DGUV Information 203-047 - Schutz gegen Absturz beim Bau und Betrieb von Freilei...

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Anlage 1, Beispiel einer Systematik zur Auswahl von Sicherun...
Anlage 1
Schutz gegen Absturz beim Bau und Betrieb von Freileitungen (bisher: BGI/GUV-I 5148)

Anhangteil

Titel: Schutz gegen Absturz beim Bau und Betrieb von Freileitungen (bisher: BGI/GUV-I 5148)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 203-047
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Anlage 1 – Beispiel einer Systematik zur Auswahl von Sicherungsmethoden

Diese Systematik gibt dem Unternehmer eine Hilfestellung zur Auswahl von Sicherungsmethoden unter Berücksichtigung der Masthöhe, der körperlichen Belastung der Versicherten sowie der zu erwartenden Verletzungsschwere und Eintrittswahrscheinlichkeit eines Absturzes.

1.
Durchführung von Risikobeurteilungen

Die nachfolgende Risikobeurteilung erfolgt in Anlehnung an die "Leitlinie Risikobeurteilung von Arbeiten mit Absturzgefahr bei Verwendung von PSAgA bzw. PSA zum Retten aus Höhen und Tiefen" des Fachausschusses "Persönliche Schutzausrüstungen".

1.1
Risikokennzahl

Im nachfolgenden wird das Risiko durch die Risikokennzahl RKZ ausgedrückt:

RKZ = G x A

Grad der Verletzungsschwere/Handlungsfähigkeit (G)

Der Grad der Verletzungsschwere/Handlungsfähigkeit (G) ist entsprechend der zu erwartenden Absturzhöhe, der baulichen Gestaltung des Zugangsweges und der ausgewählten PSAgA einzustufen.

Tabelle 1.1.1:
Verletzungsschwere/Handlungsfähigkeit

Verletzungsschwere
Handlungsfähigkeit
(G)
VerletzungsschwereHandlungsfähigkeit
leicht1MinimalverletzungHandlungsfähig
(kann sich selbst aus der Notsituation befreien)
2oberflächliche Verletzung
3leichte Prellungen
mittel4schwere Prellungen (AU < 3 Tage)eingeschränkt handlungsfähig
(kann eigenständig die Rettungskette einleiten)
5schwere Prellungen (AU > 3 Tage)
6leichte Knochenbrüche
schwer7schwere Knochenbrüchehandlungsunfähig
8schwere Knochenbrüche mit inneren Verletzungen
9schwere innere Verletzungen
10Tod
  • Handlungsunfähig ist, wer aufgrund seiner Verletzung oder seiner Position nicht mehr in der Lage ist, Maßnahmen zu seiner Rettung einzuleiten.

  • AU = Arbeitsunfähigkeit

  • Bei der Festlegung von G ist bei fehlender Übereinstimmung von Verletzungsschwere und Handlungsfähigkeit der höhere Wert einzusetzen.

Eintrittswahrscheinlichkeit des Unfalls (A)

Tabelle 1.1.2:
Eintrittswahrscheinlichkeit des Unfalls

Eintrittswahrscheinlichkeit des Unfalls (A)
1  
2GeringÄußerst unwahrscheinlich
3  
4  
5MittelWahrscheinlich
6  
7  
8HochÄußerst wahrscheinlich
9  

Die "Eintrittswahrscheinlichkeit des Unfalls" ist u.a. von folgenden Einflüssen abhängig:

  • Belastungen durch Arbeitsverfahren und den Einsatz von PSAgA

  • Belastungen durch unterschiedliche Steig- und Masthöhen

  • Betriebsorganisation (Unterweisungen, Kontrollen)

  • psychische Belastungen (Zeitdruck)

  • Erfahrungen der Mitarbeiter/Auftragnehmer (seltene Tätigkeiten, Unterschätzen der Gefahr durch Routine)

  • Witterungseinflüsse (Wind, Regen, Eis, Schnee, Nebel).

