DGUV Information 203-051 - Sicherheit und Gesundheitsschutz im Abwasserbereich U...

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Abschnitt 17, Sicherer Umgang mit elektrischen Betriebsmitte...
Abschnitt 17
Sicherheit und Gesundheitsschutz im Abwasserbereich Unterweisungshilfen (bisher: BGI/GUV-I 8653)
Titel: Sicherheit und Gesundheitsschutz im Abwasserbereich Unterweisungshilfen (bisher: BGI/GUV-I 8653)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 203-051
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 17 – Sicherer Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln

Beim Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln in abwassertechnischen Anlagen ist mit erhöhter elektrischer Gefährdung zu rechnen. Beschäftigte müssen die dafür erforderlichen Schutzmaßnahmen kennen und wissen, was beim Umgang mit elektrischen Betriebsmitteln zu beachten ist. Diese Arbeitshilfe gibt Hinweise zu technischen Notwendigkeiten, zur Organisation eines sicheren Arbeitsablaufes und zu Verhaltensmaßnahmen.

Bild 17.1

  Aus Unfallanzeigen:

  • Bei Reparaturarbeiten kam es durch ein schadhaftes Anschlusskabel zum Stromschlag.

  • Der Kollege erlitt einen Stromschlag, als er beim Wiedereinschalten eines Motorschutzschalters mit dem Finger abrutschte und eine stromführende Leitung berührte.

  • Durch einen Stromschlag fiel unser Mitarbeiter von der Leiter herunter. Er war mit dem Schraubenzieher abgerutscht und an die Phase gekommen.

  • Da die Zugentlastung gebrochen war, kam es an der Leitungseinführung in die Maschine zum Kurzschluss.

  Gefährdungen:

  • Gefährdungen durch elektrischen Strom entstehen durch unsachgemäßen Umgang oder mangelnde Instandhaltung:

    • wenn elektrische Betriebsmittel zu stark beansprucht oder nicht ihrem Verwendungszweck entsprechend eingesetzt werden,

    • wenn in der Nähe von oder an aktiven Teilen gearbeitet wird,

    • wenn elektrische Geräte in feuchtem Zustand oder mit nassen Händen, Füßen oder feuchter Kleidung bedient werden,

    • wenn regelmäßige Prüfungen nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden,

    • wenn Gerätegehäuse beschädigt sind,

    • wenn Isolierungen beschädigt sind, z.B. durch Versprödung,

    • wenn Steckvorrichtungen schadhaft sind,

    • wenn Schutzleiter unterbrochen oder vertauscht sind,

    • bei mangelnder Kenntnis sicherheitstechnischer Regeln.

Erhöhte elektrische Gefährdung besteht

  • in Räumen abwassertechnischer Anlagen, die feucht oder nass sind,

  • in engen, gut leitenden Räumen, z.B. in Metallbehältern, Schächten und Kanälen,

  • durch rauhen Bau- und Montagebetrieb,

  • auf Stahlkonstruktionen, z.B. Podeste, Brücken und Stegen.

Unfälle durch elektrischen Strom:

Der elektrische Strom kann beim Menschen zum Unfall führen

  • durch gefährliche Körperdurchströmungen, die Herz- und Kreislaufstörungen verursachen und schon bei Wechselspannungen von mehr als 50 Volt möglich sind,

  • durch Lichtbogeneinwirkung mit Verbrennungsfolgen, z.B. nach Kurzschlüssen,

  • durch Folgewirkungen nach einem Stromschlag, z.B. Absturz von Leitern.

  Schutzziel:

Der Umgang mit elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln ist so zu planen, durchzuführen und zu überwachen, dass Beschäftigte durch elektrischen Strom nicht gefährdet werden.

