DGUV Information 213-040 - Gefahrstoffe bei der Aufbereitung von Schwimm- und Ba...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 2.4, 2.4 Flockungsmittel
Abschnitt 2.4
Gefahrstoffe bei der Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser (DGUV Information 213-040)
Titel: Gefahrstoffe bei der Aufbereitung von Schwimm- und Badebeckenwasser (DGUV Information 213-040)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-040
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.4 – 2.4 Flockungsmittel

Einsatz in der Wasseraufbereitung

In Bädern werden dem aufzubereitenden Wasser (Rohwasser) vor der Filtration Flockungsmittel zu gesetzt, um feinteilige Verunreinigungen im Rohwasser in einen besser filtrierfähigen Zustand zu bringen (siehe Abb. 14). Die gängigen Flockungsmittel sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.

Abb. 14 Behälter mit Flockungsmittel bei der Entnahme

FlockungsmittelAluminiumsulfat OctadecahydratAluminiumchlorid HexahydratNatriumaluminatPolyaluminium-
hydroxidchlorid (PAC)
Polyaluminium-
hydroxidchloridsulfat (PACS)
Eisen(III)-chlorid-
Hexahydrat
Eisen(III)-chloridsulfatEisen(III)-sulfat-
Nonahydrat
CAS-Nr.7784-31-87784-13-61302-42-71327-41-939290-78-310025-77-112410-14-915244-10-7
Lieferformfarbloser Feststofffarbloser Feststoff25 - 50 % Lsg. gelbe bis rotbraune Flüssigkeit10-25 % Lsg. hellgelbe klare Flüssigkeit25-50 % Lsg. hellgelbe klare Flüssigkeitbraune Flüssigkeitbraune Flüssigkeitrotbraune Flüssigkeit
pH-Wert2,5 - 4,0 in Lsg *2,5 - 3,5 in Lsg *12 - 132,72 - 31,8 in Lsg *<1 in Lsg *<1 *  in Lsg *
*

Stoff ist hygroskopisch

Angaben zur Einstufung und Kennzeichnung

1. Einstufung nach bisherigem Gefahrstoffrecht

FlockungsmittelAluminiumsulfat OctadecahydratAluminiumchlorid HexahydratNatriumaluminatPolyaluminium-
hydroxidchlorid (PAC)
Polyaluminium
hydroxidchloridsulfat (PACS)
Eisen(III)-chlorid-
Hexahydrat
Eisen(III)-chloridsulfatEisen(III)-sulfat-
Nonahydrat
Gefahrensymbol Gefahrenbezeichnung  
     
Hinweise auf die besonderen Gefahren (R-Satz)R 41:
Gefahr ernster Augenschäden
R 36/38:
Reizt die Augen und die Haut
R 35:
Verursacht schwere Verätzungen
R 36/38:
Reizt die Augen und die Haut
R 36/38:
Reizt die Augen und die Haut
R 38-41:
Reizt die Haut. Gefahr ernster Augenschäden.
R22:
Gesundheitsschädlich beim Verschlucken
R38-41:
Reizt die Haut. Gefahr ernster Augenschäden.
R22:
Gesundheitsschädlich beim Verschlucken
R38-41:
Reizt die Haut. Gefahr ernster Augenschäden.
R22:
Gesundheitsschädlich beim Verschlucken

