DGUV Information 213-032 - Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbere...

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Abschnitt 12, Chemikalien in klinischen und pathologischen L...
Abschnitt 12
Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Titel: Gefahrstoffe im Krankenhaus Pflege- und Funktionsbereiche (bisher: BGI/GUV-I 8596)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-032
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 12 – Chemikalien in klinischen und pathologischen Laboratorien

Gefährdung

In Laboratorien können insbesondere bei Tätigkeiten mit Präparaten, Fixierlösungen, Lösemitteln, Färbelösungen, Säuren und Laugen Gefährdungen auftreten.

Ein Schwerpunkt einer möglichen Gefahrstoffbelastung in der Pathologie besteht durch Formaldehyd bei folgenden Tätigkeiten:

  • in der Probenannahme durch mit Fixierflüssigkeit kontaminiertes Verpackungsmaterial/Begleitzettel z.B. bei beschädigten Behältnissen oder mangelhaft verpacktem Material.

  • am Zuschneideplatz der Gewebeproben

  • beim Verwerfen von Asservaten nach der Rückstellzeit

    sowie

  • bei der Vor- und Nachbereitung von Versandbehältnissen in der Spülküche.

Bild 1 Handfärben

Tätigkeiten mit Lösemitteln wie Xylol, Methanol, Ethanol und 2-Propanol sind beim Entparaffinieren und Färben, Eindecken und bei der Automatenversorgung gegeben. Formaldehyd, Xylol und Methanol können über die Haut aufgenommen werden. Darüber hinaus wirkt Formaldehyd sensibilisierend durch Hautkontakt und steht im Verdacht krebserzeugend zu sein (K3).

Bestimmte Färbemittel, z.B. Kongorot, sind als fruchtschädigend oder krebserzeugend eingestuft. Säuren und Laugen werden zum Beispiel zur Entkalkung oder zur Analytik sowie für Reinigungszwecke im Bereich der klinischen Chemie verwendet.

Schutzmaßnahmen

Ausführliche Angaben zu Tätigkeiten in der Pathologie enthält die BGW-Broschüre "Sicheres Arbeiten mit chemischen Stoffen in der Pathologie - Handlungshilfe zur Gefährdungsbeurteilung für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen". Im Nachfolgenden sind einige wichtige Maßnahmen zusammengefasst.

Substitution

Folgende Ersatzlösungen müssen geprüft werden:

  • Krebserzeugende Gefahrstoffe, z.B. Acrylamid, sind wenn möglich auch andere Reagenzien zu ersetzen. Wenn krebserzeugende Gefahrstoffe eingesetzt werden müssen, ist zu prüfen, ob weniger gefährliche Verwendungsformen möglich sind, z.B. Kongorot in pastöser Form.

  • Zur Vermeidung einer Luft- und Hautbelastung sind im klinischen Labor bevorzugt Fertigpräparate (Fertigkartuschen) einzusetzen.

  • Zur Vermeidung von Haut- und Luftbelastungen sind in der Analytik bevorzugt automatisierte Verfahren zu verwenden.

    So sind z.B.

    • für häufig benötigte Färbearbeiten automatische Färbestrahlen empfehlenswert,

    • zur Vermeidung der inhalativen Belastung mit xylolhaltigen Acrylharz manuelle Eindeckarbeiten durch Eindeckautomaten zu ersetzen.

  • Für die Elektrophorese sind methanolfreie Färbelösungen verfügbar.

Technische Schutzmaßnahmen

In Laboratorien dürfen Arbeiten, bei denen Gase, Dämpfe oder Schwebstoffe in gefährlicher Konzentration oder Menge auftreten können, grundsätzlich nur in Abzügen ausgeführt werden (siehe TRGS 526 "Laboratorien"). Die Frontschieber sind dabei geschlossen zu halten.

In Färbelaboratorien gehören zum Stand der Technik neben einer wirksamen raumlufttechnischen Anlage nach DIN 1946 Teil 7 geschlossene und abgesaugte Automaten, wie Färbeautomaten, entsprechende Paraffinatoren und Eindeckautomaten (siehe Bild 2). Wenn Automaten in offener oder halboffener Bauweise verwendet werden, sollten z.B. diese abgesaugt oder in separaten, belüfteten Räumen aufgestellt werden. Sonderfärbungen (Handfärbungen) sollten bevorzugt unter einem Laborabzug erfolgen. Laborabzüge müssen der DIN EN 14175 entsprechen.