  Weitere Informationen:

  • Unfallverhütungsvorschrift "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel" (BGV/GUV-V A3)

  • Regel "Sicherheitsregeln für Arbeiten in umschlossenen Räumen von abwassertechnischen Anlagen (BGR/GUV-R 126)

  • Information "Einsatz von Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung" (BGI 594)

  • Information "Auswahl und Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbereichen" (BGI 600)

  • Information "Auswahl und Betrieb elektrischer Anlagen und Betriebsmittel auf Bau und Montagestellen" (BGI 608)

  • Information "Auswahl und Betrieb von Ersatzstromerzeugern auf Bau- und Montagestellen" (BGI 867)

  • "Elektrische Gefährdungen" (TRBS 2131)

  Organisatorische Maßnahmen

Arbeiten an oder in der Nähe von aktiven Teilen:

  • Wird an oder in der Nähe von elektrischen Anlagen gearbeitet, muss der spannungsfreie Zustand hergestellt werden.

  • Betroffene Anlagenteile müssen durch die dafür verantwortliche Elektrofachkraft festgelegt und die Beschäftigten auf den zulässigen Arbeitsbereich hingewiesen werden.

  • Dazu gehört die Kennzeichnung des Arbeitsbereiches (Bild 17.2) und falls erforderlich auch des Weges in diesen Bereich.

  • Elektrische Anlagen müssen grundsätzlich vor Beginn der Arbeiten durch Elektrofachkräfte nach folgenden Regeln spannungsfrei gemacht werden:

    1. 1.

      Freischalten

    2. 2.

      Gegen Wiedereinschalten sichern

    3. 3.

      Spannungsfreiheit feststellen

    4. 4.

      Erden und Kurzschließen

    5. 5.

      Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Bild 17.2

Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel bei erhöhter elektrischer Gefährdung:

Hinweis:

  • Für die Auswahl der Schutzmaßnahmen zum Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel gibt in Abhängigkeit des Arbeitsbereiches die Information "Einsatz von Betriebsmitteln bei erhöhter elektrischer Gefährdung" (BGI 594) Hilfestellung:

    • für Arbeiten in engen, gut leitfähigen Räumen gilt Abschnitt 3.2.1 der BGI 594.

    • für Arbeiten in sonstigen umschlossenen Räumen, die feucht oder nass sind, gilt Abschnitt 3.2.2 der BGI 594.

  • Siehe auch Film "Elektrische Betriebsmittel - Erhöhte Gefährdung beim Einsatz im Rohrgraben und im Schacht" der BG Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (auf beiliegender DVD).

Speisepunkte:

  • Verlängerungsleitungen für Bau- und Montagearbeiten dürfen nur dann in ortsfeste elektrische Anlagen eingesteckt werden, wenn

    • der Stromkreis mit einem Fehlerstromschutzschalter ausgestattet ist oder

    • eine ortsveränderliche Schutzeinrichtung (Fehlerstromschutz) in die Leitung vor dem Verbraucher geschaltet ist.

  • Speisepunkte für Bau- und Montagearbeiten sind z.B. auch Baustromverteiler, Ersatzstromerzeuger, Trenntransformatoren oder Schutzverteiler (Bild 17.1).

Bild 17.1

Bild 17.3

  Organisatorische Maßnahmen

Elektrische Betriebsmittel für Instandhaltung, Bau und Montage richtig auswählen:

Hinweis:

Hilfestellung für die Auswahl elektrische Betriebsmittel gibt auch die Information "Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Auswahl und Betrieb ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbereichen" (BGI 600).

Leitungen:

  • Flexible Leitungen müssen Gummischlauchleitungen vom Typ H07RN-F oder mindestens gleichwertiger Bauart sein.

  • Mit PVC-Material isolierte Leitungen sind nicht zulässig.

Leitungsroller:

  • Ausführung in der Schutzart IP 54.

  • Eignung für rauhen Betrieb   .

  • Ausstattung mit Thermoschutz. Der Thermoschutz verhindert, dass sich die aufgerollte Leitung beim Betrieb überhitzt (Bild 17.4).

  • Kategorie K2, vorzugsweise schutzisoliert.

Prüfungen:

  • Elektrische Anlagen und Betriebsmittel müssen regelmäßig auf ordnungsgemäßen Zustand geprüft werden.

  • Prüfungen sind zu dokumentieren, um die Durchführung nach einem Elektrounfall nachweisen zu können.

