DGUV Information 215-612 - Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderun...

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Abschnitt 1.2, 1.2 Geschäftsstellenmodelle
Abschnitt 1.2
Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderungen an die sicherheitstechnische Ausrüstung von Geschäftsstellen (DGUV Information 215-612)
Titel: Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute Anforderungen an die sicherheitstechnische Ausrüstung von Geschäftsstellen (DGUV Information 215-612)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-612
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 1.2 – 1.2 Geschäftsstellenmodelle

Geschäftsstellen mit Beschäftigtenbedienten Banknotenautomaten (BBA-Stellen)

In Geschäftsstellen mit Beschäftigtenbedienten Banknotenautomaten (nachfolgend BBA-Stellen genannt) werden den Versicherten ohne Mitwirkung der Kunden abgezählte Euro-Banknoten zur Auszahlung nur programmgesteuert zur Verfügung gestellt. Dabei ist es unerheblich, ob die Banknoten direkt oder über den Umweg eines Zwischenmediums bereitgestellt werden.

Als BBA im Sinne der DGUV Vorschrift 25 und 26 "Kassen" sind zulässig

  • Standard-BBA herkömmlicher Bauart als reine Auszahlungsgeräte oder Recycler

  • Systeme, bei denen Versicherten eine Auszahlung an Kunden und Kundinnen aus einem Banknotenautomaten über die personenbezogene Bankkarte oder eine White-Card möglich ist. Diese White-Cards sind im Zugriff der Versicherten.

Geschäftsstellen mit biometrisch angesteuerten Banknotenautomaten (Plus-Stellen)

In Geschäftsstellen mit personenidentifizierenden oder -verifizierenden Systemen, z. B. biometrischen Erkennungssystemen, sind Banknotenautomaten installiert, die eine Auszahlung nur dann zulassen, wenn sichergestellt ist, dass

  • zwei Versicherte im Kundenbereich mit Blickkontakt zur Einleitung einer Auszahlung anwesend sind. Dazu ist eine Anmeldung der beiden Versicherten - etwa über biometrische Verfahren - erforderlich.

oder

  • Auszahlungen von mindestens einer bzw. einem Versicherten vorbereitet werden können, wenn sich Kunden oder Kundinnen zur Aktivierung einer Auszahlung z. B. über einen Kartenleser mit ihrer personenbezogenen Bankkarte oder am biometrischen Erkennungssystem angemeldet haben.

Mitarbeiterbesetzte Geschäftsstellen

mit Kundenbedienten Banknotenautomaten (KBA-Stellen)

Dies sind Geschäftsstellen, die ohne durchschusshemmende Kassensicherungen mit mindestens einer bzw. einem Versicherten betrieben werden können. Sie haben nur die Möglichkeit, den Höchstbetrag einer Auszahlung aus dem Banknotenautomaten zu erhöhen. Die Geldversorgung der Kunden bzw. Kundinnen erfolgt nur mit Kundenbedienten Banknotenautomaten. Die Auszahlung wird durch die Kundin bzw. den Kunden z. B. über eine Bankkarte, PIN oder ein biometrisches Erkennungssystem am Automaten eingeleitet.

Automatenstellen

Ein Sonderfall der Geschäftsstellen mit Kundenbedienten Banknotenautomaten sind die Automatenstellen, die ohne Versicherte betrieben werden können. Die Geldauszahlung an oder Geldeinzahlung von Kunden bzw. Kundinnen erfolgt nur über Kundenbediente Banknotenautomaten. Dazu haben diese sich mittels ihrer Bankkarte und der zugehörigen PIN bei Auszahlungen am Automaten anzumelden. In diesen Stellen können Versicherte anwesend sein, die keinen Einfluss auf die Auszahlung von Banknoten haben.

Fahrbare Zweigstellen

Zur Erbringung von Bankdienstleistungen wie Bargeldver- und -entsorgung der Bevölkerung werden auch fahrbare Zweigstellen eingesetzt. Diese stehen zu bestimmten Zeiten an ausgewiesenen Haltestellen bereit.

