DGUV Information 212-016 - Warnkleidung (bisher: BGI/GUV-I 8591)

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Abschnitt 4.3, Grundsätzliche Festlegungen für die Ausführun...
Abschnitt 4.3
Warnkleidung (bisher: BGI/GUV-I 8591)
Titel: Warnkleidung (bisher: BGI/GUV-I 8591)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 212-016
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 4.3 – Grundsätzliche Festlegungen für die Ausführung von Warnkleidung

Warnkleidung wird je nach Mindestfläche an fluoreszierendem sowie retroreflektierendem Material in drei Klassen eingeteilt, wobei Klasse 3 die beste Sichtbarkeit bietet.

Die fluoreszierenden Materialien werden für die Tagesauffälligkeit eingesetzt, die retroreflektierenden Materialien dienen der Nachtauffälligkeit.

Die Flächen werden an der kleinsten verfügbaren Kleidergröße gemessen. Bei der Kombination von Warnkleidungsstücken kann durch Addition der entsprechenden Kleidungsklassen nicht automatisch eine höhere Klasse erreicht werden, da sowohl die sichtbaren Mindestflächen des Hintergrundmaterials als auch des retroreflektierenden Materials ausschlaggebend sind.

Tabelle 1:
Mindestflächen des sichtbaren Materials in m2(siehe Tab. 1 der DIN EN 471)

MaterialKleidung
Klasse 3
Kleidung
Klasse 2
Kleidung
Klasse 1
Fluoreszierendes Hintergrundmaterial0,800,500,14
Retroreflektierendes Material0,200,130,10
Material mit kombinierten Eigenschaften--0,20

Für das Hintergrundmaterial sieht die DIN EN 471 die Farben fluoreszierend gelb, fluoreszierend orange-rot und fluoreszierend rot vor. In Deutschland sind die Farben fluoreszierend gelb und fluoreszierend orange-rot nach Verwaltungsvorschrift zu § 35 Abs. 6 Straßenverkehrsordnung (StVO) zulässig.

Die Unfallversicherungsträger legen in der jeweils erlassenen Unfallverhütungsvorschrift "Fahrzeuge" (BGV/GUV-V D29) die Hintergrundfarben für Arbeiten ihrer Versicherten im Straßenverkehrsbereich fest.

Sind nach den Vorschriften mehrere Hintergrundfarben zulässig, so ist im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung, in der auch die Umgebungsbedingungen zu bedenken sind, zu prüfen, welche der zulässigen Hintergrundfarben eine bessere Erkennbarkeit ermöglicht.

Abbildung 2: Erkennbarkeit einer Person mit Warnweste in fluoreszierend gelb oder fluoreszierend orange-rot an einer Straße mit Bäumen oder vor einem blühenden Rapsfeld

Eine Person mit einer Warnweste in fluoreszierend gelb ist in bewaldeten Umgebungen oder z.B. vor einem Rapsfeld weniger gut erkennbar, als eine Person mit Warnweste in fluoreszierend rot-orange (Abbildung 2).

Für Arbeiten in Gleisanlagen werden Regelungen zur Warnkleidung in den Unfallverhütungsvorschriften BGV D30 "Schienenbahnen", GUV-V D30.1 "Eisenbahnen" und BGV/GUV-V D33 "Arbeiten im Bereich von Gleisen" getroffen.

Abbildung 3: Nachtauffälligkeit durch Reflexstreifen

Nach DIN EN 471, Tabelle 4 müssen außerdem retroreflektierende Streifen aus Reflexmaterial Stufe 2 angebracht sein. Die Reflexstreifen müssen mind. 50 mm breit sein und bei zwei horizontalen Reflexstreifen müssen diese mind. 50 mm voneinander entfernt sein.

In der Dunkelheit und bei schlechten Sichtverhältnissen werfen die retroreflektierenden Streifen auf der Warnkleidung das Licht von Scheinwerfern zurück und sorgen dafür, dass Personen, die sich im Verkehrsbereich aufhalten, von anderen Verkehrsteilnehmern rechtzeitig gesehen werden können. Für Arbeiten in Dunkelheit ist Warnkleidung Klasse 3 zu verwenden, wobei die zusätzlich verfügbare Fläche an Reflexstoffen die menschliche Gestalt (Kontur) betonen soll.

Nach der DIN EN 471 sind sowohl die fluoreszierenden als auch die retroreflektierenden Materialien so auf dem Kleidungsstück verteilt, dass eine Rundumsichtbarkeit der Person in möglichst allen Körperhaltungen und Positionen erreicht wird.

Abbildung 4: Tagsichtbarkeit

Abbildung 5: Nachtauffälligkeit

So verbessert die Kombination von waagerechten und senkrechten Reflexstreifen auf Westen und Jacken die Erkennbarkeit. Sind die waagerechten Reflexstreifen beispielsweise bei gebückter Haltung verdeckt, wäre die Person ohne zusätzliche vertikal angeordnete Reflexstreifen (sogenannte Schulterbänder) bei Dunkelheit nicht mehr sichtbar.

Abbildung 6: gebückte Arbeitshaltung und dabei sichtbare Schulterstreifen

Neben der horizontalen Anordnung können die Reflexstreifen auch mit einer Neigung von maximal 20 zur Waagerechten aufgebracht sein.

Wenn die Warnkleidung nach DIN EN 471 gefertigt wurde, sind die Leistungsanforderungen an das fluoreszierende Hintergrundmaterial, das retroreflektierende Material sowie an die Mindestflächen und die Anordnungen dieser Materialien erfüllt.

Die Warnkleidung darf nicht durch das nachträgliche Anbringen von Firmenlogos, Applikationen oder durch andere Veränderungen umgestaltet werden, wenn damit die Mindestflächen von Hintergrund- und Reflexmaterial nach DIN EN 471 unterschritten werden.