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Abschnitt 3 TRBS 3151/TRGS 751, Ermittlung und Bewertung von...
Abschnitt 3 TRBS 3151/TRGS 751
Technische Regeln für Betriebssicherheit/Gefahrstoffe - Vermeidung von Brand-, Explosions- und Druckgefährdungen an Tankstellen und Gasfüllanlagen zur Befüllung von Landfahrzeugen (TRBS 3151/TRGS 751)
Bundesrecht
Titel: Technische Regeln für Betriebssicherheit/Gefahrstoffe - Vermeidung von Brand-, Explosions- und Druckgefährdungen an Tankstellen und Gasfüllanlagen zur Befüllung von Landfahrzeugen (TRBS 3151/TRGS 751)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: TRBS 3151/TRGS 751
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Technische Regel

Abschnitt 3 TRBS 3151/TRGS 751 – Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen

3.1
Ermittlung von Gefährdungen

(1) Nummer 3.1 gilt für die Ermittlung der Maßnahmen zur Bereitstellung, Montage, Installation, Benutzung und zum Betrieb von Tankstellen und Gasfüllanlagen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gemäß TRBS 1111 und TRGS 400 zum Schutz von Beschäftigten und anderen Personen vor besonderen Gefahren durch Druck, Brände oder Explosionen.

(2) Insbesondere folgende Anlagenteile sind dabei zu berücksichtigen:

  1. 1.

    Austrittsmündungen der Entlüftungs- und Entspannungsleitungen der Behälter für Kraftstoffe,

  2. 2.

    Abgabeeinrichtungen für Kraftstoffe,

  3. 3.

    Domschächte der Lagerbehälter für Kraftstoffe,

  4. 4.

    Fernfüllschächte der Lagerbehälter für Kraftstoffe,

  5. 5.

    Lagerbehälter für Kraftstoffe,

  6. 6.

    Füllleitungen für Kraftstoffe,

  7. 7.

    Entlüftungsleitungen, Gaspendel- und Gasrückführungsleitungen,

  8. 8.

    Entnahmeleitungen für Kraftstoffe,

  9. 9.

    Abscheideranlagen für Leichtflüssigkeiten,

  10. 10.

    Schlammfang der Leichtflüssigkeitsabscheideranlage,

  11. 11.

    Blitzschutzanlagen.

(3) Neben dem Normalbetrieb als bestimmungsgemäßer Betriebsweise der Tankstelle oder Gasfüllanlage und deren Anlagenteilen sind auch Betriebsstörungen sowie vorhersehbare Abweichungen vom Normalbetrieb (z. B. An- und Abfahrvorgänge, vorübergehende Stilllegung) zu berücksichtigen. Zum Normalbetrieb gehören insbesondere

  1. 1.

    Füll-, Entleervorgänge,

  2. 2.

    Reinigungsarbeiten,

  3. 3.

    Probenahmen,

  4. 4.

    Inspektions- und Wartungsarbeiten,

  5. 5.

    Füll-, Umfüll- und Abfüllbetrieb,

  6. 6.

    Prüfungen.

Betriebsstörungen sind u. a.:

  1. 1.

    vernünftigerweise nicht auszuschließende Abweichungen vom Normalbetrieb, z. B. vorhersehbare Fehlbedienung,

  2. 2.

    Versagen von sicherheitstechnisch bedeutsamen Mess-, Steuer- und Regelvorrichtungen,

  3. 3.

    Rückströmung,

  4. 4.

    Luft- oder Feuchtigkeitszutritt,

  5. 5.

    Ausfall der Versorgung mit Energie, Roh- und Hilfsstoffen,

  6. 6.

    unbeabsichtigte Freisetzung von Kraftstoffen aus Lagerbehältern, Rohrleitungen, Abgabeeinrichtungen,

  7. 7.

    Defekte an mit Kraftstoffen oder deren Dämpfen gefüllten Bauteilen, z. B. Tanks, Rohrleitungen, Zapfventile.

(4) Ebenso sind vernünftigerweise nicht auszuschließende äußere Einflüsse auf eine Tankstelle oder Gasfüllanlage zu berücksichtigen (z. B. Gewitter).

