DGUV Information 213-032 - Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbere...

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Abschnitt 13, Desinfektionsmittel und Desinfektionsreiniger
Abschnitt 13
Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Titel: Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-032
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 13 – Desinfektionsmittel und Desinfektionsreiniger

Bild 4 Fahreimer und Feuchtwischmopp zur Fußbodendesinfektion

Desinfektionsmittel sind chemische Stoffe oder Zubereitungen, die Mikroorganismen auf Oberflächen inklusive Haut und Schleimhäuten, in Flüssigkeiten oder Gasen abtöten bzw. inaktivieren. Desinfektionsreiniger sind Produkte, die zur gleichzeitigen Reinigung und Desinfektion in einem Arbeitsgang eingesetzt werden. Sie bestehen sowohl aus reinigenden Substanzen als auch aus Desinfektionswirkstoffen.

Weiterführende Informationen sind in der Regel "Desinfektionsarbeiten im Gesundheitsdienst" (BGR/GUV-R 206) enthalten. Spezielle Informationen zur Desinfektion und Reinigung von Dialysegeräten finden sich in der Schrift "Gefahrstoffe in der Dialyse" der BGW.

Gefährdung

Bei Tätigkeiten mit Desinfektionsmitteln geht die Gefährdung in der Regel von den darin enthaltenen Wirkstoffen aus. Deren Aufgabe ist es lebende Zellen zu schädigen. Bei unsachgemäßer Anwendung können von diesen Wirkstoffen Gesundheitsgefahren ausgehen. So können bei den Beschäftigten Reizungen und Verätzungen an Haut und Schleimhäuten auftreten, insbesondere bei Tätigkeiten mit Konzentraten. Ebenso können allergische Haut- und Atemwegserkrankungen entstehen. So ist Glutardialdehyd sowohl als atemwegs- als auch als hautsensibilisierend eingestuft. Formaldehyd, Glyoxal und Benzalkoniumchlorid wirken hautsensibilisierend. Wirkstoffe können auch auf andere Weise chronisch schädigend wirken: So gilt Formaldehyd als krebsverdächtig und Glyoxal steht im Verdacht erbgutverändernd zu sein. Bei Tätigkeiten mit alkoholischen Desinfektionsmitteln besteht Brand- und Explosionsgefahr. Insbesondere Haut- und Händedesinfektionsmittel aber auch Sprühprodukte zur Flächendesinfektion enthalten hohe Anteile an Ethanol, 1-Propanol und 2-Propanol.

Geringer sind die Gefährdungen, die von verdünnten Anwendungslösungen ausgehen, z.B. bei der Flächendesinfektion im Scheuer-/Wischverfahren mit Anwendungslösungen im Konzentrationsbereich von 0,25 bis 3 %. Auch bei diesen Anwendungslösungen verbleiben jedoch noch Gefährdungen durch Stoffe, die in die Luft gelangen und zu einer inhalativen Belastung führen können, z.B. durch Aldehyde.

Bei Desinfektionsarbeiten muss zusätzlich die Infektionsgefährdung beachtet werden.

Schutzmaßnahmen

Ausführliche Angaben zu Tätigkeiten mit Desinfektionsmitteln enthält die Regel "Desinfektionsarbeiten im Gesundheitsdienst" (BGR/GUV-R 206). Im Nachfolgenden sind einige wichtige Maßnahmen zusammengefasst.

Substitution

Die Desinfektion ist bezüglich des Ausmaßes und der Häufigkeit auf das notwendige Maß zu beschränken. Es dürfen nur Desinfektionsmittel eingesetzt werden, deren Wirksamkeit für den vorgesehenen Zweck nachgewiesen ist. Bei Desinfektionsmitteln gleichen Wirkungsumfanges gilt es, diejenigen Mittel zu bevorzugen, deren gesundheitliches Risiko geringer ist. Hierbei muss in Krankenhäusern, im Sinne des Infektionsschutzes, die Hygienekommission beteiligt werden! Die Auswahl ist daher im Zusammenwirken von Hygienefachleuten, Anwendern und wirtschaftlich Verantwortlichen, Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit festzulegen.

Folgende Ersatzlösungen sollten geprüft werden:

  • Desinfektionsmittel sollten soweit möglich durch thermische Verfahren ganz oder teilweise ersetzt werden.

  • Die Gefährdung der Beschäftigten sollte durch geschlossene oder automatisierte Verfahren verringert werden. Anwendungslösungen sollten möglichst mittels automatischer Dosiergeräte hergestellt werden. Bei Handdosierung sind Dosierflaschen, Dosierbeutel, Messbecher oder Dosierpumpen empfehlenswert.

