DGUV Information 215-830 - Einsatz von Fremdfirmen im Rahmen von Werkverträgen (...

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Abschnitt 2.2, 2.2 Auftragserledigung aus der Sicht des Frem...
Abschnitt 2.2
Einsatz von Fremdfirmen im Rahmen von Werkverträgen (bisher: BGI 865)
Titel: Einsatz von Fremdfirmen im Rahmen von Werkverträgen (bisher: BGI 865)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 215-830
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 2.2 – 2.2 Auftragserledigung aus der Sicht des Fremdunternehmers

Bild 2-6: Fremdfirmeneinsatz aus der Sicht des Fremdunternehmers

F 1Auftrag übernehmen

In der Praxis kommt es häufig vor, dass ein Auftrag übernommen wird, ohne dass sich der Fremdunternehmer ausreichend über die zu erwartenden Gegebenheiten am zukünftigen Arbeitsort vorher informiert. Zusätzliche Kosten, die häufig die Angebotsabgabe überschreiten, können die Folge sein.

Beispiel:Der Fremdunternehmer stimmt sich mit dem Auftraggeber telefonisch ab, einen vorhandenen Treppenturm als Aufstieg zum Arbeitsplatz zu verwenden. Als die Fremdfirmenmitarbeiter vor Ort kommen, ist der Treppenturm mittlerweile abgebaut worden. Sie benutzen eine abgestellte Stehleiter zum Aufstieg und Transport ihres Werkzeuges und des Arbeitsmaterials. Ein Mitarbeiter stürzt ab.

Vor Arbeitsaufnahme sollte der Fremdunternehmer

  • Ortsbesichtigungen vornehmen,

  • alle zeitlich und räumlich zusammentreffenden Arbeiten koordinieren

    und

  • Abstimmungsgespräche unmittelbar vor Auftragserledigung mit dem Auftraggeber und ggf. mit weiteren beteiligten Unternehmern führen.

Die Gefährdungsbeurteilung und das Treffen von Sicherheitsmaßnahmen sind vom Gesetzgeber vorgeschriebene Pflichten eines jeden Arbeitgebers.

Zu den Pflichten des Fremdunternehmers gehört es auch, geeignete Mitarbeiter für den Auftrag auszuwählen. Auswahlkriterien sind neben der fachlichen Kompetenz und der Zuverlässigkeit auch die gesundheitliche Eignung der Mitarbeiter.

So sind für spezielle Arbeiten, die z.B. mit Lärm oder Gefahrstoffen verbunden sind, arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen vorgeschrieben.

Für besondere Personengruppen (z.B. Jugendliche oder werdende Mütter) gelten Einschränkungen bzgl. Arbeitszeit, Arbeitsablauf, körperlicher Belastungen oder sogar Beschäftigungsverbote.

F 2"Arbeitsschutzbestimmungen für Fremdfirmen" beachten

Mit dem Abschluss von Verträgen werden dem Fremdunternehmer häufig Arbeitsschutzbestimmungen zugesandt. Diese Bestimmungen sind Vertragsbestandteil und somit verbindlich zu beachten.

Hat der Fremdunternehmer keine solchen Bestimmungen erhalten, sollte er sich vor Aufnahme seiner Arbeit erkundigen, ob es derartige Bestimmungen beim Auftraggeber gibt. In den Arbeitsschutzbestimmungen (Beispiel Anhang 2) sind u.a. betriebsinterne Regelungen des Arbeits-, Brand- und Umweltschutzes festgelegt.

Ungeachtet dieser Bestimmungen gehört es zu den Pflichten des Fremdunternehmers

  • Arbeitsmittel, wie Maschinen, Werkzeuge und Fahrzeuge, einzusetzen,

    die sich in einem sicherheitstechnisch einwandfreien Zustand befinden und für den Einsatzfall (z.B. Arbeiten in explosionsgefährdeten Bereichen) geeignet sind,

  • notwendige und geeignete persönliche Schutzausrüstungen

    zur Verfügung zu stellen und

  • sicherzustellen, dass die erforderlichen Einrichtungen

    zur Ersten Hilfe (Erste-Hilfe-Material) sowie Ersthelfer am Arbeitsort

    zur Verfügung stehen.

Die Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen wird in der "Fremdfirmenerklärung" bestätigt (Beispiel Anhang 2). In dieser Erklärung muss der Fremdunternehmer angeben, ob er Subunternehmer einsetzt.

