DGUV Information 202-005 - Kindertagespflege - damit es allen gut geht Ratgeber ...

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Abschnitt 2, Die sichere und bewegungsfreundliche Umgebung
Abschnitt 2
Kindertagespflege - damit es allen gut geht Ratgeber für Tagespflegepersonen (bisher: BGI/GUV-I 8641)
Titel: Kindertagespflege - damit es allen gut geht Ratgeber für Tagespflegepersonen (bisher: BGI/GUV-I 8641)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 202-005
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2 – Die sichere und bewegungsfreundliche Umgebung

Kinder entwickeln ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten umso besser, je anregungsreicher ihre Umgebung ist und je anerkennender sich ihre Bezugspersonen ihnen gegenüber verhalten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Stärkung kindlicher Entwicklung und kindlicher Kompetenzen. Entwicklungs- und Bildungsprozesse vollziehen sich in der Beteiligung der Kinder am Alltagsgeschehen. Durch vielfältige Bewegungserfahrungen und durch selbstorganisiertes Spielen und Lernen können Kinder wichtige Kompetenzen erlangen.

Das ausgeprägte Bewegungsbedürfnis ermöglicht diese vielfältigen Erfahrungen und unterstützt damit wesentlich die kognitive Entwicklung. Dabei lernen Kinder mit einer unglaublichen Ausdauer, Freude und hohen Motivation. Sie suchen sich Herausforderungen, experimentieren mit ihrem zunehmenden Bewegungskönnen, gehen zielstrebig und mit wachsender Konzentration an Aufgaben heran und lassen sich immer weniger von Misserfolgen irritieren.

Der Gewinn an Bewegungssicherheit im Verlauf der ersten Lebensmonate und -jahre vermittelt dem Kind Selbstsicherheit. Es erfährt zunehmend "Ich kann ..." und ist bestrebt, seine Selbstständigkeit auszubauen. Dabei muss das Lernen von positiven Emotionen begleitet sein; Anerkennung und Lob sind ein unverzichtbarer Erfolgsfaktor. Fortbewegung bedeutet Ortsungebundenheit. Das Kind gewinnt die Möglichkeit, umgebende Räume zu erkunden und in Besitz zu nehmen: Die zunehmende Bewegungsfreiheit ermöglicht dem Kind eine aktive Eroberung seiner Umwelt.

Mit der Zunahme an Selbstständigkeit und einer Vergrößerung des Aktionsradius wachsen die Möglichkeiten des Kindes, Erfahrungen zu sammeln: Erfahrungen mit dem eigenen Körper, mit Materialien und Personen auch außerhalb der Kernfamilie.

Weil Bewegung der Motor kindlicher Entwicklung ist, lohnt es sich, Bewegungsräumen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Unter Bewegungsräumen sind dabei grundsätzlich alle Räume zu verstehen, die die Kinder in der Tagespflege und Umgebung nutzen können. Fragen der Sicherheit spielen bei der Einrichtung und Nutzung von Bewegungsräumen eine wichtige Rolle. Sicherheit und Risiko schließen sich dabei nicht aus. Sicherheit bedeutet nicht Überbehütung. Der Umgang mit Risiken gehört zu einer gesunden Entwicklung der Kinder dazu.

Der überwiegende Teil der Sicherheit wird durch das richtige, selbst sichernde Verhalten der Kinder bestimmt und ein kleiner Teil durch die "technische Sicherheit". Letztere soll vor allem verhindern, dass nicht kalkulierbare Risiken für Kinder zur "Falle" werden. Beispiele dafür sind in dieser Broschüre genannt. Weiterhin ist über das Rechtsprinzip "Aufsichtspflicht der Eltern" (nach Bürgerlichem Gesetzbuch, BGB) sichergestellt, dass Kinder unter 3 Jahren mit Hilfe der Eltern ausreichend sicher spielen können. Die Aufsichtspflicht wird durch die Übergabe des Kindes an die Tagespflegeperson an diese delegiert. Die Aufsicht muss dem wachsenden Bedürfnis nach Selbstständigkeit des Kindes angepasst werden. Hierbei wird das Maß an notwendiger Aufsicht vom Alter, dem motorischen und kognitiven Entwicklungsstand, dem Charakter des Kindes und der Art der Beschäftigung abhängen.

Eine kindgerechte und bewegungsfördernde Betreuungsumgebung trägt dazu bei, dass Kinder ihr natürliches Bewegungsbedürfnis ausleben können und darüber die notwendige Risikokompetenz erwerben.