DGUV Information 250-431 - Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsor...

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Abschnitt 3.1, Gefährdende Tätigkeiten
Abschnitt 3.1
Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 30 "Hitze" (bisher: BGI/GUV-I 504-30)
Titel: Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 30 "Hitze" (bisher: BGI/GUV-I 504-30)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 250-431
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.1 – Gefährdende Tätigkeiten

Die Hitzebelastung am Arbeitsplatz wird beurteilt mit Hilfe der Normaleffektivtemperatur für den bekleideten Menschen (Normaleffektivtemperatur NET nach Yaglou in C, ein Klimasummenmaß für das menschliche Klimaempfinden, siehe Nomogramm) und der effektiven Bestrahlungsstärke.

Beispiel:

Gemessen wurden eine Trockentemperatur von 40C (Schritt 1), eine relative Luftfeuchte von 50 % (Schritt 2), was einer Feuchttemperatur von 30,5C (Schritt 3) entspricht, und eine Luftgeschwindigkeit von 0,5 m/s (Schritt 4). Nach dem Nomogramm von Yaglou für den bekleideten Menschen (siehe Abbildung 1) beträgt dann die Effektivtemperatur NET 32,5C (Schritt 5).

Abb. 1 Nomogramm zur Ermittlung der Effektivtemperatur für den bekleideten Menschen

Der Arbeitsenergieumsatz kann messtechnisch ermittelt werden. Zur Grobabschätzung dient Tabelle 1.

Tabelle 1:
Einteilung des Arbeitsenergieumsatzes (AU) und Gesamtenergieumsatzes (EU) nach Tätigkeitsarten (in Anlehnung an DIN EN ISO 8996, Januar 2005)

EnergieumsatzBeispiele für Tätigkeiten
Stufe 0
Ruhezustand
EU: 100 - 125 W
AU: 20 - 45 W
Sitzen oder Stehen im Ruhezustand
Stufe 1
Leicht: AU ca. 100 W
EU: etwa 125 - 235 W
AU: etwa 45 - 155 W

  • leichte Handarbeit (Schreiben, Tippen, Zeichnen, Nähen, Buchführung)

  • Tätigkeiten mit Hand und Arm (kleine Handwerkzeuge, Inspektion, Zusammenbau oder Sortieren von leichten Gegenständen)

  • Tätigkeit mit Arm und Bein (Fahren eines Fahrzeuges unter üblichen Bedingungen, Betätigen eines Fußschalters oder Pedals)

  • Kontrollgänge, Kranführer aller Art, Fahrer von Flurförderzeugen, Elektriker für Steuer- und Regelanlagen, Tätigkeiten in Schaltwarten, Brenner in der keramischen Industrie


Stufe 2
Mittelschwer: AU ca. 200 W
EU: etwa 235 - 360 W
AU: etwa 155 - 240 W

  • Ununterbrochene Hand- und Armarbeit (Einschlagen von Nägeln, Feilen)

  • Arm- und Beinarbeit (Fahren von LKW, Traktoren oder Baufahrzeugen im Gelände)

  • Arm- und Körperarbeit (Arbeiten mit Presslufthammer, Zugmaschinen, Pflasterarbeiten, ununterbrochenes Handhaben von mittelschweren Materialien, Schieben und Ziehen von leichten Karren oder Schubkarren, Schmieden)

  • Anfänger" an Glasöfen, Betriebsschlosser, Abbrechen von Glas mittels Brecher, Eisengießer mit Hebezeug, Vulkaniseur


Stufe 3
Schwer: AU ca. 300 W
EU: etwa 360 W - 465 W
AU: etwa 240 W - 385 W

  • Intensive Arm- und Körperarbeit (Tragen von schwerem Material, Schaufeln, Arbeiten mit Vorschlaghammer, Sägen; Bearbeiten von hartem Holz mit Hobel oder Stechbeitel, Graben, Schieben oder Ziehen schwer beladener Handwagen oder Schubkarren, Zerschlagen von Gussstücken, Legen von Betonplatten)

  • Ein- und Aussetzen in der grobkeramischen Industrie, Ofenmaurer bei Heißreparaturen, Gemengeeinleger von Hand in Glashütten, Schmelzer, Eisengießer (Handguss), Handflämmer


Stufe 4
Sehr schwer: AU > 300 W
EU: ab etwa 465 W
AU: ab etwa 385 W

  • Sehr intensive Arm- und Körperarbeit mit hohem Arbeitstempo (Arbeiten mit der Axt, intensives Schaufeln oder Graben, Besteigen von Treppen, Rampen oder Leitern, schnelles Gehen mit kleinen Schritten)


Die Bestimmung der Normaleffektivtemperatur (NET) sollte bei Außentemperaturen zwischen 15C und 20C erfolgen.

Die Hitzebelastung am Arbeitsplatz kann auch durch die Wärmestrahlung allein hervorgerufen oder durch diese erheblich verstärkt werden. Falls sie nicht direkt gemessen werden kann, kann eine Abschätzung - allerdings nur bei konstanten Klimabedingungen - mit Hilfe eines Globe-Thermometers durchgeführt werden. Bei deutlichem Wärmestrahlungsanteil (Strahlungstemperatur oberhalb Trockentemperatur) an Hitzearbeitsplätzen kann zur orientierenden Beurteilung der Hitzebelastung in Tabelle 2 auch von den NET-Werten der nächsthöheren Arbeitsenergieumsatzstufe ausgegangen werden. Für diesen Fall verringert sich der Richtwert um 2C NET.