DGUV Information 213-032 - Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbere...

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Abschnitt 16, Brennbare Flüssigkeiten
Abschnitt 16
Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Titel: Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-032
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 16 – Brennbare Flüssigkeiten

Bild 7 Lagerraum mit brennbaren Flüssigkeiten

In Lagerräumen, Apotheken, Laboratorien und auf Stationen werden unterschiedlich große Mengen an brennbaren Flüssigkeiten vorrätig gehalten und verwendet. Dort werden z.B. alkoholische Desinfektionsmittel und Franzbranntwein verwendet. In diesem Kapitel soll insbesondere auf die brennbaren Eigenschaften dieser Produkte eingegangen werden. Die gesundheitsfährdenden Eigenschaften werden jedoch im Unterkapitel "Persönliche Schutzmaßnahmen" vollständigkeitshalber berücksichtigt.

Gefährdung

Die Dämpfe brennbarer Flüssigkeiten können im Gemisch mit Luft oder mit reinem Sauerstoff brennbare oder explosionsfähige Gemische bilden, die nach Zündung zu erheblichen Sach- und Personenschäden führen können. Dabei sind die für den Brandschutz relevanten Dampfkonzentrationen immer um Größenordnungen höher als die für die Gesundheit bedenklichen Konzentrationen.

Jede brennbare Flüssigkeit entwickelt mit zunehmender Temperatur immer mehr Dämpfe. Die Temperatur, bei der bei brennbaren Flüssigkeiten die Dampfkonzentration ausreicht, um das entstehende Dampf-Luftgemisch bei Fremdzündung zu entflammen, nennt man den Flammpunkt. Der Zündpunkt dagegen ist die Temperatur, welche die Flüssigkeit aufweisen muss, um ohne Fremdzündung zu entflammen. Besonders gefährlich sind die brennbaren Flüssigkeiten, deren Flammpunkt im Bereich der Raumtemperatur oder darunter liegt (siehe Tabelle 1). Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Raumtemperatur (Umgebungstemperatur) im Sommer auch über 30 C ansteigen kann.

Tabelle 1
Flammpunkte brennbarer Flüssigkeiten3

BeispieleFlammpunkt
Ethanol 60 Gew.%22,5 C
Ethanol12 C
Aceton-19 C
(Wund)benzin-18 C
(Diethyl)ether< -20 C
Xylol25 C
o-Kresol81 C
Paraffinöl> 100 C

Auch Flüssigkeiten mit einem höheren Flammpunkt können entzündet werden, z.B. an heißen Oberflächen.

Nach der CLP-Verordnung gekennzeichnete brennbare Flüssigkeiten, die sich ohne Wärmezufuhr entzünden lassen, kann man am Piktogramm "Flamme" und dem Signalwort "Gefahr" erkennen (siehe Tabelle 2). Der Flammpunkt einer brennbaren Flüssigkeit ist im Sicherheitsdatenblatt in Abschnitt 9 zu finden.

Auch von kleinen Mengen brennbarer Flüssigkeiten kann Gefahr ausgehen. Verdampft 1 ml brennbare Flüssigkeit, kann sich im Gemisch mit Luft 10 l explosionsfähige Atmosphäre bilden, eine Menge, die gezündet bereits zu Personen- und Sachschäden führen kann. Bei Tätigkeiten mit größerer Mengen, wie sie z.B. in der Apotheke oder in der Pathologie vorkommen können, sind zusätzlich die erforderlichen Explosionsschutzmaßnahmen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und festzulegen.

Schutzmaßnahmen

Substitution

Brennbare Stoffe oder Gemische müssen, wenn betrieblich möglich, durch Produkte ersetzt werden, von denen insgesamt eine geringere Gefährdung ausgeht. So dürfen z.B. paraffinverunreinigte Oberflächen in der Pathologie nicht mit brennbaren Flüssigkeiten, sondern nur mechanisch gereinigt werden.

Technische Schutzmaßnahmen

Brennbare Flüssigkeiten sollten in den wenigen verbleibenden Einsatzfällen in möglichst kleinen Mengen, und zwar in bruchsicheren Behältern vorrätig gehalten oder eingesetzt werden. Grundsätzlich darf am Arbeitsplatz nur die für den Fortgang der Arbeit erforderliche Menge, im Labor nur der Tagesbedarf an brennbaren Flüssigkeiten vorhanden sein. Die Aufbewahrung außerhalb der Arbeitszeit gilt als Lagerung und ist verboten. Größere Mengen sind in einem eigenen Lagerraum, welcher der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 510 "Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen Behältern" entsprechen muss, zu lagern. Begrenzte Mengen brennbarer Flüssigkeiten dürfen auch in speziellen Sicherheitsschränken gelagert werden. Sollen brennbare Flüssigkeiten für den Tagesbedarf in Kühlschränken aufbewahrt werden, so ist deren Innenraum explosionsgeschützt auszuführen.

Der Transport nicht bruchsicherer Gebinde soll in bruchsicheren Übergefäßen (Eimern) oder in Transportwagen, die als Wanne ausgebildet sind, erfolgen.

Beim offenen Umgang, z.B. beim Umfüllen, ist auf intensive Lüftung zu achten, um möglichst rasch nicht nur die für eine Verpuffung nötigen, sondern auch die gesundheitlich schädlichen Dampfkonzentrationen zu unterschreiten.

