DGUV Information 215-613 - Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Betrieb (b...

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Abschnitt 5.10, Banknotenautomaten mit biometrischen Erkennu...
Abschnitt 5.10
Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Betrieb (bisher: BGI/GUV-I 819-3)
Titel: Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Betrieb (bisher: BGI/GUV-I 819-3)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-613
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 5.10 – Banknotenautomaten mit biometrischen Erkennungssystemen - PLUS-Lösung

Bei diesen Geschäftsstellen dürfen Auszahlungen durch einen Versicherten allein nicht möglich sein. Zur Einleitung einer Auszahlung gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Ein Versicherter und ein berechtigter Kunde wirken zusammen.

    In diesen Geschäftsstellen kann ein Versicherter zusammen mit einem Kunden Auszahlungen vorbereiten, wenn

    • zur Auszahlung an einen Kunden eine von ihm mitgebrachte, personenbezogene Bankkarte vom System benötigt wird,

      oder

    • mit Hilfe einer technischen (z.B. biometrischen) Einrichtung sichergestellt wird, dass zur Vorbereitung einer Auszahlung ein Versicherter und ein Kunde anwesend sind. Bei der Vorbereitung der Auszahlung müssen sich Kunde und Versicherter im gleichen Raum aufhalten und die Auszahlung vom Kunden, für einen Außenstehenden deutlich erkennbar und nachvollziehbar, am KBA ausgelöst wird und der Kunde das Bargeld entnimmt.

  • Zwei Versicherte wirken zusammen.

    In diesen Geschäftsstellen wird durch ein biometrisches Erkennungssystem sichergestellt, dass

    • zwei Versicherte zur Vorbereitung einer Auszahlung im gleichen Raum anwesend sind,

    • die Versicherten sich während des gesamten Auszahlungsvorganges sehen und miteinander sprechen können sowie die Umgebung des Auszahlungsgerätes überblicken können.

Die ständige Anwesenheit von mindestens zwei Versicherten mit Blickkontakt ist in einer PLUS-Stelle nicht erforderlich.

Die PLUS-Lösung beinhaltet, dass alle Wertbehältnisse (z.B. Banknotenautomaten, Zeitverschlussbehältnisse, Wertschutzschränke) in das biometrische System integriert sind. Eine Öffnung der Wertbehältnisse ist somit nur durch zwei Versicherte zeitverzögert möglich.

Mit der PLUS-Lösung können alle anfallenden Bargeldgeschäfte durchgeführt werden. Diese Anforderungen gelten auch bei der Verwendung von White-Cards.

Bei der Verwendung von White-Cards ist sicherzustellen, dass entweder

  • die Zuordnung eines Auszahlungsbetrages zu einer White-Card

    oder

  • die Bereitstellung einer White-Card aus einem Kartenspender (Dispenser)

durch zwei Berechtigte biometrisch abgesichert erfolgt.

Mit der Anforderung einer White-Card aus einem Dispenser bzw. der Zuordnung eines Auszahlungsbetrages zur White-Card sollen die Versicherten im Bedrohungsfall einen in den Bedienvorgang integrierten Alarm auslösen können.

Die Neuaufnahme biometrischer Daten der Versicherten erfolgt durch den Systemverantwortlichen. Dieser darf nicht regelmäßig in der Geschäftsstelle anwesend sein.

Die Neuaufnahme biometrischer Kundendaten erfolgt durch die Versicherten vor Ort. Kunden sind darauf hinzuweisen, dass diese Daten erst nach 24 Stunden (alternativ Datumswechsel plus acht Stunden) zu einer Auszahlung verwendet werden können. Werden Versicherte und Kunden zur Vorbereitung einer Auszahlung über das biometrische System nur verifiziert, sind zwei biometrische Scanner erforderlich, die nicht gleichzeitig von einer Person benutzt werden können.

Alle Behältnisse, in denen sich Banknoten befinden, dürfen nur durch zwei Versicherte geöffnet werden können, nachdem diese sich an einem biometrischen System angemeldet haben. Dies gilt auch für Auszahlungen durch Versicherte aus Banknotenautomaten.

