DGUV Information 213-026 - Sicherheit im chemischen Hochschulpraktikum Eine Einf...

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Abschnitt 3.1, Rechtsgrundlagen: Chemikaliengesetz und Gefah...
Abschnitt 3.1
Sicherheit im chemischen Hochschulpraktikum Eine Einführung für Studierende (bisher: BGI/GUV-I 8553)
Titel: Sicherheit im chemischen Hochschulpraktikum Eine Einführung für Studierende (bisher: BGI/GUV-I 8553)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-026
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.1 – Rechtsgrundlagen: Chemikaliengesetz und Gefahrstoffverordnung

Das Gesetz zum Schutz vor gefährlichen Stoffen (Chemikaliengesetz, ChemG) soll den Menschen und die Umwelt vor schädlichen Einwirkungen gefährlicher Stoffe und Zubereitungen schützen, insbesondere sie erkennbar machen, sie abwenden und ihrem Entstehen vorbeugen. Das ChemG soll auch sicherstellen, dass neue Stoffe, bevor sie in Verkehr gebracht werden, auf gefährliche Eigenschaften hinreichend untersucht und die auf Grund der Untersuchungsergebnisse notwendigen Sicherheitsvorkehrungen beim Umgang mit diesen Stoffen beachtet werden.

Der Umfang der vorgeschriebenen sicherheitstechnischen und toxikologischen Untersuchungen hängt von der zur Vermarktung vorgesehenen Menge des Stoffes ab. Von dem Ergebnis der Untersuchungen hängt die Kennzeichnung der Stoffe ab (vgl. Bilder 1 und 2 sowie Anhang C). Auch Verwendungsbeschränkungen und andere Auflagen der Behörden sind möglich.

Die im Wesentlichen auf dem Arbeitsschutzgesetz und dem Chemikaliengesetz beruhende "Verordnung zum Schutz vor Gefahrstoffen" (Gefahrstoffverordnung, GefStoffV) regelt alle Tätigkeiten mit Gefahrstoffen, also deren Herstellung, Gewinnung und Verwendung. Weiterhin wird in dieser Verordnung die Einstufung und Kennzeichnung von Gefahrstoffen geregelt.

Zweck der Gefahrstoffverordnung ist es, sowohl den Menschen als auch die Umwelt vor stoffbedingten Schäden zu schützen. Die Gefahrstoffverordnung gilt sowohl für die gewerbliche Wirtschaft als auch für Behörden, Schulen und Universitäten und richtet sich an den Arbeitgeber und alle Arbeitnehmer im Betrieb. Beamte, Schüler, Studierende und alle sonstigen an Hochschulen tätigen Personen (z.B. Stipendiaten) stehen in der Gefahrstoffverordnung den Arbeitnehmern gleich.

Gefährdungsbeurteilung

Nach § 7 GefStoffV hat der Labor- bzw. Praktikumsleiter zunächst festzustellen, ob die Beschäftigten und Studierenden Tätigkeiten mit Gefahrstoffen durchführen oder ob Gefahrstoffe bei diesen Tätigkeiten entstehen oder freigesetzt werden. Ist dies wie im chemischen Labor der Fall, so hat er alle hiervon ausgehenden Gefährdungen für die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten unter folgenden Gesichtspunkten zu beurteilen:

  1. 1.

    gefährliche Eigenschaften der Stoffe und Zubereitungen,

  2. 2.

    Informationen des Herstellers oder Inverkehrbringers zum Gesundheitsschutz und zur Sicherheit insbesondere im Sicherheitsdatenblatt nach § 6 GefStoffV,

  3. 3.

    Ausmaß, Art und Dauer der Exposition unter Berücksichtigung aller Expositionswege,

  4. 4.

    physikalisch-chemische Wirkungen,

  5. 5.

    Möglichkeiten einer Substitution,

  6. 6.

    Arbeitsbedingungen und Verfahren, einschließlich der Arbeitsmittel und der Gefahrstoffmenge,

  7. 7.

    Arbeitsplatzgrenzwerte und biologische Grenzwerte,

  8. 8.

    Wirksamkeit der getroffenen oder zu treffenden Schutzmaßnahmen,

  9. 9.

    Schlussfolgerungen aus durchgeführten arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen.

Der Labor- bzw. Praktikumsleiter darf eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst aufnehmen lassen, nachdem diese Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wurde und die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Ziel der Maßnahmen muss es sein, die Exposition von Beschäftigten gegenüber Gefahrstoffen auf ein Minimum zu reduzieren. In chemischen Laboratorien kann davon ausgegangen werden, dass dieses Schutzziel eingehalten ist, wenn

  • mit den im Labor üblichen geringen Stoffmengen gearbeitet wird,

  • alle Arbeitsgänge mit giftigen, sehr giftigen, krebserzeugenden, erbgutverändernden und fortpflanzungsgefährdenden Stoffen im Abzug durchgeführt und die Abzüge geschlossen gehalten werden, solange nicht an den Apparaturen hantiert wird,

  • die Laboratorien und Praktikumsräume personell nicht überbelegt sind,

  • Entnahmebehälter und Druckgasflaschen für sehr giftige und giftige Stoffe innerhalb des Abzugs aufgestellt werden,

  • bei Reaktionen frei werdende sehr giftige, giftige oder ätzende Gase und Dämpfe in Kühlfallen oder Absorptionslösungen aufgefangen werden,

  • der Kontakt mit hautresorptiven oder hautgefährdenden Stoffen durch die Arbeitsmethode (z.B. geschlossene Apparatur) oder durch geeignete persönliche Schutzausrüstung (Schutzhandschuhe, ggf. Körper- und Gesichtsschutz) vermieden wird,

  • Wert auf persönliche Arbeitshygiene gelegt wird.

Die Gefahrstoffverordnung wird durch eine Reihe von Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) konkretisiert, insbesondere ist hier die TRGS 526 "Laboratorien" zu nennen. Darüber hinaus sind Hilfestellungen und weitere Erläuterungen in der Information "Sicheres Arbeiten in Laboratorien" (BGI/GUV-I 850-0) enthalten. Für den Bereich "Hochschulen" ist außerdem die Regel "Umgang mit Gefahrstoffen im Hochschulbereich" (GUV-SR 2005) relevant.

Die folgenden Ausführungen berücksichtigen die oben beschriebenen Vorschriften, Regeln und Informationen.