DGUV Information 215-315 - Sicherheit bei Veranstaltungen und Produktionen - Bes...

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Anhang 5, Begriffe
Anhang 5
Sicherheit bei Veranstaltungen und Produktionen - Besondere szenische Darstellungen (DGUV Information 215-315)

Anhangteil

Titel: Sicherheit bei Veranstaltungen und Produktionen - Besondere szenische Darstellungen (DGUV Information 215-315)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-315
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anhang 5 – Begriffe

Akrobatik

Der Begriff Akrobatik beschreibt sportliche Betätigungen, die mit einem außergewöhnlichen Maß an Körperbeherrschung, Kraft und Geschicklichkeit verbunden sind, z. B. Bodenakrobatik, Partnerakrobatik, Äquilibristik.

Artistik

Vorführung vor einem Publikum zu Showzwecken, die eine körperliche Geschicklichkeit und Übung erfordert. Oftmals werden im Rahmen artistischer Darbietungen auch Gegenstände benutzt (z. B. Hochseile, Vertikalseile und Trapeze). In der Regel werden Kostüme getragen.

Artist/Artistin

Als Artist oder Artistin wird bezeichnet, wer nachvollziehbar durch Ausbildung, Erfahrung und ggf. Zertifikate von externen Stellen seine oder ihre Befähigung belegen kann. Hinreichend sind z. B. ein Ausbildungsnachweis zum staatlich geprüften Artist oder Referenzlisten.

Basis-Gefährdungsbeurteilung

Die Basis-Gefährdungsbeurteilung ist die nach dem Arbeitsschutzgesetz erforderliche grundsätzliche Beurteilung der Arbeitsplätze bzw. der Tätigkeiten auf Szenenflächen, bei der Produktion, in der Produktionsstätte oder im Zusammenhang mit dem Bühnenbild.

Dies ist z. B. mittels einer Gefährdungsbeurteilung möglich, die von den Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung oder den staatlichen Arbeitsschutzbehörde zur Verfügung gestellt wird (siehe auch: Individuelle Gefährdungsbeurteilung).

Extremsport

Unter dem Begriff Extremsport werden die Sportarten zusammengefasst, bei deren Ausführung Menschen zumindest das Risiko in Kauf nehmen, dass es bei der sportlichen Betätigung zu erheblichen Verletzungen kommen kann. Das persönliche Risiko ist hier höher als das üblicherweise gesellschaftlich akzeptierte Risiko bei der Sportausübung (Beispiele: Parcoursläufer, Freestyle-Motocross).

Gefährdung, Gefahr

Gefährdung im Sinne des Arbeitsschutzes bedeutet die Möglichkeit, dass Menschen räumlich und zeitlich mit einer Gefahrenquelle zusammentreffen. Gefährdung bezeichnet also die Möglichkeit eines Schadens ohne Aussagen zur Schadensschwere oder zur Eintrittswahrscheinlichkeit zu treffen.

Gefahr ist ein Zustand oder ein Ereignis, bei dem ein unvertretbares (nicht akzeptables) Risiko besteht.

Siehe auch Definition des Begriffs "Risiko".

Die Begriffe Gefahr und Gefährdung werden häufig synonym verwendet und auch in Fachpublikationen abweichend von den obenstehenden Begriffsdefinitionen verwendet.

Gefahrbereich

Bei pyrotechnischen Gegenständen entspricht der Sicherheitsabstand (Mindestsicherheitsabstand) dem Gefahrbereich.

Gefährliche szenische Darstellung

Als gefährliche szenische Darstellung gilt eine szenische Darstellung, bei der das für allgemeine Arbeitsvorgänge tolerable Risiko überschritten wird. Beispiele sind: Abspringen von hochgelegenen Flächen, herabstürzende Gegenstände, Durchführen von extremen Bewegungen, Tragen von die Bewegung einschränkenden Kostümen, offene Verwandlung, szenische Vorgänge mit maschinentechnischen Arbeitsmitteln, Umgang mit Waffen und pyrotechnischen Gegenständen, feuergefährliche Vorgänge.

Horse Master

Der oder die Horse Master unterstützt und berät die Verantwortlichen bei der Festlegung und Umsetzung der Schutzmaßnahmen bei besonderen szenischen Darstellungen mit Pferden. Er oder sie kann beurteilen inwieweit die zur Verfügung stehenden Stuntleute, Schauspieler/-innen oder Führpersonen ausreichen, um ein Tier in einer Szene zu beherrschen. Kommen in einem Projekt nur Reitszenen vor, kann es sein, dass der oder die Horse Master (bei Eignung) die Aufgaben eines Stunt Coordinators mit übernimmt.

