DGUV Information 213-030 - Gefahrstoffe auf Bauhöfen im öffentlichen Dienst (bis...

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Abschnitt 1.1, 1 Allgemeines 1.1 Gefahrstoffe
Abschnitt 1.1
Gefahrstoffe auf Bauhöfen im öffentlichen Dienst (bisher: BGI/GUV-I 8561)
Titel: Gefahrstoffe auf Bauhöfen im öffentlichen Dienst (bisher: BGI/GUV-I 8561)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-030
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.1 – 1 Allgemeines

1.1 Gefahrstoffe

Was sind Gefahrstoffe?

Gefahrstoffe sind Stoffe (Reinstoffe), Zubereitungen (Gemische, Gemenge oder Lösungen von Stoffen) oder Erzeugnisse (z.B. Spanplatten), denen eine oder mehrere der nachfolgenden Eigenschaften (Gefährlichkeitsmerkmale) zugeordnet werden:

  1. 1.

    explosionsgefährlich/explosionsfähig,

  2. 2.

    brandfördernd,

  3. 3.

    hochentzündlich,

  4. 4.

    leichtentzündlich,

  5. 5.

    entzündlich,

  6. 6.

    sehr giftig,

  7. 7.

    giftig,

  8. 8.

    gesundheitsschädlich,

  9. 9.

    ätzend,

  10. 10.

    reizend,

  11. 11.

    sensibilisierend,

  12. 12.

    krebserzeugend,

  13. 13.

    fortpflanzungsgefährdend,

  14. 14.

    erbgutverändernd,

  15. 15.

    umweltgefährlich.

Außerdem ist ein Stoff ein Gefahrstoff, wenn er bei Tätigkeiten entsteht oder freigesetzt wird bzw. wenn er besondere Eigenschaften besitzt, die sich von den o.g. Gefährlichkeitsmerkmalen unterscheiden. So sind Dieselmotoremissionen, Holzstaub oder Schweißrauche Gefahrstoffe, die bei der Tätigkeit entstehen. Tätigkeiten mit wässrigen Arbeitsstoffen (z.B. Reinigungsarbeiten) oder das Tragen von flüssigkeitsdichten Handschuhen stellen als Feuchtarbeit eine Gefahr dar, der kein Gefährlichkeitsmerkmal zugeordnet werden kann. Eine besondere Eigenschaft ist auch die narkotische Wirkung von Lösemitteln.

Sonstige Stoffe, wie Abfälle zur Beseitigung und Altöle, können gefährliche Eigenschaften haben. Zu den Gefahrstoffen gehören auch Bestandteile von Pflanzen und Tieren, wenn sie gefährliche Eigenschaften aufweisen (z.B. sind sensibilisierend der Riesenbärenklau oder der Eichenprozessionsspinner bei Berührung mit der Haut).

Informationsquellen für Gefahrstoffe

Gefahrstoffe erkennt man in der Regel an der Kennzeichnung auf den Gebinden. Doch auch Produkte, die nicht gekennzeichnet sind, können Gefahrstoffe enthalten, da unterhalb bestimmter Konzentrationsgrenzen die Kennzeichnungspflicht entfällt. Bei diesen Produkten sind erforderlichenfalls Informationen vom Hersteller, Vertreiber oder von Fachleuten einzuholen.

Informationen zu Gefahrstoffen enthalten die Sicherheitsdatenblätter, die der Hersteller oder Vertreiber zur Verfügung zu stellen hat. Bei fehlenden Sicherheitsdatenblättern sind diese beim Hersteller oder Vertreiber anzufordern. In den Fällen, in denen kein Sicherheitsdatenblatt zur Verfügung gestellt werden muss (z.B. wenn das Produkt selbst kein Gefahrstoff ist), muss der Inverkehrbringer dem Anwender die Informationen zur Verfügung stellen, die er für eine Gefährdungsbeurteilung benötigt.

Weitere Informationsquellen zu Gefahrstoffen sind im Anhang 1 "Literatur" aufgeführt.

