DGUV Information 213-032 - Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbere...

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Abschnitt 4, Gefährdung der Haut
Abschnitt 4
Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Titel: Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-032
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4 – Gefährdung der Haut

Eine Gefährdung der Haut (dermale Gefährdung) liegt vor bei

  • Feuchtarbeit,

  • Tätigkeiten mit hautgefährdenden, hautresorptiven oder hautsensibilisierenden Gefahrstoffen,

  • Kontakt mit allergenhaltigen Schutzhandschuhen.

Die Gefährdungen durch Feuchtarbeit und allergenhaltige Schutzhandschuhe werden in diesem Kapitel erörtert, die weiteren Gefährdungen der Haut werden in den fachspezifischen Kapiteln abgehandelt.

Dem Hautschutz muss grundsätzlich eine hohe Beachtung beigemessen werden. Für Bereiche mit Hautgefährdung sind Hautschutzpläne in Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt zu erstellen und konsequent umzusetzen. Zur Reinigung sind milde Hautreinigungsmittel einzusetzen. Nach Arbeitsende sind Hautpflegemittel zu verwenden. Konkrete Hilfestellungen für das Krankenhaus enthält Anhang 6 "Hautschutz".

Feuchtarbeit

Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit Arbeiten im feuchten Milieu ausführen oder flüssigkeitsdichte Handschuhe tragen oder häufig oder intensiv ihre Hände reinigen, sind Feuchtarbeit.

Der Arbeitgeber hat zu ermitteln, ob die Kriterien für Feuchtarbeit vorliegen. Hierzu gehören Tätigkeiten, bei denen die Beschäftigten einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit d.h.

  • regelmäßig mehr als zwei Stunden mit ihren Händen Arbeiten im feuchten Milieu ausführen

    oder

  • einen entsprechenden Zeitraum feuchtigkeitsdichte Schutzhandschuhe tragen

    oder

  • häufig bzw. intensiv ihre Hände reinigen müssen.

Zeiten der Arbeiten im feuchten Milieu und Zeiten des Tragens von flüssigkeitsdichten Handschuhen sind zu addieren.

Bei Feuchtarbeit sind Erholungsphasen für die Haut zu gewährleisten. Durch organisatorische Maßnahmen ist sicher zu stellen, dass unvermeidbare Feuchtarbeit soweit wie möglich auf mehrere Beschäftigte verteilt wird. Anzustreben ist ein Wechsel von Feucht- und Trockenarbeit.

Unter feuchtigkeitsundurchlässigen Schutzhandschuhen (z.B. Latex, Nitril) kann es in Abhängigkeit von der Tragedauer und von der individuellen Disposition zu einem Wärme- und Feuchtigkeitsstau kommen.

Die Hornschicht quillt auf, wodurch ihre Barrierewirkung nachlässt. Durch diese vorgeschädigte Haut wird ein Eindringen von Irritantien, potenziell sensibilisierend wirkenden Stoffen oder Infektionserregern erleichtert. Wenn Handschuhe längere Zeit getragen werden, empfiehlt sich zur Verbesserung des Tragekomforts eine Baumwollinnenbeschichtung oder die Verwendung von Baumwollunterziehhandschuhen. Die Tragedauer von flüssigkeitsdichten Handschuhen ist auf das notwendige Maß zu beschränken, z.B. durch einen Wechsel von Tätigkeiten mit und ohne Handschuhe. Die maximale regelmäßige Tragedauer darf nach TRGS 401 "Gefährdung durch Hautkontakt - Ermittlung, Beurteilung, Maßnahmen" vier Stunden täglich nicht überschreiten. Beim Kontakt (Verschmutzung) von Schutzhandschuhen mit chemischen Arbeitsstoffen ist zudem die maximale Tragedauer in Bezug auf die Chemikaliendichtheit zu beachten.

