DGUV Information 213-018 - Papierherstellung und Ausrüstung Sichere Maschinen un...

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Abschnitt 3.6, Gefährdung durch Einziehen
Abschnitt 3.6
Papierherstellung und Ausrüstung Sichere Maschinen und Anlagen Teil 1 Gemeinsame Anforderungen (bisher: BGI 860-1)
Titel: Papierherstellung und Ausrüstung Sichere Maschinen und Anlagen Teil 1 Gemeinsame Anforderungen (bisher: BGI 860-1)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-018
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.6 – Gefährdung durch Einziehen

EN 1034-1, Abschnitt 5.4 (§§ 6, 7 und 8 VBG 7r)

EN 1034-3, Abschnitt 5.20.1

Bild 9 Ganz offensichtlich ist zwischen den beiden Walzen der erforderliche Sicherheitsabstand von 500 mm nicht eingehalten. Die Einlaufstelle muss gesichert werden z.B. durch Verwehren des Zugangs in den Gefahrbereich.

Die am häufigsten auftretende Gefahr an Maschinen der Papierherstellung und Ausrüstung ist neben der Absturzgefahr wohl die Einzugsgefahr an Einlauf- und Auflaufstellen. Nach EN 294 ist Einzugsgefahr für den menschlichen Körper nicht vorhanden, wenn ein Sicherheitsabstand von mindestens 500 mm zwischen drehenden Teilen oder einem drehenden Teil und einem festen Teil (Bild 1 der EN 1034-1) eingehalten wird. Da der Sicherheitsabstand nach oben zu Gefahrstellen 2,50 m bzw. 2,70 m (je nach Höhe des Risikos) beträgt, dürfen Einlaufstellen nur dann ohne Schutzeinrichtung betrieben werden, wenn sie höher liegen. Bei einer Risikobetrachtung kommt man zu der Überlegung, dass wohl kein menschlicher Körper 2,50 m über einer Standfläche noch eine Körperbreite von 500 mm besitzt. Aus diesem Grund wurde der notwendige Sicherheitsabstand in einer Höhe über 2,00 m auf mindestens 300 mm (altes Maß: ≥ 200 mm!) festgelegt. Am Beispiel einer Abrollung wird dies in Bild 6 der EN 1034-3 dargestellt. Der im gleichen Bild gezeigte Abstand von 200 mm unterhalb der Papierrolle wird an anderer Stelle erläutert.

Geeignete Profile für Schutzstangen werden in Bild 3 der EN 1034-1 gezeigt. Bei der Auswahl spielt die Breite der Maschine, also die Länge der Schutzstange, eine maßgebende Rolle, wobei auch an möglicherweise auftretende Schwingungen gedacht werden muss. Nicht ohne Grund weicht die maximal zulässige Spaltweite mit 8 mm (Bild 3 der EN 1034-1) von den zulässigen Werten in C-Normen für andere Gewerbezweige ab. Pr EN 1010 für Druck und Papierverarbeitung lässt nur einen Spalt von 6 mm, die Metallverarbeitung sogar nur 4 mm zu.

Auflaufstellen von Sieben und Filzen auf Walzen bringen Einzugsgefahr mit sich. Der Zugriff zu diesen Stellen muss deshalb verwehrt werden. Besonders gefährlich sind Außenwalzen. Da sie Kontakt mit der Papierseite der Bespannung haben, belegen sie häufig oder packen sogar ein und müssen gereinigt werden. Die beste Maßnahme ist das Vermeiden von Außenwalzen bei der Konstruktion. Ist dies nicht realisierbar und kann die Walze nicht so in der Maschine angeordnet werden, dass der Auflauf nicht erreicht werden kann, muss die Auflaufstelle maschinenbreit durch eine Schutzstange gesichert werden. Eine Absicherung sollte auch dann erfolgen, wenn ein Sicherheitsabstand in der Höhe eingehalten ist. Sieht ein Papiermacher, dass eine Außenwalze belegt oder eingepackt ist, wird er versucht sein, die Walze zu reinigen, ohne vorher die Maschine abzustellen. Das Unfallgeschehen zeigt immer wieder, dass manche Mitarbeiter dieser Versuchung nicht widerstehen können, deshalb eingezogen werden und schwerste bis tödliche Verletzungen erleiden.

Bild 10 Der Auflauf des Filzes auf die Walze ist maschinenbreit gesichert.

Bild 11 Eine seitliche Verdeckung verwehrt den Zugriff zum Siebauflauf von einem Laufsteg aus.

Können Auflaufstellen von der Stirnseite der Walze her erreicht werden, z.B. von einem Laufsteg aus, muss der Zugriff von dort aus durch eine ausreichend große (siehe EN 294) seitliche Verdeckung verwehrt werden. Bei der Gestaltung sollte bedacht werden, ob der Schutz bei Filz- oder Siebwechsel entfernt werden muss. Ist er so ausgeführt, dass man ihn beim Wechsel nicht abschrauben muss, kann das Wiederanbringen nach dem Bespannungswechsel auch nicht vergessen werden.

Zur seitlichen Absicherung von Auflaufstellen haben sich im Nassbereich von Papiermaschinen auch kurze Schutzstangen (Füllformstücke) zwischen Sieb und Walze anstelle von seitlichen Verdeckungen bewährt, da diese beim Bespannungswechsel nicht entfernt werden müssen. Nachteilig wirkt sich dagegen aus, dass sich Stoff ansetzen kann, der beim Lösen zu Fehlstellen in der Bahn führen kann.

Bild 12 Der seitliche Schutz des Filzauflaufs kann untergriffen werden. Weiterhin verwehrt er nicht den Zugang in die Maschine.

Der in Bild 12 gezeigte Schutz ist als Schutzeinrichtung nicht ausreichend, da Sicherheitsabstände nach EN 294 nicht eingehalten sind. Der Zugriff zum Filzauflauf unter dem Schutz hindurch ist noch möglich.

Die Schutzeinrichtung ist an der linken Seite mit Scharnieren und an der rechten mit einer Schraube befestigt. Nach Lösen der Schraube lässt sich die Schutzeinrichtung öffnen und der Bereich innerhalb der Maschine ist wie ein Querlaufsteg begehbar, was z.B. das Beseitigen von Ausschuss, Einstellarbeiten oder Kontrolltätigkeiten erlaubt.

Aufgrund der großen Lücke zwischen Boden und Schutzeinrichtung ist jedoch vorhersehbar bzw. nicht ausgeschlossen, dass Mitarbeiter möglicherweise bei laufender Maschine auch ohne den Schutz zu öffnen unter ihm in die Maschine kriechen.

Wird für die vorliegende Gefahrstelle eine Risikoanalyse durchgeführt, kommt man zu dem Ergebnis, dass eine normgerechte Verdeckung - ausreichend groß und so nahe wie möglich am Auflauf des Filzes auf die Walze - als Schutzeinrichtung ausreichend wäre. Der Zugang in die laufende Maschine selbst führt nämlich zu keiner weiteren Gefährdung, da der Abstand der Walze zum Fußboden größer als 500 mm ist und damit auch keine Einzugsgefahr für den Körper besteht.