Sofern Subunternehmer eingesetzt werden, ist der Fremdunternehmer als Hauptauftragnehmer für die Koordinierung (auch in Bezug auf den Arbeitsschutz im Rahmen der Ausführung der im Vertrag vereinbarten Arbeiten) verantwortlich.

F 3Auftragsverantwortlichen beim Auftraggeber erfragen

In der Regel wird der Auftraggeber einen Auftragsverantwortlichen einsetzen, welcher der Ansprechpartner der Fremdfirmenmitarbeiter ist.

Häufig kommt es vor, dass dieser gleichzeitig die Aufgaben eines Koordinators wahrnimmt.

F 4Verantwortlichen "vor Ort" festlegen und bekannt geben

Kann der Fremdunternehmer die Aufsicht vor Ort bei der Auftragserledigung nicht selbst wahrnehmen, muss er Pflichten auf einen geeigneten Beschäftigten (Verantwortlicher der Fremdfirma) übertragen. Mit der Übertragung müssen auch Entscheidungsvollmachten festgelegt werden.

Dazu gehören auch Weisungsbefugnisse gegenüber den ihm zugeteilten Mitarbeitern. Als Verantwortliche können z.B. Montageleiter, Gruppenleiter, Vorarbeiter oder Monteure eingesetzt werden. Der deutschsprachige Verantwortliche wird dem Auftraggeber bekannt gegeben (z. B. in der "Fremdfirmenerklärung", Beispiel Anhang 2).

Beispiel:Zwei Elektromonteure führen im Rahmen eines Werkvertrages Elektroarbeiten aus. Einer von beiden wurde als Verantwortlicher der Fremdfirma und damit als Ansprechpartner für den Auftraggeber benannt.

Der Verantwortliche der Fremdfirma hat auch die sichere Durchführung der Arbeiten zu überwachen (Einhaltung der "Arbeitsschutzbestimmungen für Fremdfirmen"). Ausreichende Kenntnisse und Erfahrung sind dafür Voraussetzung.

Um seiner Aufsichtspflicht nachzukommen, ist seine Anwesenheit während der Durchführung der Arbeiten grundsätzlich erforderlich. Ergeben sich Abweichungen vom geplanten Arbeitsablauf, so hat sich der Verantwortliche der Fremdfirma mit seinem Vorgesetzten und ggf. mit dem Auftragsverantwortlichen abzustimmen.

Zu seinen Aufgaben gehören u.a.,

  • den sicheren Arbeitsablauf abzustimmen und zu gewährleisten,

  • Unterweisungen der eigenen Mitarbeiter durchzuführen,

  • die Mitarbeiter dahingehend zu kontrollieren,

    dass diese die Sicherheitsanweisungen und -maßnahmen befolgen,

  • bei unvorhergesehenen Gefährdungen die Arbeiten einzustellen,

    bis die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt sind und

  • vor Benutzung von Einrichtungen (z. B. Gerüste, Leitern usw.)

    diese auf deren sicheren Zustand zu überprüfen bzw. überprüfen zu lassen.

Der Verantwortliche der Fremdfirma wird durch den Auftragsverantwortlichen eingewiesen. Er muss deshalb spätestens nach dem Eintreffen am Arbeitsort Kontakt mit den Auftragsverantwortlichen aufnehmen.

Die Unterweisung und Dokumentation kann anhand eines Unterweisungsprotokolls erfolgen (Beispiel Anhang 3). Der Verantwortliche verpflichtet sich zugleich, die erhaltenen Informationen an die eigenen Mitarbeiter in einer Unterweisung weiterzugeben.

F 5Zum Einsatz kommende Mitarbeiter/Subunternehmer unterweisen/einweisen

Der Verantwortliche der Fremdfirma hat - ggf. in Abstimmung mit dem Auftragsverantwortlichen - die zum Einsatz kommenden Fremdfirmenmitarbeiter sowie alle beauftragten Subunternehmer vor Arbeitsaufnahme einzuweisen.

Dazu stehen ihm die "Arbeitsschutzbestimmungen für Fremdfirmen" zur Verfügung. Die Unterweisung muss dokumentiert werden (Beispiel Anhang 6).

Werden von der Fremdfirma nicht ausreichend der deutschen Sprache mächtige Mitarbeiter eingesetzt, muss die Fremdfirma gewährleisten, dass diese Mitarbeiter die Arbeitsschutzbestimmungen eindeutig verstehen.

Bild 2-7: Unterweisen der Mitarbeiter durch den Verantwortlichen der Fremdfirma

F 6Ausweise empfangen

Fremdfirmenmitarbeiter müssen häufig vor Betreten eines Werksgeländes ein Anmeldeformular ausfüllen. Gleichzeitig werden ihnen Ausweise ausgehändigt, welche sichtbar zu tragen und nach Erledigung des Arbeitsauftrages oder beim Verlassen des Werksgeländes abzugeben sind. In der Praxis hat es sich aus Gründen des Arbeitsschutzes bewährt, dass die Fremdfirmenmitarbeiter zusätzlich, z. B. durch Tragen von farblich gekennzeichneten Schutzhelmen, eindeutig als Betriebsfremde erkannt werden.

Müssen Fahrzeuge im Werksgelände benutzt werden, ist eine Einfahrerlaubnis einzuholen. Der Fremdunternehmer sollte sich rechtzeitig mit dem Auftraggeber abstimmen, inwieweit Fahrzeuge besonderen Anforderungen (z. B. beim Befahren spezieller Bereiche) genügen müssen.

F 7Arbeitsablaufplan erstellen

Der Fremdunternehmer erstellt (bei Bedarf unter Einbeziehung des Auftragsverantwortlichen des Auftraggebers) anhand des Leistungsverzeichnisses unter Berücksichtigung sicherheitstechnischer Erfordernisse einen Arbeitsablaufplan.

F 8Gegenseitige Gefährdungen ermitteln und Sicherheitsmaßnahmen festlegen   +   

Auftraggeber und Fremdunternehmer sind zu einer Gefährdungsbeurteilung verpflichtet. Jeder beteiligte Arbeitgeber trägt die Verantwortung für die Sicherheit und den Gesundheitsschutz seiner Beschäftigten. Zur Ermittlung und Bewertung der möglichen Gefährdungen ist der Auftraggeber aufgefordert, den Fremdunternehmer bei der Gefährdungsbeurteilung bezüglich der betriebsspezifischen Gefahren zu unterstützen.

Der Verantwortliche der Fremdfirma muss sich deshalb vor Beginn der Arbeiten mit dem Auftragsverantwortlichen in Verbindung setzen und eine Gefährdungsbeurteilung am zukünftigen Arbeitsplatz durchführen. Die abgestimmten Sicherheitsmaßnahmen werden schriftlich fixiert (Beispiel Anhang 4) und liegen bei der Auftragsausführung vor.

Bild 2-8: Gemeinsames Festlegen der zu treffenden Sicherheitsmaßnahmen

 

F 9Koordinator (bei gegenseitigen Gefährdungen) in Abstimmung mit Fremdunternehmer festlegen und bekannt geben

Sind gegenseitige Gefährdungen möglich, muss ein Koordinator bestimmt werden, welcher die Arbeiten aufeinander abstimmt. In der Regel ist dieser Koordinator vom Auftraggeber eingesetzt und dem Fremdunternehmer mitgeteilt worden. In vielen Fällen wird die Koordination gleichzeitig durch den Auftragsverantwortlichen wahrgenommen.

Beispiel:Der Monteur einer Fremdfirma befindet sich zur Wartung einer Mischanlage für Wasser und Metallpulver in einem Wiegebehälter. Im Wiegebehälter ist ein Rührwerk installiert, das im Normalbetrieb ein Verklumpen der Ansatzmischung verhindert. Während der Reinigungsarbeiten wird die Befüllung der Ansatzwaage versehentlich durch einen Mitarbeiter des Auftraggebers eingeleitet und das Rührwerk gestartet. Der Monteur wird vom Rührwerk erfasst und ertrinkt in dem einströmenden Wasser.

Der Unfall hätte verhindert werden können, wenn sich Auftraggeber und Fremdunternehmer vor Beginn der Arbeiten abgestimmt hätten.

Dazu gehören

  • Arbeitsbeginn und Arbeitsende der Instandhaltungsarbeiten festlegen,

  • Koordinator bekannt geben,

  • Sicherheitsmaßnahmen festlegen und durchführen

    (z. B. Anlage gegen Wiedereinschalten sichern) und

  • die Fremdfirmenmitarbeiter sowie die Bedienpersonen der Anlage auftragsbezogen unterweisen.

Der eingesetzte Koordinator muss bezüglich Sicherheit und Gesundheitsschutz weisungsbefugt sein. Um alle Unklarheiten vorab zu beseitigen, sollten alle betroffenen Mitarbeiter rechtzeitig darüber informiert werden. Trotz Weisungsbefugnis des Koordinators bleiben Auftraggeber und Fremdunternehmer für ihre Mitarbeiter zuständig und verantwortlich. Sie haben im eigenen Bereich die Aufsichtspflicht.