Bild 2 Eindeck- bzw. Färbeautomat im pathologischen Labor

Bild 3 Zuschneideplatz mit Lochblechabsaugung im pathologischen Labor

Von besonderer Problematik sind im pathologischen Labor Arbeitsplätze mit Formaldehydbelastung. Geeignete lüftungstechnische Maßnahmen reduzieren die inhalative Formaldehydbelastung. Erfahrungsgemäß sind Zuschneidetätigkeiten an abgesaugten Zuschneidetischen, die über eine gerichtete Zuluft verfügen und wirksam nach unten abgesaugt werden, mit sehr niedrigen Expositionen verbunden. Solche Tätigkeiten können alternativ auch in einem Laborabzug durchgeführt werden. Bei diesen Zuschneidetischen sollte darauf geachtet werden, dass der abgesaugte Zuschneidetisch nicht durch das Schneidebrett so verdeckt wird, dass die Absaugung unwirksam wird. Empfehlungen für Absaugleistungen können nicht gegeben werden. Nach den bei den UV-Trägern vorliegenden Erfahrungen, hängt die Wirksamkeit der Absaugung von der Absauggeometrie und der Zuluftführung am Arbeitsplatz ab. Der Lüftungshersteller bzw. der Laborausstatter soll die Leistungsfähigkeit seiner Anlage bestätigen. Verfügt der Zuschneidearbeitsplatz über andere Erfassungseinrichtungen, sollten diese so nahe wie möglich an die Emissionsquelle herangeführt werden. Zusätzlich ist für eine wirksame Raumlüftung zu sorgen. Arbeitsplätze zur Entsorgung von Asservaten und Nachbereitung (z.B. für die Reinigung der Behältnisse) müssen ebenfalls über eine wirksame Absaugung unter gerichteter Zuluft verfügen. Das Befüllen von Probengefäßen sollten entweder im Abzug oder auf einem nach unten abgesaugten Tisch unter Verwendung von Dispensern erfolgen.

Schränke, in denen die Rückstellproben mit fixierten Organteilen aufbewahrt werden, müssen entlüftet werden.

Zur Verringerung des Hautkontakts sind beim Hantieren von fixiertem Material (z.B. beim Entnehmen der Gewebeproben aus den Behältnissen, beim Zuschneiden) Hilfsmittel, wie Pinzetten oder Zangen zu benutzen. Am Zuschneidearbeitsplatz verwendete Diktiergeräte sollten eine Fußschaltung haben. Diese Maßnahmen verringern auch das Infektionsrisiko, wenn mit frischem Untersuchungsgut, z.B. bei Schnellschnitten, umgegangen wird.

Flüssigkeiten dürfen nicht durch Ansaugen mit dem Mund pipettiert werden, sondern nur mittels Pipettierhilfen.

Organisatorische Schutzmaßnahmen

Chemikalien sind nach Möglichkeit in der Originalverpackung zu belassen. Gefäße, in die umgefüllt wurde, müssen eindeutig gekennzeichnet werden. Keinesfalls dürfen Behältnisse verwendet werden, durch deren Form oder Bezeichnung der Inhalt mit Lebensmitteln verwechselt werden kann, z.B. Getränkeflaschen. Standflaschen, in denen die für den Handgebrauch erforderlichen Mengen vorgehalten werden, müssen mindestens mit der Bezeichnung des Stoffes, dem Gefahrensymbol und der entsprechenden Gefahrenbezeichnung gekennzeichnet werden.

Gefäße mit Lösungsmitteln sollten immer abgedeckt sein, damit ein Abdampfen in die Raumluft möglichst vermieden wird.

Färbereihen sollte man zur Vermeidung von Wärmeeinwirkung nicht am Fenster oder vor Heizungen aufstellen.

Bei den formaldehydbedingten Tätigkeiten bestimmt die Arbeitshygiene nicht unwesentlich die Exposition am Arbeitsplatz:

  • So sollte beim Zuschneiden die Fixierlösung nicht über dem Zuschneidebrett ausgegossen werden.

  • Die Arbeitsfläche sollte durch Abwischen mit Zellstofftüchern möglichst trocken gehalten werden.

  • Die Zellstofftücher sollten in einem verschließbaren, möglichst an der Tischabsaugung angeschlossenen Abfallbehälter, abgeworfen werden.

  • Große Präparate (ab Uterusgröße) sollten vor dem Zuschneiden ausreichend unter fließendem Wasser abgespült werden.

  • Nachfüllen von Fixierlösung sollte unter dem Abzug erfolgen.

  • Beim Verwerfen von formaldehydhaltigen Asservaten ist es empfehlenswert, zunächst mit dem Entleeren der kleinsten Gefäße zu beginnen und erst zum Schluss, kurz vor dem Verlassen des Raumes, sollten die großen Asservate verworfen werden. Eine Reduzierung der Exposition kann auch durch das Verwerfen unter fließendem Wasser erreicht werden. Die niedrigste Exposition ist zu erreichen, wenn die Gefäße ohne entleert zu werden entsorgt werden können.

  • Arbeitstechniken sind auf minimalen Hautkontakt mit Xylol auszurichten. So sind z.B. Pinzetten für das Herausnehmen von Objektträgern aus dem Xylolbehältnis zu verwenden.

  • Paraffinverunreinigte Oberflächen dürfen nicht mit xylolgetränkten Zellstofftüchern gereinigt werden, sondern sind mechanisch zu reinigen.

  • Zur Beseitigung verschütteter Chemikalien sind geeignete Adsorptionsmittel bereitzuhalten.

