DGUV Information 213-033 - Gefahrstoffe in Werkstätten (bisher: BGI/GUV-I 8625)

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Abschnitt 2.5, Gefahrstoffe zur Oberflächenreinigung
Abschnitt 2.5
Gefahrstoffe in Werkstätten (bisher: BGI/GUV-I 8625)
Titel: Gefahrstoffe in Werkstätten (bisher: BGI/GUV-I 8625)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-033
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.5 – Gefahrstoffe zur Oberflächenreinigung

Gefährdung durch Kaltreiniger

Zum Entfernen von Bohr-, Schmier-, Schneid- und Härteölen sowie von Kühlschmierstoffemulsionen werden Kaltreiniger verwendet. Auch zur Vorbereitung für die Oberflächenbeschichtung von Werkstücken im Werkstattbereich werden diese häufig eingesetzt, siehe Abb. 9.

Hat die Ersatzstoffprüfung ergeben, dass man weder auf Reinigungsschritte verzichten, noch auf chemikalienfreie mechanische oder thermische Verfahren ausweichen kann, stehen als Kaltreiniger folgende Produktgruppen zur Verfügung:

  • Halogenfreie organische Lösemittel,

  • wässrige Lösungen (Tenside),

  • Pflanzenölester.

Abb. 9
Reinigungsplatz mit Kaltreiniger

Alle Produktgruppen müssen entsprechend ihrem Gehaltan gesundheitsschädlichen und/oder entzündlichen Bestandteilen nach Gefahrstoffverordnung eingestuft und gekennzeichnet sein.

Kaltreiniger mit den Inhaltsstoffen Dichlormethan, Trichlorethen (Tri) und Tetrachlorethen (Per) [Chlorkohlenwasserstoffe] dürfen nur noch in geschlossenen Anlagen verwendet werden.

Reiniger auf Basis halogenfreier organischer Lösemittel
Viele Kaltreiniger basieren auf Gemischen von Kohlenwasserstoffen, Alkoholen, Ketonen, Estern und Lactamen (siehe Anhang 8).

Hinsichtlich der Gesundheits- bzw. Brand- und Explosionsgefahren siehe die Ausführungen im Kapitel 2.4 "Gefahrstoffe in der Oberflächenbehandlung".

Reiniger auf Pflanzenölbasis
Anstelle von Reinigungsmitteln auf der Basis organischer Lösemittel haben sich in der Praxis Reinigungsmittel auf der Basis von Pflanzenölestern für viele Reinigungsvorgänge in Werkstätten als geeignet erwiesen.

Die Pflanzenölester sind nicht als Gefahrstoffe eingestuft, verdampfen nicht, sind besser hautverträglich und die Geruchsbelästigung am Arbeitsplatz ist gering. Das hat zur Folge, dass aufwändige Schutzmaßnahmen, wie Absaugung und Explosionsschutz, entfallen können.

Gegenüber herkömmlichen Reinigungsmitteln haben die Pflanzenölester einen geringeren Verbrauch (keine Verdunstung!), eine höhere Fettaufnahmekapazität und höhere Standzeiten.

Reiniger auf wässriger Basis
Reiniger auf wässriger Basis sind schwerflüchtige Vielkomponentengemische, die Tenside, Laugen (wie zum Beispiel Natriumhydroxid), Amine, Komplexbildner, Korrosionsinhibitoren, Silikate, Phosphate und Konservierungsmittel enthalten können.

Im Fachhandel ist eine Vielzahl von neutralen, aber auch alkalischen und sauren Reinigern auf wässriger Basis erhältlich. Die alkalischen und sauren Reiniger haben jedoch ätzende bzw. reizende Eigenschaften. Die ätzende Wirkung dieser Reiniger nimmt mit steigender Konzentration, steigenderTemperatur und der Länge der Kontaktzeit zu. Bei Tätigkeiten mit diesen Reinigern sind insbesondere die Augen, die Haut sowie die Schleimhäute gefährdet.