Art der Sicherunggriffbereite Höchstbeträge pro Arbeitsplatz zu § 32 (1)Sperrzeiten zu § 32 (2)
PLUS-Stelle mit zwei Versichertenfür Euro-Noten nicht zulässigAuszahlung aus KBA, wenn das biometrische System erkennt, ob die Auszahlung durch 2 Beschäftigte eingeleitet wurde: Bis max. € 5.000 innerhalb von 30 Sekunden über € 5.000 bis max. € 10.000 innerhalb von 2 Minuten, jedoch nicht vor 30 Sekunden über € 10.000 bis max. € 25.000 nach 5 Minuten sonst € 5.000 innerhalb von 30 Sekunden Auszahlungen von max. € 5.000, innerhalb von 2 Minuten Auszahlungen von max. € 10.000
für Sorten nicht zulässigSorten 30 Sekunden
Nebenbestände bei der PLUS-Stelle mit zwei Versicherten bis € 2.500 nach 30 Sekunden bzw. bis € 10.000 nach 2 Minuten
Für 100 Euro-, 200 Euro- und 500-Euro-Noten, wenn diese nicht im KBA verfügbar sind und eine Alarmauslösemöglichkeit in den Öffnungsvorgang integriert ist.
Zusätzlich können registrierte Banknoten im Nebenbestand sinnvoll sein. Diese zählen bis zu einem Betrag von € 2.000 nicht zum zulässigen Banknotenbestand.
Darüber hinaus sind beliebige Stückelungen sowie Beträge über € 10.000 nur nach 5 Minuten zulässig.
PLUS-Stelle mit einem Versicherten zusammen mit einem Kundenfür Euro-Noten nicht zulässigAuszahlung aus KBA
Grundsätzlich € 5.000 pro Tag und Kunde innerhalb von 30 Sekunden Auszahlungen von max. € 5.000, innerhalb von 2 Minuten Auszahlungen von max. € 10.000
 für Sorten nicht zulässigSorten 30 Sekunden
Nebenbestände bei der PLUS-Stelle mit einem Versicherten zusammen mit einem Kunden Nur möglich bei vorbereiteten Beträgen in einem für diesen Kunden und diese Auszahlung reserviertem Fach am Servicearbeitsplatz nach 5 Minuten.
Hintergrundbestände mit zwei Versicherten Zugang nur durch zwei Versicherte nach biometrischer Identifikation oder Verifikation zusätzlich zu den Festlegungen entsprechend Abschnitt 4.13.

Sind weitere Geldbestände (Hintergrundbestände) in der Geschäftsstelle vorhanden, sind diese so zu sichern, dass von ihnen kein Anreiz zu einem Überfall ausgeht. Es ist daher erforderlich, geeignete Maßnahmen zur Reduzierung des Anreizes durchzuführen.

Dies kann z.B. erreicht werden durch

  • einen Zeitverschluss von mindestens fünf Minuten,

  • Reduzierung der Bestände,

  • institutsinterne Sicherungsbereiche,

  • Ortungs- und Einfärbesysteme.

Art und Umfang der Maßnahmen sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzulegen und zu dokumentieren.

In PLUS-Stellen können Auszahlungen an Kunden, die keine personenbezogene Bankkarte haben oder biometrisch nicht erfasst sind, nur vorbereitet werden, wenn sich mindestens zwei Versicherte mit Blickkontakt während der Vorbereitung einer Auszahlung in der Geschäftsstelle befinden.

Bei einem Überfall sollte der Bediener die besondere Funktionsweise des Geschäftsstellenkonzepts erklären und die notwendigen Handlungen kommentieren können. Dadurch können Fehlinterpretationen durch den Täter, z.B. wenn der zweite Versicherte gerufen wird, vermieden werden.

Es ist darauf zu achten, dass auf die besondere Funktionsweise dieser Kassensicherung mit geeigneten Hinweisschildern, z.B.

AUTOMATENGESICHERT

Barauszahlungen durch einen Mitarbeiter allein nicht möglich.

gut sichtbar am Eingang, an den Bedienerplätzen und an den Geräten hingewiesen wird. Anstelle des verbalen Hinweises können auch geeignete Piktogramme verwendet werden.