DGUV Information 215-612 - Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderun...

Online-Shop für Schriften

Jetzt bei uns im Shop bestellen

Jetzt bestellen
Abschnitt 9.4, Mitarbeiterbesetzte Geschäftsstellen mit Kund...
Abschnitt 9.4
Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderungen an die sicherheitstechnische Ausrüstung von Geschäftsstellen i.V.m. §§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz (bisher: BGI/GUV-I 819-2)
Titel: Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderungen an die sicherheitstechnische Ausrüstung von Geschäftsstellen i.V.m. §§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz (bisher: BGI/GUV-I 819-2)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-612
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 9.4 – Mitarbeiterbesetzte Geschäftsstellen mit Kundenbedienten Banknotenautomaten (KBA-Stelle)

Bei diesem Kassenkonzept handelt es sich um Geschäftsstellen mit Beratern ohne griffbereiten Banknotenbestand. Dies ermöglicht, dass Versicherte auch in Einpersonenstellen ohne mechanische Abtrennungen Geldbeträge zur Auszahlung aus einem KBA vorbereiten können.

9.4.1
Anforderungen

Bei der sicherheitstechnischen Ausrüstung der Geschäftstelle sind die nachfolgenden Anforderungen einzuhalten:

  • System zur Identifizierung/Verifizierung von Kunden z.B. mit PIN oder Bankkarte bei Auszahlung ist erforderlich.

  • Eine Auszahlung von einem neuen Konto darf erst nach 24 Stunden (alternativ Datumswechsel plus 8 Stunden) möglich sein.

  • Systembedingt ist sicherzustellen, dass Versicherte Abhebungen über das Limit eines Banknotenautomaten hinaus freigeben oder Auszahlungen z.B. von einem Sparbuch vorbereiten, eine Auszahlung aber nicht aktivieren können.

  • Banknotenautomaten sind so aufzustellen, dass ein außenstehender Beobachter erkennen kann, dass der Kunde die Auszahlung einleitet.

  • Es ist z.B. ein Depositsystem zur Verwahrung von angenommenen Banknoten vorzusehen.

  • Es ist technisch sicherzustellen, dass regelmäßig anwesende Versicherte keinen Zugriff auf Banknoten haben. Sie dürfen Banknoten der vorhanden Ein- und Auszahlungsgeräte weder ver- noch entsorgen können.

  • Es ist technisch sicherzustellen, dass mit der Vorbereitung eines Auszahlungsvorgangs, z.B. über die Terminaltastatur, als auch der Einleitung der Öffnung des Hauptverschlusses der Banknotenautomaten (KBA), z.B. über Elektronikschlösser, eine in den jeweiligen Bedienvorgang integrierte Alarmauslösung durch Versicherte möglich ist.

  • An Eingängen, an Banknotenautomaten und an den Arbeitsplätzen der Versicherten ist durch Hinweisschilder/Piktogramme gut sichtbar darauf hinzuweisen, dass Versicherte keinen Zugriff auf Banknoten haben.

  • Die Karten der anwesenden Versicherten sind z.B. über eine Negativ-Liste zu sperren, um die Erpressung einer erhöhten Auszahlung über den Kundenbedienten Banknotenautomaten ohne PIN mit der Karte des Versicherten zu verhindern. Die Funktionalität der Karte mit PIN-Eingabe ist dadurch nicht berührt.

9.4.2
Möblierung

Für diese Stellen ist eine barriereartige Abtrennung zwischen den Bedienerplätzen und den Kundenbereichen nicht erforderlich. Die Aufstellung der Banknotenautomaten und der Übergabedepots soll so erfolgen, dass die Ausgabe von Banknoten zum Kunden hin erfolgt. Bei der Verwendung von eventuell erforderlichen Kartenlesern sind diese so zu installieren, dass zu erkennen ist, dass zwei berechtigte Personen zur Aktivierung einer Auszahlung erforderlich sind.

Es empfiehlt sich, die Automaten so aufzustellen, dass die Ver- und Entsorgung in einem abgeschlossenen und nicht einsehbaren Nebenraum erfolgt. Diese Aufstellung erlaubt die Öffnung des Wertebereichs, ohne den Kundeneingang verschließen zu müssen. Außerdem wird der Diebstahl der Automaten erschwert, wenn der Automat in einer festen Wand eingebaut ist.

Siehe auch § 34 der Unfallverhütungsvorschrift "Kassen".

Bild 19: Geschäftsstelle mit Kundenbedienten Banknotenautomaten und Kartenlesern

9.4.3
Auszahlungsbeträge und Sperrzeiten

Da in öffentlich zugänglichen Bereichen griffbereite Banknoten nicht ungesichert verwahrt werden dürfen, sind angenommene Banknoten unverzüglich in gesicherten Behältnissen zu deponieren. Dies kann durch Verwahren im Gehäuse des Banknotenautomaten (z.B. bei Recyclern) oder in anderen Behältnissen (z.B. Depositsystemen) erfolgen, die dafür mit besonderen Abwurföffnungen ausgestattet sind. Bereitet ein Kunde gemeinsam mit einem Versicherten eine Auszahlung vor, können dem Kunden nach erfolgter Verifizierung/Identifizierung grundsätzlich Beträge pro Kunde und Konto bis zu einem Höchstbetrag von € 5.000 über den KBA ausgezahlt werden.

Die Programmierung hat darüber hinaus sicherzustellen, dass der KBA

  • innerhalb von 30 Sekunden bis maximal € 5.000,

  • innerhalb von 2 Minuten bis maximal € 10.000

auszahlen kann.

Der Verkauf von Sorten kann nur über besondere Automaten erfolgen.

Zusätzlich kann ein Kunde vorbestellte Beträge erhalten, die in einem für ihn programmierten Übergabefach deponiert sind, das nur vom Kunden (z.B. mit seiner Kundenkarte) geöffnet werden kann. Die Ver- und Entsorgung dieser Fächer darf nur durch Personen erfolgen, die nicht regelmäßig in der Geschäftsstelle anwesend sind. Je nach Bauart (z.B. RAL/CEN-Umschrank) und Aufstellungsort des Behältnisses legt der Sachversicherer im Einzelfall Höchstbeträge für die Verwahrung von Banknoten außerhalb der Kundenöffnungszeiten fest.

Neben- und Hintergrundbestände sind so aufzubewahren, dass nur externe Versicherte/Dienstleister Zugriff darauf haben. Die Schlüssel zu den Wertgelassen bzw. Codes zum Aktivieren eines Zeitverschlusses dürfen nicht in der Geschäftstelle vorhanden sein.

9.4.4
Kennzeichnung

An Publikumseingängen, Beraterplätzen sowie Banknotenautomaten ist gut sichtbar darauf hinzuweisen, dass die Bereitstellung von Banknoten durch einen Versicherten allein nicht möglich ist.

Entsprechende Hinweise mit dem Text

AUSZAHLUNGEN

nur über den Bankautomat.

sind bei dem zuständigen Unfallversicherungsträger erhältlich. Anstelle des textlichen Hinweises können auch geeignete Piktogramme verwendet werden.