Schutzmaßnahmen

Im wesentlichen sind die Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten mit lösemittelhaltigen Reinigern identisch mit den im Kapitel 2.4 "Gefahrstoffe bei der Oberflächenbehandlung" beschriebenen Maßnahmen für lösemittelhaltige Farben, Lacken und Verdünner.

Ersatzstoffe

Da wo es das Arbeitsverfahren erlaubt, sollten Reiniger auf der Basis organischer Lösemittel durch Reiniger auf Pflanzenölbasis oder durch wässrige Reiniger ersetzt werden. Bei der Auswahl von Reinigern auf der Basis organischer Lösemittel sind aromatenfreie oder aromatenarme Produkte und solche mit einem möglichst hohen Flammpunkt zu bevorzugen.

Technische Schutzmaßnahmen

Bei Tätigkeiten mit entzündbaren organischen Lösemitteln ist darauf zu achten, dass Zündquellen (Rauchen, offene Flammen, Schweißperlen, Schleiffunken, Schlagfunken, heiße Oberflächen) sowie elektrostatische Aufladungen vermieden werden. Die Verwendung entzündbarer Lösemittelgemische in Reinigungsanlagen erfordert die Einhaltung von weitergehenden Explosionsschutzmaßnahmen gemäß TRGS 720/TRBS 2152 "Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre - Allgemeines". Ferner ist die Regel "Richtlinien für Einrichtungen zum Reinigen von Werkstücken mit Lösemitteln" (BGR 180) zu beachten.

Reinigungstätigkeiten mit organischen Lösemitteln sind möglichst in geschlossenen Anlagen oder unter Absaugung an der Entstehungsstelle durchzuführen.

Organisatorische Maßnahmen

Beim Einsatz von Reinigern auf der Basis organischer Lösemittel sollte man bei der Auswahl darauf achten, dass der Flammpunkt möglichst hoch (über 55 C) liegt, um das Verdampfen der Lösemittel möglichst gering zu halten. Der Flammpunkt ist im Sicherheitsdatenblatt in Abschnitt 9 "Physikalische und chemische Eigenschaften" zu finden.

Ottokraftstoffe dürfen wegen ihres Benzolgehaltes nicht zur Oberflächenreinigung verwendet werden!

Persönliche Schutzausrüstung

Augenschutz
Bei Spritzgefahr ist geeigneter Augenschutz (Gestellbrille, Korbbrille) zu tragen.

Handschutz
Als geeignet haben sich Handschuhe aus Nitrilkautschuk erwiesen.

Hautschutz
Der Hautkontakt ist sowohl mit lösemittelhaltigen Reinigern als auch mit Kaltreinigern auf wässriger Basis wegen möglicher Hautschäden unbedingt zu vermeiden.

Geeignete Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemittel müssen ausgewählt, zurVerfügung gestellt und benutzt werden.

Arbeitsmedizinische Vorsorge
Bei Tätigkeiten mit Kaltreinigern ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzustellen, ob

eine dermale Gefährdung vorliegt. Eine dermale Gefährdung liegt vor, wenn bei

  • Feuchtarbeit oder

  • Tätigkeiten mit hautgefährdenden, hautresorptiven oder hautsensibilisierenden Gefahrstoffen

eine Gesundheitsgefährdung der Beschäftigten nicht auszuschließen ist.

Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit Arbeiten im feuchten Milieu ausführen oder flüssigkeitsdichte Handschuhe tragen sind Feuchtarbeit.

Der Arbeitgeber hat zu ermitteln, ob die Kriterien für Feuchtarbeit vorliegen. Hierzu gehören Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit d.h.

  • regelmäßig mehr als 2 Stunden mit ihren Händen Arbeiten im feuchten Milieu ausführen oder

  • einen entsprechenden Zeitraum feuchtigkeitsdichte Schutzhandschuhe tragen.

Zeiten der Arbeiten im feuchten Milieu und Zeiten des Tragens von flüssigkeitsdichten Handschuhen sind zu addieren.