DGUV Information 206-007 - So geht‘s mit Ideen-Treffen Tipps für Wirtschaft, Ver...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 6, 6 Gefährdungsbeurteilung arbeitsbedingter psych...
Abschnitt 6
So geht‘s mit Ideen-Treffen Tipps für Wirtschaft, Verwaltung und Dienstleistung (DGUV Information 206-007)
Titel: So geht‘s mit Ideen-Treffen Tipps für Wirtschaft, Verwaltung und Dienstleistung (DGUV Information 206-007)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 206-007
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6 – 6 Gefährdungsbeurteilung arbeitsbedingter psychischer Belastung
mit Hilfe der Ideen-Treffen

Anlass

Belastungen entstehen aus den Arbeitsaufgaben, der Arbeitsorganisation, aus der Arbeitsumgebung und den Arbeitsmitteln, sowie aus den sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz. Die Gefährdungsbeurteilung muss auch solche psychischen Belastungsfaktoren herausarbeiten.

Ziel

Dabei geht es um die Arbeitsbedingungen - was ist zu verbessern und wie genau können Sie das tun? Ziel der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist nicht, Personen zu untersuchen oder einfach nur Seminare zur Stressbewältigung anzubieten. Ziel ist - wie auch im Arbeitsschutzgesetz gefordert - die menschengerechte Gestaltung der Arbeit. Bedarfsorientierte Maßnahmen beziehen sich dann auf betriebliche Gegebenheiten wie z. B. die Arbeitsbedingungen, die Arbeitsorganisation oder das Führungsverhalten.

Bausteine des Treffens

Die Ideen-Treffen sind eine "orientierende" Methode - das bedeutet, Sie können sich einen Überblick über die Belastungssituation einer Einheit oder flächendeckend im Betrieb verschaffen. Häufige Frage in der Praxis: "Woran erkennen wir, ob wir im Ideen-Treffen alle wichtigen Aspekte psychischer Belastung berücksichtigt haben?". Um sicher zu gehen, ist es empfehlenswert, sich an der Leitlinie "Beratung und Überwachung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz" der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) zu orientieren (siehe Seite 19) 1).

Wie gehen Sie in der Praxis vor?

Die Checkliste zum Ideen-Treffen können Sie wie folgt einsetzen:

  1. 1.

    Führen Sie die Ideen-Treffen erst "frei" durch. Die zu bearbeitenden Themen kommen aus der Gruppe. In einem oder mehreren Folgetreffen kümmern Sie sich um die Ergebnisumsetzung.

  2. 2.

    Wenn die Ideen-Treffen eingeführt sind, vergleichen Sie die Ergebnisse mit der Checkliste auf Seite 19 und stellen Sie fest, wo bisherige Schwerpunkte lagen (= Vorbereitung für nächste Sitzung). Dabei sehen Sie, welche Merkmalsbereiche Sie berücksichtigt oder noch nicht berücksichtigt haben (Arbeitsinhalt/Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation, soziale Beziehungen, Arbeitsumgebung und neue Formen der Arbeit)

  3. 3.

    Bislang noch nicht bearbeitete Merkmalsbereiche werden in den Ideen-Treffen Schritt für Schritt bearbeitet. Bei der Auswahl helfen folgende Fragen:

    • Welche der Themen sind wichtig?

    • Für welche Themen können wir schnell eine Lösung finden?

  4. 4.

    Halten Sie Ihre Ideen schriftlich fest. Benutzen Sie dafür das entsprechende Dokumentationsblatt zur Gefährdungsbeurteilung im Anhang.

Ideen-Treffen in Kombination mit der Checkliste sind eine geeignete Methode zur Ermittlung arbeitsbedingter psychischer Belastungsfaktoren.
Nutzen Sie die Ideen-Treffen als Ihr "Fahrzeug" und die Checkliste als Ihr "Navigationssystem".

Mögliche Fallstricke

Moderatorin/Moderator hat nicht genügend Moderationskenntnisse.
Lösung: Moderatoren-Schulung.
Die Gruppe konzentriert sich auf Auswirkungen von Belastungen (z.B. verfahrene Konflikte oder vorliegende Erkrankungen)
Lösung: Präventives Vorgehen mit Checkliste.
Die Gruppe konzentriert sich auf personenbezogene Aspekte.
Lösung: Orientierung an den Merkmalsbereichen der Checkliste (siehe Seite 17).
Die Inhalte oder Begriffe der Checkliste sind teilweise schwer verständlich.
Lösung: Informieren Sie sich gemeinsam im Vorfeld über mögliche psychische Belastungsfaktoren bei der Arbeit. 2)

Den Erklärfilm zu den Ideen-Treffen als Methode der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung finden Sie unter www.dguv.de Webcode: d125363.