HIC (Head Injury Criterion)

Das HIC ist ein Index zur Bewertung von beschleunigungsbedingten Kopfverletzungen. Der HIC-Wert wurde für Crashtests entwickelt und beschreibt das Verletzungsrisiko nach einem Sturz.

Für die Einrichtung von Kinderspielplätzen wird z. B. ein maximal zulässiger HIC-Wert von 1000 zugrundegelegt. Bei Einhaltung dieses Wertes wird im Falle von Stürzen das Risiko von Kopfverletzungen mit dauerhafter Schädigung auf ein tolerables Niveau minimiert. Der Grenzwert HIC 1000 beziffert hier das Risiko, dass 50 Prozent der Stürze zu ernsthaften Verletzungen (z. B. Gehirnerschütterung mit Bewusstlosigkeit von unter einer Stunde) führen können. Bei einem HIC-Wert von 1000 beträgt das Risiko lebensgefährlicher Verletzungen noch 15 Prozent.

Individuelle Gefährdungsbeurteilung

Außergewöhnlich veranstaltungs- und produktionsspezifische Gefährdungssituationen müssen durch eine individuelle Gefährdungsbeurteilung bewertet werden. Hierzu ist eventuell eine Beratung durch Experten oder Expertinnen - z. B. Betriebsarzt/-ärztin, Fach kraft für Arbeitssicherheit, Sachverständige, Stunt Coordinator - erforderlich. Die Kreativen (u. a. Regisseure/Regisseurinnen, Redakteure/Redakteurinnen) sind auch in diese individuelle Gefährdungsbeurteilung miteinzubeziehen.

Mitwirkende

Mitwirkende sind alle Personen (z. B. Prominente), die im Rahmen von Proben, Vorstellungen oder Aufzeichnungen sich selbst darstellend auftreten. Sie erfüllen eine dramaturgische oder redaktionelle Funktion, spielen jedoch keine angenommenen Rollen. Auch Zuschauer oder Zuschauerinnen können Mitwirkende sein, wenn sie z. B. auf die Bühne gebeten und an der szenischen Darstellung beteiligt werden.

Komparsen/Komparsinnen, Statisten/Statistinnen

Komparsen/Komparsinnen und Statisten/Statistinnen sind Theater-, Film- oder Fernsehschaffende, deren darstellerische Mitwirkung die filmische Handlung nicht wesentlich trägt und die ihr kein eigenpersönliches Gepräge geben. Sie erbringen in der Regel keine schauspielerischen Leistungen und haben selten Text.

Szenen- und Produktionsfläche

Als Szenen- und Produktionsfläche gilt der Bereich, in dem die szenische Darstellung bzw. der szenische Vorgang (einschließlich Proben) stattfindet. Dieser darf nur von an der Produktion beteiligten Personen betreten werden.

Proben

Szenische Darstellungen werden zur Übung durchlaufen.

Proben, ausreichendes

Ausreichendes Proben hat zum Ziel, dass alle vorher getroffenen Vereinbarungen (Choreographie) im szenischen Kontext wiederholt fehlerfrei und sicher durchgeführt werden können.

Risiko

Kombination der Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadens und seines Schadensausmaßes. Eine Risikoeinschätzung umfasst also die Bestimmung der Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts und des zu erwartenden Schadensausmaßes.

Schauspieler/-innen (Darsteller/-innen)

Schauspieler/-innen sind Darsteller/-innen von Rollen in Theateraufführungen, Filmen und im Fernsehen. Es handelt sich insbesondere um Künstler und Künstlerinnen, die mit ihrer Gestik sowie mit mimischen und sprachlichen Ausdrucksformen andere Personen und Charaktere verkörpern.

Sensationsdarsteller/-innen

Sensationsdarsteller/-innen werden auch als Actiondarsteller/-innen bezeichnet. Diese Personen führen als sensationell angesehene Aktionen aus. Häufig wird dabei der erforderliche Wagemut überhöht dargestellt.

Beispiele für Sensationsdarstellungen sind: Pfeile fangen, mit Motorrad über Autos springen, auf einem Drahtseil von Hochhaus zu Hochhaus laufen.