Wird eine brennbare Flüssigkeit mit dem Sicherheitsratschlag S 33 umgefüllt, sind Maßnahmen gegen elektrostatische Aufladung zu treffen. Größere Fallhöhen der Flüssigkeit sind zu vermeiden, ggf. sind Trichter mit verlängertem Auslauf zu verwenden. Ohne besondere Erdungsmaßnahmen dürfen Kunststoffgebinde nicht mehr als 5 l, Metallgebinde nicht mehr als 2 l Rauminhalt haben, wenn sie um- oder abgefüllt werden. Metallregale, Metallgebinde und Metalltrichter sind im übrigen untereinander und mit der Erde leitfähig zu verbinden.

Organisatorische Schutzmaßnahmen

Im Zuge der Erstellung des Gefahrstoffverzeichnisses sollen Vorräte oberhalb des Tagesbedarfes an brennbaren Flüssigkeiten in die Sicherheitsschränke oder Läger verbracht und nicht mehr benötigte Gebinde einer geordneten Entsorgung zugeführt werden. Behälter sollen möglichst bruchsicher sein und müssen nach den Vorschriften der Gefahrstoffverordnung gekennzeichnet sein. In Abhängigkeit vom Flammpunkt und Siedepunkt werden brennbaren Flüssigkeiten Gefährlichkeitsmerkmale und R-Sätze, wie in Tabelle 2 dargestellt, zugeordnet. Diese Tabelle enthält auch die der CLP-VO entsprechenden Gefahrenklassen und Gefahrenkategorien sowie die neuen Kennzeichnungen für brennbare Flüssigkeiten mit Signalwort, Piktogramm und H-Sätzen (Gefahrenhinweise).

Tabelle 2
Zuordnung brennbarer (entzündbarer) Flüssigkeiten nach Flammpunkt und Siedepunkt zu Gefährlichkeitsmerkmalen bzw. Gefahrenklassen und Gefahrenkategorien (nach CLP-VO) und ihre Kennzeichnung

alte Bezeichnung
Gefährlichkeitsmerkmale
Kennzeichnung nach GefStoffV (Ohne Kennzeichnung für die Zusatzgefahren!)
R Sätze/Gefahrensymbol
Siedepunkt, CFlammpunkt Cneue Bezeichnung nach CLP-VO
Gefahrenklassen/Gefahrenkategorien
neue Kennzeichnung nach CLP-VO
bisherneu nach CLP-VOSignalwortPiktogrammGefahrenhinweise (H-Sätze)
HochentzündlichR 12  
hochentzündlich
≤ 35< 0< 23Entzündbare Flüssigkeit Kat. 1Gefahr  Flüssigkeit und Dampf extrem entzündbar (H 224)
LeichtentzündlichR 11  
leichtentzündlich
> 35< 21< 23Entzündbare Flüssigkeit Kat. 2Achtung  Flüssigkeit und Dampf leicht entzündbar (H 225)
Entzündlichggf. R 10kein Gefahrensymbol-21 - 5523 - 60Entzündbare Flüssigkeit Kat. 3Achtung  Flüssigkeit und Dampf entzündbar (H 226)
-keine Kennzeichnung-> 55

Bei Tätigkeiten mit brennbaren Flüssigkeiten sind Zündquellen zu vermeiden. Auch relativ weit entfernte Zündquellen können gefährlich werden, da die Dämpfe schwerer als Luft sind und auf Tischen oder Böden "fließen" können. Es müssen Einrichtungen zur Brandbekämpfung vorhanden sein. Dabei ist zu beachten, dass brennbare Flüssigkeiten, die nicht mit Wasser mischbar sind (die Angaben findet man im Sicherheitsdatenblatt) wegen ihrer geringeren Dichte auf Wasser schwimmen. In diesen Fällen ist Wasser somit kein geeignetes Löschmittel, sondern führt zur Brandausweitung.

Persönliche Schutzmaßnahmen

Die persönlichen Schutzmaßnahmen sind auf die einzelnen brennbaren Flüssigkeiten entsprechend ihren Zusatzgefahren abzustimmen. Für alle brennbaren Flüssigkeiten, die im Krankenhaus als Lösemittel verwendet werden, gilt, Hautkontakt weitgehend zu vermeiden. Brennbare Flüssigkeiten können bei Hautkontakt durch Entfettung zu Hautschäden führen. Wegen ihrer Löse- und Durchdringungsfähigkeit ist besondere Sorgfalt bei der Auswahl der Schutzhandschuhmaterialien zu üben (z.B. Angaben in Abschnitt 8 Sicherheitsdatenblatt). Ungeeignet sind in jedem Fall Handschuhe aus PVC, da die Weichmacher herausgelöst werden und die Handschuhe dadurch spröde werden. Fetthaltige Hautschutzmittel sind zu vermeiden.

Betriebsanweisung und Unterweisung

Bei Tätigkeiten mit brennbaren Flüssigkeiten sind arbeitsplatz- und tätigkeitsbezogene Betriebsanweisungen zu erstellen. Die Beschäftigten sind an Hand der Betriebsanweisung zu unterweisen.

3

siehe auch Anhang 7 "Sicherheitstechnisch relevante Daten ausgewählter Inhaltsstoffe"