Checkliste zum Ideen-Treffen (aus GDA-Leitlinie)

MerkmalsbereichKritische Ausprägung/Verbesserungsbedarf
1.Arbeitsinhalt/Arbeitsaufgabe
1.1Vollständigkeit der AufgabeTätigkeit enthält
  • nur vorbereitende oder

  • nur ausführende oder

  • nur kontrollierende Handlungen

1.2HandlungsspielraumDer/die Beschäftigte(n) hat/haben keinen Einfluss auf:
  • Arbeitsinhalt

  • Arbeitspensum

  • Arbeitsmethoden/-verfahren

  • Reihenfolge der Tätigkeiten

1.3Variabilität (Abwechslungsreichtum)Einseitige Anforderungen
  • wenige, ähnliche Arbeitsgegenstände und Arbeitsmittel

  • häufige Wiederholung gleichartiger Handlungen in kurzen Takten

1.4Information/Informationsangebot
  • zu umfangreich (Reizüberflutung)

  • zu gering (lange Zeiten ohne neue Information)

  • ungünstig dargeboten

  • lückenhaft (wichtige Informationen fehlen)

1.5Verantwortung
  • unklare Kompetenzen und Verantwortlichkeiten

1.6Qualifikation
  • Tätigkeiten entsprechen nicht der Qualifikation der Beschäftigten (Über-/Unterforderung)

  • unzureichende Einweisung/Einarbeitung in die Tätigkeit

1.7Emotionale Inanspruchnahme
  • durch das Erleben emotional stark berührender Ereignisse (z. B. Umgang mit schwerer Krankheit, Unfällen, Tod)

  • durch das ständige Eingehen auf die Bedürfnisse anderer Menschen (z. B. im Kunden- bzw. Patientenverkehr oder in der Schule)

  • durch permanentes Zeigen geforderter Gefühle unabhängig von eigenen Empfindungen

  • Bedrohung durch Gewalt durch andere Personen (z. B. Kundinnen oder Kunden, Patientinnen oder Patienten)

2. Arbeitsorganisation
2.1Arbeitszeit
  • wechselnde oder lange Arbeitszeit

  • ungünstig gestaltete Schichtarbeit, häufige Nachtarbeit

  • umfangreiche Überstunden

  • unzureichendes Pausenregime

  • Arbeit auf Abruf

2.2Arbeitsablauf
  • Zeitdruck/hohe Arbeitsintensität

  • häufige Störungen/Unterbrechungen

  • hohe Taktbindung

2.3Kommunikation/Kooperation
  • isolierter Einzelarbeitsplatz

  • keine oder geringe Möglichkeit der Unterstützung durch Vorgesetzte oder Kolleginnen bzw. Kollegen

  • keine klar definierten Verantwortungsbereiche

3.Soziale Beziehungen
3.1Kolleginnen bzw. Kollegen
  • zu geringe/zu hohe Zahl sozialer Kontakte

  • häufige Streitigkeiten und Konflikte

  • Art der Konflikte: soziale Drucksituationen

  • fehlende soziale Unterstützung

3.2Vorgesetzte
  • keine Qualifizierung der Führungskräfte

  • fehlendes Feedback, fehlende Anerkennung für erbrachte Leistungen

  • fehlende Führung, fehlende Unterstützung im Bedarfsfall

4.Arbeitsumgebung
4.1Physikalische und chemische Faktoren
  • Lärm

  • Beleuchtung

  • Gefahrstoffe

4.2Physische Faktoren
  • mangelhafte ergonomische Gestaltung

  • schwere körperliche Arbeit

4.3Arbeitsplatz- und Informationsgestaltung
  • ungünstige Arbeitsräume, räumliche Enge

  • unzureichende Gestaltung von Signalen und Hinweisen

4.4Arbeitsmittel
  • fehlende/s und ungeeignete/s Werkzeug bzw. Arbeitsmittel

  • ungünstige Bedienung oder Einrichtung von Maschinen

  • unzureichende Softwaregestaltung

5. Neue Arbeitsformen
  
  • räumliche Mobilität

  • atypische Arbeitsverhältnisse, diskontinuierliche Berufsverläufe

  • zeitliche Flexibilisierung, reduzierte Abgrenzung zwischen Arbeit und Privatleben

1)

Weitere Informationen und Hintergründe zum Thema Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung unter: www.gda-psyche.de.

2)

Hier eignet sich die Broschüre der BAuA "Psychische Belastung und Beanspruchung im Berufsleben: Erkennen und Gestalten". www.baua.de