DGUV Information 213-033 - Gefahrstoffe in Werkstätten (bisher: BGI/GUV-I 8625)

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Abschnitt 1.1, 1 Allgemeiner Teil 1.1 Gefahrstoffe
Abschnitt 1.1
Gefahrstoffe in Werkstätten (bisher: BGI/GUV-I 8625)
Titel: Gefahrstoffe in Werkstätten (bisher: BGI/GUV-I 8625)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-033
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.1 – 1 Allgemeiner Teil

1.1 Gefahrstoffe

Was sind Gefahrstoffe?

Gefahrstoffe sind Stoffe (Reinstoffe), Zubereitungen (Gemische, Gemenge oder Lösungen von Stoffen) oder Erzeugnisse (zum Beispiel Spanplatten), denen eine oder mehrere der nachfolgenden Eigenschaften (Gefährlichkeitsmerkmale) zugeordnet werden:

  1. 1.

    explosionsgefährlich/explosionsfähig,

  2. 2.

    brandfördernd,

  3. 3.

    hochentzündlich,

  4. 4.

    leichtentzündlich,

  5. 5.

    entzündlich,

  6. 6.

    sehr giftig,

  7. 7.

    giftig,

  8. 8.

    gesundheitsschädlich,

  9. 9.

    ätzend,

  10. 10.

    reizend,

  11. 11.

    sensibilisierend,

  12. 12.

    krebserzeugend,

  13. 13.

    fortpflanzungsgefährdend,

  14. 14.

    erbgutverändernd,

  15. 15.

    umweltgefährlich.

Solche Gefahrstoffe können auch bei Tätigkeiten mit Arbeitsstoffen entstehen oder freigesetzt werden, die selbst kein Gefahrstoff sind, zum Beispiel Holzstaub beim Schleifen von Holz.

Außerdem ist ein Stoff ein Gefahrstoff, wenn er abweichend von den oben genannten Eigenschaften andere Eigenschaften besitzt, die für die Beschäftigten eine Gefahr darstellen, wie zum Beispiel die erstickende Wirkung von Stickstoff, die hautschädigende Wirkung von Feuchtarbeit oder die narkotische Wirkung von Lösemitteln.

Informationsquellen für Gefahrstoffe

Gefahrstoffe erkennt man in der Regel an der Kennzeichnung auf den Gebinden. Doch auch Produkte, die nicht gekennzeichnet sind, können Gefahrstoffe enthalten, da unterhalb bestimmter Konzentrationsgrenzen die Kennzeichnungspflicht entfällt. Bei diesen Produkten sind erforderlichenfalls Informationen vom Hersteller, Vertreiber oder von Fachleuten einzuholen.

Informationen zu Gefahrstoffen enthalten die Sicherheitsdatenblätter, die der Hersteller oder VertreiberzurVerfügungzu stellen hat. Bei fehlenden Sicherheitsdatenblättern sind diese beim Lieferanten anzufordern. In den Fällen, in denen kein Sicherheitsdatenblatt zur Verfügung gestellt werden muss (z.B. wenn das Produkt selbst kein Gefahrstoff ist), hat der Lieferant dem Anwender die Informationen auszuhändigen die er für eine Gefährdungsbeurteilung benötigt.

Bei im Arbeitsprozess entstehenden Gefahrstoffe müssen die notwendigen Informationen für die Gefährdungsbeurteilung selbst recherchiert werden. Hilfestellungen hierfür sind zum Beispiel im fachspezifischen Teil enthalten.

Weitere Informationsquellen zu Gefahrstoffen sind im Anhang 10 "Vorschriften Regeln und Informationen" aufgeführt.

Kennzeichnung

Gefahrstoffe müssen entsprechend der Gefahrstoffverordnung vom Hersteller gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnung (Gefahrstoffetikett) muss folgende Angaben enthalten:

  1. 1.

