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Abschnitt 9.2, Standard-BBA-Stellen
Abschnitt 9.2
Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderungen an die sicherheitstechnische Ausrüstung von Geschäftsstellen i.V.m. §§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz (bisher: BGI/GUV-I 819-2)
Titel: Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderungen an die sicherheitstechnische Ausrüstung von Geschäftsstellen i.V.m. §§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz (bisher: BGI/GUV-I 819-2)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-612
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 9.2 – Standard-BBA-Stellen

BBA dürfen nur in Geschäftsstellen betrieben werden, in denen ständig mindestens zwei Versicherte mit Blickkontakt anwesend sind. Durch diese ständige Anwesenheit von zwei Versicherten soll erreicht werden, dass sich die beiden im Gefahrenfall, z.B. bei einem Raubüberfall, gegenseitig helfen können.

Siehe auch § 18 der Unfallverhütungsvorschrift "Kassen".

Da Beratungen überwiegend in Besprechungsräumen durchgeführt werden, ist die Einrichtung von Standard-BBA-Stellen nur dann ohne großen organisatorischen Aufwand möglich, wenn die Sollstärke zumindest 3-4 Versicherte beträgt.

Grundsätzlich sind zum Betrieb von BBA-Stellen Zeitverschlussbehältnisse für die Aufbewahrung angenommener Banknoten oder vorbereiteter Beträge zur Auszahlung an Kunden erforderlich. Dies gilt auch beim Einsatz von Recyclern, um z.B. vom Gerät nicht akzeptierte Banknoten einzuwerfen.

9.2.1
Möblierung

BBA sind so in die Möblierung einzubeziehen, dass der Automatenbereich durch Unbefugte nicht betreten werden kann, ohne dass die Versicherten es bemerken. Dazu ist bei der Realisierung "offener Bankenlandschaften" im Kundenbereich insbesondere darauf zu achten, dass durch die Möbelaufstellung oder Raumwände erreicht wird, dass sich Fremde nicht unbemerkt dem Versicherten von hinten nähern können.

9.2.2
Auszahlungsbeträge und Sperrzeiten

Am BBA-Arbeitsplatz dürfen keine Banknoten - unabhängig davon, ob es sich dabei um registrierte Banknoten (Fanggeld) handelt oder nicht - ungesichert aufbewahrt werden. Der Schutz der Versicherten besteht z.B. darin, dass die Täter an einem BBA von den Versicherten zwar Bargeld erhalten können, dass aber die Ausgabe von größeren Beträgen nur zeitverzögert erfolgt.

Pro BBA-Bedienbereich dürfen aus dem BBA

  • innerhalb von jeweils 30 Sekunden insgesamt maximal 5.000 €, jedoch innerhalb von 2 Minuten nur insgesamt maximal 10.000 € zur Auszahlung gelangen; das Zeitfenster beginnt nach dem Aktivieren des Auszahlungsvorgangs,

  • unabhängig hiervon Beträge von mehr als 10.000 € bis maximal 25.000 € erst nach einer Sperrzeit von mindestens 5 Minuten

zur Auszahlung gelangen können.

Da in öffentlich zugänglichen Bereichen griffbereite Banknoten nicht ungesichert verwahrt werden dürfen, müssen angenommene Banknoten unverzüglich gesichert werden. Dies kann durch Verwahren im BBA-Gehäuse (z.B. bei Recyclern) oder in anderen Behältnissen erfolgen, die unter Zeit- oder Doppelverschluss stehen und die dafür mit besonderen Abwurföffnungen (z.B. Depositsysteme, früher Abwurftresore/Einzahler) ausgestattet sind. Die Sperrzeit für Zeitverschlussbehältnisse hat bei Aufbewahrung von Euro-Banknoten mindestens 5 Minuten zu betragen.

Siehe auch § 29 der Unfallverhütungsvorschrift "Kassen".