Damit der eingesetzte Koordinator ein sicheres Arbeiten gewährleisten kann, muss er mit dem Gefährdungspotenzial beider Seiten (Auftraggeber und Fremdfirma) vertraut sein (gegenseitige Information). Sollte es Anzeichen für gegenseitige Gefährdungen geben, ist der Koordinator rechtzeitig, z.B. schon bei einer ersten Ortsbesichtigung, einzubeziehen. Der Fremdunternehmer darf sich nicht darauf verlassen, dass der Auftraggeber schon alle notwendigen Vorkehrungen zur Gewährleistung von Sicherheit und Gesundheit treffen wird.

Die Notwendigkeit eine Koordination abzuklären besteht bereits dann, wenn ein einzelner Fremdfirmenmitarbeiter eingesetzt wird. Vergibt der Fremdunternehmer Teilaufträge an Subunternehmer, muss er diese in die Koordination einbeziehen.

F 10Aufsichtführenden (bei besonderen Gefahren) in Abstimmung mit Fremdunternehmer festlegen und bekannt geben

Werden Tätigkeiten mit besonderen Gefahren durchgeführt, muss ein Aufsichtführender eingesetzt werden.

Der Verantwortliche der Fremdfirma sollte sich diesbezüglich mit dem Auftragsverantwortlichen abstimmen.

F 11Im Arbeitsbereich anmelden

Wenn die Fremdfirmenmitarbeiter das Werksgelände des Auftraggebers bzw. den Arbeitsbereich betreten, müssen sie sich anmelden. Dies gilt auch für Mitarbeiter von Kleinbetrieben.

Die Anmeldung muss auch erfolgen, wenn sie bereits einen Werksausweis erhalten haben. Die Anmeldung erfolgt z.B. beim Pförtner, durch Einfinden der Fremdfirmenmitarbeiter an vorgegebenen Meldepunkten oder durch Anmeldung im jeweiligen Arbeitsbereich.

Analog gilt eine Abmeldepflicht beim Verlassen des Arbeitsbereiches.

F 12Mitarbeiter auftragsbezogen unterweisen

Ergänzend zur allgemeinen Unterweisung (siehe F 5), müssen die Mitarbeiter der Fremdfirma über Gefährdungen, die während der Ausführung eines Werkvertrages entstehen können und über die festgelegten Sicherheitsmaßnahmen sowie über das Verhalten im Gefahrenfall unterwiesen werden.

Die Unterweisung ist vor Ort durchzuführen und zu dokumentieren (Beispiel Anhang 6).

Die Dokumentation soll die angesprochenen Themen, den Namen des Unterweisers und die Namen der Unterwiesenen enthalten. Die Teilnahme an der Unterweisung ist durch Unterschrift zu bestätigen.

Die Unterweisung wird in der Regel der Verantwortliche der Fremdfirma vornehmen.

Hinweis:

In der Praxis kommt es vor, dass der Auftraggeber die Dokumentation der Unterweisung abfordert, wenn sich ein Unfall ereignet hat.

F13Auftrag durchführen und getroffene Sicherheitsmaßnahmen kontrollieren

Der Verantwortliche der Fremdfirma muss überprüfen, ob die festgelegten Sicherheitsmaßnahmen eingehalten und die Arbeiten sicherheitsgerecht durchgeführt werden. Die Mitarbeiter haben dazu eine Mitwirkungspflicht.

Sie sind verpflichtet, sich bei ihren unmittelbaren Vorgesetzten, beim Verantwortlichen oder bei der Fachkraft für Arbeitssicherheit zu melden, wenn festgelegte Sicherheitsmaßnahmen nicht eingehalten werden bzw. eingehalten werden können.

Der Verantwortliche der Fremdfirma muss danach in Zusammenarbeit mit dem Auftragsverantwortlichen bzw. dem Koordinator festlegen, ob unverzüglich neue oder angepasste Sicherheitsmaßnahmen möglich sind, ohne die Tätigkeit zu unterbrechen.

F14Ergebnis kontrollieren

Vom Fremdunternehmer sollte neben der Erfüllung des abgeschlossenen Vertrages auch geprüft werden, ob die Auftragsausführung reibungslos verlief.

Besonders für weitere Aufträge ist es wichtig zu wissen, inwieweit Planung, Organisation und Ausführung ähnlich ablaufen können oder Veränderungen notwendig werden.

So sollte überprüft werden, ob zu jedem Zeitpunkt die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter garantiert werden konnte. Für die Ergebniskontrolle kann die Checkliste im Anhang 8 eingesetzt werden.