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Abschnitt֠5 Beschluss 603, Inaktivierung und Dekontamination
Abschnitt֠5 Beschluss 603
Beschluss des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Transmissibler Spongiformer Enzephalopathie (TSE) assoziierter Agenzien in TSE-Laboratorien (Beschluss 603)
Bundesrecht
Titel: Beschluss des Ausschusses für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit Transmissibler Spongiformer Enzephalopathie (TSE) assoziierter Agenzien in TSE-Laboratorien (Beschluss 603)
Normgeber: Bund
Redaktionelle Abkürzung: Beschluss 603
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Verwaltungsvorschrift

Abschnitt֠5 Beschluss 603 – Inaktivierung und Dekontamination

5.1 Allgemeines 7

TSE-assoziierte Agenzien sind gegen eine Vielzahl von bakteriziden, viruziden und fungiziden Desinfektionsmitteln und gegen übliche Hitze- (z. B. trockene Hitze bei 180-200 C) oder Dampfsterilisationsverfahren (z. B. gespannter, gesättigter Wasserdampf bei 121 C) weitgehend tolerant (s. Abschnitt. 3.2 - zweiter Spiegelstrich).

Art und Form der Abfälle sind von erheblicher Bedeutung für die Wirksamkeit der Inaktivierungsverfahren. Eine Trennung fester und flüssiger Abfälle vereinfacht die spätere Entsorgung. Flüssige Abfälle sind chemischer Behandlung zugänglicher als Feststoffe. Bei letzteren ist die Materialstärke zu beachten. Bei Materialien, die Hohlräume aufweisen (Probengefäße, Spritzen etc.), muss sichergestellt werden, dass der Wasserdampf diese ausreichend erreicht.

Die Dehydrierung und Trocknung erregerhaltiger Abfälle ist z. B. durch Feuchthalten zu vermeiden.

5.2 Verfahren

Die folgenden Verfahren gewährleisten - bei sachgerechter Anwendung - eine Inaktivierung von TSE-assoziierten Agenzien und sind deshalb für die Behandlung von kontaminiertem Material geeignet:

5.2.1 Thermische Verfahren

(1) Hierzu gehört die Verbrennung bei genügend hohen Temperaturen (≥ 850 C für ≥ 2 Sekunden oder ≥ 1000 C für ≥ 1 Sekunde bei < 7 % Kohlenstoffanteil in der Asche).

(2)Alternativ kann im Dampfsterilisator (mit Aerosolfiltern ausgestattet, möglichst im Vakuumverfahren) bei 134 C, 3 bar absolut, ≥ 1 Stunde autoklaviert werden (bei Schichtdicken ≥ 5 cm).

Formalinfixiertes Material ist durch Autoklavieren nicht sicher zu inaktivieren. Das Autoklaviergut ist feucht zu halten.

5.2.2 Kombiniertes chemisch-thermisches Verfahren

Bei diesem kombinierten Verfahren wird bei > 121 C, ≥ 30 Minuten bei einer Endkonzentration von 1 M NaOH autoklaviert.

5.2.3 Chemische Verfahren

(1) Eine Inaktivierung erfolgt bei einer Endkonzentration von mindestens 1 M NaOH oder 2,5 % Natriumhypochlorit 8 für ≥ 1 Stunde. (Bei der Inaktivierung von Flüssigkeiten wird dies durch Zugabe eines gleichen Volumens 2 M NaOH bzw. 5 % Natriumhypochlorit erreicht). Die Dauer ist je nach Abfallbeschaffenheit und Erregerlast auf bis zu 24 Stunden zu erhöhen.

(2) Weitere, für nagetieradaptierte Prionen im Bioassay-validierten Verfahren sind:

  • Behandlung mit 6 M, 4 M oder 3 M Guanidiniumthiocyanat für 15 Minuten, eine Stunde bzw. 24 Stunden (Sc237 Scrapie-Agens),

  • Behandlung mit zunächst 4 % (w/v) SDS (Natriumdodecylsulfat) für 30 Minuten bei 65 C und anschließend mit 4 % (w/v) SDS/1 % (v/v) Essigsäure für 18 Stunden bei 65 C (Sc237 Scrapie-Agens),

  • Behandlung mit 0,2 % (w/v) SDS/0,3 % (w/v) NaOH (mit oder ohne 20 % [v/v] n-Propanol) für zehn Minuten bei 23 C (263K Scrapie-Agens) oder

  • Autoklavieren bei 121 C in 3 % (w/v) SDS für 40 Minuten (263K Scrapie-Agens).

