DGUV Information 215-612 - Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderun...

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Abschnitt 1.2, Geschäftsstellenmodelle
Abschnitt 1.2
Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderungen an die sicherheitstechnische Ausrüstung von Geschäftsstellen i.V.m. §§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz (bisher: BGI/GUV-I 819-2)
Titel: Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderungen an die sicherheitstechnische Ausrüstung von Geschäftsstellen i.V.m. §§ 5 und 6 Arbeitsschutzgesetz (bisher: BGI/GUV-I 819-2)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-612
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.2 – Geschäftsstellenmodelle

Geschäftsstellen mit Beschäftigtenbedienten Banknotenautomaten (BBA-Stellen)

In Geschäftsstellen mit Beschäftigtenbedienten Banknotenautomaten (nachfolgend BBA-Stellen genannt), werden den Versicherten ohne Mitwirkung der Kunden abgezählte Euro-Banknoten zur Auszahlung nur programmgesteuert zur Verfügung gestellt. Dabei ist es unerheblich, ob die Banknoten direkt oder über den Umweg eines Zwischenmediums bereitgestellt werden.

Als BBA im Sinne der Unfallverhütungsvorschrift "Kassen" sind zulässig

  • Standard-BBA herkömmlicher Bauart als reine Auszahlungsgeräte oder Recycler,

  • Systeme, bei denen Versicherten eine Auszahlung an Kunden aus einem Banknotenautomaten über White-Cards möglich ist. Diese White-Cards sind im Zugriff der Versicherten.

Geschäftsstellen mit biometrisch angesteuerten Banknotenautomaten (Plus-Stellen)

In Geschäftsstellen mit personenidentifizierenden oder -verifizierenden Systemen, z.B. biometrischen Erkennungssystemen, sind Banknotenautomaten installiert, die eine Auszahlung nur dann zulassen, wenn sichergestellt ist, dass

  • zwei Versicherte im Kundenbereich mit Blickkontakt zur Einleitung einer Auszahlung anwesend sind. Dazu ist eine Anmeldung der beiden Versicherten - etwa über biometrische Verfahren - erforderlich

    oder

  • Auszahlungen von mindestens einem Versicherten vorbereitet werden können, wenn sich Kunden zur Aktivierung einer Auszahlung z.B. über einen Kartenleser mit ihrer personenbezogenen Bankkarte oder am biometrischen Erkennungssystem angemeldet haben.

Mitarbeiterbesetzte Geschäftsstellen mit Kundenbedienten Banknotenautomaten (KBA-Stellen)

Dies sind Geschäftsstellen, die ohne durchschusshemmende Kassensicherungen mit mindestens einem Versicherten betrieben werden können. In diesen Stellen können Berater anwesend sein, die keinen Zugriff auf Geldbestände haben dürfen. Sie haben nur die Möglichkeit, den Höchstbetrag einer Auszahlung aus dem Banknotenautomaten zu erhöhen. Die Geldversorgung der Kunden erfolgt nur mit Kundenbedienten Banknotenautomaten. Die Auszahlung wird durch den Kunden z.B. über eine Bankkarte, PIN oder ein biometrisches Erkennungssystem am Automaten eingeleitet.

Automatenstellen

Ein Sonderfall der Geschäftsstellen mit Kundenbedienten Banknotenautomaten sind die Automatenstellen, die ohne Versicherte betrieben werden. Die Geldauszahlung an oder Geldeinzahlung von Kunden erfolgt nur über Kundenbediente Banknotenautomaten. Dazu hat sich der Kunde mittels seiner Bankkarte und der zugehörigen PIN bei Auszahlungen am Automaten anzumelden. In diesen Stellen können stundenweise Berater anwesend sein, die keinen Einfluss auf die Auszahlung von Banknoten haben.

Fahrbare Zweigstellen

Zur Bargeldver- und -entsorgung der Bevölkerung werden z.B. in wenig besiedelten Gebieten fahrbare Zweigstellen eingesetzt. Diese stehen an besondere Haltestellen bereit.