Von dieser Sperrzeit kann abgewichen werden, wenn ein BBA nicht alle Banknoten zur Verfügung stellen kann und bei der Ansteuerung des Zeitverschlussbehältnisses eine Alarmauslösemöglichkeit besteht. Dabei sind folgende Höchstwerte in Abhängigkeit von der Sperrzeit einzuhalten:

  • Bis € 2.500 mindestens 30 Sekunden bzw. bis € 10.000 mindestens 2 Minuten für 100 Euro-, 200 Euro- und 500 Euro-Noten, wenn diese nicht im BBA verfügbar sind und eine Alarmauslösemöglichkeit in den Öffnungsvorgang integriert ist.

  • Zusätzlich können registrierte Banknoten im Nebenbestand sinnvoll sein. Diese zählen bis zu einem Betrag von € 2.000 nicht zum zulässigen Banknotenbestand.

Wird ein Doppelverschlussbehältnis verwendet, ist mindestens einer der Schlüssel so aufzubewahren, dass zum Holen des Schlüssels eine Zeit erforderlich ist, die der vorgegebenen Verzögerungszeit entspricht. Beim Einsatz von Doppelverschlusssystemen ist das Vier-Augen-Prinzip zu gewährleisten.

Sorten können unter kürzeren Sperrzeiten verwahrt werden; die erforderliche Mindestsperrzeit beträgt jedoch 30 Sekunden.

Neben dem BBA installierte Zeitverschlussbehältnisse sind nicht für Auszahlungen zu benutzen, die über den BBA durchgeführt werden können. Zulässig sind z.B. vom Kunden vorbestellte Großbeträge in einem 5-Minutenfach oder Sorten. Diese Behältnisse sind zur sicheren Verwahrung während der Anwesenheit von Versicherten von Nebenbeständen und sonstigen Werten vorgesehen.

Die Versicherten dürfen die vorgegebenen Zeitverzögerungen und Sperrzeiten nicht beeinflussen können.

Das Öffnen des BBA-Hauptverschlusses darf erst nach Ablauf einer Sperrzeit von mindestens 10 Minuten möglich sein. Hilfsmittel, mit denen die Sperrzeit aufgehoben werden kann, müssen unter Zeitverschluss von mindestens 10 Minuten oder alternativ unter Doppelverschluss außerhalb der öffentlich zugänglichen Bereiche verwahrt werden. Der Doppelverschluss erfüllt nur dann das Schutzziel, wenn zum Holen des Hilfsmittels die gleiche Zeit erforderlich ist, die der vorgegebenen Sperrzeit entspricht.

Siehe auch § 32 der Unfallverhütungsvorschrift "Kassen".

Mit der Einleitung sowohl eines Auszahlungsvorgangs als auch der Einleitung der Öffnung des BBA-Hauptverschlusses muss eine in den Bedienvorgang integrierte Alarmauslösung möglich sein, z.B. über die Terminaltastatur.

Siehe auch § 18 der Unfallverhütungsvorschrift "Kassen".

Hintergrundbestände sind verstärkt Ziel von Raubüberfällen. Es ist daher erforderlich, geeignete Maßnahmen zur Reduzierung des Anreizes durchzuführen.

Dies kann z.B. erreicht werden durch

  • einen Zeitverschluss von mindestens 5 Minuten,

  • Reduzierung der Bestände,

  • institutsinterne Sicherungsbereiche,

  • Ortungs- und Einfärbesysteme.

Art und Umfang der Maßnahmen sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und im Gesamtsicherungskonzept festzulegen.

9.2.3
Kennzeichnung

An den Publikumseingängen sowie an den Bedienerarbeitsplätzen und an den Geräten ist gut sichtbar darauf hinzuweisen, dass die Bereitstellung von Banknoten nur zeitverzögert erfolgt und dass die Versicherten die eingestellten Sperrzeiten nicht beeinflussen können.

Entsprechende Hinweise mit dem Text

GELDBESTÄNDE ZEITSCHLOSSGESICHERT!

Unsere Mitarbeiter haben keinen Einfluss

auf Abkürzung der eingestellten Sperrzeit.

sind bei dem zuständigen gesetzlichen Unfallversicherungsträger erhältlich. Anstelle des verbalen Hinweises können auch geeignete Piktogramme verwendet werden.