  • Bei der Aufbereitung von Dialysegeräten können chemothermische Verfahren anstelle von Verfahren mit Peressigsäure und Natriumhypochlorit verwendet werden. Besonders zu bevorzugen ist dabei Zitronensäure in gebrauchsfertigen Kartuschen.

  • Verfahren zur Flächendesinfektion mit Aerosolbildung, z.B. Sprühdesinfektion, sind zu vermeiden und auch aus Sicht der Hygiene bedenklich.

  • Die Notwendigkeit einer Raumdesinfektion muss aus hygienischen Gründen gegeben sein.

  • Desinfektionsmittel, die sensibilisierende Stoffe enthalten, sind durch weniger oder nicht sensibilisierende Mittel zu ersetzen.

  • Zur Flächendesinfektion dürfen alkoholische Desinfektionsmittel nur verwendet werden, wenn eine schnell wirkende Desinfektion notwendig ist und ein Ersatzstoff oder -verfahren nicht zur Verfügung steht. Die ausgebrachte Menge der alkoholischen Gebrauchslösung darf 50 ml je m2 zu behandelnde Fläche nicht übersteigen. Da aber bei diesen Vorgaben eine Überschreitung des (toxikologisch begründeten) Arbeitsplatzgrenzwertes wahrscheinlich ist, wird empfohlen, nur kleine Flächen in diesem Sinne zu desinfizieren. Die ausgebrachte Gesamtmenge pro Raum darf wegen der Brand- und Explosionsgefahr nicht mehr als 100 ml je m2 Raumgrundfläche betragen.

  • Es sind Desinfektionsreiniger mit der geringsten Gefährdung nach dem Produktcode für Desinfektionsreiniger auszuwählen.

  • Wenn möglich, sollten Produkte gewählt werden, die keine Duft- oder Konservierungsstoffe enthalten.

Produkt-Codes für Desinfektionsreiniger

Der Produkt-Code ist eine Buchstaben-Zahlenkombination (Kennziffer), die von Herstellern, Fachverbänden der Bauwirtschaft und dem Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaften der Bauwirtschaft entwickelt wurde, um die Herstellerinformationen für den betrieblichen Anwender verständlicher zu machen und die Ersatzstoffsuche zu erleichtern. So werden Desinfektionsreiniger, aber auch andere Reinigungsmittel, mit ähnlicher chemischer Zusammensetzung oder vergleichbaren Gefährdungen Produktgruppen zugeordnet und verschlüsselt. Je höher die Kennziffer eines Codes ist, um so gefährlicher ist das Produkt. Im Anhang 5 enthält Tabelle 1 die Produkt-Codes für Desinfektionsreiniger und Tabelle 2 die Produkt-Codes für Reinigungsmittel mit anderen Einsatzzwecken.

Technische Schutzmaßnahmen

Um den Umgang mit den Konzentraten zu minimieren, haben sich automatische Dosieranlagen bewährt.

Um den Hautkontakt mit den Mitteln so gering wie möglich zu halten, sollten beispielsweise bei der Fußbodendesinfektion Fahreimer, Feuchtwischmopps und Auswringer (Pressen) und bei der Instrumentendesinfektion in Tauchbecken Einsatzsiebe benutzt werden.

Wenn Desinfektionsmittel verwendet werden, die flüchtige Verbindungen enthalten, ist durch Öffnen von Fenstern und Türen oder mittels vorhandener technischer Einrichtungen für eine ausreichende Durchlüftung der Räume zu sorgen. Dies ist insbesondere bei der Flächendesinfektion mit Produkten, die Aldehyde (insbesondere Formaldehyd und Glutaraldehyd) enthalten oder bei der chemischen Desinfektion von Dialysegeräten mit Produkten, die Hypochlorit oder Peressigsäure enthalten, zu beachten.

Bei der Haut- und Händedesinfektion kann als Grenze für die Einhaltung des Arbeitsplatzgrenzwertes für Ethanol oder Isopropanol etwa 20 Händedesinfektionen oder 1,8 m2 Hautdesinfektion im ungelüfteten Raum angenommen werden (s. Literaturangabe U. Eickmann 2007).

Die Rahmenbedingungen für ein sicheres Arbeiten mit Flächen- und Instrumentendesinfektionsmitteln sind in den jeweiligen BG/BGIA - Empfehlungen zur Überwachung von Arbeitsbereichen enthalten (neue Bezeichnung: Empfehlungen zur Gefährdungsermittlung der Unfallversicherungsträger [EGU]).