Hinsichtlich der benötigten Sicherheitseinrichtungen und Sicherheitstechnik unterscheiden sich fahrbare Zweigstellen in zwei Punkten von anderen Geschäftstellen. Die Installation von Telefonen und optischen Raumüberwachungsanlagen nach §§ 4 und 6 der Unfallverhütungsvorschrift "Kassen" ist nicht zwingend vorgeschrieben, da zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der Unfallverhütungsvorschrift "Kassen" noch keine geeigneten Telefone und optischen Raumüberwachungsanlagen zur Verfügung standen. Auch die noch akzeptierte akustische Alarmierung hat hier ihren Ursprung. Zur Dokumentation eines Überfalls ist es notwendig, dass eine optische Raumüberwachungsanlage installiert ist. Telefon und Alarmweiterleitung sollten über Satellit, Funk oder Mobiltelefon realisiert werden. Eine akustische Alarmierung erfüllt die Anforderungen nur dann, wenn andere Alarmierungen nicht möglich sind und alle vom öffentlich zugänglichen Bereich einsehbaren Arbeitsbereiche durchschusshemmend abgetrennt sind und der akustische Alarm an mehrere benannte Personen gerichtet ist, die während der gesamten Anwesenheitszeit erreichbar sind. Zu den Anforderungen an den Überfallalarm siehe auch Abschnitt 3 "Elektronische Gefahrenmeldeanlagen".

Weitere Anforderungen zur Ausstattung eines Fahrzeuges können z.B. der Unfallverhütungsvorschrift "Fahrzeuge" entnommen werden.

Bargeldverkehr in institutsfremden Räumen

Als institutsfremde Räume gelten z.B. Räume in Wohnungen, Gaststätten sowie fremden Betrieben und Verwaltungen. Ohne Abtrennung der Versicherten vom Kundenbereich kann Bargeldverkehr in institutsfremden Räumen unter den nachfolgenden Einschränkungen durch Kreditinstitute durchgeführt werden: Banknoten dürfen nur wenige Stunden pro Woche (z.B. 4 Stunden) ausgegeben oder angenommen werden.

Dies beinhaltet auch, dass

  • Geldgeschäfte nicht täglich durchgeführt werden,

  • keine äußeren Hinweise auf die Geschäftstätigkeit dauerhaft angebracht sind,

  • ein Einblick von außen auf die Bereiche, in denen die Geldgeschäfte durchgeführt werden, verhindert ist

    und

  • die Voraussetzung zur unverzüglichen Alarmierung der Hilfe bringenden Stellen gegeben sind. Bei den Hilfe bringenden Stellen muss sichergestellt sein, dass sie während der gesamten Anwesenheit der Versicherten im institutsfremden Objekt ständig besetzt sind und wissen, wo sich der Versicherte aufhält. Zur Alarmierung kann z.B. ein mit den Rufnummern der Hilfe bringenden Stellen programmiertes Mobiltelefon eingesetzt werden.

Siehe auch § 23 der Unfallverhütungsvorschrift "Kassen".

Abtrennungen

Kassenboxen

Bei Kassenboxen ist nur der Kassierer durchbruch- oder durchschusshemmend von den Kunden abgetrennt. Bildet die Kassenbox den einzigen Sicherheitsbereich, ist sie ständig personell zu besetzen, wenn darin Banknoten griffbereit aufbewahrt werden.

Kassenboxen mit biometrisch überwachten Zugangsschleusen

Durch biometrische Schleusen an Kassenboxen wird sichergestellt, dass nur berechtigte Personen den gesicherten Bereich betreten können. Diese Kassenboxen müssen nicht ständig besetzt sein.

Vollabtrennungen

Bei Vollabtrennungen sind alle Versicherten durchbruch- oder durchschusshemmend von den Kunden abgetrennt. Der gesicherte Bereich ist ständig personell besetzt.

Zentrale Geldversorgungseinrichtungen

Zentrale Geldversorgungseinrichtungen bestehen aus öffentlich nicht zugänglichen Bereichen, in denen Banknoten aufbereitet werden, die dann über Transporteinrichtungen (z.B. Rohrpostanlagen) an Entnahmeplätze in öffentlich zugänglichen Bereichen transportiert werden.

Diskretkassen

Kabinen mit eigenem Kundenzugang und Kassenschalter, die an eine ständig besetzte Kasse, einen bankinternen Bereich oder eine biometrische Schleuse angebaut ist. Bei BBA-Konzepten darf der Versicherte auch außerhalb des gesicherten Bereiches tätig sein, wenn ein gefahrloses Verlassen gewährleistet ist und das Betreten/Erreichen des gesicherten Bereichs/der gesicherten Werte erst nach einer Zeitverzögerung von 5 Minuten möglich ist.

Notkassen, nur bei BBA, BBA-White-Card oder PLUS-Konzepten

Damit bei einem Systemausfall dieser Sicherungskonzepte die Bargeldabwicklung vorübergehend weitergeführt werden kann, darf z.B. eine vorhandene, im Normalfall nicht genutzte Kassenbox, eine Notkassentür mit Geldübergabemöglichkeit oder ein abschließbarer Nebenraum genutzt werden. Bei der Verwendung von Nebenräumen zahlt ein Versicherter Geld aus oder nimmt Geld an, ein weiterer selektiert/koordiniert den Einlass eines Kunden in den Nebenraum.