Kennzeichnung

Gefahrstoffe müssen entsprechend der Gefahrstoffverordnung vom Hersteller gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnung (Gefahrstoffetikett) muss folgende Angaben enthalten:

  1. 1.

    Die chemische Bezeichnung des Stoffes oder der in der Zubereitung enthaltenen Stoffe.

  2. 2.

    Bei Zubereitungen ggf. Handelsname oder -bezeichnung.

  3. 3.

    Die Gefahrensymbole mit den zugehörigen Gefahrenbezeichnungen.

  4. 4.

    Die Hinweise auf die besonderen Gefahren (R-Sätze).

  5. 5.

    Die Sicherheitsratschläge (S-Sätze).

  6. 6.

    Name, Anschrift und Telefonnummer des Herstellers oder Vertreibers.

Beim Umfüllen in kleinere Behälter muss die Kennzeichnung übernommen werden. Die Kennzeichnung alter Gebinde muss auf dem aktuellen Stand gehalten werden.

Neues Einstufungs- und Kennzeichnungssystem

Im Januar 2009 wurde in Europa ein neues Einstufungs- und Kennzeichnungssystem eingeführt, das dem Global Harmonisierten System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) der Vereinten Nationen (UN) Rechnung trägt und deren Ziel es ist, weltweit nahezu einheitliche Einstufungs- und Kennzeichnungskriterien für Chemikalien einzuführen und damit den Chemikalienhandel zu erleichtern. Die europäische Vorschrift, auch CLP-Verordnung genannt (Classification, Labelling, Packaging of Substances and Mixtures), sieht lange Übergangszeiten vor, so dass es wahrscheinlich ist, dass in den nächsten Jahren im Handel Gebinde mit Gefahrstoffen kursieren, die noch den alten Kennzeichnungen entsprechen bzw. bereits die neuen "GHS"-Kennzeichnungselemente enthalten.

Reine Stoffe dürfen seit dem 1.12.2010 nur noch nach dem neuen Einstufungs- und Kennzeichnungssystem in den Handel gebracht werden. Im Sicherheitsdatenblatt ist allerdings zusätzlich zur neuen Einstufung und Kennzeichnung auch noch die nach den bisherigen Vorschriften enthalten. Für Gemische (bisher "Zubereitungen" genannt) gilt eine Übergangsfrist bis zum 1.6.2015.

Folgende neue Kennzeichnungselemente werden eingeführt:

  • Die gefährlichen Eigenschaften, Gefährlichkeitsmerkmale genannt, heißen nun Gefahrenklassen.

  • Abhängig von der Schwere der Gefahr, unterteilt man eine jede Gefahrenklasse in mehrere Gefahrenkategorien.

  • Die orangefarbenen quadratischen "Gefahrensymbole" werden durch "Gefahrenpiktogramme" ersetzt, die ein schwarzes Symbol in einem auf der Spitze stehenden weißen Quadrat mit rotem Rand enthalten. Dabei werden auch neue Symbole eingeführt: Für das bislang verwendete "Andreaskreuz" steht z.B. nun ein "Ausrufezeichen". Für die chronisch-toxischen Eigenschaften wird das Piktogramm "Gesundheitsgefahr" eingeführt und für Gase unter Druck steht das Piktogramm "Gasflasche".

  • Je nach Höhe der Gefährdung wird zusätzlich noch ein Signalwort vergeben: Für die höheren Gefahrenkategorien wird "Gefahr" verwendet, für die geringeren Gefahren "Achtung".

  • Die bisher bekannten R-Sätze (Gefahrenhinweise) und S-Sätze (Sicherheitsratschläge) werden ersetzt durch H-Sätze (Hazard Statements) und P-Sätze (Precautionary Statements).

Da zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Information noch keine neue Herstellerkennzeichnungen für die im Bauhof verwendeten Chemikalien vorlagen, werden im fachlichen Teil noch die Einstufungen und Kennzeichnungen nach dem bisherigen Gefahrstoffrecht verwendet. In Anhang 2 ist eine allgemeine Gegenüberstellung der alten und neuen Kennzeichnung dargestellt, in Anhang 3 ist der Aufbau der H- und P-Sätze erklärt.