Im folgenden sind die wesentlichen Kriterien aufgeführt:

  • Die Konzentration an Formaldehyd und Glutaraldehyd dürfen zusammen 500 mg/l Anwendungslösung nicht überschreiten. Dies ist gewährleistet, wenn bei einer 0,5 %-igen Anwendungslösung nicht mehr als 5 Gew.-% Formaldehyd und bis zu 5 Gew.-% Glutaraldehyd enthalten sind. Dies ist auch gewährleistet, wenn das Konzentrat formaldehydfrei ist und nicht mehr als 10 Gew.-% Glutaraldehyd enthält.

  • Je Raum darf nur eine Fläche, die der Größe der Fußbodenfläche entspricht bearbeitet werden. Der Grenzwert ist auch eingehalten wenn, neben dem Fußboden, noch die Nachtschränkchen oder entsprechend kleinere Flächen gereinigt werden. Die Einhaltung des Grenzwertes ist nicht mehr gewährleistet, wenn zusätzlich Wände und Türen desinfiziert werden.

  • Bei geschlossenen Fenstern und Türen oder bei offenen Türen und gekippten Fenstern ist die Lüftung nicht ausreichend, so dass die Arbeitszeit in einem solchen Raum nicht mehr als 15 Minuten betragen darf. Bei geöffneten Fenstern oder mäßiger technischer Lüftung (Luftwechsel < 10 pro Stunde) darf die Arbeitszeit nicht mehr als 30 Minuten betragen. Über die ganze Schicht darf nur bei effizienter Lüftung (Luftwechsel > 10 pro Stunde, z.B. im OP mit Lüftung im Volllastbetrieb) innerhalb eines Raumes mit Desinfektionsreinigern gearbeitet werden.

  • Werden mehrere Räume nacheinander desinfizierend gereinigt, ist die Einhaltung des Grenzwertes dadurch gegeben, dass die Beschäftigten nach Abschluss einer Flächendesinfektion in einem Raum sich in einen anderen Raum begeben, in dem die Aldehydkonzentration erst allmählich durch die zunehmend mit Desinfektionsreinigern benetzte Fläche ansteigt.

  • Bei der manuellen Instrumentendesinfektion von größeren Instrumenten, z.B. Endoskopen, mit aldehydhaltigen Desinfektionsmitteln ergibt sich eine deutliche inhalative Exposition. Sie sollten daher in Spülmaschinen aufbereitet werden.

  • Ist die Nassablage von Instrumenten notwendig, so sind nur verschließbare Desinfektionsmittelbehälter zu verwenden. Ebenso ist darauf zu achten, dass die Räume ausreichend belüftet sind, wenn an den Nassablagen oder Desinfektionsmittelbehältern offen gearbeitet wird.

Organisatorische Schutzmaßnahmen

Der verantwortliche Leiter einer Desinfektionsmaßnahme muss sachkundig sein.

Die Beschäftigten müssen in der Handhabung von Dosierhilfen unterwiesen werden und die Dosiergenauigkeit der Dosierhilfen sollte regelmäßig überprüft werden.

Konzentrate dürfen nicht mit heißem Wasser verdünnt werden. Das Wasser ist vorzulegen und das Desinfektionsmittel zuzusetzen.

Bei der Flächendesinfektion mit Produkten, die flüchtige Verbindungen wie Aldehyde enthalten, ist darauf zu achten, dass keine Pfützen verbleiben, aus denen Stoffe über längere Zeit an die Raumluft abgegeben werden können (z.B. 2-Mopp-Nasswischverfahren bei der Fußbodendesinfektion).

Produkte dürfen grundsätzlich nicht miteinander gemischt werden (Ausnahmen: Herstelleranweisung).

Gefäße mit Konzentraten oder Anwendungslösungen, die nicht zum unmittelbaren Verbrauch bestimmt sind, sind geschlossen zu halten. Dies gilt insbesondere bei Desinfektionsmitteln, die leicht flüchtige Aldehyde wie Formaldehyd, Glutardialdehyd und Glyoxal enthalten. Tauchbecken sind so weit und so lange wie möglich abzudecken und sollten nicht in den Behandlungsräumen aufgestellt werden.

Die Händedesinfektion mit alkoholischen Desinfektionsmitteln ist in der Nähe von Zündquellen unzulässig.

Es muss ein Hautschutzplan aufgestellt und ausgehängt werden (siehe Anhang 6).

Persönliche Schutzmaßnahmen

Augenschutz

Wenn mit einem Verspritzen oder Versprühen von Desinfektionsmitteln, z.B. beim Herstellen von Gebrauchslösungen, zu rechnen ist, ist eine Schutzbrille zu tragen. Dies kann auch als Schutz vor infektiösen Stoffen erforderlich sein.