  • In der Praxis hat sich die Kennzeichnung geprüfter Anlagen und Betriebsmittel mit Prüfplaketten oder Banderolen bewährt.

Bild 17.4

Richtwerte für Prüffristen nach den DA der BGV/GUV-V A3 § 5

Mindestens... prüfen auf sicheren Zustand...Durch Elektrofachkraft***Durch unterwiesene Person*Durch jeden Beschäftigten**
arbeitstäglichin nichtstationären Anlagen die Funktion durch Betätigen der Prüfeinrichtungjajaja
einmal im Monatin nichtstationären Anlagen die Wirksamkeit der FI-Schutzeinrichtung, z.B. auf Bau- und Montagestellenjajanein
alle sechs Monatein stationären Anlagen die Funktion der FI-Schutzschalter durch Betätigen der Prüfeinrichtungjajaja
alle zwölf MonateOrtsveränderliche elektrische Betriebsmitteljajanein
 Anschlussleitungen mit Steckernjajanein
 Verlängerungs- und Geräteanschlussleitungen mit ihren Steckvorrichtungenjajanein
alle vier JahreElektrische Anlagenjaneinnein
 Ortsfeste elektrische Betriebsmittel, z.B. Pumpen, Maschinenjaneinnein

1Nur bei Verwendung von Prüfgeräten, die von unterwiesenen Personen bedient werden dürfen.

2Der Beschäftigter muss die Bedeutung der Prüfung kennen und wissen, wen er bei Versagen des FI-Schutzschalters sofort zu unterrichten hat.

3Nach der Betriebssicherheitsverordnung müssen diese Prüfungen durch befähigte Personen durchgeführt werden TRBS 1203 Teil 3.

  Verhaltensregeln zur Vermeidung von Elektrounfällen

Verhaltensregeln für elektrotechnisch nicht unterwiesene Personen:

  • Vor der Benutzung elektrischer Anlagen oder Betriebsmittel auf deren einwandfreien Zustand achten.

  • Schutzabdeckungen und Zugänge an elektrischen Betriebsmitteln nicht öffnen.

  • Auf Kennzeichnungen oder Absperrungen achten, die vor einer Berührung mit unter Spannung stehenden Leitungen oder Teilen warnen oder schützen sollen.

  • Arbeiten in gefährlicher Nähe elektrischer Anlagen nur nach Arbeitsanweisung oder Anweisung einer verantwortlichen Elektrofachkraft durchführen.

  • Nur die für den Arbeitszweck bestimmten Schalter und Stelleinrichtungen betätigen. Keine Einstellungen an Sicherheitseinrichtungen verändern.

  • Grundsätzlich keine nassen elektrischen Anlagen oder Betriebsmittel benutzen, auch nicht mit nassen Händen oder Füßen.

  • Bei Elektrounfall sofort Spannung abschalten oder Stecker ziehen. Unter Spannung stehende Personen nicht berühren.

  • Schäden oder Auffälligkeiten an elektrischen Anlagen oder Betriebsmitteln sofort melden.

  • Reparaturen nur durch Elektrofachkraft durchführen.

  • Bei Benutzung elektrischer Betriebsmittel in umschlossenen Räumen abwassertechnischer Anlagen kann eine erhöhte Gefährdung durch elektrischen Strom bestehen. Auf Bau- und Montagestellen werden elektrische Betriebsmittel besonders beansprucht. Die in den Arbeitsanweisungen für diese Fälle festgelegten Schutzmaßnahmen unbedingt beachten.

Verhaltensregeln für elektrotechnisch unterwiesene Personen:

  • Zusätzlich erlaubte Arbeiten an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln sind nach Unterweisung beschränkt auf das

    • Auswechseln von Glühlampen und Leuchtstofflampen einschließlich deren Starter,

    • Rückstellen von Bimetallrelais, Sicherungsautomaten und Fehlerstromschutzschaltern, nach Ausfall jeweils nur einmal,

    • Auswechseln von Sicherungen, jeweils nur einmal,

    • Abklemmen von Motoren durch Schlossermonteure, sofern eingewiesen.

