DGUV Information 213-018 - Papierherstellung und Ausrüstung Sichere Maschinen un...

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Abschnitt 3.11, Not-Aus-Einrichtung
Abschnitt 3.11
Papierherstellung und Ausrüstung Sichere Maschinen und Anlagen Teil 1 Gemeinsame Anforderungen (bisher: BGI 860-1)
Titel: Papierherstellung und Ausrüstung Sichere Maschinen und Anlagen Teil 1 Gemeinsame Anforderungen (bisher: BGI 860-1)
Normgeber: Bund
Amtliche Abkürzung: DGUV Information 213-018
Gliederungs-Nr.: [keine Angabe]
Normtyp: Satzung

Abschnitt 3.11 – Not-Aus-Einrichtung

EN 1034-1, Abschnitt 5.7 (§ 11 VBG 7r)

Der Konstrukteur muss auf Grund der Risikoanalyse Gefahrstellen an seiner Maschine oder Anlage vermeiden oder, wenn dies nicht möglich ist, durch geeignete Schutzeinrichtungen sichern. Not-Aus-Einrichtungen gehören aber nicht zu den Schutzeinrichtungen, sondern sind entsprechend der Definition in Abschnitt 6 der EN 292-2 zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen, um unmittelbare oder drohende Gefährdungssituationen abzuwenden. Das durch Betätigen der Not-Aus-Einrichtung zu erreichende Schutzziel muss sein, an der gesamten Maschine oder Anlage alle gefahrbringenden Bewegungen (EN 1034-1) und Zustände (EN 60 204-1) so schnell wie möglich zu beenden, ohne neue Gefährdungen zu erzeugen. Da das Öffnen eines Walzennips die Einzugsgefahr vergrößert, darf das Auseinanderfahren erst erfolgen, wenn die Einzugsgefahr nicht mehr besteht, die Walzen also fast zum Stillstand gekommen sind. Bei welcher Rotationsgeschwindigkeit dies der Fall ist, hängt unter anderem auch von der Öffnungsgeschwindigkeit der Walzen ab und ist im jeweiligen Einzelfall festzulegen.

Bild 25 Das klassische Not-Aus-Befehlsgerät ist der rote Pilztaster, gelb unterlegt. Der Missbrauch des Schaltkastens als Ablage sollte jedoch nicht zugelassen werden.

Als Befehlsgerät für die Not-Aus-Einrichtung kommt an erster Stelle der rote Pilztaster (Bild 25) in Betracht, aber auch rote Reißleinen, Schaltbügel oder Schaltleisten dürfen dazu verwendet werden. Die Anordnung eines Pilztasters soll im Bereich zwischen 0,6 m und 1,9 m über der Standfläche erfolgen, weitere Anforderungen ergeben sich aus den in Abschnitt 5.7 der EN 1034-1 genannten Normen.

Bei großen Maschinen und Anlagen, die sich über mehrere Stockwerke erstrecken können, sind die Befehlsgeräte für Not-Aus von der Schaltwarte aus nicht zu überblicken. Wurde ein Not-Aus-Befehl - beabsichtigt oder unbeabsichtigt - ausgelöst, ist es für den Operator zeitaufwendig herauszufinden, an welcher Stelle dies erfolgt ist, wenn nicht eine Rückmeldung zum Schaltpult mit Ortsangabe vorhanden ist.

Befehlsgeräte sollten so angeordnet werden, dass sie nicht unbeabsichtigt betätigt werden. Bild 26 zeigt dafür eine gute Lösung an einer Papiermaschine: Der Pilztaster liegt nicht im direkten Arbeitsbereich, wird aber im Notfall dank der Beschriftung auf der Säule leicht zu finden sein.

Bild 26 Der rote Pilztaster ist durch seine Lage gegen unbeabsichtigtes Betätigen geschützt, auf der Säule wird gut erkennbar auf ihn aufmerksam gemacht.

Bei der Verwendung von Reißleinen oder Schaltbügeln muss darauf geachtet werden, dass die Schalter, die auf die Leine oder Bügel wirken, nach einer Betätigung auch wieder entriegelt werden müssen. Sie sind deshalb so anzuordnen, dass sie von sicheren Standplätzen aus erreichbar sind. Die Entriegelung darf nicht zum Wiederanlauf der Maschine führen, dazu muss nach der Entriegelung bewusst ein Startbefehl gegeben werden.

Stellteile für den Not-Aus-Befehl können bei geringen Leistungen auch Netz-Trenneinrichtungen sein. Dann sind auch diese mit roter Handhabe und gelb hinterlegt oder mit gelbem Kragen auszuführen und müssen auch die Anforderungen für die Not-Aus-Einrichtungen erfüllen. So genannte Sicherheitsschalter, die nur für Wartungsarbeiten Teilbereiche spannungsfrei schalten, müssen in anderen Farben ausgeführt sein, z.B. mit schwarzer Handhabe und grauem Gehäuse (EN 60204-1).