Handschutz

Bei Hautkontakt mit den Produkten, ausgenommen Händedesinfektionsmitteln, und regelmäßigen Tätigkeiten müssen geeignete Chemikalien-Schutzhandschuhe getragen werden.

Die üblichen medizinischen Einmaluntersuchungshandschuhe bieten keinen ausreichenden Schutz. Bei der Auswahl eines geeigneten Handschuhs sollte sich der Unternehmer durch Handschuh- oder Produkthersteller (z.B. Angaben im Sicherheitsdatenblatt) beraten lassen. In der Information "Chemikalienschutzhandschuhe" (BGI/GUV-I 868) finden sich Hilfestellungen zur Auswahl und zur Verwendung von Chemikalienschutzhandschuhen. Für Tätigkeiten mit konzentrierten Desinfektionsmitteln und -reinigern (in der Lieferform) ist als geeignetes Schutzhandschuhmaterial Nitrilkautschuk zu empfehlen.

Zur großflächigen Flächendesinfektion, bei der das Eintauchen der Hände in die Desinfektionslösung erforderlich ist, müssen Chemikalienschutzhandschuhe mit langen Stulpen gewählt werden. Diese müssen im Bereich des Unterarmes umgekrempelt werden, wodurch ein Hineinlaufen von Flüssigkeit vermieden wird, sobald über Ellbogenniveau gearbeitet wird. Schutzhandschuhe sollten regelmäßig gereinigt und insbesondere auch die Innenseite getrocknet werden (siehe hierzu auch Kapitel 4 "Gefährdung der Haut", Abschnitt "Feuchtarbeit" und Anhang 8 "Benutzungshinweise für Schutzhandschuhe").

Atemschutz

Bei Desinfektionsarbeiten mit aldehydfreien Desinfektionsreinigern ist das Tragen von Atemschutz nicht erforderlich. Beim Einsatz von aldehydhaltigen Desinfektionsreinigern müssen hierzu bestimmte Randbedingungen eingehalten werden, um Arbeitsplatzgrenzwerte einzuhalten und damit das Tragen von Atemschutz zu vermeiden. Die Arbeitsplatzgrenzwerte werden dann nicht überschritten, wenn zum Beispiel in einem Krankenzimmer nicht mehr als der Fußboden und das Nachtkästchen mit einer 0,5 %-igen Desinfektionsmittellösung bei offenen Fenstern desinfiziert wird und die Aufenthaltsdauer der Beschäftigten nicht mehr als 30 Minuten beträgt. Bei Grenzwertüberschreitungen, diese können z.B. bei der Schlussdesinfektion mit höherer Wirkstoffkonzentration oder bei Verfahren mit Aerosolbildung auftreten, muss Atemschutz getragen werden. Bei Grenzwertüberschreitungen von Aldehyden müssen nach der Regel "Desinfektionsarbeiten im Gesundheitsdienst" (BGR/GUV-R 206) Atemschutzfilter des Typs B2, bei Aerosolbildung (Sprühdesinfektion) Kombinationsfilter B2P2 oder Partikel filtrierende Halbmasken FFP2 getragen werden.

Weitere Informationen können den BG/BGIA-Empfehlungen zur Überwachung von Arbeitsbereichen "Flächendesinfektionen in Krankenhausstationen", der Regel "Benutzen von Atemschutzgeräten" (BGR/GUV-R 190) und den Informationsmaterialien der Produkthersteller (z.B. Angaben im Sicherheitsdatenblatt) oder der Anbieter von Atemschutzgeräten entnommen werden.

Körperschutz

Bei Arbeiten mit Infektionsgefährdung, dazu gehören auch Desinfektionsarbeiten, ist geeignete Schutzkleidung zu tragen. Wenn damit zu rechnen ist, dass die Schutzkleidung oder das Schuhwerk durchnässt werden, sind flüssigkeitsdichte Schürzen oder Schuhe zu tragen.

Hautschutz

Zur Reinigung der Hände sind milde Hautreinigungsmittel und nach Arbeitsende Hautpflegemittel zu verwenden. Die Maßnahmen sind im Hautschutzplan und ggf. im Desinfektionsplan festzulegen.

Betriebsanweisung und Unterweisung

Bei Tätigkeiten mit Desinfektionsmitteln sind Betriebsanweisungen nach der Gefahrstoffverordnung zu erstellen (siehe Betriebsanweisungsentwurf "Desinfektionsreiniger" in Anhang 4). Die Beschäftigten sind anhand der Betriebsanweisung tätigkeitsbezogen zu unterweisen.