Sport

Sport im Sinne dieser Schrift sind körperliche Aktivitäten, die Personen aus (sportlicher) Eigenmotivation ausüben. Dies kann Sportler und Sportlerinnen an die Grenzen ihrer physischen und psychischen Leistungsfähigkeit bringen. Sport kann in einer Wettbewerbssituation oder als Nachweis durchgeführt werden. Insbesondere im Wettkampf ist Sport ergebnisoffen. In den festgelegten Regeln des Sports wird ein erhöhtes Verletzungsrisiko berücksichtigt und toleriert.

Sportler/-innen

Sportler/-innen im Sinne dieser Schrift sind Menschen, die ausgeprägte Fähigkeiten und Fertigkeiten insbesondere der körperlichen Bewegung haben und sich mit sich selbst oder mit anderen Menschen nach Regeln vergleichen. Die Eignung von Sportlern und Sportlerinnen zur sicheren Umsetzung besonderer szenischer Darstellungen kann mit Hilfe der Beurteilung durch Experten und/oder Expertinnen im sportlichen Betätigungsfeld oder durch nachgewiesene Wettkampfergebnisse erfolgen.

Stuntmen und Stuntwomen

Stuntmen und Stuntwomen - auch Stuntperformer genannt - stellen Rollencharaktere dar. Sie übernehmen die Figur eines Schauspielers oder einer Schauspielerin und spielen dessen oder deren Rolle unter den besonderen Bedingungen eines Stunts. Sie können auch als Stuntplayer eingesetzt werden: dann übernehmen sie die darzustellende Rolle allein. Ein Stunt beinhaltet eine künstlerische Leistung im kreativen Prozess einer Film-, Fernseh- oder Theaterproduktion.

Stunt Coordinator

Stunt Coordinator eine Person, der oder die zentraler Ansprechpartner oder zentrale Ansprechpartnerin für Produktionsfirmen und Theater ist sowie verantwortlich für die technische und künstlerische Umsetzung von Stunts durch Stuntmen-/Stuntwomen und/oder Schauspieler und Schauspielerinnen ist. Ein Stunt Coordinator hat die Aufgabe, eine Stuntaktion nach Absprache mit dem Regisseur oder der Regisseurin zu planen, kreativ aufzulösen und entsprechende szenische, film- oder kameratechnische Perspektiven und Möglichkeiten vorzuschlagen. Ein Stunt Coordinator beurteilt die Gefährdungen, minimiert die Risiken, legt Maßnahmen fest und überprüft deren Wirksamkeit, um die Aktion sicher umzusetzen.

Der Stunt Coordinator kann die szenische Darstellung jederzeit abbrechen oder bei Sicherheitsbedenken nicht zulassen. Er oder sie ist für den Ablauf der gesamten Stuntsituation verantwortlich.

Der Stunt Coordinator soll den Stuntman/Stuntwoman und ggf. den Schauspieler bzw. die Schauspielerin auch "vor sich selbst schützen", übt also eine besondere Fürsorgepflicht aus.

Szenische Darstellung

Die Umsetzung der in Regieanweisungen vorgegebenen Handlungsabläufe in Teilen von Aufführungen bzw. Film- oder Fernsehproduktionen bezeichnet man als szenische Darstellung.

Training

Training ist Erlernen und intensives Üben bestimmter Fertigkeiten sowie das Erreichen der notwendigen Ausdauer (z. B. Reiten lernen, Fechten lernen), um die Leistung reproduzierbar zu machen und eine Überforderung der Akteure zu vermeiden.

Wrangler

Der oder die Wrangler ist eine mit dem Pferd vertraute Person. Der oder die Wrangler bereitet das Pferd für die szenische Darstellung vor. Er oder sie kann zusammen mit dem oder der Horse Master die Reitszene unterstützen, z. B. das Pferd abschicken oder in Empfang nehmen.

Wirkbereich

Der Wirkbereich ist der Bereich, in dem die Gefährdungen der Darstellung bzw. des Effektes wirksam werden. Er entspricht z. B. der Effektgröße eines pyrotechnischen Gegenstandes.

Wirksamkeitskontrolle

Wegen der komplexen Abläufe und Gefährdungen von besonderen szenischen Darstellungen ist eine sorgfältige Wirksamkeitskontrolle der vorgesehenen Arbeitschutzmaßnahmen erforderlich. Diese erfolgt prospektiv (vorausschauend) durch den Ersteller der individuellen Gefährdungsbeurteilung, laufend durch die für Leitung und Aufsicht verantwortliche Person und retrospektiv (zurückschauend) nach Ereignissen, aufgrund neuer Erfahrungen und Erkenntnisse sowie zur Erzielung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses.