DGUV Information 206-004 - Die Mischung macht‘s: Jung und Alt gemeinsam bei der ...

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Abschnitt 2, 2 Arbeitsplätze gestalten
Abschnitt 2
Die Mischung macht‘s: Jung und Alt gemeinsam bei der Arbeit Tipps für Wirtschaft, Verwaltung und Dienstleistung (DGUV Information 206-004)
Titel: Die Mischung macht‘s: Jung und Alt gemeinsam bei der Arbeit Tipps für Wirtschaft, Verwaltung und Dienstleistung (DGUV Information 206-004)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 206-004
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2 – 2 Arbeitsplätze gestalten

Das Alter hat zwei große Vorteile: Die Zähne tun nicht mehr weh und man hört nicht mehr all das dumme Zeug, das ringsum gesagt wird.

George Bernhard Shaw

Mit dem Älterwerden ändert sich vieles. Oft werden dabei die Eigenschaften oder Fähigkeiten herausgestellt, die schlechter werden oder abnehmen. Dies sind vor allem die körperliche Leistungsfähigkeit und ein Nachlassen der Seh- und Hörfunktionen. Wissenschaftliche Studien belegen jedoch, dass es auch Eigenschaften und Fähigkeiten gibt, die im Alter zunehmen oder sogar erst erlangt werden, wie z. B. Berufserfahrung, Loyalität gegenüber dem Unternehmen, zeitliche Flexibilität, Gelassenheit und Zuverlässigkeit.

Die guten Nachrichten sind:

  • Einige abnehmende Fähigkeiten, wie z. B. die Muskelkraft, lassen sich durch regelmäßiges Training erhalten.

  • Nachlassende Sinnesleistungen, wie z. B. Hören und Sehen, lassen sich in vielen Fällen durch technische Hilfsmittel kompensieren (Brille für den Bildschirmarbeitsplatz, Hörgerät, etc.).

  • Eine menschengerechte Gestaltung des Arbeitsplatzes hilft, einen Teil der beim Älterwerden auftretenden Einschränkungen auszugleichen.

Worauf sollten Sie bei der Gestaltung der Arbeitsplätze achten?

  • Der Arbeitsplatz muss an unterschiedliche Körpergrößen angepasst werden können:

    Höhenverstellbarkeit von Tisch und Stuhl, evtl. Einsatz einer Fußstütze

  • Alle Arbeitsmittel müssen leicht erreichbar und gut sichtbar sein:

    Optimale Greif- und Sichträume

  • Gute Lesbarkeit z. B. an Bildschirmen und von Schriftstücken muss gewährleistet sein:

    Große Schrift, klare Darstellung, gute Kontraste, farbliche Zuordnungen

  • Das Heben schwerer Lasten sollte vermieden werden: Reduzierung der Gewichte prüfen,

    nach Möglichkeit nicht alleine tragen, bei Bedarf Hebehilfen, Transportband, Balancer, etc.

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  • Für angenehme Umgebungsbedingungen am Arbeitsplatz sorgen:

    ausreichende Beleuchtung, angenehmes Klima ohne Zugluft

Wie können Sie speziell älteren Beschäftigten die Arbeit erleichtern?

  • Ältere brauchen mehr Licht. Eine weitere Leuchte im Arbeitsfeld verbessert das Sehen. Mit einer zweiten Leuchte kann der Mitarbeiter selbst entscheiden, wie hell er es haben möchte. Somit erhöht diese Maßnahme nicht notwendigerweise die Energiekosten, sondern fördert die Leistungsfähigkeit.

  • Ältere hören hohe Frequenzen schlechter als Jüngere: Akustische Signale, insbesondere Gefahrensignale, sollten deutlich unterscheidbar und in den Frequenzbereichen angesiedelt sein, die auch ältere Personen ohne Probleme wahrnehmen.

Alle diese Maßnahmen kommen auch der Gesundheit Ihrer jüngeren Beschäftigten zugute.

CCC_1948_170101_05.jpg Das A und O muss immer die Gestaltung der Arbeitsplätze nach ergonomischen Erkenntnissen sein. Ist das sichergestellt, sind zusätzlich nur wenig spezielle Maßnahmen für die älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlich.

Das Verlagern belastender Tätigkeiten auf jüngere Beschäftigte ist keine geeignete Lösung.

Die Gestaltung des Arbeitsplatzes ist dann gut gelungen, wenn alle Generationen gleichermaßen daran arbeiten können.

Selbst-Check "Arbeitsplätze gestalten" CCC_1948_170101_06.jpg Seite 28
Beispiele aus der Praxis
"Einer trage des anderen Last"

Ursprünglich waren es wirtschaftliche Überlegungen, weshalb die Firma Girsberger ihre Produktion komplett umstellen wollte: Kostensenkung und Steigerung der Produktivität. Doch dahinter verbirgt sich eine kluge Arbeitsorganisation, bei der u. a. das Heben und Tragen schwerer Lasten im Mittelpunkt steht. Durch konsequente Minimierung dieser Belastung entstand eine Produktionsstätte, die auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Generationen Rücksicht nimmt: Arbeitstische und Montageböcke sind nun individuell verstellbar.

Krumme Rücken und unbequeme Arbeitshaltungen gehören der Vergangenheit an. Technische Hilfsmittel, wie Lifter, Transportlifte, leichtgängige Rollwagen machen das Arbeiten bequemer.

Und es rechnet sich!
Das Resümee des Geschäftsführers:
"Unser Ziel war es, die Produktivität zu steigern. Das ist uns gelungen. Wir haben aber noch mehr erreicht: Unsere Beschäftigten fühlen sich wohl, sind motiviert und danken es mit einer sehr guten Qualität ihrer Arbeit."
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Heben und Tragen gehört im Bereich der Endfertigung der Vergangenheit an.