DGUV Information 213-032 - Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbere...

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Abschnitt 15, Begasungen mit Ethylenoxid oder Formaldehyd in...
Abschnitt 15
Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Titel: Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-032
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 15 – Begasungen mit Ethylenoxid oder Formaldehyd in Sterilisatoren

Bild 6 Vollautomatischer Gassterilisator

Gefährdung

Ethylenoxid ist bei Raumtemperatur gasförmig. Es ist giftig, kann Krebs erzeugen und erbgutverändernd wirken. Es wirkt lokal reizend auf Haut und Schleimhäute. Das hochentzündliche Gas bildet mit Luft über einen weiten Konzentrationsbereich explosive Gemische. Ethylenoxid ist geruchlich schlecht wahrnehmbar.

Die zu verdampfende 2-3 %-ige Formaldehydlösung ist gesundheitsschädlich. Formaldehyd ist als krebsverdächtig eingestuft. Bei Hautkontakt mit wässrigen Formaldehydlösungen kann Formaldehyd über die Haut aufgenommen werden und sensibilisierend wirken. Es wirkt lokal reizend auf Haut und Schleimhäute. Formaldehyd hat einen beißenden Geruch und ist auch in niedrigen Konzentrationen gut wahrnehmbar.

Schutzmaßnahmen

Bei Tätigkeiten mit Gassterilisatoren ist eine Reihe von technischen, organisatorischen und personenbezogenen Schutzmaßnahmen zu beachten. Spezielle Hinweise finden sich in der TRGS 513 "Begasungen mit Ethylenoxid und Formaldehyd in Sterilisations- und Desinfektionsanlagen".

Für den Betrieb von Formaldehydgassterilisatoren im Niedertemperatur-Dampf-Formaldehyd-(NTDF)-Verfahren liegt ein Verfahrens- und Stoffspezifisches Kriterium (VSK) vor. Wird danach gearbeitet, ist sichergestellt, dass die Anforderungen der GefStoffV hinsichtlich der dermalen und inhalativen Exposition sowie der Brand- und Explosionsgefahren eingehalten werden.

Substitution

Folgende Ersatzlösungen müssen geprüft werden:

  • Alternative Sterilisationsverfahren, wie die thermische Sterilisation oder Plasmasterilisation, sind der Gassterilisation vorzuziehen.

  • In Gassterilisatoren dürfen nur Materialien mit Ethylenoxid und Formaldehyd sterilisiert werden, die nicht thermisch sterilisierbar sind.

  • Sofern es die hygienischen Anforderungen zulassen, sind auf Grund der sicherheitstechnischen Parameter Gassterilisatoren, die mit Formaldehyd arbeiten, solchen, die mit Ethylenoxid arbeiten, vorzuziehen.

  • Eine Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern ist bei der Behandlung thermolabiler Werkstoffe zu prüfen.

  • Das Ergebnis der Prüfung muss dokumentiert werden.

Technische Schutzmaßnahmen

Ethylenoxid darf nur in vollautomatischen Gassterilisatoren verwendet werden.

Die Aufstellungsräume müssen ausreichend be- und entlüftet werden. Räume, in denen Sterilgut aus Gassterilisatoren entnommen wird, müssen einen mindestens 6-fachen stündlichen Luftwechsel haben.

Abgesaugte Luft darf nicht in andere Räume gelangen. Insbesondere muss abgesaugte Luft, die Ethylenoxid enthält, so geführt oder gereinigt werden, dass Ethylenoxid nicht in die Atemluft anderer Arbeitnehmer gelangen kann.

Die Ausgasung von Sterilgut muss grundsätzlich im Gassterilisator erfolgen, der dafür mit einem Ausgasungsprogramm ausgestattet ist. Die Ausgasung in Räumen ist nicht zulässig.

Organisatorische Schutzmaßnahmen

Bei Gassterilisationen mit Ethylenoxid oder Formaldehyd muss während der wesentlichen Arbeitsschritte mindestens ein Sachkundiger anwesend sein. Anbieter von Sachkundelehrgängen findet man z.B. in den Hygienefachzeitschriften.

Wesentliche Arbeitsschritte sind:

  • Versorgen des Sterilisators mit Gas bzw. zu verdampfender Wirklösung und Beladen mit dem Sterilgut,

  • Starten des Sterilisationsprogrammes,

  • Entnahme des Gutes,

  • Druckgasflaschenwechsel bei Ethylenoxid,

  • Entsorgung der Begasungsmittelbehälter (Kartuschen).

Durchgeführte Begasungen sind zu dokumentieren. Die notwendigen Angaben können z.B. auf dem Schreiberstreifen festgehalten werden: Gerätetyp und -nummer, Bedienungspersonal, Begasungsmittel und Zusammensetzung, Zeitpunkt und Chargen-Nummer, ggf. Flaschen- oder Tankwechsel.

Bei Austritt von Ethylenoxid aus dem Gassterilisator muss der Raum sofort verlassen werden. Die zuständige Behörde ist über den Schadensfall zu informieren.

Gassterilisatoren und Sterilisationsdruckbehälter sind mindestens jährlich sicherheitstechnisch zu prüfen. Das Ergebnis der Prüfung ist zu dokumentieren.

Wird der Sterilisationszyklus unterbrochen, muss der Sterilisationsapparat so lange verriegelt bleiben, bis das Entlüftungsprogramm beendet ist.

Sterilgut darf nur in belüfteten Lagerschränken bzw. belüfteten Sterilgutlagerräumen gelagert werden.

Ethylenoxid-Kartuschen oder -Flaschen sind unter Verschluß oder so aufzubewahren oder zu lagern, daß nur fachkundige Personen oder deren Beauftragte Zugang haben. Druckgasflaschen und Sterilisationskartuschen sind in Räumen mit einer gesicherten Lüftung entsprechend der Betriebssicherheitsverordnung zu lagern, d.h. nicht in Arbeitsräumen oder in Kühlschränken.

Persönliche Schutzmaßnahmen

Augenschutz

Beim Wechsel von Ethylenoxid-Gasflaschen ist eine Schutzbrille mit Seitenschutz oder Korbbrille zu tragen.

Handschutz

Beim Gasflaschenwechsel sind Lederhandschuhe, im Normalbetrieb keine Handschuhe erforderlich.

Atemschutz

Für mögliche Störfälle sind Atemschutzgeräte mit Filtern der Klasse A2 bereitzustellen.

Betriebsanweisung und Unterweisung

Es sind Betriebsanweisungen zu erstellen und die Beschäftigten anhand der Betriebsanweisungen arbeitsplatzbezogen zu unterweisen.