2. Einstufung und Kennzeichnung nach neuem Gefahrstoffrecht

FlockungsmittelAluminiumsulfat OctadecahydratAluminiumchlorid HexahydratNatriumaluminatPolyaluminium
hydroxidchlorid (PAC)
Polyaluminium
hydroxidchloridsulfat (PACS)
Eisen(III)-chlorid-
Hexahydrat
Eisen(III)-chloridsulfatEisen(III)-sulfat-
Nonahydrat
Gefahrenklasse/
Gefahrenkategorie
Augenreiz. Kategorie 2;Hautreiz. Kategorie 2; Augenreiz. Kategorie 2Met. korr., Kategorie 1; Hautätz., Kategorie 1A Augenschäd. Kategorie 1Hautreiz., Kategorie 2 Augenreiz. Kategorie 2Hautreiz. Kategorie 2 Augenreiz. Kategorie 2Met. korr. Kategorie 1 Augenschäd. Kategorie 1 Akut Tox. Kategorie 4 Hautreiz. Kategorie 2Met. korr. Kategorie 1 Augenschäd. Kategorie 1 Akut Tox. Kategorie 4 Hautreiz. Kategorie 2Met. korr. Kategorie 1 Akut Tox. Kategorie 4 Hautreiz. Kategorie 2 Augenschäd. Kategorie 1
Gefahrenhinweise (H-Satz)H319:
Verursacht schwere Augenreizung
H315:
Verursacht Hautreizungen.
H319:
Verursacht schwere Augenreizung.
H290:
Kann gegenüber Metallen korrosiv sein
H314:
Verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden
H315:
Verursacht Hautreizungen
H319:
Verursacht schwere Augenreizung
H315:
Verursacht Hautreizungen
H319:
Verursacht schwere Augenreizung
H290:
Kann gegenüber Metallen korrosiv sein
H302:
Gesundheitsschädlich bei Verschlucken
H315:
Verursacht Hautreizungen
H318:
Verursacht schwere Augenschäden
H290:
Kann gegenüber Metallen korrosiv sein
H302:
Gesundheitsschädlich bei Verschlucken
H318:
Verursacht schwere Augenschäden
H315:
Verursacht Hautreizungen
H290:
Kann gegenüber Metallen korrosiv sein
H302:
Gesundheitsschädlich bei Verschlucken.
H315:
Verursacht Hautreizungen.
H318:
Verursacht schwere Augenschäden.
Piktogramm 
      
SignalwortAchtungAchtungGefahrAchtungAchtungGefahrGefahrGefahr

Zur Kennzeichnung gehören auch die entsprechenden P-Sätze.

Eisen(III)-chlorid, Eisen(III)-chloridsulfat und Eisen(III)-sulfat werden auch in Form von Lösungen geliefert. Diesen Lösungen ist meist Salzsäure zugesetzt, die den stechenden Geruch bedingt. Diese sind nicht brennbar.

Aluminiumsulfat-18-Hydrat ist geruchlos und brennt nicht. Natriumaluminat löst sich in Wasser meist unter Trübung. Es ist geruchlos und brennt nicht.

Gefährliche Reaktionen und Zersetzungsprodukte

Die kristallwasserhaltigen Chloride zersetzen sich bereits bei mäßiger Erhitzung unter Abgabe von Chlorwasserstoff, die Sulfate bei starkem Erhitzen unter Abgabe von Schwefeldioxid und Schwefeltrioxid. Natriumaluminat zersetzt sich auch beim starken Erhitzen nicht.

Flockungsmittel werden im Bäderbereich mit Ausnahme von Natriummetaaluminat in Form von Lösungen bezogen. Die Dosierung erfolgt dann in jedem Fall in Form von Lösungen. Die Lösungen der Chloride und Sulfate zeigen die Reaktionen starker Säuren (Salzsäure bzw. Schwefelsäure), also z. B. Korrosion unedler Metalle unter Wasserstoffentwicklung, Natriumaluminat wirkt wie Natronlauge. Darüber hinaus ist im Bereich Wasseraufbereitung mit keinen weiteren gefährlichen Reaktionen zu rechnen.

Gesundheitsgefahren

Alle Flockungsmittel wirken abhängig von der Konzentration mehr oder weniger reizend oder ätzend auf die Haut und die Schleimhäute. Zu beachten ist, dass alkalische Lösungen durch Zerstörung des Fettfilms der Haut eine wesentlich schnellere und intensivere Ätzwirkung haben.

Eine Einwirkung auf die Atemwege ist durch Einatmen von Aerosolen möglich, weniger durch Stäube, da die Feststoffe hygroskopisch (wasseranziehend) sind und wenig zum Stauben neigen und sowieso überwiegend fertige Lösungen zum Einsatz kommen. Auch bei der Einwirkung auf die Atemwege steht die reizende Wirkung im Vordergrund, die Resorption (Aufnahme in den Körper) spielt keine Rolle.