    Die chemische Bezeichnung des Stoffes oder der in der Zubereitung enthaltenen Stoffe,

  2. 2.

    bei Zubereitungen ggf. Handelsname oder -bezeichnung,

  3. 3.

    die Gefahrensymbole mit den zugehörigen Gefahrenbezeichnungen,

  4. 4.

    die Hinweise auf die besonderen Gefahren (R-Sätze),

  5. 5.

    die Sicherheitsratschläge (S-Sätze),

  6. 6.

    Name, Anschrift und Telefonnummer des Herstellers oder Vertreibers.

Beim Umfüllen in kleinere Behälter muss die Kennzeichnung innerbetrieblich übernommen werden. Die Kennzeichnung alter Gebinde muss auf dem aktuellen Stand gehalten werden.

Neues Einstufungs- und Kennzeichnungssystem

Im Januar 2009 wurde in Europa ein neues Einstufungs- und Kennzeichnungssystem eingeführt, das dem Global Harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) der Vereinten Nationen (UN) Rechnung trägt und deren Ziel es ist, weltweit nahezu einheitliche Einstufungs- und Kennzeichnungskriterien für Chemikalien einzuführen und damit den Chemikalienhandel zu erleichtern. Die europäische Vorschrift, auch CLP-Verordnung genannt (Classification, Labelling, Packaging of Substances and Mixtures), sieht lange Übergangszeiten vor, so dass es wahrscheinlich ist, dass in den nächsten Jahren im Handel Gebinde mit Gefahrstoffen kursieren, die noch den alten Kennzeichnungen entsprechen bzw. bereits die neuen "GHS"-Kennzeichnungselemente enthalten.

Reine Stoffe dürfen seit dem 01.12.2010 nur noch nach dem neuen Einstufungs- und Kennzeichnungssystem in den Handel gebracht werden. Im Sicherheitsdatenblatt ist allerdings zusätzlich zur neuen Einstufung und Kennzeichnung auch noch die Einstufung nach den bisherigen Vorschriften enthalten. Für Gemische (bisher "Zubereitungen" genannt) gilt eine Übergangsfrist bis zum 01.06.2015.

Folgende neue Kennzeichnungselemente werden eingeführt:

  • Die gefährlichen Eigenschaften, "Gefährlichkeitsmerkmale" genannt, heißen nun "Gefahrenklassen".

  • Abhängig von der Schwere der Gefahr, unterteilt man eine jede Gefahrenklasse in mehrere "Gefahrenkategorien".

  • Die orangefarbenen quadratischen "Gefahrensymbole" werden durch "Gefahrenpiktogramme" ersetzt, die ein schwarzes Symbol in einem auf der Spitze stehenden weißen Quadrat mit rotem Rand enthalten. Dabei werden auch neue Symbole eingeführt: Für das bislang verwendete "Andreaskreuz" steht zum Beispiel nun ein "Ausrufezeichen". Für die chronisch-toxischen Eigenschaften wird das Piktogramm "Gesundheitsgefahr" eingeführt und für Gase unter Druck steht das Piktogramm "Gasflasche".

  • Je nach Höhe der Gefährdung wird zusätzlich noch ein Signalwort vergeben: Für die höheren Gefahrenkategorien wird das Signalwort "Gefahr" verwendet, für die geringeren Gefahren das Signalwort "Achtung".

    Die bisher bekannten R-Sätze (Gefahrenhinweise) und S-Sätze (Sicherheitsratschläge) werden durch H-Sätze (Hazard Statements) und P-Sätze (Precautionary Statements) ersetzt.

Da zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Information noch keine neue Herstellerkennzeichnungen für die in der Werkstatt verwendeten Gefahrstoffe vorlagen, werden im fachlichen Teil noch die Einstufungen und Kennzeichnungen nach dem bisherigen Gefahrstoffrecht verwendet. In Anhang 1 ist eine allgemeine Gegenüberstellung der alten und neuen Kennzeichnung dargestellt, in Anhang 2 ist der Aufbau der H- und P-Sätze erklärt.