DGUV Information 203-061 - Gute Praxis im Etiketten- und Schmalbahndruck (bisher...

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Abschnitt 3, Arbeiten mit Lösemitteln
Abschnitt 3
Gute Praxis im Etiketten- und Schmalbahndruck (bisher: BGI 8698)
Titel: Gute Praxis im Etiketten- und Schmalbahndruck (bisher: BGI 8698)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 203-061
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3 – Arbeiten mit Lösemitteln

Im Etikettendruck kommen Druckfarben, Lacke und Klebstoffe zum Einsatz, die Lösemittel enthalten können. Insbesondere werden Lösemittel aber auch zum Entfernen von Farb- und Lackresten sowie von Fettrückständen und Klebstoffablagerungen eingesetzt.

Gesundheitsgefahren durch Lösemittel

Gelangen größere Mengen Lösemittel in den menschlichen Körper, rufen sie akute Beschwerden wie z.B. Schleimhautreizungen, Übelkeit und Schwindel hervor. Bei regelmäßiger Aufnahme von Lösemitteln über Jahre sind auch chronische Schädigungen des Nervensystems, der Leber und der Nieren möglich. Unspezifische Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Gedächtnisschwund haben mitunter ihre Ursache in einem jahrelangen Umgang mit Lösemitteln. Hauptaufnahmewege sind Einatmen und direkter Hautkontakt.

Arbeitsplatzgrenzwerte (AGW) regeln die maximal zulässige Konzentration an Lösemitteln in der Atemluft. Wenn diese Grenzwerte eingehalten werden, ist der menschliche Körper in der Lage, die aufgenommenen Lösemittelmengen ohne Nebenwirkungen wieder abzugeben.

Beim offenen Arbeiten mit leichtflüchtigen Lösemitteln werden Grenzwerte in der Regel überschritten. Der Einsatz schwerflüchtiger Lösemittel ermöglicht dagegen grundsätzlich die Einhaltung der Grenzwerte. Darüber hinaus ist jeder Mitarbeiter gefordert, selbst auch etwas für seine Gesundheit zu tun. Das bedeutet, Lösemittel sparsam zu verwenden und konsequent Schutzhandschuhe zu tragen.

Anforderungen an Druckfarben und Reinigungsmittel

Traditionell kommen im Etikettendruck leichtflüchtige Lösemittel zum Einsatz. Im Rahmen der hier beschriebenen "Guten Praxis" wird aufgezeigt, wie durch geeignete Substitution und einen sachgerechten Umgang weitgehend auf leichtflüchtige Lösemittel verzichtet werden kann.

Geeignet sind Reinigungsmittel mit guter Wirksamkeit und möglichst keinen oder zumindest wenigen Gefahrklassen-Piktogrammen auf dem Etikett

Der Einsatz geeigneter, schwerflüchtiger Lösemittel reduziert die Gesundheitsgefahren und die eingesetzte Lösemittelmenge deutlich. Die Verringerung der VOC-Emissionen (Volatile Organic Compounds) entspricht auch den Forderungen der 31. Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) und des Brand- und Explosionsschutzes.

Der Einsatz von leichtflüchtigen Lösemitteln ist nur noch für ganz spezielle Reinigungstätigkeiten oder als Zusatz zum Feuchtwasser in Offsetdruckwerken zulässig.

Reinigungsmittel mit einem hohen Flammpunkt belasten die Atemluft wesentlich weniger

Bei der Verarbeitung von lösemittelhaltigen Flexo- und Tiefdruckfarben, Lacken sowie beim Einsatz von Isopropanol als Feuchtwasserzusatz in Offsetdruckwerken sind die Branchenregelungen zu den jeweiligen Druckverfahren zu beachten. In diesem Zusammenhang wird auf die BG-Information 790-018 "Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben" verwiesen.

Im Sinne der "Guten Praxis" sollen Druckfarben und Reinigungsmittel folgende Eigenschaften besitzen:

  • geringe Gesundheitsgefährdung

  • geringe Umweltbelastung

  • geringe Brand- und Explosionsgefahr

  • niedriges Freisetzungsverhalten

Die folgenden Kriterien sind direkt beim Einkauf von Druckfarben und Reinigungsmitteln zugrunde zu legen:

Entsprechend der Ausschlussliste der Europäischen Druckfarbenindustrie (EuPIA) dürfen nicht enthalten sein:

  1. A

    Krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Stoffe und Zubereitungen, die als giftig (T) mit den Risikosätzen R 45, R 46, R 49, R 60, R 61 eingestuft und gekennzeichnet sind.

  2. B

    Stoffe und Zubereitungen, die als sehr giftig (T+) oder giftig (T) mit den Risikosätzen R 23, R 24, R 25, R 26, R 27, R 28, R 39 und R 48 in Kombination mit R 23, R 24, R 25, R 26, R 27 oder R 28 eingestuft und gekennzeichnet sind.