Kurzzeichen und Symbole auf elektrischen Betriebsmitteln

Die ortsveränderlichen Betriebsmittel sind eindeutig gekennzeichnet. Die Kennzeichnungen dienen dem Schutz von Personen bei Verwendung der Betriebsmittel in verschiedenen Einsatzbereichen.

Für die Benutzung von Betriebsmitteln sind mindestens Geräte der Kategorie auszuwählen, die die Bedingungen für den jeweiligen Einsatzbereich erfüllen.

Kurzzeichen und Symbole auf elektrischen Betriebsmitteln

  GS-Prüfzeichen Berufsgenossenschaftliche Prüfstelle: Fachausschuss "Elektrotechnik"  Druckwasserdicht (mit Angabe der maximalen Eintauchtiefe)
  Staubgeschützt
    Staubdicht
  Für rauen Betrieb
  EG-Konformitätszeichen (CE-Zeichen)  Schutzleiteranschluss
  Kennzeichen der Prüfstelle Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE)  Leuchte für Entladungslampen zur direkten Montage auf oder an normal oder leichtentflammbaren Baustoffen
  VDE-Harmonisierungskennzeichen für Kabel und Leitungen  Nicht zur direkten Montage auf oder an normal entflammbaren Oberflächen geeignete Leuchte (nur zur Montage auf nicht entflammbaren Oberflächen geeignet)
  Gefährliche elektrische Spannung  Montage in oder auf normal entflammbaren Oberflächen geeignete Leuchte, falls Wärmedämm-Material die Leuchte umhüllt
  Schutzisoliert (Schutzklasse II)  Explosionsgeschütze, baumustergeprüfte Betriebsmittel
  Schutzkleinspannung (Schutzklasse III)  Gleichstrom
  Sicherheitstransformator (Schutzklasse III)  Wechselstrom
  Trenntransformator  Mischstrom
  Tropfwassergeschützt  FI-Schutzschalter löst sowohl bei Wechsel- als auch bei pulsierenden Gleichfehlerströmen aus
  Sprühwassergeschützt (Regenwassergeschützt)  FI-Schutzschalter zum Einsatz bei tiefen Temperaturen
  SpritzwassergeschütztVVolt (Spannung)
  StrahlwassergeschütztAAmpere (Stromstärke)
  WasserdichtWWatt (Leistung)
kWKilowatt (Leistung)
HzHertz (Frequenz)

Tabelle aus der Information "Auswahl und Betrieb Ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbereichen" (BGI 600).

Kriterien zur Klassifizierung von ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmitteln nach Einsatzbereichen

Kennzeichnung für AnwendungskategorieBeispiele für EinsatzbereicheNutzungsmerkmaleUmgebungsbedingungen
K1Industrie/Gewerbe/Landwirtschaft:
gewerbliche Hauswirtschaft, Hotels, Küchen, Wäschereien, Montagebänder-Serienfertigung, Laboratorien, Montage, Schlossereien, Werkzeugbau, Maschinenfabriken, Automobilbau, Innenausbau, Fahrzeuginstandhaltung, Fertigungsstätten, Kunststoffverarbeitung
Nutzung in Innenräumen, mit Einschränkungen im Freienmechanische Beanspruchung:
Normal
Feuchtigkeit:
trocken bis feucht
Staub:
Normal
Öle, Säuren, Laugen:
gering
K2Räume und Anlagen
besonderer Art, Landwirtschaft, Stahlbau, Baustellen, Gießereien, Großmontage, Tagebau, chemische Industrie, Arbeiten unter erhöhter elektrischer Gefährdung
Nutzung in Innenräumen und im Freienmechanische Beanspruchung:
Hoch
Feuchtigkeit:
nass
Staub:
hoch, auch leitfähig
Öle, Säuren, Laugen:
mittel bis hoch

Tabelle aus der Information "Auswahl und Betrieb Ortsveränderlicher elektrischer Betriebsmittel nach Einsatzbereichen" (BGI 600).

Anmerkung:

Diese Tabelle basiert auf der "Einteilung des Normenausschuss "Maschinen" in Gerätetypen nach Konstruktionsprinzipien".