Grundsätzlich sind in fahrbaren Zweigstellen (häufig auch mobile Filialen genannt) alle Kassensicherungskonzepte (mit Ausnahme des § 17) nach DGUV Vorschrift 25 und 26 "Kassen" möglich. Hinsichtlich der benötigten Sicherheitseinrichtungen und Sicherheitstechnik sind grundsätzlich ebenfalls alle Anforderungen der DGUV Vorschrift 25 und 26 "Kassen" umzusetzen. Lediglich die Installation von Telefonen und optischen Raumüberwachungsanlagen nach §§ 4 und 6 der DGUV Vorschrift 25 und 26 "Kassen" ist nicht zwingend vorgeschrieben, da zum Zeitpunkt des Inkrafttretens der DGUV Vorschrift 25 und 26 "Kassen" noch keine geeigneten Telefone und optischen Raumüberwachungsanlagen zur Verfügung standen. Die Installation von Fernsprechern und ORÜA stellt in einer fahrbaren Zweigstelle heute kein technisches Problem mehr dar. Telefon und Alarmweiterleitungen können über Satellit, Funk- oder Mobiltelefon realisiert werden. Die Ausrüstung mit optischen Raumüberwachungsanlagen ist mittlerweile ebenfalls problemlos möglich. Daher sollten diese - gemäß DGUV Vorschrift 25 und 26 "Kassen" nicht zwingend vorgeschriebenen - Sicherungsmittel eingesetzt werden. Zu den Anforderungen an den Überfallalarm siehe auch Abschnitt 3 "Elektronische Gefahrenmeldeanlagen". Weitere Anforderungen zur Ausstattung eines Fahrzeuges sind u.a. der DGUV Vorschrift 70 und 71 "Fahrzeuge" zu entnehmen.

Bargeldverkehr in institutsfremden Räumen

Als institutsfremde Räume gelten z. B. Räume in Wohnungen, Gaststätten sowie fremden Betrieben und Verwaltungen. Ohne Abtrennung der Versicherten vom Kundenbereich kann Bargeldverkehr in institutsfremden Räumen unter den nachfolgenden Einschränkungen durch Kreditinstitute durchgeführt werden: Banknoten dürfen nur wenige Stunden pro Woche (z. B. 4 Stunden) ausgegeben oder angenommen werden. Dies beinhaltet auch, dass

  • Geldgeschäfte nicht täglich durchgeführt werden,

  • keine äußeren Hinweise auf die Geschäftstätigkeit dauerhaft angebracht sind,

  • ein Einblick von außen auf die Bereiche, in denen die Geldgeschäfte durchgeführt werden, verhindert ist und

  • die Voraussetzung zur unverzüglichen Alarmierung der hilfebringenden Stellen gegeben ist. Bei den hilfebringenden Stellen muss sichergestellt sein, dass sie während der gesamten Anwesenheit der Versicherten im institutsfremden Objekt ständig besetzt sind und dass sie wissen, wo sich der Versicherte bzw. die Versicherte aufhält. Zur Alarmierung kann z. B. ein mit den Rufnummern der hilfebringenden Stellen programmiertes Mobiltelefon eingesetzt werden.

Siehe auch § 23 der DGUV Vorschrift 25 und 26 "Kassen".

Abtrennungen

Kassenboxen

Bei Kassenboxen ist nur der Kassierer bzw. die Kassiererin durchbruch- oder durchschusshemmend von den Kunden abgetrennt. Bildet die Kassenbox den einzigen Sicherheitsbereich, ist sie ständig personell zu besetzen, wenn darin Banknoten griffbereit aufbewahrt werden.

Kassenboxen mit biometrisch überwachten Zugangsschleusen

Durch biometrische Schleusen an Kassenboxen wird sichergestellt, dass nur berechtigte Personen den gesicherten Bereich betreten können. Diese Kassenboxen müssen nicht ständig besetzt sein.

Vollabtrennungen

Bei Vollabtrennungen sind alle Versicherten durchbruch- oder durchschusshemmend von den Kunden und Kundinnen abgetrennt. Der gesicherte Bereich ist ständig personell besetzt.

Zentrale Geldversorgungseinrichtungen

Zentrale Geldversorgungseinrichtungen bestehen aus öffentlich nicht zugänglichen Bereichen, in denen Banknoten aufbereitet werden, die dann über Transporteinrichtungen (z. B. Rohrpostanlagen) an Entnahmeplätze in öffentlich zugänglichen Bereichen transportiert werden.

Diskretkassen

Kabinen mit eigenem Kundenzugang und Kassenschalter, die an eine ständig besetzte Kasse, einen bankinternen Bereich oder eine biometrische Schleuse angebaut sind.

Notkassen

Notkassen dienen bei BBA, BBA-White-Card oder PLUS-Konzepten nur bei einem Systemausfall der vorübergehenden Bargeldabwicklung. Als Notkassen eingerichtet werden darf z. B. eine vorhandene, im Normalfall nicht genutzte Kassenbox, eine Notkassentür mit Geldübergabemöglichkeit oder ein abschließbarer Nebenraum. Bei der Verwendung von Nebenräumen zahlt ein Versicherter bzw. eine Versicherte Geld aus oder nimmt Geld an, ein weiterer bzw. eine weitere Versicherte selektiert/koordiniert den Einlass eines Kunden bzw. einer Kundin in den Nebenraum.