(3) Folgende Punkte sind beim Einsatz von chemischen Inaktivierungsverfahren zu berücksichtigen:

  • Beim Einsatz von Natriumhypochlorit-Lösung ist zu beachten, dass bei der Erhitzung (z. B. Autoklavierung) ätzende Dämpfe entstehen. Außerdem wirken diese Lösungen korrosiv für alle Arten von Edelstählen. Durch die ätzende Wirkung sind die Augen stark gefährdet. Arbeitslösungen müssen frisch angesetzt werden.

  • NaOH wirkt auf Alumium- und Zinkoberflächen korrosiv: Hochmolare Lösungen können Edelstähle angreifen; niedermolare NaOH reagiert mit dem Kohlendioxid der Luft unter Bildung von Karbonaten, was die alkalischen Eigenschaften der NaOH aufhebt; 10 M NaOH reagiert nicht mehr mit dem Kohlendioxid der Luft und eignet sich als Vorratslösung.

(4) Chemische Inaktivierungsmaßnahmen dürfen nur durch entsprechend eingewiesenes Personal und nur nach Anlegen der persönlichen Schutzkleidung durchgeführt werden (Gesichtsschutz, geeignete Handschuhe, Schutzkittel, ggf. chemikalienbeständige Schürze). Bei Verwendung von Natriumhypochlorit-Lösungen ist auf ausreichenden Luftwechsel zu achten. Das Personal muss regelmäßige Sicherheitsunterweisungen in der sachgerechten Anwendung erhalten.

5.2.4 Dekontamination wieder verwendbarer Instrumente

(1) Wiederverwendbare Instrumente, die (potenziell) mit TSE-assoziierten Agenzien kontaminiert sein können, sind getrennt von anderen Instrumenten mechanisch zu reinigen und zu autoklavieren. Das manuelle Reinigen von Instrumenten ist auf ein absolutes Minimum zu beschränken; automatisierte Verfahren zur mechanischen Reinigung sind zu bevorzugen.

Hinweis: Erfolgt die Instrumentenaufbereitung zentral oder durch externe Dienstleister, muss auf die mögliche TSE-Gefährdung hingewiesen werden.

(2) Zur sicheren Dekontamination von wiederverwendbaren Instrumenten sollten zwei verschiedene Verfahren miteinander kombiniert werden: z. B. eine kombinierte chemischmechanische Reinigung und Inaktivierung, gefolgt von einem Spülvorgang und einer abschließenden Dampfsterilisation (134 C, 3 bar absolut, ≥ eine Stunde im Vakuumverfahren) 9 .

5.2.5 Dekontamination von Käfigeinstreu, Ausscheidungen und Gülle

(1) Käfigeinstreu, Ausscheidungen und Gülle etc. sind durch geeignete Verfahren nach 5.2.1-5.2.3 zu dekontaminieren. Sie können dann mit dem normalen Hausmüll entsorgt werden. Chemisch inaktivierte Flüssigabfälle können nach sachgerechter Neutralisation über das Abwasser entsorgt werden.

(2) Tierkadaver sind als Sonderabfall zu behandeln und durch Verbrennung zu entsorgen.

7

D.M. Taylor, 2000. Vet.J. 159: 10-17; D. Simon und G. Pauli, Bundesgesundheitsblatt. 7/98, S. 279-285.

8

Durch 1:5 Verdünnung einer 13 %igen Natriumhypochlorit-Stammlösung wird ein Gehalt an aktivem Chlor von 2,6 % erreicht. Zur Gewährleistung der Wirksamkeit darf ein Gehalt von mindestens 2% aktiven Chlors nicht unterschritten werden. Daher ist es sehr wichtig, dass die Lösung möglichst frisch, höchstens jedoch vier Wochen alt ist.

9

Desinfektion und Sterilisation von chirurgischen Instrumenten bei Verdacht auf Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen. Bundesgesundheitsblatt (1996) 39, 282-283; Simon & Pauli, Krankenversorgung und Instrumentensterilisation bei CJK-Patienten und CJK-Verdachtsfällen. Bundesgesundheitsblatt, (1998) 41: 279-285; Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention - Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten; Bundesgesundheitsbl. - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2001, 44: 1115-1126; Abschlussbericht der Task Force vCJK - Die Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK), Bundesgesundheitsbl. - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz, 2002, 45: 376-394.