Tätigkeiten mit hautgefährdenden, hautresorptiven oder hautsensibilisierenden Gefahrstoffen

Im Gesundheitsdienst treten insbesondere Hauterkrankungen durch sensibiliserende Stoffe wie Aldehyde aber auch Duft- und Konservierungsstoffe auf. Detaillierte Hinweise zu den Gefährdungen der Haut und zu Schutzmaßnahmen finden sich in den fachspezifischen Kapiteln.

Latex-Allergene in Schutzhandschuhen

Latexproteine verursachen Allergien. Sie können von der Handschuhoberfläche von Latexhandschuhen über Haut und Atemwege aufgenommen werden. Der Gehalt an Latexproteinen ist abhängig vom Produktionsverfahren. Das Allergierisiko steigt mit zunehmender Proteinkonzentration im Handschuh. Gepuderte Latexhandschuhe sind besonders gefährdend, weil sie in der Regel deutlich höhere Proteinkonzentrationen enthalten, die sich zudem am Puder anlagern. Beim An- und Ausziehen der Handschuhe wird der Puder aufgewirbelt und so können die Allergieauslöser auf die Bindehaut der Augen oder auf die Schleimhäute der Atemwege gelangen. Deshalb sind im gesamten medizinischen Bereich Naturgummilatexhandschuhe mit weniger als 30 µg Protein/g Handschuhmaterial zu verwenden. Einmalhandschuhe aus Latex dürfen nicht gepudert sein.

Zusätzlich hat der Handschuhpuder fast immer einen alkalischen pH-Wert, der zur Irritation der Haut und damit zur Auslösung von Handekzemen führen kann.

Anstelle von latexhaltigen Einmalhandschuhen können Handschuhe aus folgenden Materialien verwendet werden:

Kunstgummihandschuhe aus:Kunststoffhandschuhe aus:
Styrol-Ethylen-Butylen-Styrol (Tactylon)®Polyethylen (PE) - Folie
Styrol-Butadien-KautschukPolyethylen (PE) - Copolymer
Polychloropren (Neoprene)®Polyvinylchlorid (Vinyl, PVC)
Nitril-Kautschuk  

Hilfen zur Auswahl geeigneter medizinischer Einmalhandschuhe in Abhängigkeit vom Verwendungszweck enthält die Broschüre "Achtung Allergiegefahr" (BGI/GUV-I 8584 bzw. BGW, Best.-Nr.: M 621)

An dieser Stelle sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass übliche medizinische Einmalhandschuhe keine Chemikalienschutzhandschuhe sind und sich daher allenfalls als Spritzschutz bei den im Krankenhaus üblichen Anwendungsfällen eignen. Eine Ausnahme stellen medizinische Einmalhandschuhe dar, die speziell auf Chemikalienbeständigkeit geprüft sind.

Weitere Allergene in Schutzhandschuhen

Bei der Herstellung von Schutzhandschuhen werden neben dem Grundmaterial wie Latex oder Nitrilkautschuk verschiedene Zusatzstoffe, wie Vulkanisationsbeschleuniger, Alterungsschutzmittel, Farbpigmente oder antimikrobielle Substanzen eingesetzt. Schutzhandschuhe aus PVC (Thermoplasten) sind eine mögliche Alternative zu Schutzhandschuhen aus Elastomeren. Sie können jedoch Weichmacher (Phthalate) oder Farbstoffe enthalten, die problematisch sein können.

Beispiele für Allergene in Schutzhandschuhen sind (Quelle: GISBAU):

  • Thiurame,

  • Dithiocarbamate,

  • Mercaptobenzimidazol,

  • 1,3-Diphenylguanidin,

  • Thioharnstoffe,

  • Mercaptobenzothiazol und Derivate,

  • p-Phenylendiamin-Derivate,

  • Hydrochinon,

  • Hexamethylentetramin.

Personen, die gegen bestimmte Inhaltsstoffe sensibilisiert sind, müssen diese Inhaltsstoffe bei der Auswahl der Schutzhandschuhe meiden. Informationen über Allergene in Schutzhandschuhen und Möglichkeiten zur Auswahl können auch unter der Internetadresse www.gisbau.de abgerufen werden.