3.2
Beispiele für typische Gefährdungen für Beschäftigte und andere Personen

Beispiele für typische Gefährdungen für Beschäftigte und andere Personen sind

Gefährdungauslösende Faktoren und Folgen
Anlagenbezogene Gefährdung 
Freisetzung von KraftstoffenUndichtigkeiten durch Korrosion oder Beschädigungen führen zu nicht bestimmungsgemäßen Freisetzungen und ggf. zur Bildung explosionsfähiger Atmosphäre, die zu Brand oder Explosion führen kann.
Freisetzung von KraftstoffenBei oberirdischer Lagerung Gefahr durch mechanische Beschädigung oder Brände in der Nähe.
Gefährdung durch Aufkonzentration von DämpfenEindringen von explosionsfähiger Atmosphäre in Kanalsysteme und Böden, wenn dies zu Brand oder Explosion führen kann.
Gefährdung durch fehlende SchutzabständeMechanische Beschädigung, Entzündung explosionsfähiger Atmosphäre, Versagen der Behälterwandung durch Hitzeeinwirkung infolge von Bränden.
Gefährdung durch Fehlverhalten 
Gefährdung durch Betankungsvorgängenicht bestimmungsgemäßes Betanken, Austretender Kraftstoff führt zur Bildung explosionsgefährlicher Atmosphäre, Fehlverhalten von Beschäftigten oder anderen Personen aufgrund fehlender Unterweisung oder Beschilderung.
Gefährdungen beim Befüllen durch TankfahrzeugeAustretender Kraftstoff führt zur Bildung explosionsgefährlicher Atmosphäre, Überfüllen, fehlende Gaspendelung, Fehlverhalten von Beschäftigten aufgrund fehlender Unterweisung oder Beschilderung.
Gefährdung durch Wechselwirkungen 
gefährliche elektrische AusgleichsströmeAnlagenteile können gegen Erde elektrische Spannungen annehmen, die zur Entstehung zündfähiger Funken oder gefährlicher Korrosionen oder zur Gefährdung von Personen führen.
gefährliche elektrostatische AufladungenAnlagenteile und Fahrzeuge können elektrostatische Aufladungen annehmen, die zu gefährlichen Entladungsvorgängen führen können.
Gewitter, BlitzeinschlagAnlagen und Personen können durch Blitzschlag gefährdet werden. (Ausfall der Schutzeinrichtungen, Berührspannungen). Der Blitzeinschlag kann bei nicht ausreichenden Blitzschutzmaßnahmen Zündgefahren hervorrufen.
Gefährdung durch BrändeDurch Brände von fremden Gegenständen oder Anlagen innerhalb oder in Nähe der Betankungsanlage (Müllbehälter, Staubsauger u. ä.) können zusätzliche Gefahren entstehen.
FahrzeugverkehrVerkehrswidriges Verhalten.
Übertragung von Bränden und ExplosionenFehlende oder nicht wirksame brand- oder explosionsschutztechnische Entkopplung.

3.3
Bewertung von Gefährdungen

Die nach Nummer 3.1 und 3.2 ermittelten Gefährdungen sind in Übereinstimmung mit TRBS 1111 und TRGS 400 unter Beachtung entsprechender Ursachen zu bewerten. Beispielhaft können hierzu die nachfolgenden Kriterien herangezogen werden:

  1. 1.

    Zugänglichkeit für Beschäftigte oder andere Personen,

  2. 2.

    Aufstellung (Schutzabstände),

  3. 3.

    Medieneigenschaften der Kraft- und Betriebsstoffe,

  4. 4.

    technische Ausführung/technischer Zustand der Anlage und Anlagenteile,

  5. 5.

    Ausrüstung der Anlage (z. B. mit Schutzeinrichtungen).

3.4
Maßnahmen

(1) Zum Schutz vor den ermittelten und bewerteten Gefährdungen sind Maßnahmen in folgender Rangfolge festzulegen und zu dokumentieren:

  1. 1.

    technische Maßnahmen,

  2. 2.

    organisatorische Maßnahmen (Betriebsanweisung, Anleitungen, Kennzeichnungen),

  3. 3.

    persönliche Schutzmaßnahmen.

(2) Tankstellen, Gasfüllanlagen und deren Anlagenteile müssen bei Erprobung, Inbetriebnahme, Betrieb und Stillsetzung grundsätzlich innerhalb der vom Hersteller der Anlagenteile festgelegten Bedingungen verwendet werden.

Maßnahmen, die bei Betriebsstörungen, bei Umbauten oder Änderungen zu ergreifen sind, müssen festgelegt werden. Zur Erhaltung des Sollzustandes sind rechtzeitig die erforderlichen Maßnahmen zu treffen. Die Funktionsfähigkeit der für den sicheren Betrieb erforderlichen Anlagenteile ist durch entsprechende Wartung, Instandsetzung und Prüfung sicherzustellen.

(3) Die aus der Gefährdungsbeurteilung abgeleiteten Maßnahmen hinsichtlich Prüfungen im Rahmen der Bereitstellung und Benutzung von Tankstellen und Gasfüllanlagen und deren Anlagenteilen werden in der TRBS 1201 und TRBS 1201 Teil 1, Teil 2 und Teil 5 konkretisiert.