Zubereitungen (in der Regel wässrige Lösungen mit Zusätzen von Säure bzw. Lauge) sind entsprechend ihrem Gefahrenpotential gekennzeichnet, das auf Grund der Verdünnung niedriger sein kann, sich aber z. B. durch Säurezusatz auch erhöhen kann. Daher sind die Sicherheitsdatenblätter der Hersteller bzw. Lieferanten zu beachten!

Arbeitsplatz, -bereich

Anhang 1 der DGUV Regel 107-001 "Betrieb von Bädern" schreibt für Arbeitsbereiche, in denen mit Flockungsmitteln umgegangen wird, keine Arbeitsplatzkennzeichnung vor. Es empfiehlt sich, eine analoge Kennzeichnung wie bei Salzsäure anzubringen. Abhängig von den Angaben im jeweiligen Sicherheitsdatenblatt kann ggf. das Warnschild "Warnung vor ätzenden Stoffen" entfallen.

Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW)

Für die behandelten Flockungsmittel wurde bisher kein eigener AGW festgesetzt. Für Aerosole ist der AGW der in Lösung entstehenden Säure/Lauge (für die Eisenchloride ist dies Salzsäure mit einem Arbeitsplatzgrenzwert 3 mg/m3, für Aluminiumsulfat Schwefelsäure mit einem Arbeitsplatzgrenzwert 0,1 mg/m3 heranzuziehen.

Lagerung

Die Flockungsmittel sind in Originalgebinden an einem für Unbefugte unzugänglichen Bereich zu lagern. Es empfiehlt sich ein Wasseranschluss zum gründlichen Wegspülen von kleinen Leckagemengen.

Maßnahmen bei Auslaufen, Verschütten

Kleine Leckagemengen sind mit viel Wasser in die Kanalisation zu spülen. Größere Mengen sind erst zu neutralisieren (saure Lösungen z. B. mit Natriumbicarbonat oder Calciumcarbonat).

Maßnahmen bei Bränden

Flockungsmittel und ihre Lösungen brennen nicht und unterhalten nicht die Verbrennung. Wenn möglich sind die Behälter aus dem Gefahrenbereich zu bringen (Drucksteigerung mit Berstgefahr beim Erhitzen).

Löschmittel

Abhängig vom Umgebungsbrand.

Entsorgung

Restmengen sind am besten aufzubrauchen, ansonsten sind sie an den Lieferanten zurückzugeben.

Persönliche Schutzausrüstung

Es empfiehlt sich insbesondere bei Arbeiten an Dosiereinrichtungen und Impfleitungen eine analoge Schutzausrüstung wie beim Umgang mit Salzsäure bzw. Natronlauge anzulegen:

  • Gesichtsschutz.

  • Schutzhandschuhe aus Nitrilkautschuk/Nitrillatex (NBR) in einer Stärke von 0,35 mm. Weitere geeignete Handschuhmaterialien sind Butylkautschuk (Butyl), Polychloropren (CR) und PVC jeweils in einer Stärke von 0,5 mm.

  • Stiefel und Kunststoffschürze aus PVC.

Bei Tätigkeiten mit festen Flockungsmitteln ist anstelle des Gesichtsschutzes eine Atemschutzmaske mit Filter P2 zu tragen.

Erste Hilfe

Augen

Auge schnellstmöglich unter Schutz des unverletzten Auges mindestens 10 Minuten unter fließendem Wasser spülen. Anschließend den Verletzten der augenärztliche Behandlung zuführen.

Atmungsorgane

Eine Beeinträchtigung der Atemwege, die Erste-Hilfe-Maßnahmen erfordert, ist in der Regel beim Umgang mit Flockungsmitteln im Bereich der Wasseraufbereitung nicht zu erwarten. Je nach der Reaktion der Lösungen (sauer oder alkalisch) sind ggf. die Erste-Hilfe-Maßnahmen für Salzsäure oder Natronlauge anzuwenden.

Haut

Benetzte Kleidung entfernen. Betroffene Hautpartien mindestens 10 Minuten unter fließendem Wasser spülen. Bei anhaltender Reizung für ärztliche Behandlung sorgen.