer als 11 ist, sind die Schutzmaßnahmen wahrscheinlich nicht ausreichend, um das hohe Risiko abzudecken.

Brandschutzvorschriften sind grundsätzlich einzuhalten. Abweichungen davon sind mit der für den Brandschutz zuständigen Stelle abzustimmen.

Gefahr der Entstehung von Brand und Verrauchung
BeurteilungspunktBewertungPunktwerteBeispiele
Vorhandene Zündquellen [ZQ]Erleichterungen im Brandschutz aufgrund des geringen Risikos möglichZQ = 2Es befinden sich keine Zündquellen in der Nähe von Brandlasten - zum Beispiel sind keine elektrischen Betriebsmittel in brennbaren Dekorationen eingebaut. Beispiele: Vortragsraum mit Pult, Blue-box im TV-Studio
Zündquellen sind im Fehlerfall möglichZQ = 4Elektrische Betriebsmittel ohne heiße Oberflächen sind in Dekorationen eingebaut oder viele elektrische/elektronische Geräte in der Produktionsstätte. Beispiele: TV-Studio, Theaterbühne
Zündquellen sind im Betrieb vorhandenZQ = 6Wärmestau oder elektrische Betriebsmittel mit heißen Oberflächen sind in brennbaren Dekorationen integriert
Offenes Feuer/PyrotechnikZQ = 8 
Größe der Brandlast [BL] der AusstattungGeringes RisikoBL = 1Nur vereinzelt brennbare Gegenstände in einer Halle; Beispiel: Empfang in einem Foyer
Durchschnittliches RisikoBL = 2Üblicher Szenen- und Dekorationsbau bei Veranstaltungen
Hohes RisikoBL = 4Mehrgeschossige Aufbauten oder großflächige Landschaften aus kaschiertem Styropor
Brandverhalten [BV] der AusstattungGeringes RisikoBV = 1Gipskartonwände mit Stahlrahmen
Durchschnittliches RisikoBV = 2Überwiegend schwerentflammbar nach DIN 4102 beziehungsweise EN 13501
Hohes RisikoBV = 3Kritische Werkstoffe oder kritische Requisiten
Rauchabzug [RA]Durchschnittliches RisikoRA = 3Rauchabzugsanlage gewährleistet eine rauchfreie Schicht von mindestens 2,5 m über dem Fußboden
 Hohes RisikoRA = 5Ungenügende oder fehlende Möglichkeit zur Entrauchung, kleine Raumvolumen mit schlechter Lüftung, Ausstattung mit sehr hohem Anteil an Kunststoffen

Tabelle 7

 

Für jeden Beurteilungspunkt dieser Tabelle wird jeweils ein Punktwert gewählt. Diese Punktwerte werden zu einer Risikozahl addiert.

Umgebungsfaktoren
BeurteilungspunktBewertungPunktwerteBeispiele
Produktionsort [PO]Im GebäudePO = 1,0 
Im FreienPO = 0,5 
Anordnung der Zuschauer beziehungsweise Besucher [PO]Weniger als 50 Personen im ProduktionsbereichZB = 1,0Kleine Produktion ohne Zuschauer oder Besucher
Mehr als 50 Mitwirkende/Statisten, aber keine BesucherZB = 1,5Größere Produktion mit vielen Beschäftigten (Statisten), jedoch ohne Besucher
Weniger als 200 Personen im ProduktionsbereichZB = 1,7 
Versammlungsstätte mit Schutzvorhang zwischen Bühne und ZuschauerraumZB = 1,8Theater mit Großbühnen
Reihenbestuhlung ohne bauliche Trennung zur SpielflächeZB = 2,1Mehrzweckhallen, Fernsehshow, Konzert in einer Messehalle
Mehr als 200 Besucher bewegen sich frei im VeranstaltungsraumZB = 2,2Tischbestuhlung, Messebetrieb, Karneval, Disko, eventuell höhere Risikobereitschaft der Besucher
Flucht- und Rettungswege [RW]Geringes RisikoRW = 0,95Sehr gute Evakuierungsmöglichkeiten und ausreichend Flächen im Freien, mehrere Türen direkt ins Freie
Durchschnittliches RisikoRW = 1,00Ausreichend vorhanden und gekennzeichnet, entsprechend den rechtlichen Vorgaben dimensioniert
Hohes RisikoRW = 1,05Wenige Ausgänge, lange oder unübersichtliche Wege
Vorhandene Infrastruktur des vorbeugenden Brandschutzes [VB]Geringes RisikoVB = 0,95Überdurchschnittliche Maßnahmen dauernd vorhanden - zum Beispiel Betriebsfeuerwehr
Durchschnittliches RisikoVB = 1,00Brandmeldeanlagen und Feuerlöscher (gegebenenfalls Hydrant) in ausreichender Anzahl vorhanden
Hohes RisikoVB = 1,05Kein Brandschutzkonzept, kein anlagentechnischer Brandschutz vorhanden; Beispiel: Produktionen in stillgelegten Industrieanlagen

Tabelle 8

 

Für jeden Beurteilungspunkt dieser Tabelle wird jeweils ein Punktwert gewählt. Diese Punktwerte werden jeweils mit der bisher ermittelten Risikozahl multipliziert.

Maßnahmen zur Schadensvermeidung
BeurteilungspunktMaßnahmePunktwerteBeispiele
Bauliche Brandschutzmaßnahmen [BM]Löschanlage über der Szenenfläche vorhandenBM = 8Sprühwasserlöschanlage, Sprinkler
Produktionsbezogene Brandschutzmaßnahmen [BM]
(Zahlenwerte addieren)
Unterweisung der Besucher in BrandschutzmaßnahmenBM = 3Beim "Warm-up"
Brandsicherheitswachen durch die FeuerwehrBM = 9 
Brandsicherheitsposten durch eingewiesene PersonenBM = 4Durch ausgebildete Brandschutzhelfer
Verbesserter Brandschutz im Dekorationsbau, abhängig von vorhandenen ZündquellenBM = 5Durch Brandschutzanstriche
Löscheinrichtungen in Dekorationen integriertBM = 8Sprinkler, Wasserbecken mit Auslöseeinrichtungen unter feuergefährlichen Effekten, angeschlossener Feuerlöschschlauch liegt bereit
Zusätzliche Löschgeräte an den GefahrenstellenBM = 4Feuerlöscher, Kübelspritzen, Wassereimer am Set und an mobilen Schaltanlagen

Tabelle 9

 

Wird eine vorgeschlagene Brandschutzmaßnahme umgesetzt, erhöht sich der Wert BM um den entsprechenden Zahlenwert.

Ergebnis der Risikoabschätzung für den Brandschutz
Ergebnisbewertung
Risiko < 7Man kann davon ausgehen, dass die Produktion ein geringes Brandrisiko hat.
Die Schutzmaßnahmen sind ausreichend.
7 < Risiko < 11Das Maßnahmenkonzept ist wahrscheinlich ausreichend. Eine individuelle Beurteilung der Schutzmaßnahmen durch eine befähigte Person sollte durchgeführt werden.
Risiko > 11Die Schutzmaßnahmen sind wahrscheinlich nicht ausreichend, um das hohe Risiko abzudecken.