1.2
Bewertung der Risikokennzahl

Die ermittelte RKZ beschreibt, ob die gewählte Sicherungsmethode eine ausreichende Maßnahme zum Schutz gegen Absturz darstellt. Folgende RKZ werden für die Eignung von Sicherungsmethoden als ausreichend eingestuft, bzw. lösen zusätzliche Maßnahmen aus:

Bei der Auswahl zusätzlicher Maßnahmen zum Schutz gegen Absturz ist eine möglichst niedrige RKZ anzustreben!

2
Beispiele für die Risikobeurteilung unterschiedlicher Methoden zum Schutz gegen Absturz beim Besteigen von Feileitungsmasten

Für die vorgestellten Beispiele gelten folgende Randbedingungen:

  • Die Maste werden bis zur Mastspitze bestiegen.

  • Die PSAgA verfügt über ein Halteseil zur möglichen Fixierung.

  • Witterung: leichter Regen, mäßiger Wind.

  • Einsatz geeigneter Personen gemäß Abs. 3.3.

  • Mäßige persönliche Kondition und Konstitution der Versicherten.

Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines Unfalls ist sowohl von der Masthöhe, der persönlichen Belastungsfähigkeit des Versicherten und von der gewählten Sicherungsmethode abhängig und steigt mit zunehmender Masthöhe an.

2.1
"Y-Seil"-Methode

Beim Fortbewegen am Steigbolzengang bzw. an der Mastkonstruktion kann ein Abrutschen erfolgen, der Mitarbeiter ist gegen Absturz gesichert, stürzt 4 m in die Tiefe und schlägt gegen die Mastkonstruktion.

  • Erwartete Verletzungsschwere: "leichte Knochenbrüche" (G = 6)

  • Eintrittswahrscheinlichkeit A = 3 - 7

Tabelle 2.1: Risikokennziffer "Y-Seil"-Methode

2.2
Schlaufenmethode

Beim Fortbewegen am Steigbolzengang (-leiter) bzw. an der Mastkonstruktion kann ein Abrutschen erfolgen, der Versicherte ist gegen Absturz gesichert, stürzt 4 m in die Tiefe und schlägt an die Mastkonstruktion und an einen Steigbolzen an.

  • Erwartete Verletzungsschwere: Schwere Knochenbrüche (G = 7)

  • Eintrittswahrscheinlichkeit A = 3 - 7

Tabelle 2.2: Risikokennziffer Schlaufenmethode

2.3
Steigbolzen mit Sicherheitseinrichtung

Beim Fortbewegen am Steigbolzengang kann ein Abrutschen erfolgen. Der Versicherte ist gegen Absturz gesichert, stürzt 2 m in die Tiefe und schlägt an die Mastkonstruktion und an den Steigbolzens an.

  • Erwartete Verletzungsschwere: "leichte Knochenbrüche" (G = 6)

  • Eintrittswahrscheinlichkeit A = 3 - 6

Tabelle 2.3: Risikokennziffer Steigbolzen mit Sicherheitseinrichtung

2.4.
Mitlaufende Auffanggeräte an fester Führung

Beim Fortbewegen am Steigeisengang kann ein Abrutschen erfolgen. Der Versicherte ist gegen Absturz gesichert, rutscht ca. 0,4 m in die Tiefe. Als Verletzungsschwere sind maximal leichte Prellungen anzunehmen

  • Erwartete Verletzungsschwere: "leichte Prellungen" (G = 3)

  • Eintrittswahrscheinlichkeit A = 3 - 5

Tabelle 2.4: Risikokennziffer mitlaufende Auffanggeräte an fester Führung

3.
Zusammenfassung

Die in dieser Information vorgestellten Sicherungsmethoden zum Schutz gegen Absturz an Freileitungen weisen bei Anwendung der Systematik unterschiedliche RKZ in Abhängigkeit der Masthöhe aus. Eine Zusammenfassung ist in der nachfolgenden Tabelle dargestellt. Hierbei wird deutlich, dass die unterschiedlichen Sicherungsmethoden nicht gleichrangig einsetzbar und z.T. bei höheren Freileitungsmasten als standardisierte Lösungen ungeeignet sind.

Tabelle 3: Empfehlung zur Auswahl von Sicherungsmethoden in Abhängigkeit von der Masthöhe