DGUV Information 209-051 - Keimbelastung wassergemischter Kühlschmierstoffe (DGU...

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Abschnitt 6.2, 6.2 Keimzahlüberprüfung
Abschnitt 6.2
Keimbelastung wassergemischter Kühlschmierstoffe (DGUV Information 209-051)
Titel: Keimbelastung wassergemischter Kühlschmierstoffe (DGUV Information 209-051)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 209-051
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 6.2 – 6.2 Keimzahlüberprüfung

Die Festlegung eines Grenz- oder Richtwertes für die Belastung wassergemischter Kühlschmierstoffe durch Mikroorganismen ist nach derzeitigem Kenntnisstand weder aus Sicht des Arbeits- und Gesundheitsschutzes noch als technisch orientierter Wert möglich.

Informationen für die Gefährdungsbeurteilung über Mikroorganismen, die häufiger in wassergemischten Kühlschmierstoffen nachgewiesen werden konnten, sind in Anhang 1 aufgelistet.

Eine Zustandsbeschreibung des wassergemischten Kühlschmierstoffs bezüglich des mikrobiellen Befalls orientiert sich an den zu prüfenden Größen:

  • Wahrnehmbare Veränderungen (Aussehen, Geruch)

  • pH-Wert

  • KSS-Gebrauchskonzentration

  • Nitritgehalt

(siehe auch DGUV Regel 109-003, Anhang 3)

Zusätzlich zur Überprüfung des chemisch-technischen Zustands des Kühlschmierstoffs kann eine freiwillige mikrobiologische Überwachung erfolgen.

Einmal-Eintauchnährböden ("Dip-Slides") können ergänzend zur technischen Kontrolle als Hilfsmittel für die Verlaufskontrolle eines mikrobiellen Wachstums in wassergemischten Kühlschmierstoffen eingesetzt werden. Dazu sollte jedoch eine eigene betriebsinterne Vorgehensweise, z. B. im Rahmen des Prüfplans, festgelegt werden.

Falls Dip-Slides zum Einsatz kommen, sollten sie kontinuierlich eingesetzt und die Schätzwerte sollten im Prüfplan (siehe DGUV Regel 109-003 "Tätigkeiten mit Kühlschmierstoffen", Anhang 4) dokumentiert werden. Nur im Zusammenhang mit den anderen Kontrollgrößen können mit der Dip-Slide-Bestimmung mikrobiologische Veränderungen beurteilt werden.

Darüber hinaus muss beachtet werden, dass mittels Dip-Slides nur wachstumsfähige aerobe Mikroorganismen nachgewiesen werden können. Geschädigte Zellen und anaerobe Mikroorganismen sind mit dieser Methode nicht nachweisbar.

Zur Beurteilung einer gesundheitlichen Gefährdung ist der Einsatz von Dip-Slides nicht geeignet. Zum einen existiert weder ein Grenz-/Orientierungswert zur Keimbelastung von wassergemischten Kühlschmierstoffen, zum anderen handelt es sich bei den "Messergebnissen" lediglich um Schätzwerte mit teilweise erheblichen Schwankungsbreiten.

Bei Anwendung der Dip-Slides ist auf eine korrekte Handhabung durch fachlich geeignetes Personal zu achten, z. B. durch Kühlschmierstoff-Fachkundige.

Für die Untersuchungen im Betrieb dürfen ausschließlich Keimindikatoren mit nicht-selektiven Nährmedien zur Gesamtkoloniezahlbestimmung verwendet werden. Die bebrüteten Nährböden müssen nach der Auswertung sachgerecht entsorgt werden. Desinfektionsmethoden, wie das Einlegen in Desinfektionslösungen, entsprechen nicht dem Stand der Technik und sollen nicht eingesetzt werden.

Hinweise zum richtigen Umgang mit Dip-Slides liefert die DGUV Information "Richtiger Umgang mit Dip-Slides" (FB HM-056), Ausgabe 09/2014.

Schimmelpilze stellen bei der mikrobiellen Besiedlung von wassergemischten Kühlschmierstoffen eine besondere Problematik dar. Aufgrund ihres an Oberflächen gebundenen Wachstums sind sie nicht zwangsläufig im Kühlschmierstoff ("fließende Welle") nachweisbar, sondern nur zu bestimmten Phasen ihrer Entwicklung (bei Sporenbildung) oder durch Auffangen kleiner Pilzfragmente über einen Nährboden. Die Anzahl der nachgewiesenen Schimmelpilzkolonien lässt insofern keine Rückschlüsse auf den wirklichen Grad des Pilzbefalls zu; z. B. können Leitungen im Kühlschmierstoff-System völlig zugewachsen sein, obwohl eine Keimzahlbestimmung keinen Befall anzeigt.

Hefen sind ebenfalls Pilze, wachsen aber wie Bakterien in der "fließenden Welle". Aufgrund des ähnlichen Wachstums sind sie auf Dip-Slides oder anderen festen Nährmedien schwer von Bakterienkolonien zu unterscheiden und werden oftmals als Bakterienkolonien fehlinterpretiert. Erschwerend kommt hinzu, dass Hefen sowohl auf Nährmedien für Schimmelpilze als auch für Bakterien wachsen können. Eine Fehlbewertung kann zu einem möglichen falschen Biozideinsatz führen.