Persönliche Schutzmaßnahmen

Augenschutz

Bei Arbeiten in Laboratorien muss eine Schutzbrille mit Seitenschutz getragen werden, wenn eine Gefährdung der Augen durch verspritzende Flüssigkeiten gegeben ist, z.B. bei Umfülltätigkeiten, oder bei Glasbruch. Dies gilt auch aus Infektionsschutzgründen, sofern eine Aerosolbildung oder ein Verspritzen von Blut oder Körperflüssigkeiten möglich ist, wie z.B. am Zuschneideplatz. Auch an benachbarten Arbeitsplätzen ist Augenschutz zu benutzen, wenn mit Spritzern zu rechnen ist.

Handschutz

Zur Auswahl geeigneter Schutzhandschuhe sollte das Sicherheitsdatenblatt (Abschnitt 8) herangezogen werden.

  • Bei Tätigkeiten mit Formaldehyd, z.B. am Zuschneideplatz, sind grundsätzlich Chemikalienschutzhandschuhe aus Nitrilkautschuk geeignet. Diese können als Handschuhe für den mehrmaligen Gebrauch oder als Einmalhandschuhe erworben werden. Beim Verwenden von Einmalhandschuhen aus Nitrilkautschuk muss öfters ein Handschuhwechsel erfolgen2.

  • Bei Handschuhen zum mehrmaligen Gebrauch sollte berücksichtigt werden, dass diese persönlich zugewiesen werden müssen. Medizinische Einmalhandschuhe aus Latex sind für die Tätigkeiten in der Pathologie nicht geeignet.

  • Sofern der Hautkontakt bei Tätigkeiten mit Xylol oder beim Färben nicht durch technische Maßnahmen oder durch die Verwendung von Hilfsmitteln vermieden werden kann, sind Handschuhe zu tragen. Für einen kurzzeitigen Kontakt mit Xylol eignen sich Schutzhandschuhe aus Nitrilkautschuk, die in einer Materialstärke von 0,2 mm erhältlich sind. Für "gröbere Arbeiten", wie das Umfüllen von größeren Lösemittelmengen, sind Handschuhe aus Nitrilkautschuk in 0,5 mm Schichtdicke oder aus Fluorkautschuk mit einer Materialstärke von 0,4 mm geeignet.

  • Bei Tätigkeiten mit Säuren und Laugen z.B. bei der Entkalkung oder bei der Reinigung bzw. beim Spülen von Dosierleitungen und Pipetten in Automaten im Bereich der klinischen Chemie sind ebenfalls Schutzhandschuhe aus Nitrilkautschuk geeignet.

  • Da in der Pathologie auch Tätigkeiten durchgeführt werden, bei denen mit Schnittverletzungen zu rechnen ist (z.B. in der Sektion/Obduktion) sind Handschuhe gegen mechanische Risiken empfehlenswert. Hierbei haben sich Handschuhe mit langen Stulpen aus Kevlar oder der leichteren Spectra-Faser als praktikabel erwiesen. Diese Handschuhe können mehrfach verwendet werden und können gewaschen werden. Da sie aber gewebt und deshalb nicht flüssigkeitsdicht sind, sind darüber noch flüssigkeitsdichte Einmalhandschuhe zu ziehen.

Atemschutz

Das Tragen von Atemschutz kann kurzfristig beim Verwerfen von Asservaten erforderlich sein. Bei der Auswahl eines geeigneten Filters sollte der Unternehmer die Regel "Benutzung von Atemschutzgeräten" (BGR/GUV-R 190) heranziehen und sich durch Produkthersteller (z.B. Angaben im Sicherheitsdatenblatt) oder Anbieter von Atemschutzgeräten beraten lassen. Geeignet ist zum Beispiel eine Atemschutzmaske mit dem Filter B2P2. Als anwenderfreundlich haben sich gebläseunterstützte Atemschutzhauben erwiesen.

Körperschutz

In medizinischen Laboratorien muss geeignete Schutzkleidung nach der TRBA 100 "Schutzmaßnahmen für gezielte und nicht gezielte Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen in Laboratorien" bzw. nach der BGR/GUV-R/TRBA 250 "Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege" getragen werden. Speziell am Zuschneideplatz ist auf Grund der Infektionsgefahr und des Flüssigkeitskontakts das Tragen einer Schürze aus Kunststoff oder Gummi erforderlich.

Hautschutz

Da bei den meisten Tätigkeiten im Labor Handschuhe zu tragen sind, bedingt diese Tätigkeit Feuchtarbeit. Geeignete Hautschutzmittel sind nicht bekannt. Daher kommt der rückfettenden Hautpflege nach Beendigung der Arbeiten besondere Bedeutung zu.

Betriebsanweisung und Unterweisung

Bei Tätigkeiten in der Pathologie müssen Betriebsanweisungen vorliegen. Die Beschäftigten sind anhand der Betriebsanweisungen arbeitsplatzbezogen zu unterweisen.

2

Die Einmalhandschuhe aus Nitrilkautschuk bieten einerseits einen höheren Tragekomfort und ein besseres Tastempfinden, müssen aber andererseits wegen der geringen Materialstärke und damit kleineren Durchbruchzeit öfter gewechselt werden.