  3. C

    Lösemittel: Flüchtige Chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) und Flourchlor-Kohlenwasserstoffe (FCKW)

Als Reinigungsmittel ausgeschlossen werden zudem Zubereitungen mit besonderen Gefährdungen:

  1. A

    Ausschluss von Zubereitungen mit hohen Gesundheitsgefahren mit den Risikosätzen R 33, R 34, R 35, R 40, R 41, R 42, R 43 sowie Lösemittel mit einem Arbeitsplatzgrenzwert kleiner 40 mg/m3.

  2. B

    Ausschluss von Zubereitungen, die als umweltgefährlich (N) und gleichzeitig mit den Risikosätzen R 50, R 51, R 53, R 54, R 55, R 57, R 58, R 59 eingestuft und gekennzeichnet sind. Ebenefalls ausgeschlossen sind Zubereitungen, die der Wassergefährdungsklasse 3 (WGK 3) zugeordnet sind.

  3. C

    Ausschluss von Zubereitungen mit erhöhten Brand- und Explosionsgefahren mit den Risikosätzen R 11, R 10, (Flammpunkt kleiner 55C, im Siebdruck sind auch Produkte mit einem Flammpunkt größer 40C zulässig).

Verwendung von Reinigern mit einem Flammpunkt größer 55C bei manueller Anwendung und in automatischen Waschanlagen

In automatischen Wascheinrichtungen, mit Sprühdrucken größer 70 kPa und/oder Verwendung von bewegten Bürsten, muss das Waschgut leitend mit den Anlagenteilen verbunden sein und die Waschflüssigkeit eine ausreichende Leitfähigkeit (größer 10-9 S/m) aufweisen.

Das Sicherheitsdatenblatt muss detaillierte Informationen über die erforderlichen Schutzmaßnahmen, insbesondere hinsichtlich eines geeigneten Haut- und Handschutzes, enthalten.

Beispiele geeigneter Reinigungsmittel, ihre möglichen Einsatzbereiche sowie Ergebnisse von Praxistests sind im → BG-Infoblatt 542 zusammengefasst.

Schutzmaßnahmen bei der Verwendung von Lösemitteln

Auswahl der Arbeitsstoffe

Es sind nur Verfahren und Arbeitsstoffe einzusetzen, die dem Stand der Technik entsprechen. Ohne spezielle Explosionsschutzmaßnahmen dürfen nur Druckfarben, Lacke und Reinigungsmittel mit einem Flammpunkt größer 55 C (Siebdruck größer 40C) zum Einsatz kommen (→ siehe Tabelle).

Technische Maßnahmen

  • Bevorzugter Einsatz von Waschmaschinen und Waschanlagen anstelle von Handreinigung

  • Auswahl von Reinigungsmitteln in Waschmaschinen und Waschanlagen nur gemäß den Herstellervorgaben zur bestimmungsgemäßen Verwendung

    (→ siehe auch Kapitel 4 "Brand- und Explosionsschutz")

  • Einsatz von Waschmaschinen mit Verriegelung und Zuhaltung des Deckels

  • Die Lüftung der Arbeitsräume muss mindestens den Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung(→ siehe dort Punkt 3.6 des Anhangs) entsprechen

Organisatorische Maßnahmen

  • Erstellung von Betriebsanweisungen und Gefahrstoffkataster

  • Regelmäßige Unterweisung der Mitarbeiter

  • Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit den Ersatzreinigungsmitteln

  • Keine Getränke und Lebensmittel am Arbeitsplatz

  • Rauchverbot einhalten

  • Reinigungsmittel stets sparsam verwenden

  • Vorratsbehälter für Reinigungsmittel geschlossen halten

  • Gebrauchte Putztücher in geschlossen gehaltenen Behältern sammeln

  • Putztuchbehälter bei einem Reinigungsmittel mit einem Flammpunkt kleiner 55 C täglich aus dem Arbeitsraum entfernen

  • Reinigungsmittel nicht mit heißen Oberflächen in Berührung bringen

  • Lagerung von lösemittelhaltigen/wassergefährdenden Stoffen in geeigneten Räumlichkeiten gemäß Betriebssicherheitsverordnung und Verordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VAwS)

  • Geregelte Entsorgung nicht mehr benötigter, verbrauchter oder verschütteter Arbeitsstoffe sicherstellen

Die vorgegebene Gestaltung unterstützt die Mitarbeiter auch unter Praxisbedingungen, den Arbeitsplatz sauber und ordentlich zu erhalten

Persönliche Schutzmaßnahmen

  • Kontakt mit der Haut vermeiden und geeignete Schutzhandschuhe tragen (Durchbruchzeit/ Beständigkeit gemäß Herstellerinfo berücksichtigen)

  • Hautschutz- und Hautpflege beachten

  • Bei Spritzgefahr Schutzbrille tragen

  • Verschüttete Mengen sofort mit einem Putztuch aufnehmen

  • Mit Farben und Reinigungsmitteln durchtränkte Kleidung umgehend wechseln

  Weitere Informationen

  1. BG-Information 790-018"Verpackungstief- und Flexodruck mit Lösemittelfarben"

  2. BG-Infoblatt 542 "Reinigungsmittel für den Etikettendruck"